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Inoperabler Lungenkrebs

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Geschrieben von Dr. med. Danny Jazmati

Die Operation gilt als Standardtherapie, insbesondere bei frühem Lungenkrebs . Das verursacht bei Patienten, die als nicht operabel eingestuft werden, häufig große Angst, da sie denken, es würde nur noch die zweitbeste Therapie zur Verfügung stehen.

Dies ist aber entsprechend aktueller, großer Studien nicht der Fall. Die Lebenserwartung ist zwischen Strahlentherapie und Operation aber vergleichbar.

Wenn der Krebs zu groß ist oder an einer schwierigen Stelle liegt, kann man ihn oft nicht operieren. Leider neigen größere Tumore dazu, etwas hartnäckiger zu sein und können schwieriger zu behandeln sein. Damit ist die Lebenserwartung häufig bei in-operabelen Tumoren schlechter.

Gleichwertigkeit von Operation und Strahlentherapie

In den Stadien 1 und 2, wenn der Tumor noch auf die Lunge begrenzt ist oder sich kleine Lymphknotenmetastasen am Rande des Tumors befinden, ist die Operation zwar der etablierte Standard, die Strahlentherapie ist aber in allen klinischen Studien gleichwertig einzuschätzen.

In einer großen, vergleichenden Studie zeigte sich kein Unterschied zwischen einem modernen Operationsverfahren und einer modernen, zielgerichteten Strahlentherapie.

Darüber hinaus scheint die Strahlentherapie insbesondere bei Patienten mit Risikofaktoren für eine Operation, insbesondere Einschränkungen der Lungenfunktion, deutlich besser verträglich zu sein.

Eine Strahlentherapie kann sogar dann durchgeführt werden, wenn die Lungenfunktion des Patienten so schlecht ist, dass noch nicht mal eine Gewebeprobe entnommen werden kann, ohne dass die Gesundheit des Patienten zu stark gefährdet werden würde.

 

Therapieoptionen im Stadium 3

Im Stadium 3, wenn der Tumor also etwas weiter fortgeschritten ist, jedoch noch nicht über die Blutbahn gestreut hat, stellen eine Operation und eine Strahlentherapie gleichwertige Therapieoptionen dar. Es gibt zwei große Studien, die die Rolle der Operation mit der Rolle der Radiochemotherapie verglichen haben.

Dies war einmal die Essener EsPaTü-Studie und die amerikanische ALBAIN-Studie und beide konnten zeigen, dass in diesem Stadium Operation und Radiochemotherapie vergleichbare Ergebnisse brachten.

Der Unterschied zum gegenwärtigen klinischen Standard und den beiden Studien ist, dass in den Studien die Patienten, die operiert wurden, vorab auch eine niedriger dosierte Strahlentherapie erhalten hatten.

 

Vorgehen bei der Wahl der Therapie

Heute geht man folgendermaßen vor: Zunächst wird geprüft, ob der Patient aus medizinischen Gesichtspunkten operabel ist. Eine schwere Grunderkrankung kann in vielen Fällen dazu führen, dass eine Operabilität, insbesondere in Zusammenschau mit der sehr großen Operation, nicht mehr möglich ist. Als nächstes wird die Lungenfunktion geprüft, ob diese eine Operation zulässt und danach wird das Ausmaß der Operation geprüft.

Ist für eine Operation lediglich erforderlich, dass ein Lungenlappen entfernt wird, scheint nach den amerikanischen Daten die Operation der Strahlentherapie leicht überlegen zu sein.

Bei größeren Operationen scheint es keinen Vorteil für die Operation zu geben. In beiden Fällen scheint die Immuntherapie im Anschluss an die Behandlung eine wesentliche Rolle zu spielen.

 

Therapie bei metastasierten Patienten

Bei metastasierten Patienten ist eine Operation im Beginn der Therapie häufig nicht zielführend, da der Tumor bereits Anschluss an das lokale Blutsystem hatte, einzelne Tumorzellen in die Blutbahn gelangt sind und von der Blutbahn in weitere Organe gestreut wurden.

Eine Operation, die nur einen lokalen Effekt bewirkt, ist bei einer so systemischen Erkrankung in der Regel nicht mehr sinnvoll. Deshalb wird eine systemische Therapie, also eine Therapie, die im Blut und im gesamten Körper wirkt, verwendet. Dies ist einerseits die Chemotherapie und andererseits auch die Immuntherapie.

Es gibt hier auch amerikanische Daten (GOMEZ-Studie), in der gezeigt werden konnte, dass wenn in diesem Stadium die systemische Therapie mit einer lokalen Operation oder Strahlentherapie verbunden wird, deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden.

In dieser Studie wurde bei Patienten, die nach drei Zyklen ein Ansprechen auf die systemische Therapie hatten, eine lokale Therapie (Operation oder Strahlentherapie) durchgeführt und das Überleben war mehr als dreifach höher in der Therapiegruppe, die auch eine lokale Therapie hatte.

Dies kann verschiedene Ursachen haben. Wichtig ist jedoch darauf hinzuweisen, dass alle Patienten in der Studie ein Ansprechen auf die systemische Therapie hatten.

 

Behandlung von Hirnmetastasen

Eine weitere Möglichkeit zur Operation im metastasierten Stadium sind Hirnmetastasen. Man geht bei Hirnmetastasen folgendermaßen vor: Wenn diese besonders groß sind oder symptomatisch sind, würde man eher zu einer Operation neigen, in anderen Fällen würde man eher eine gezielte, präzise Strahlentherapie (stereotaktische Strahlentherapie) durchführen.

Eine Ganzhirnbestrahlung gerät in der aktuellen Therapieempfehlung immer mehr in den Hintergrund, in Zusammenschau mit den großen kognitiven Beeinträchtigungen als Folge der Ganzhirnbestrahlung.

Die amerikanische Leitlinie lässt sogar bei 10 bis 15 Hirnmetastasen noch eine gezielte Bestrahlung dieser Herde zu.

Zusammenfassung

In der Zusammenfassung ist eine fehlende Operabilität häufig nicht mit einem schlechteren onkologischen Ergebnis verbunden. Die Lebenserwartung ist aber häufig schlechter. Die moderne Strahlentherapie erreicht in allen Risikostufen vergleichbare onkologische Ergebnisse.

Letzte Änderung: 10. September 2023

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