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Bauchspeicheldrüsenentzündung

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Geschrieben von
Bassem Maalouf (Arzt)

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein bis zu 20 cm längliches, lebenswichtiges Organ und liegt im oberen Bauchraum hinter Magen und Leber . Ihre Hauptaufgaben sind die Bereitstellung von Verdauungsenzymen und die Regulation des Stoffwechsels, z.B. durch die Bereitstellung von Hormonen.

Ursachen und Risikofaktoren einer Bauchspeicheldrüsenentzündung

Es gibt sehr viele Ursachen, die zu einer plötzlich auftretenden Bauchspeicheldrüsenentzündung ("akute Pankreatitis") führen können. Dabei gibt es drei Ursachen, die mit Abstand am häufigsten auftreten.

(1) Fast die Hälfte aller Bauchspeicheldrüsenentzündungen entstehen, wenn die Verdauungsenzyme nicht ungestört in den Darm ablaufen können, wo sie die Nahrung in einzelne Bestandteile zersetzen sollen. Grund dafür sind meist Verstopfungen der Abflusskanäle durch Gallensteine .

Aus der Bauchspeicheldrüse führt ein großer Kanal ("Ductus pancreaticus"). Dieser mündet in den Hauptgallengang ("Ductus choledochus"), der von nun an sowohl die Gallenflüssigkeit aus Leber und Gallenblase, als auch die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse in den Darm leitet. Bildet sich nun ein Stein, meist ein Gallenstein, verstopft das Abfluss-System und die Verdauungsenzyme und Gallenflüssigkeit stauen sich bis zur Bauspeicheldrüse auf.

Die teils aggressiven Verdauungsenzyme beginnen am falschen Ort zu wirken - nämlich in der Bauchspeicheldrüse selbst - und beginnen damit die sogenannte Autodigestion, also die "Selbstverdauung". Dies führt zu einer Zerstörung des Gewebes, sodass eine Entzündung entsteht. Dies geht oft einher mit Wassereinlagerungen und Blutungen in dem Organ bis hin zum endgültigen Zelltod ("Nekrose"). Ist eine oben beschriebene Verstopfung der Abflusswege die Ursache der Entzündung, spricht man auch von einer "biliären Pankreatitis".

(2) Mehr als ein Drittel aller Bauchspeicheldrüsenentzündungen entsteht durch übermäßigen Alkoholgenuss. Der genaue Zusammenhang zwischen der Wirkung des Alkohols und der Entstehung der Entzündung ist noch nicht ausreichend geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass Alkohol ähnlich wie Gallenflüssigkeit und Verdauungsenzyme das Gewebe der Bauchspeicheldrüse und ihr Abfluss-System schädigen und eine Entzündung hervorrufen kann. Man spricht von einer "alkoholinduzierten Pankreatitis"

(3) In jedem sechsten Fall einer Bauchspeicheldrüsenentzündung kann kein konkreter Auslöser gefunden werden. Dann spricht man von einer "idiopathischen Pankreatitis". Umgekehrt gibt es allerdings unzählige andere Ursachen, von denen man vermutet, dass sie in seltenen Fällen eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hervorrufen können.

Dazu gehören viele Medikamente ("medikamentös-toxisch"), hohe Blutfettwerte ("Hypertriglyzeridämie"), bakterielle oder virale Infektionen, Autoimmunerkrankungen und Verletzungen des Organs durch Operationen oder Unfälle.

Bei der chronischen, also über viele Monate anhaltenden, Bauchspeicheldrüsenentzündung findet sich als Ursache in den allermeisten Fällen eine seit Jahren andauernde Alkoholsucht. Die giftige Eigenschaft des Alkohols schädigt neben anderen Organen auch die Bauchspeicheldrüse und führt wahrscheinlich auch dazu, dass die Verdauungsenzyme, die eigentlich erst im Darm aktiviert werden sollen, bereits in der Bauchspeicheldrüsen wirken und dort das Gewebe verätzen und bis zum Zelltod schädigen.

Aus diesem Grund vernarbt das Gewebe der Bauchspeicheldrüse, sodass die geschädigten Areale ihre eigentliche Funktion nicht mehr erfüllen können.Besonders bei alkoholbedingten Bauchspeicheldrüsenentzündungen wirkt Rauchen als zusätzliche Ursache und verschlimmert das Geschehen. In einigen Fällen treten chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen auch auf, ohne dass ein Grund gefunden werden kann.

Mittlerweile vermutet man, dass einige Menschen Gene in sich tragen, die die Wahrscheinlichkeit an einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zu erkranken erhöht. Ähnlich wie bei der plötzlich einsetzenden Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) gibt es einige weitere Ursachen, die zwar mögliche, aber sehr seltene Auslöser für die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung sind.

Was sind die Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Symptome im Überblick

  • Akut auftretende, starke, gürtelförmige Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Gürtelförmige anhaltende Bauchschmerzen
  • Durchfälle (übel-riechende)
  • Gewichtsverlust
  • Diabetes mellitus (Bauchspeicheldrüse produziert Insulin)

Symptome der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung

Personen, die an einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung erkranken, berichten häufig von plötzlich einsetzenden, heftigen Schmerzen, die vor allem im Oberbauch lokalisiert sind. Typischerweise strahlen diese Schmerzen gürtelförmig bis in den Rücken aus. In jenen Fällen, in denen die Entzündung der Drüse durch Gallensteine hervorgerufen wird, können die Schmerzen kolikartig, also wellenförmig sein.

Außerdem gehören Beschwerden wie ein aufgeblähter Bauch, Übelkeit und Erbrechen zu den häufigsten Symptomen bei Patienten mit akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung. Man spricht bei derartigen Luftansammlungen im Bauch von einem sogenannten "Gummibauch".

Wie stark diese Beschwerden ausgeprägt sind, richtet sich vor allem nach dem Ausmaß der entzündlichen Prozesse. Auch Gesichtsrötungen, Fieber und eine allgemeine Schwäche, beziehungsweise Abgeschlagenheit kann bei den Betroffenen besonders häufig beobachtet werden. Dabei kommt es regelmäßig zu einem Fieberanstieg auf Temperaturen von bis zu 38 Grad Celsius.

Bei vielen der Erkrankten zeigt sich der Blutdruck als besonders niedrig, was eine Kreislaufproblematik zur Folge haben kann. An den für eine akute Pankreatitis typische Kreislaufbeschwerden sind aber auch die freigesetzten Entzündungsmediatoren verantwortlich. Aufgrund dieser Stoffe, werden die Gefäßwände durchlässiger, was dazu führt, dass Flüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe abfließen kann. In besonders schweren Fällen bleibt es nicht bei einfachen Kreislaufbeschwerden. Die Erkrankten entwickeln dann einen Kreislaufschock.

Darüber hinaus sind starke Wasseransammlungen im Bauch und in der Lunge bei Personen, die an einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden, keine Seltenheit. In diesen Fällen spricht man von einer Aszitis (Bauchwasser) oder einem Pleuraerguss (Wasser in der Lunge).

Im Falle einer besonders stark ausgeprägten akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung bilden sich unter Umständen blau-grünliche Flecken (Hämatome) um den Bauchnabel herum. Dieses Phänomen nennt man Cullen-Zeichen. Hämatome können auch an den seitlichen Flanken sichtbar werden. Dabei handelt es sich um das sogenannte Grey-Turner-Zeichen. Sie entstehen durch kleine Einblutungen im oberflächlichen Fettgewebe.

Hinweis

Da die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung in einer Vielzahl der Fälle auf eine Gallenerkrankung zurückzuführen ist, sammelt sich oftmals Bilirubin an. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und kann sich, wenn es nicht adäquat ausgeschieden wird, an verschiedenen Stellen ansammeln. Bevorzugt geschieht dies in den Skleren, also dem weißen Anteil der Augen, und der Haut . Infolgedessen kommt es zur typischen Gelbfärbung (Ikterus). Damit kann unter anderem auch Juckreiz einhergehen.

Symptome der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung

Ähnlich wie bei der akut einsetzenden Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden betroffene Menschen vor allem unter lang andauerndem  Schmerzen im oberen Bauchbereich. Dieser Schmerz zieht sehr oft über die Seiten bis in den Rücken, sodass er oft als "gürtelförmiger" Schmerz beschrieben wird. Begleitet werden die Schmerzen immer wieder mit Übelkeit und Erbrechen . Es kann vorkommen, dass die Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme besonders stark und quälend sind, sodass betroffene Menschen aus Angst vor Schmerzen immer weniger oder kaum noch Nahrung zu sich nehmen und folglich stark an Gewicht verlieren können.

In einigen Fällen kann es immer wieder zu gelblichen Hautverfärbungen kommen. Je länger die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung anhält, desto mehr Gewebe des Organs vernarbt und verliert seine Funktionstüchtigkeit. Entsprechend kann sich die Anzahl der wahrnehmbaren Beschwerden über die Jahre verändern. Wenn nur noch wenig funktionstüchtiges Gewebe vorhanden ist, setzen neben den Schmerzen auch Verdauungsbeschwerden ein. Die fehlenden Verdauungsenzyme spalten die Nahrung nicht mehr angemessen in ihre Bestandteile auf und ermöglichen den Abtransport der einzelnen Bestandteile nicht mehr.

Besonders Fett bzw. fettige Nahrung kann daher nicht mehr richtig verdaut werden und durchläuft den Darm beinahe unverändert, sodass es zu sehr speziellen, sogenannten Fettstühlen ("Steatorrhoe") und Durchfall ("Diarrhoe") kommt. Fettstühle sind in der Menge besonders großvoluminös, also viel, riechen besonders streng und haben eine helle an Lehm erinnernde Farbe.

Häufig erscheinen diese Fettstühle auch schaumig oder "schwimmen" an der Wasseroberfläche. Durch die nicht mehr funktionierende Nahrungsaufnahme im Darm ("Malabsorption") kann es zu verschiedenen Vitamin-Mangelerkrankungen, wie Vitamin-D-Mangel, kommen, die dann weitere Beschwerden, wie Knochenbrücke begünstigt.

Achtung

Ist die Erkrankung sehr weit fortgeschritten, können die Schmerzen weniger werden, da kaum noch lebendes Gewebe vorhanden ist. Weniger Schmerzen sind demnach keine Entwarnung.

Neben dem Wegfall der Verdauungsaufgaben verliert die Bauchspeicheldrüse im Laufe einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung auch die Fähigkeit, Hormone wie Insulin zu produzieren, sodass es zu einer Zuckerkrankheit ("Diabetes mellitus") kommt. Die Zuckerkrankheit ist eine komplizierte und schwerwiegende Erkrankung mit vielen Beschwerden, die HIER nachgelesen werden können.

Wie wird die Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert?

Untersuchungen bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenerkrankung

Die Diagnostik bei Patienten, die möglicherweise an einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden, gliedert sich in verschiedene Abschnitte.

Zu Beginn findet in der Regel ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) statt. Im Zuge dieses Gesprächs sollten die bei dem betroffenen Patienten vorliegenden Beschwerden so genau wie möglich beschrieben werden.

Außerdem ist es besonders wichtig möglicherweise bestehende Begleitsymptome zu benennen und zu prüfen, ob diese mit einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse in Zusammenhang stehen können oder ob die Zusammenschau der Symptome eher auf eine andere Erkrankung hindeutet.

Bei der Diagnostik stellt der Arzt unter anderem folgende Fragen:

  • Seit wann verspüren Sie die Schmerzen?
  • Wo genau sind die Schmerzen lokalisiert?
  • Strahlen die Schmerzen auch in andere Bereiche aus?
  • Sind Ihnen weitere Beschwerden aufgefallen? (Welche?)
  • Sind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?
  • Schwitzen Sie nachts sehr stark?
  • Leiden Sie unter anhaltendem Fieber?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Rauchen Sie? Trinken sie regelmäßig Alkohol? Wenn ja, wie viel?

Darüber hinaus spielen die Krankengeschichte des Patienten und dessen Familienanamnese hinsichtlich maligner Erkrankungen eine entscheidende Rolle. Grund dafür ist die Tatsache, dass eine genetische Komponente bei Tumorerkrankungen nicht ausgeschlossen werden kann und die für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse typischen Symptome auch bei einem Tumor auftreten können.

Im Anschluss an das Arzt-Patienten-Gespräch folgt eine orientierende körperliche Untersuchung. Der Arzt achtet dabei zuerst auf sichtbare Veränderungen. Im Falle der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung bilden sich häufig Hämatome um den Bauchnabel und in den Flanken. Die auffälligen Blutergüsse im Bereich des Nabels sind als Cullen-Zeichen bekannt. Blutergüsse in den Flanken nennt man Grey-Turner-Zeichen. Außerdem sollten die Lunge , das Herz und vor allem das Abdomen ausführlich untersucht werden.

Zur Diagnose können zudem Blutuntersuchungen und technische Untersuchungen dienen. Um festzustellen, ob jemand an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung leidet, können die Konzentration der Verdauungsenzyme (Lipase) im Blut gemessen werden. Sind diese sehr stark erhöht, liegt der Verdacht einer Bauchspeicheldrüsenentzündung nahe.

In der Regel werden auch Leber- und Gallenwerte bestimmt, um die mögliche Ursache (z.B. Gallensteine) zu identifizieren. Ein Hinweis auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung kann auch eine Erhöhung des Enzyms LDH (Lactat-Dehydrogenase) oder ein niedriger Calcium-Wert sein.

In jedem Fall schaut man sich das Organ mittels Ultraschall an. Dort kann sowohl ein Eindruck über den Zustand des Organs gewonnen, als auch eventuelle Gallensteine gesehen werden. Bei Unklarheiten kann auch ein Ultraschall von innen gemacht werden. Dafür wird dem schlafenden Patienten ein Schlauch, an dem ein kleiner Ultraschall-Sender angebracht ist, durch den Mund bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben.

Hin und wieder kann es zudem notwendig sein, weitere bildgebende Verfahren einzuleiten. Vor allem die Durchführung einer Magnetresonanztomografie (MRT) kann dabei helfen, die Diagnose "akute Bauchspeicheldrüsenentzündung" zu stellen und gegebenenfalls auch deren genaue Ursache nachzuweisen.

Eine weitverbreitete Methode ist die sog. ERCP (endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatikografie). Auch hierbei wird dem schlafenden Patienten ein Schlauch durch den Mund vorgeschoben. Nun kann mittels Kontrastmittel nachgesehen werden, ob das Abfluss-System irgendwo verstopft ist. Dabei könnte man die Engstelle ggf. direkt beseitigen und z.B. einen Gallenstein bergen.

Grundsätzlich unterscheidet sich die Diagnostik der akuten Pankreatitis deutlich von chronischen Pankreatitis. Während die akute Pankreatitis eine akute Entzündung darstellt und demnach einen rapiden Einfluss auf die Gesundheit hat, sind die Anzeichen der chronsichen Pankreatitis ein langsamer schleichender Prozess. Während bei einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse die richtungsweisenden Werte im Blut zu finden sind (Elastase, Lipase, Amylase), befinden sich die bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung vor allem im Stuhl (Elastase 1).

Untersuchungen bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenerkrankung

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung gliedert sich gewöhnlich in verschiedene Schritte.

Zuerst findet in der Regel ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) statt. Im Zuge dieses Gesprächs sollen die bei dem erkrankten Patienten bestehenden Beschwerden so genau wie möglich beschrieben werden. Bei den durch eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung hervorgerufenen Schmerzen handelt es sich in der Regel um Schmerzen im Unterbauch, die bis in den Rücken ausstrahlen können.

Neben der Lokalisation erfragt der Arzt auch die Intensität (auf einer Skala von 1 bis 10) der Beschwerden. Zudem ist es wichtig zu erfahren, ob die Beschwerden durch irgendetwas, zum Beispiel das Essen bestimmter Lebensmittel oder Lebensmittelinhalte, verstärkt werden können. Darüber hinaus spielen auch die möglicherweise vorliegenden Begleitsymptome eine entscheidende Rolle. Dabei ist es vor allem besonders wichtig zu eruieren, ob diese Beschwerden mit der Verdachtsdiagnose "chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung" vereinbar sind.

Da die für eine chronische Pankreatitis typischen Symptome theoretisch auch mit anderen Erkrankungen in Zusammenhang stehen können, spielen auch die Krankengeschichte des Betroffenen und dessen Familienanamnese eine entscheidende Rolle. Grund dafür ist die Tatsache, kann auch eine maligne Bauchspeicheldrüsenerkrankung im Raum stehen könnte und bei Krebserkrankungen eine genetische Komponente nicht ausgeschlossen werden kann.

Im Anschluss an das Arzt-Patienten-Gespräch findet eine umfangreiche körperliche Untersuchung statt. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf das Abdomen des Patienten gelegt. Im ersten Schritt inspiziert der Arzt die Körperoberfläche und achtet dabei auf Verletzungen, Narben , Rötungen, Schwellungen und andere sichtbare Veränderungen. Danach wird gewöhnlich der Bauch, beziehungsweise alle vier Quadranten des Bauchs, mit einem Stethoskop abgehört. Auf diese Weise können die Darmgeräusche kontrolliert werden. Auch das Abtasten und der bewusste Versuch, durch Druck Schmerzen hervorzurufen, gehören zu den wichtigsten Maßnahmen der körperlichen Untersuchung.

Neben dem Arzt-Patienten-Gespräch und der körperlichen Untersuchung können verschiedene Tests dabei helfen, eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung zu diagnostizieren. Im Blut können zum Beispiel Werte bestimmt werden, die Aufschluss darüber geben, in welchem Zustand sich die Organe finden. In der Regel bestimmt man einige Enzyme, die Informationen zur Bauchspeicheldrüse liefern ("Lipase, Elastase-1, Amylase"), Blutfett- und Leberwerte.

Zusätzlich versucht man herauszufinden, wie gut die Bauchspeicheldrüse ihre verschiedenen Aufgaben noch erfüllt. Dafür untersucht man Blutzuckerwerte und spezielle Enzyme, insbesondere die Elastase 1 im Stuhl (wichtigster Wert).

Mit verschiedenen bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, ERCP, MRCP oder CT kann man einen Überblick über das Organ bekommen und ggf. Komplikationen entdecken (sog. Pseudozysten, Verkalkungen, Steine und vieles weiteres).

Therapie bei Bauchspeicheldrüsenentzündung

Therapie bei akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung

In jedem Fall sollten Bauchspeicheldrüsenentzündungen im Krankenhaus behandelt werden. Bei schweren Verlaufsformen ist auch eine Behandlung auf einer Intensivstation notwendig, um die vitalen Funktionen, wie Puls, Blutdruck und Atemfrequenz ständig überwachen zu können.

Um eine gute Behandlung gewährleisten zu können, sollte sich das behandelnde Team aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen zusammensetzen, die gemeinsam einen Plan verfolgen.

Dort werden ausreichend Flüssigkeit und Schmerzmittel ggf. über die Vene verabreicht, bei Fällen von bakterieller Infektion auch ein Antibiotikum.

Liegt eine Abflussstörung vor, kann wie oben beschrieben mittels einer ERCP die Ursache der Entzündung behoben werden. Die Rolle der Nahrungskarenz ist nicht vollständig geklärt. Erfahrungen zeigen jedoch, dass der Verzicht auf Nahrung vorteilhaft ist. Patienten werden daher über Sonde oder über die Vene ernährt.

Hinweis

Bei großen infektiösen Anteilen von abgestorbenem Gewebe, muss diskutiert werden, dieses operativ zu entfernen.

Therapie bei chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung

Die Wahl der am besten geeigneten Behandlungsstrategie bei Patienten, die unter einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden, hängt maßgeblich von dem Ausmaß der Erkrankung und der Ursache für deren Entstehung ab. Darüber hinaus spielen auch die von dem betroffenen Patienten wahrgenommenen Beschwerden bei der Behandlungsplanung eine entscheidende Rolle.

Die wohl wichtigste Maßnahme bei Patienten mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung ist der sofortige Stopp von Alkoholkonsum und Rauchen. Dabei können gegebenenfalls Substanzen angewendet werden, die die Entzugssymptome lindern. Im Falle des Rauchens können zum Beispiel Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis besonders hilfreich sein.

Außerdem werden in der Regel Medikamente gegeben, die in erster Linie die Schmerzen stillen sollen und damit die anhaltenden Leiden des Betroffenen lindern. Bei diesen Medikamenten handelt es sich häufig erst einmal um Paracetamol und/oder Ibuprofen . Sollte die schmerzlindernde Wirkung dieser Arzneimittel nicht ausreichen, können durchaus auch stärkere Analgetika zur Anwendung kommen. Zusätzlich zur analgetischen Therapie werden dem Patienten Medikamente verordnet, die das Auftreten weiterer Krankheiten verhindern sollen.

Bei diesen Arzneimitteln handelt es sich zum Beispiel um sogenannte Protonenpumpenhemmer, die dazu da sind, den Magen zu schützen. Sofern der Stoffwechsel bereits betroffen ist, wird auch diese Funktion mit Medikamenten unterstützt, beispielsweise mit Insulinen zur Regulation des Blutzuckerspiegels.

Wissenswert

Um die Verdauungsbeschwerden zu lindern, sollten kleine, häufige Mahlzeiten eingenommen werden, die besonders fettarm, dafür aber kohlenhydratreich sind. Zusätzlich kann die Gabe von Verdauungsenzymen in Tablettenform erfolgen, um die Funktion der Bauchspeicheldrüse zu unterstützen.

Es kann notwendig werden, eine sogenannte Sonden-Nahrung zu beginnen, bei der flüssige Nahrung über einen dünnen Schlauch direkt in den Verdauungstrakt gegeben wird. Zur Behandlung und Vorbeugung von Vitamin-Mangel können auch Vitamin-Präparate verschrieben werden.

Wie ist die Prognose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Prognose im Überblick

Leichte Bauchspeicheldrüsenentzündungen können in der Regel gut behandelt werden, nur 1 aus 100 Patienten verstirbt. In Fällen von schweren Bauchspeicheldrüsenentzündungen mit Gewebezerstörung ("nekrotisierende Pankreatitis") versterben zwischen 10 und 25 % aller Patienten.

Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine langsam und über Jahrzehnte fortschreitende Erkrankung, die tödlich endet und nicht vollständig geheilt werden kann. Oft begeben betroffene Menschen sich nicht rechtzeitig in Behandlung. Insbesondere die Verdauungsbeschwerden können erst nach vielen Jahren auftreten, nämlich dann, wenn nur noch wenig funktionierendes Gewebe vorhanden ist.

Häufig ist die Erkrankung also schon seit Jahren aktiv und weit fortgeschritten, wenn Betroffene Hilfe suchen. Zusätzlich kommt die Schwierigkeit, dass oft gleichzeitig weitere Krankheiten, etwa eine Alkoholkrankheit, Lebererkrankungen und im Falle von Rauchen auch Lungenerkrankungen herrschen.

Eine angemessene und professionelle Therapie kann allerdings die Schmerzen erheblich lindern und auch die Verdauungsbeschwerden verbessern, sodass die Lebensqualität wesentlich verbessert werden kann.

20 Jahre nach Beginn der Erkrankung leben nur noch etwa 45 % aller Betroffenen, wobei zu beachten ist, dass die Diagnose oft erst gestellt wird, wenn sie bereits seit vielen Jahren aktiv ist.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung

Nach einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung, die schwer verlief, alkoholbedingt war oder dessen Ursache weiterhin ungeklärt ist, sollten alle 6-12 Monate für 2 Jahre (bei Diabetikern bis zu 5 Jahren) Nachkontrollen (Ultraschall, Blutuntersuchung, Stuhluntersuchung) stattfinden. In jedem Fall sollten Patienten mit dem Rauchen aufhören, da Rauchen das Risiko einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöht.

Bei Betroffenen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenerkrankung sollten regelmäßige Nachsorgen stattfinden, um das Risiko von frühzeitigem Tod und anderen Erkrankungen zu reduzieren. So besteht für Betroffene mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung ein erhöhtes Risiko, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu entwickeln. Es sollten jährlich Blutzuckerkontrollen gemacht werden, um die Funktion des Organs zu überwachen und Komplikationen abzuwenden bzw. ggf. die Therapie anzupassen.

Hinweis

In bestimmten Fällen sollten außerdem die Vitamin-Spiegel überwacht und ggf. die Therapie angepasst werden. Es bleibt jedoch auch hier zu vermerken, dass die Verhaltensänderung der Betroffenen der wichtigste prognostische Faktor ist: Es sollte kein Alkohol getrunken oder geraucht werden.

Zusammenfassung

Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine Erkrankung, die in den allermeisten Fällen durch einen Gallenstein oder übermäßigen Alkoholgenuss entsteht und mit plötzlichen, gürtelförmigen Oberbauchschmerzen, einem "Gummibauch", Übelkeit und Erbrechen auffällt. Die Diagnose kann durch Bluttests und bildgebende Verfahren gestellt und sollte im Krankenhaus behandelt werden. Wird die Erkrankung rechtzeitig behandelt, besteht eine gute Prognose.

Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine langwierige und oft erst spät diagnostizierte Erkrankung, die durch gürtelförmige Oberbauchschmerzen, Erbrechen und erhebliche Verdauungsprobleme, wie Fettstühle und Durchfall , auffällt. Die Ursache ist sehr häufig ein langjähriger Alkoholmissbrauch. Die Therapie kann die Erkrankung nicht vollständig heilen, aber wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen, indem Schmerzen gelindert, Verdauungsprobleme verbessert und Komplikationen abgewendet werden.

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung

Akute Pankreatitis

Epidemiologie

  • Inzidenz: 13–45/100.000 Personen pro Jahr

Risikofaktoren

  • Verengungen im Gallengang
  • erhöhte Triglyzeride
  • erhöhtes Kalzium
  • Gallensteine
  • Alkohol
  • genetische Prädisposition
  • Rauchen
  • Diabetes mellitus Typ II

Ursachen

  • proteolytische Autodigestion
  • Alkohol
  • Virusinfektionen
  • Medikamente
  • Spiegelung des Gallenwegssystems (ERCP)
  • Nikotinkonsum
  • Diabetes mellitus Typ II

Symptome

  • Oberbauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Fieber

Komplikationen

  • Hypotonie
  • Schock
  • akutes Nierenversagen
  • respiratorische Insuffizienz
  • Sepsis/SIRS
  • Verbrauchs-Koagulopathie
  • pankreopriver Diabetes mellitus
  • Milzvenen- und Pfortader-Thrombose

Diagnose

  • Anamnese
    • Leiden sie an Schmerzen im Oberbauch?
    • Strahlen diese Schmerzen gürtelförmig in den Rücken aus?
    • Ist ihnen übel?
    • Müssen sie sich übergeben?
    • Haben sie Fieber?
    • Trinken sie regelmäßig Alkohol?
    • Rauchen sie?
    • Glänzt ihr Stuhl fettig?
  • Körperliche Untersuchung
    • Abdominelle Untersuchung: prall, elastischer Bauch, Druckempfindlichkeit, Hämatome in den Flanken und/oder um den Bauchnabel herum
  • Laboruntersuchung
    • Blutuntersuchung: Lipase, Amylase, BZ, Leber- und Nierenwerte, Kalzium, Leukozyten, CRP, BSG
  • Ultraschalluntersuchung
    • Suche nach Gallensteinen, Beurteilung des Entzündungsausmaß
  • Computertomografie
    • bei unklarem sonografischem Befund
  • MRT
    • bei unklarem sonografischem Befund
  • ERCP
    • Spiegelung der Gallengänge (ACHTUNG: Untersuchung selbst kann Panreatitis verursachen)

Laborwerte

  • Lipase Erhöht
  • Amylase Erhöht
  • CRP Erhöht
  • Leukozyten Erhöht
  • BSG Erhöht

Differenzial Diagnose

  • Lungenembolie

Therapie

  • Flüssigkeitssubstitution
  • Medikamente
  • Endoskopie
  • Stoßwellentherapie
  • Operation

Präventionsmaßnahmen

  • Alkoholverzicht
  • Nikotinverzicht

Prognose

  • in ca. 80% der Fälle leichter Verlauf

Begriffe

Übelkeit und Erbrechen

Wenn ein Mensch, unter Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis) leidet, verspürt er in der Regel ein flaues Gefühl im Bereich des oberen Verdauungstrakts.
Ibuprofen ist als entzündungshemmendes, fiebersenkendes und schmerzlinderndes Mittel unverzichtbar ist. Die Behandlung sollte jedoch so kurz wie möglich erfolgen. Von langfristiger Anwendung sollte man, wenn es möglich ist, absehen.
Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht man eine Erkrankung, die durch eine Störung des Zuckerstoffwechsels hervorgerufen wird. Betroffene Personen weisen einen mitunter deutlich erhöhten Blutzuckerspiegel auf, der langfristig die Entstehung einer Reihe von Folgeerkrankungen triggern kann.
Durchfall gilt im eigentlichen Sinne als Symptom und stellt eigentlich keine eigenständige Erkrankung dar. Es gibt diverse auslösende Erkrankungen, die Durchfall als Symptom zeigen können.
Verstopfung ist ein medizinischer Zustand, der Ihre Fähigkeit, Stuhl auszuscheiden, beeinträchtigen kann. Obstipation ist eine schwere Form der Verstopfung, bei der eine Person keinen Stuhlgang oder Blähungen hat.
Unter dem Begriff Bauchschmerzen versteht man Schmerzempfindungen, die sich im Bereich des Ober- und Unterbauchs bemerkbar machen. Für die Entstehung der Schmerzen kann es eine Vielzahl von Ursachen geben.
Gallensteine bilden sich durch Substanzen, die in der Gallenflüssigkeit gelöst sind und aus dem gelösten in einen festen Zustand übergehen können.
Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.
Juckreiz ist ein unangenehmes Gefühl der Haut, das den Drang zum Kratzen hervorruft. Er ist ein charakteristisches Merkmal vieler Hautkrankheiten und ein Anzeichen für einige systemische Krankheiten.
Eine Hautverletzung in Form einer Wunde und dessen Heilung bringen als Folge eine Narbenbildung mit sich. Narben sind in den meisten Fällen nur minimal von dem umliegenden Gewebe zu unterscheiden und bringt keine Beschwerden mit sich.

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