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Delirium

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Deliriums?

Das Delir ist ein akutes und komplexes Syndrom, das auf einer organischen Hirnschädigung beruht. Es ist reversibel und dauert nicht länger als sechs Monate lang an. Es ist gekennzeichnet durch eine Störung des Bewusstseins, der kognitiven Funktionen, der Psychomotorik, des Schlaf – Wach – Rhythmus und der Emotionalität.

Wissenswert

Das Delir betrifft 1-2 % der Allgemeinbevölkerung. Der Großteil der Betroffenen, etwa 70 %, sind älter als 65 Jahre. 30-40 % aller Krankenhauspatienten, die älter als 65 Jahre alt sind, entwickeln im Verlauf ihres Aufenthaltes ein Delir. Auf Intensivstationen entwickelt fast jeder dritte Patient ein Delir und ca. 80 % der dort maschinell beatmeten Patienten.

Operationen, wie die Kardiotomie oder ein Hüftgelenksersatz, haben ein besonders hohes Risiko für die Entstehung eines postoperativen Delirs. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung eines Delirs sind ein hohes Alter, eine Demenz , der Konsum von Alkohol oder anderen Drogen, ein früheres bereits durchlebtes Delir, schwerwiegende Vorerkrankungen und psychische Veränderungen. Inwiefern das Alter als alleinstehender Risikofaktor zu werten ist, ist umstritten, da es sich lediglich um eine Scheinkorrelation handeln kann.

Da das Risiko einer Demenzerkrankung im Alter zunimmt und eine bestehende Demenz das Risiko der Entwicklung eines Delirs erhöht, steht das Alter ebenfalls mit dem Delir in Korrelation. Auch der Zusammenhang zwischen einem Delir und einer Demenz ist wechselseitig. Denn das Delir führt zu Schäden der Gehirnsubstanz, die zu einer eingeschränkten Kognition führen und im Verlauf eine Demenzentwicklung begünstigen kann.

Die genaue Entstehung eines Delirs ist noch weitgehend unklar, jedoch kommt es durch sogenannte „Stressoren“ zu einer Störung des Hirnstoffwechsels. Es wird vermutet, dass ein Ungleichgewicht der Signalüberträger im Gehirn vorliegt, mit einem Überschuss an Dopamin und einem Verlust an Acetylcholin. Darüber hinaus geht man davon aus, dass es zu direkten Hirnschäden, einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung und einer Entzündungsreaktion im Gehirn kommt. Diese Entzündungsreaktion mit den dadurch entstehenden Schäden im Gehirn stellt möglicherweise eine Ursache für das erhöhte Risiko einer späteren Demenzentwicklung dar.

Alle Faktoren, die einen psychischen oder körperlichen Stress auf den Patienten ausüben, können ein Delir auslösen und werden als „Stressoren“ bezeichnet. Häufige körperliche Stressoren, die im Rahmen von Krankenhausaufenthalten beobachtet werden, sind:

  • Eine Unterernährung oder eine Dehydrierung (Exsikkose)
  • Ein Harnverhalt
  • Hirnveränderungen, wie ein Hirntumor , eine Hirnblutung oder ein Hirninfarkt
  • Schädigungen des Herzens, wie ein Herzinfarkt oder ein Schockzustand mit erhöhter Herzfrequenz (Tachykardie) und erniedrigtem Blutdruck (Hypotonie)
  • Infektiöse Komplikationen wie Fieber , eine Hirnhautentzündung (Meningitis ), eine Lungenentzündung (Pneumonie) oder ein Harnwegsinfekt
  • Stoffwechselveränderungen, wie eine Unter- (Hypoglykämie) oder Überzuckerung (Hyperglykämie), Elektrolytveränderungen, eine Schilddrüsenunter- (Hypothyreose) oder eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), eine Leberinsuffizienz oder eine Niereninsuffizienz
  • Ein Sauerstoffmangel bedingt durch eine Blutarmut (Anämie ), eine Lungenembolie oder eine Herzinsuffizienz
  • Ein Trauma mit starken körperlichen Verletzungen
  • Operationen
  • Vergiftungen
  • Entzugssymptomatik
  • Medikamente wie Antidepressiva, Antihistaminika, Parkinsonmedikamente oder Antipsychotika

Psychische Stressfaktoren, die mit der Entstehung eines Delirs in Zusammenhang stehen, sind Schmerzen, Schlafstörungen , ein eingeschränktes Hör- und Sehvermögen oder eine Isolation mit Immobilisierung. Des Weiteren begünstigt ein häufiger Ortswechsel mit wechselnden Bezugspersonen und eine Fixierung an das Bett ein Delir. All diese Stressfaktoren führen zu einem Verlust der Orientierung und der Kontrolle und einer daraus resultierenden Hilflosigkeit.

Was sind die Symptome eines Deliriums?

Das Delir beginnt akut und kann einen schwankenden Verlauf nehmen. Typisch sind Schwankungen im Tagesverlauf. Die Dauer der Symptome ist auf sechs Monate begrenzt. Erste Anzeichen eines beginnenden Delirs sind eine Unruhe und Angstzustände.

Die Aufmerksamkeit, das Bewusstsein und die Wahrnehmung inklusive der Emotionen sind gestört. Zusätzlich kann es zu Störungen der Stimmung, in Form von Aggressivität, Angstzuständen, depressiven Verstimmungen oder Euphorie, kommen. Die Patienten sind stark beeinflussbar (erhöhte Suggestibilität) und lassen sich von Gedanken leiten, die im Widerspruch mit der Realität stehen. So kann der Patient dazu aufgefordert werden, einen nicht existierenden Faden zu greifen und er wird dies, ohne zu hinterfragen, tun. Es kommt zu Wahrnehmungsstörungen mit optischen, selten auch akustischen, Halluzinationen . Die Auffassungsfähigkeit ist stark herabgesetzt. Denkstörungen präsentieren sich durch unlogische oder sprunghafte Denkabläufe.

Wie wird das Delirium diagnostiziert?

Die Diagnostik sollte dazu dienen, schnellstmöglich die Ursache des Delirs festzustellen, da ein Delir unbehandelt zu weitreichenden Komplikationen bis hin zum Tod führen kann.

Untersuchung Delir

Ein Gespräch mit den Angehörigen kann Antworten auf die Frage nach vorbestehenden Erkrankungen und Operationen, nach der Einnahme von Medikamenten und Drogen oder nach bestehenden Risikofaktoren geben.

Es existieren verschiedene Screening Methoden, unter anderem die CAM (Confusion Assessment Method), die CAM-ICU für Intensivstationen oder verschiedene Checklisten, die in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen.

In der körperlichen Untersuchung geben die Vitalparameter (Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Temperatur, EKG, Sauerstoffsättigung) und die Beurteilung der Flüssigkeitsaufnahme Hinweise auf die zugrundeliegende Ursache. Auch neurologische Symptome sollten überprüft werden.

Als Teil der Standarddiagnostik werden eine Auswahl an Blutwerten bestimmt und eine Urinprobe entnommen. Die wegweisenden Blutwerte sind:

  • Blutzucker zum Ausschluss einer Unter- (Hypoglykämie) oder Überzuckerung (Hyperglykämie)
  • kleines Blutbild zur Bewertung aller Blutzellen
  • Nierenwerte (Kreatinin, Elektrolyte, Harnstoff) zur Einschätzung der Nierenfunktion
  • Leberwerte (ALT, AST, GGT) zur Einschätzung der Leberfunktion
  • Entzündungswerte (CRP, Procalcitonin) als Zeichen einer Infektion
  • Schilddrüsenwerte (TSH) zum Ausschluss einer Schilddrüsenüber- (Hyperthyreose) oder Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Bauchspeicheldrüsenwerte (Amylase, Lipase) zum Ausschluss einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Herz- und Muskelwerte (CK, Troponin, CK-MB) zum Ausschluss eines Herzinfarktes (Myokardinfarkt)
  • Gerinnungsparameter zur Einschätzung des Risikos einer Blutung oder einer Thrombose

Je nach Verdachtsdiagnose können sich weitere Untersuchungen anschließen. Hierzu zählen ein EKG, eine Ableitung der Hirnströme (EEG), eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquordiagnostik) oder auch eine CT- oder MRT-Untersuchung.

Sind die folgenden sechs Diagnosekriterien zutreffend, kann ein Delir nach ICD – 10 diagnostiziert werden:

Störung des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit

Es liegt eine Störung des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit vor. Bewusstseinsstörungen unterteilt man in quantitative und qualitative Störungen. Quantitativ werden die Störungen in Schweregrade, von einer leichten Bewusstseinsminderung bis hin zum Koma, unterteilt. Qualitative Bewusstseinsstörungen bezeichnen die Art der Störung. Hier kann eine Eintrübung des Bewusstseins, eine Einengung oder eine Bewusstseinsverschiebung vorliegen.

Störung der Wahrnehmung und der Kognition

Die Wahrnehmung und die Kognition sind gestört. Insbesondere das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen. Das Langzeitgedächtnis bleibt meistens erhalten. Die Betroffenen verfügen über einen Verlust der zeitlichen Orientierung. Selten kann auch die Orientierung bezüglich des Ortes, der Situation oder der eigenen Person fehlen.

Störung der Psychomotorik

Es liegt mindestens einer der nachfolgenden Hinweise auf eine Störung der Psychomotorik vor:

  • Die Aktivität des Patienten ist entweder stark erhöht oder vermindert. Je nach Aktivität kann man ein hypoaktives von einem hyperaktiven Delir unterscheiden, wobei es auch zu abrupten Wechseln zwischen beiden Formen kommen kann.
  • Die Reaktionsgeschwindigkeit der Patienten ist verlangsamt
  • Die Sprechgeschwindigkeit kann verlangsamt oder erhöht sein
  • Der Betroffene ist sehr schreckhaft

Störung des Schlafrhythmus

  • Der Tag-Nacht-Rhythmus ist umgekehrt. Die Patienten schlafen tagsüber und sind nachts schlaflos.
  • Nachts kommt es zu einer Verschlimmerung der Symptome
  • Es treten gehäuft Albträume auf, die sich nach dem Wachwerden als Halluzinationen fortsetzen können

Die Symptome beginnen akut und schwanken im Tagesverlauf.

Die ärztliche Untersuchung gibt Hinweise auf eine organische Ursache und die Wirkung von Medikamenten wird als Ursache ausgeschlossen.

Therapie bei Delirium

Die bestmögliche Therapie besteht in der Identifikation und Beseitigung der zugrundeliegenden Ursache. Die Gabe von Flüssigkeit ist fast immer notwendig, da eine Dehydrierung die häufigste Ursache für ein Delir bei alten Menschen darstellt. Eine Fixierung der Patienten sollte so lange wie möglich vermieden werden, da dies ein eigenständiger Risikofaktor für die Entstehung eines Delirs darstellt. Drohen eine Selbst- und eine Fremdgefährdung, dient die Fixierung des Patienten am Bett als Schutzmaßnahme.

Hinweis

Alle Medikamente, die der Patient aufgrund von anderen Vorerkrankungen einnimmt, sollten auf ihr Potenzial ein Delir auszulösen überprüft werden.

Nicht-medikamentöse Therapieoptionen helfen, die deliranten Symptome zu lindern und sollten ebenfalls zur Prophylaxe weiterer deliranter Zustände zur Anwendung kommen. Um die Orientierung wiederherzustellen, hilft es eine entspannte Umgebung mit Orientierungshilfen, wie beispielsweise einer Uhr, zu schaffen. Wenn möglich, sollte immer das gleiche Pflegepersonal für den Patienten zuständig sein. Das Zimmer sollte nicht gewechselt oder umgeräumt werden. Um einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus zu garantieren, sollten die Patienten tagsüber durch eine Ergo- oder Physiotherapie aktiviert werden und nachts mithilfe von Licht- und Lärmregulierungen schlafen. Hat der Patient Hör- oder Seheinschränkungen, kann es hilfreich sein, ein Hörgerät oder eine Sehhilfe zu verschreiben.

Zusätzlich können Medikamente in die Therapie einbezogen werden. Zum Einsatz kommen sie, wenn die Symptome zu einer Eigen- oder Fremdgefährdung führen. Sie führen nicht zu einer Heilung des Delirs, sondern mildern lediglich die Symptomatik. Mittel der Wahl sind die Antipsychotika. Bei ausgeprägten Erregungszuständen stellen die Benzodiazepine die letzte Therapiemöglichkeit dar.

Wie ist die Prognose eines Deliriums?

Da das Delir oft bei bereits vorerkrankten, älteren Menschen auftritt, hat das Delir einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf dieser Erkrankungen. Die Sterblichkeit liegt bei etwa 30 %, wenn das Delir unbehandelt bleibt. Wird es behandelt, so sinkt die Sterblichkeit auf 1-2 %.

Des Weiteren erschwert das gleichzeitige Auftreten eines Delirs die Therapie der ursprünglichen Erkrankung, was eine längere Verweildauer innerhalb des Krankenhauses nach sich zieht. Das Risiko, eine Pflegebedürftigkeit zu entwickeln, ist ebenfalls stark erhöht.

Wie bereits erwähnt kann die Schädigung des Gehirns im Rahmen eines Delirs im Laufe der Zeit zu einer Demenzentwicklung oder der Ausprägung von bleibenden kognitiven Defiziten führen.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einem Delirium

Eine gute Prophylaxe ist von großer Bedeutung, um das erneute Auftreten eines deliranten Zustandes zu verhindern. Bekannte Risikofaktoren sollten, wenn möglich, moduliert werden. Hierzu zählen die Vermeidung von Alkohol und anderen Drogen und die Therapie von bereits bestehenden Erkrankungen. Die nicht-medikamentösen Therapieoptionen des Delirs dienen ebenfalls der Primärprophylaxe eines weiteren Delirs. Die Umgebung des Betroffenen sollte ruhig und entspannt und mit Orientierungshilfen, beispielsweise einer Uhr, versehen sein. Ein fester Tag-Nacht-Rhythmus wird durch eine Aktivierung tagsüber und eine Förderung des Schlafes nachts, durch eine Licht- und Lärmreduktion, etabliert.

Bei eingeschränkter Hör- oder Sehfähigkeit sollte ein Hörgerät oder eine Sehhilfe angeschafft werden. Der Patient sollte, wenn möglich, nicht aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen werden. Jede Veränderung kann als Stressor wirken und die Entstehung eines Delirs bewirken. Werden diese Maßnahmen konsequent ausgeschöpft, kann das Risiko für das Auftreten eines Delirs um 25 % reduziert werden.

Bei alten Menschen kann die Gabe von Haloperidol, einem Antipsychotikum, und Dexmedetomidin, welches in der Schmerzbehandlung zum Einsatz kommt, vor Operationen in Erwägung gezogen werden, um die Dauer und den Schweregrad eines Delirs zu senken.

Zusammenfassung

Das Delir ist eine akute Störung des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, der Psychomotorik und des Schlaf-Wach-Rhythmus. Abhängig von dem Auslöser kann es sich um ein postoperatives Delir, ein Fieberdelir oder ein Entzugsdelir handeln. Es handelt sich um eine der häufigsten Ursachen für kognitive Defizite bei geriatrischen Patienten. Die Diagnose wird anhand der Symptomatik gestellt, wobei man immer nach der Ursache suchen sollte. Therapeutisch sollte die Ursache beseitigt werden und eine Flüssigkeitsgabe erfolgen.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Das Alkoholentzugssyndrom ist eine Vorstufe des Delirs und erreicht sein Maximum meist innerhalb von 48h nach Beendigung des Alkoholkonsums. Die Symptome klingen nach drei bis sieben Tagen wieder ab.

Bluthochdruck stellt einen körperlichen Stressor dar und kann somit zur Entstehung eines Delirs mit Verwirrtheitszuständen beitragen.

Zunächste einmal sollte man zügig die Ursache des Delirs herausfinden. Zusätzlich kann Flüssigkeit verabreicht werden, um eine Dehydratation zu verhindern. Die Patienten sollten lediglich bei bestehender Eigen- oder Fremdgefährdung fixiert werden. Alle Medikamente, die der Patient aufgrund von anderen Vorerkrankungen einnimmt, sollten auf ihr Potenzial ein Delir auszulösen überprüft werden. Einige nicht - medikamentöse Therapieoptionen helfen, die deliranten Symptome zu lindern und dienen auch der Prophylaxe weiterer deliranter Zustände.

Um die Orientierung wiederherzustellen, hilft es eine entspannte Umgebung mit Orientierungshilfen, wie beispielsweise einer Uhr, zu schaffen. Die Umgebung sollte wenn möglich nicht verändert werden. Auch die Bezugspersonen sollten nicht wechseln. Um einen regelmäßigen Schlaf – Wach – Rhythmus zu garantieren, sollten die Patienten tagsüber durch eine Ergo- oder Physiotherapie aktiviert werden und nachts mithilfe von Licht- und Lärmregulierungen schlafen. Hat der Patient Hör- oder Seheinschränkungen, kann es hilfreich sein ein Hörgerät oder eine Sehhilfe zu verschreiben. Die medikamentöse Therapie besteht in der Gabe von Antipsychotika oder bei ausgeprägten Erregungszuständen in der Gabe von Benzodiazepinen.

Jede Situation, die dem Patienten Stress vermittelt, egal ob physischer oder psychischer Art, stellt potenziell einen Auslöser eines Delirs dar und kann somit zu einer Verwirrtheit führen.

Das Delir betrifft oft Patienten, die bereits älter sind und an einigen Vorerkrankungen leiden. Die Therapie dieser Erkrankungen wird durch das Auftreten eines Delirs erschwert und die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verlängert. Die Sterblichkeit liegt bei etwa 30%, wenn das Delir unbehandelt bleibt. Wird es behandelt so sinkt die Sterblichkeit auf 1-2%. Das Risiko eine Pflegebedürftigkeit zu entwickeln, ist ebenfalls stark erhöht. Außerdem können kognitive Defizite zurückbleiben oder sich im Laufe der Zeit eine Demenz entwickeln.

Ein Delir kann, je nach Ursache und Schweregrad, wenige Stunden bis mehrere Wochen andauern. Jedoch dauert ein Delir per Definition nicht länger als sechs Monate an.

Tritt ein Delir nach einem operativen Eingriff auf, so beträgt die Dauer dieses Zustandes meist einige Tage. In manchen Fällen kann sich die Dauer verlängern und bis zu sechs Monate lang andauern.

Risikofaktoren für die Entwicklung eines Delirs sind ein hohes Alter, eine Demenz, der Konsum von Alkohol oder anderen Drogen, ein früheres bereits durchlebtes Delir, schwerwiegende Vorerkrankungen und psychische Veränderungen.

Die genaue Entstehung eines Delirs ist noch weitgehend unklar, jedoch kommt es durch sogenannte „Stressoren“ zu einer Störung des Hirnstoffwechsels. Stressoren sind alle Faktoren, die psychischen oder körperlichen Stress verursachen. Häufige körperliche Stressoren, die im Rahmen von Krankenhausaufenthalten beobachtet werden, sind:

  • Eine Unterernährung oder eine Dehydrierung (Exsikkose)
  • Ein Harnverhalt
  • Hirnveränderungen, wie ein Hirntumor, eine Hirnblutung oder ein Hirninfarkt
  • Schädigungen des Herzens, wie ein Herzinfarkt oder ein Schockzustand mit erhöhter Herzfrequenz (Tachykardie) und erniedrigtem Blutdruck (Hypotonie)
  • Infektiöse Komplikationen wie Fieber, eine Hirnhautentzündung (Meningitis), eine Lungenentzündung (Pneumonie) oder ein Harnwegsinfekt
  • Stoffwechselveränderungen, wie eine Unter- (Hypoglykämie) oder Überzuckerung (Hyperglykämie), Elektrolytveränderungen, eine Schilddrüsenunter- (Hypothreose) oder eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), eine Leberinsuffizienz oder eine Niereninsuffizienz
  • Ein Sauerstoffmangel bedingt durch eine Blutarmut (Anämie), eine Lungenembolie oder eine Herzinsuffizienz
  • Ein Trauma mit starken körperlichen Verletzungen
  • Operationen
  • Vergiftungen
  • Entzugssymptomatik
  • Medikamente wie Antidepressiva, Antihistaminika, Parkinsonmedikamente oder Antipsychotika

Zu den psychischen Stressoren zählen Schmerzen, Schlafstörungen, ein eingeschränktes Hör- und Sehvermögen oder eine Isolation mit Immobilisierung. Auch Faktoren die einen Verlust der Orientierung bewirken, wie eine Veränderung des Ortes, wechselnde Bezugspersonen und eine Fixierung an das Bett, fördern eine delirante Entwicklung.

Wird die Ursache eines Delirs zeitnah entdeckt und behandelt, liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa 1-2%. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei 30%. Es verzögert die Therapie anderer Erkrankungen und führt zu einer längeren Verweildauer im Krankenhaus. Das Risiko eine Pflegebedürftigkeit zu entwickeln ist erhöht. Durch das Delir können Schädigungen im Gehirn erfolgen, die zu bleibenden kognitiven Defiziten oder der Entwicklung einer Demenz führen können.

Das Delir betrifft 1-2% der Allgemeinbevölkerung. Die meisten Betroffenen sind älter als 65 Jahre. 30-40% aller über 65-jährigen Krankenhauspatienten entwickeln im Verlauf ihres Aufenthaltes ein Delir. Auf Intensivstationen entwickelt fast jeder dritte Patient ein Delir und ca. 80% der dort maschinell beatmeten Patienten. Operationen, wie die Kardiotomie oder ein Hüftgelenksersatz, haben dabei ein besonders hohes Risiko für die Entstehung eines postoperativen Delirs. Zu den Risikofaktoren zählen ein hohes Alter, eine Demenz, ein Alkohol- oder Drogenabusus, ein Delir in der Vorgeschichte oder schwerwiegende Vorerkrankungen. Zu den körperlichen Ursachen eines Delirs zählen:

  • Unterernährung
  • Dehydrierung
  • Operationen
  • Infektionen
  • Hirnveränderungen
  • Trauma
  • Stoffwechselveränderungen
  • Sauerstoffmangel
  • Vergiftungen
  • Entzug
  • Medikamente

Psychische Stressfaktoren begünstigen ebenfalls das Auftreten eines Delirs. Hierzu zählen:

  • Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Ein eingeschränktes Hör- und Sehvermögen
  • Isolation
  • Immobilisierung
  • Wechselnde Bezugspersonen
  • Häufiger Ortswechsel
  • Fixierung an das Bett

Die Angehörigen können für eine ruhige Umgebung sorgen und Orientierungshilfen anbringen. Eine Uhr im Zimmer des Betroffenen kann für eine zeitliche Orientierung sorgen und somit den Tag - Nacht - Rhythmus verbessern. Darüber hinaus sollte man den Betroffenen tagsüber aktivieren und animieren, damit er nachts schlafen kann. Dazu hilft störende Geräusche oder Licht zu unterbinden.

Bei eingeschränkter Hör- oder Sehfähigkeit sollte ein Hörgerät oder eine Sehhilfe angeschafft werden. Der Patient sollte, wenn möglich, nicht aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen werden. Jede Veränderung kann als Stressor wirken und die Entstehung eines Delirs bewirken. Werden diese Maßnahmen konsequent ausgeschöpft, kann das Risiko für das Auftreten eines Delirs um 25% reduziert werden.

Ein Delir kann in seiner Dauer variieren. Je nach zugrundeliegender Ursache und nach Schweregrad kann die Dauer über mehrere Wochen fortschreitend sein. Laut Definition besteht ein Delir jedoch nur maximal sechs Monate lang.

Das Delir ist ein akutes und komplexes Syndrom, das auf einer organischen Hirnschädigung beruht. Es ist reversibel und dauert nicht länger als sechs Monate lang an. Es ist gekennzeichnet durch eine Störung des Bewusstseins, der kognitiven Funktionen, der Psychomotorik, des Schlaf – Wach – Rhythmus und der Emotionalität.

Die Symptome eines Alkoholentzugsyndroms dauern meist drei bis sieben Tage lang an.

Wird das Delir nicht behandelt liegt die Sterblichkeit bei 30%. Die Sterblichkeit des behandelten Delirs ist mit 1-2% vergleichsweise niedrig. Trotz Behandlung beeinflusst ein deliranter Zustand die Therapie anderer Erkrankungen und verlängert die Verweildauer innerhalb des Krankenhauses. Auch das Risiko einer Pflegebedürftigkeit steigt. Schäden im Gehirn können eine dementielle Entwicklung beschleunigen oder zu bleibenden kognitiven Defiziten führen.

Delirium Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Delirium

Delir, organisches Psychosyndrom

Risikofaktoren

  • hohes Alter
  • männliches Geschlecht
  • Alkoholkonsum

Ursachen

  • fieberhafte Infekte
  • Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems
  • Alkoholkonsum
  • Alkoholentzug
  • Tumoren
  • Operationen

Symptome

  • Wahrnehmungsstörung
  • Denkstörung
  • übermäßiger Bewegungsdrang
  • Angst
  • Schlafstörung
  • Reizbarkeit
  • Halluzinationen
  • Fieber
  • Bluthochdruck
  • Tachykardie
  • Muskelzittern
  • Schwitzen

Komplikationen

  • Gedächtnisstörungen
  • Demenz

Diagnose

  • Anamnese
    • Leidet der Betroffene an Wahrnehmungs- und/oder Orientierungsstörungen?
    • Liegen bei dem Betroffenen Denkstörungen und/oder Gedächtnisstörungen vor?
    • Hat der Betroffene einen starken Bewegungsdrang?
    • Leidet der Betroffene an übermäßiger Heiterkeit und/oder Angst?
    • Hat der Betroffene Schlafstörungen?
    • Ist der Betroffene leicht erreg- und reizbar?
    • Treten bei dem Betroffenen Halluzinationen auf?
    • Hat der Betroffene Fieber?
    • Ist der Blutdruck des Betroffenen erhöht?
    • Ist der Puls des Betroffenen erhöht?
    • Zittert der Betroffene?
    • Schwitzt der Betroffene sehr stark?
  • Körperliche Untersuchung
    • Erhebung der Vitalparameter (RR, Puls, Sauerstoffsättigung)
    • Temperaturmessung
    • Neurologische Untersuchung
  • Spezifische Tests
    • CAM (spezifischer Test zur Ermittlung des Schweregrades des Deliriums)
  • MRT
    • ggf. zur Diagnostik der Grunderkrankung
  • Computertomografie
    • ggf. zur Diagnostik der Grunderkrankung
  • Liquorpunktion
    • ggf. zur Diagnostik der Grunderkrankung
  • Ultraschalluntersuchung
    • ggf. zur Diagnostik der Grunderkrankung

Therapie

  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Vermeiden bestimmter Medikamente

Prognose

  • Morbiditäts- und Mortalitätsraten sind bei Delir-Patienten deutlich erhöht

Begriffe

Thrombose

Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, medizinisch als Thrombus bezeichnet, welches ein Gefäß teilweise oder vollständig verlegt.
Herzschwäche beschreibt den Zustand, bei dem das Herzen nicht mehr seine volle Leistung erbringen kann. Dies ist meist Folge einer zugrundeliegenden Herz- oder Lungenerkrankung und äußert sich in Luftnot, Abgeschlagenheit und Wassereinlagerungen.
Eine Lungenentzündung (lat. Pneumonie) ist eine häufige Erkrankung, bei der es durch Infektionen (meistens durch Bakterien), aber auch durch allergische Prozesse oder durch Vorerkrankungen (z.B. Herzschwäche) zu einer Entzündung der Lungenbläschen („Alveolen“) oder des Lungen-Grundgewebes („Interstitium“) führen.
Die Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine langwierige und oft erst spät diagnostizierte Erkrankung, die durch gürtelförmige Oberbauchschmerzen, Erbrechen und erhebliche Verdauungsprobleme, wie Fettstühle und Durchfall, auffällt.
Die Schilddrüsenüberfunktion ("Hyperthyreose") bezeichnet die übermäßige Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse.
Schlafstörungen werden als selbst empfundene oder von anderen beobachtbare Beeinträchtigungen des normalen Schlafes hinsichtlich der Schlaftiefe und/oder der Schlafdauer mit daraus resultierenden Einschränkungen im Wachzustand (z.B. Leistungsminderung), definiert.
Die Schilddrüsenunterfunktion ("Hypothyreose") bezeichnet die verminderte oder fehlende Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse.
Die Lungenarterienembolie ist ein Verschluss einer Lungenschlagader. Betroffene klagen über Brustschmerz, Atemnot, Herzrasen und ggf. (Blut-)Husten. Die häufigste Ursache einer Lungenarterienembolie ist ein Blutgerinnsel, das in den Beinvenen entstanden ist und in die Lunge verschleppt worden ist.
Bei einer Hirnblutung kommt es aufgrund eines geplatzten Gefäßes zu einer Blutung im Bereich des Schädels. Symptome können in Form von starken Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Bewusstseinsveränderungen oder neurologischen Ausfällen auftreten.
Unter Halluzinationen versteht man verschiedene fehlerhafte Sinneseindrücke. Menschen, die an irrealen Wahrnehmungen leiden sehen, hören, riechen oder fühlen Dinge, die eigentlich nicht existent sind.
Die Demenz ist eine häufige Erkrankung des Alters, die vor allem bei über 65-Jährigen auftritt. Sie ist definiert durch den Abbau von höheren Hirn-Funktionen in Kombination mit dem Verlust von Alltagskompetenzen.
Bei einer Niereninsuffizienz oder auch bei einer Nierenschädigung, nimmt die Filter-Leistung der Niere ab. Man unterscheidet zudem die akute Nierenschädigung von der chronischen Niereninsuffizienz.
Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.
Eine Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute. In den meisten Fällen wird solch eine Entzündung durch Viren ausgelöst. Eine Hirnhautentzündung wird durch Bakterien seltener ausgelöst, allerdings hat diese Form der Meningitis einen viel schlimmeren Verlauf.
Eine Anämie ist definitionsgemäß eine Erniedrigung des roten Blutfarbstoffs im Blut. Der Hauptbestandteil des roten Blutfarbstoffs ist das Hämoglobin.

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