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Gesundheit von A-Z

Lunge

Zuletzt evidenzbasiert geprüft am 18. Sept. 2022

Aufbau

Die Lunge ist unser Atemorgan und liegt in dem Brustkorb. Sie besteht aus zwei Flügeln, dem rechten und linken Lungenflügel. Den rechten Lungenflügel kann man weiter in drei Lappen unterteilen und den linken Lungenflügel in zwei Lappen. Die Lunge ist mit Mund und Nase über die Luftröhre verbunden. Die Luftröhre liegt vor der Speiseröhre und besteht aus Knorpel und Bindegewebe, was sie stabil und gleichzeitig biegsam macht.

Wissenswert

Wenn wir schlucken, dann ist die Luftröhre für diesen Zeitpunkt verschlossen.

Die Luftröhre teilt sich auf, sobald sie die Mitte der Lungenflügel erreicht. Die rechte Abzweigung ist etwas steiler als die linke. Der linke Lungenflügel hat also nur zwei Lappen und die linke Abzweigung ist flacher. Beides aus ein und demselben Grund: Das Herz liegt auch links und die Lunge arrangiert sich darum herum.

Wenn wir durch Mund oder Nase einatmen, kommt die Luft über die Luftröhre bis in die Lungenflügel. In den Lungenflügeln führen viele verzweigte Wege zu immer kleiner werdenden Abschnitten bis hin zu den Lungenbläschen. Die Lungenbläschen sind die Einheit, an der der Gasaustausch stattfindet.

Funktion

Die Lunge hat nur eine Aufgabe: den Gasaustausch. Sie nimmt den eingeatmeten Sauerstoff O₂ aus der Atemluft über die Lungenbläschen in das Blut auf. Gleichzeitig bringt die Lunge das Kohlenstoffdioxid CO₂, welches als Endprodukt in unserem Stoffwechsel entsteht, von dem Blut über die Lungenbläschen wieder aus unserem Körper heraus. Diese Aufgabe ist sehr komplex.

Die Atmung

Menschen atmen quasi automatisch, heißt, wir müssen wir nicht darüber nachdenken. Unsere Lunge dehnt sich bei der Einatmung aus und zieht sich bei der Ausatmung zusammen. Atmen wir ein, heben sich unsere Rippen und zieht sich unser Zwerchfell zusammen. Dadurch wird in unserem Brustkorb mehr Platz geschaffen und unsere Lunge kann sich ausdehnen. Das Zwerchfell ist ein sehr interessanter Muskel, welcher durch Bindegewebe fest und waagerecht unten in unserem Brustkorb liegt.

Auf diesem Zwerchfell liegen Lunge und Herz. Unter dem Zwerchfell sind unsere Verdauungsorgane wie zum Beispiel Magen , Darm und Leber . In dem Zwerchfell gibt es Öffnungen, durch die Arterien, Venen, Nerven und die Speiseröhre laufen. Atmen wir aus, entspannen sich die Rippen-anhebenden Muskeln, der Platz im Brustkorb wird kleiner und die Luft entweicht.

Die Lunge selbst hat keine Muskulatur. Damit unsere Lunge nicht in sich zusammenfällt, ist sie durch eine besondere luftdichte Verbindung, die man auch Pleura nennt, an den Brustkorb „geklebt“. So hat die Lunge fest Kontakt zu dem Brustkorb. Die Lunge würde ohne diese Verbindung wie ein kaputter Luftballon zusammen schrumpfen.

Wissenswert

Wenn wir bewusst und kraftvoll ganz tief einatmen, können wir bis zu fünfmal mehr Luftvolumen in unsere Lunge holen. Wenn wir nun extrem ausatmen, dann bleibt trotz allen Bemühungen immer noch etwas Luft in der Lunge, welche ganz natürlich die hohlen, stabilen Räume ausfüllt. Bei dem ersten Atemzug während unserer Geburt kam dieses Luftvolumen in unsere Lunge und wird dort bis zu unserem letzten Atemzug bleiben.

Hat der Patient eine Verletzung und die luftdichte Verbindung zwischen Lunge und Brustkorb ist unterbrochen, kann Luft zwischen Lunge und Brustkorb gelangen. Das nennt man einen „Pneumothorax“. In einem solchen Fall zieht sich die Lunge so sehr zusammen, dass dem Patienten das Atmen extrem schwerfällt. Jetzt benötigt der Patient unbedingt Hilfe. Dies passiert, indem man die Luft aus dem Raum zwischen Lunge und Brustkorb auf verschiedenen Weisen entfernt.

Pleura

Die „klebrige“ Verbindung zwischen Lunge und Brustkorb wird als Brustfell oder Pleura bezeichnet. Sie besteht aus zwei Seiten: der inneren Lungenseite und der äußeren Brustkorbseite. Der „Kleber“ zwischen diesen Seiten ist die Pleuraflüssigkeit. Diese Flüssigkeit füllt den Pleuraspalt, wie man den Raum zwischen den Seiten auch nennt, bei einem gesunden Menschen komplett aus.

Pleuramesotheliom ist der Fachbegriff für die „Staublunge“ (Sie ist nicht dasselbe wie die Raucherlunge). Ist der Patient in seinem Leben oft Staub oder Asbest ausgesetzt, kann seine Lunge verletzt werden, was ständige Entzündungen hervorruft. Das Gewebe vernarbt. Das vernarbte Gewebe ist derb und schwer beweglich, was die Atmung stark erschwert. Oft breitet sich dieses Gewebe leider aus – dann entsteht ein bösartiger Tumor.

Der Austausch von O₂ und CO₂

Ist frische Luft durch eine Einatmung bis zu unseren Lungenbläschen vorgedrungen, kann es zu dem Gasaustausch zwischen den Lungenbläschen und dem Blut kommen. Auf dem gesamten Weg von Nase bzw. Mund bis vor die Lungenbläschen kann noch kein Gasaustausch stattfinden. Das funktioniert wirklich nur in diesen vielen kleinen Lungenbläschen am Ende dieses langen Weges.

Auf dem langen Weg durch die Atemwege wird die frische Luft gereinigt und angefeuchtet. Diffusion ist ein anderes Wort für diesen Gasaustausch. Mit der „blauen“ Lungenarterie kommt an den Lungenbläschen sauerstoffarmes und kohlenstoffdioxidreiches Blut an (Sie heißt wirklich LungenARTERIE, auch wenn sie sauerstoffarmes Blut transportiert, weil sie von dem Herzen weg führt). Die Wand der Lungenarterie liegt direkt an der Wand der Lungenbläschen. Diese Wände und der Raum zwischen den Wänden sind so dünn wie nur möglich gehalten.

Kommt zum Beispiel bei einem Lungenödem Wasser in den Raum zwischen den Wänden, dann ist der Gasaustausch dort unmöglich – dieses Wasser sollte umgehend durch eine sogenannte Punktion entfernt werden. Bei dem Gasaustausch werden die Gase durch einen Druckunterschied zwischen Blut und der Atemluft, dem sogenannten Konzentrationsunterschied, angetrieben. Die CO₂-Konzentration ist in der ankommenden „blauen“ Lungenarterie sehr hoch und drückt. Sauerstoff gibt es hier kaum noch.

Wissenswert

In der Atemluft gibt es eine vergleichsweise geringere CO₂-Konzentration, dafür aber eine hohe O₂-Konzentration. Diese Konzentrationsunterschiede muss man an der kleinen Fläche des Lungenbläschens betrachten. Natürlich gibt es auf der ganzen Welt in der Luft mehr CO₂ als in unserem Blut. Doch an dieser kleinen Fläche, wo sich Lungenbläschen und Lungenarterie berühren, gibt es mehr CO₂ im Blut. Dieses CO₂ will raus in die Luft des Lungenbläschens, da es hier nicht so viel anderes CO₂ auf engem Raum gibt.

Umgekehrt will Sauerstoff in die Lungenarterie, da es dort aktuell kaum welchen gibt. Alles O₂ wurde in dem Körperkreislauf fleißig verarbeitet. Es gibt also zu wenig O₂ in der Lungenarterie. In dem Lungenbläschen tummelt sich viel O₂, welches sich dann in die Lungenarterie drückt. Dieser Gasaustausch läuft so lange, bis es auf beiden Seiten, also auf der Lungenbläschenseite und der Lungenarterienseite, von jeweils CO₂ und O₂ etwa gleich viele gibt. In der Luft, die uns umgibt, gibt es wesentlich mehr Sauerstoff O₂ (20 %) als Kohlenstoffdioxid CO₂ (0,03 %). So haben wir nach diesem Gasaustausch auch wesentlich mehr O₂ im Blut. Die „blaue“ Lungenarterie, die nun mit Sauerstoff angereichert wurde und zu dem Herzen zurückführt, hat sich in die „rote“ Lungenvene verwandelt.

Lungenkreislauf

Der Lungenkreislauf ist wichtig, um das Blut mit Sauerstoff anzureichern. Um den ganzen Körper mit dem lebenswichtigen O₂ zu versorgen, muss das Blut an der Lunge mit O₂ beladen werden. Die sauerstoffarme „blaue“ Lungenarterie leitet das Blut, welches durch das Herz aus dem Körper kommt. An der Lunge wird das Blut mit O₂ angereichert und geht über die sauerstoffreiche „rote“ Lungenvene zurück zu dem Herzen. Das Herz kann nun das sauerstoffreiche „rote“ Blut in den Körperkreislauf pumpen und alle Organe mit dem O₂ versorgen.

Flimmerhärchen

In der Luftröhre gibt es ganz viele kleine Härchen, die sich bewegen können. Sie können winzige Krümel aus der Atemluft wieder nach oben Richtung Mund tragen. Man kann es sich vorstellen, wie eine Menschenmenge  bei einem Konzert. Der Sänger wirft sich in die Menge und alle strecken ihre Arme aus und bewegen den Sänger so gemeinsam in eine beliebige Richtung. In dem Fall der Luftröhre mit ihren Härchen und dem Krümel „Sänger“ ist die Richtung „hoch und raus“. Größere Krümel oder auch der Schluck eines Getränks, welche unabsichtlich in die Luftröhre statt in die Speiseröhre rutschen, müssen wir aktiv raushusten.

Es gibt aber noch andere kleinere Krümel in der Atemluft, wie Teer aus ganz normalen Zigaretten, die nicht herausgetragen werden können. Bei Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig regelmäßig Rauch in die Lunge bekommen, verkleben damit die Flimmerhärchen und sterben ab. Patienten, deren Lunge in so einer Form geschädigt ist, müssen häufiger und kräftiger husten als gesunde. Dieses Husten wird auch als Raucherhusten bezeichnet.

Wissenswert

Frühchen

Babys, die zu früh auf die Welt kommen, haben oft ein Problem mit der Atmung. Das liegt daran, dass ein gewisses Gel in der kleinen Lunge noch nicht produziert wird. Dieses Gel nennt sich „Surfactant-Factor“. Es wird benötigt, um die Lunge bei dem ersten Atemzug zu entfalten und mit Luft zu füllen. Dieses Gel setzt die Spannung auf den Lungenbläschen herab und erleichtert den Gasaustausch. Aus diesem Grund müssen frühgeborene Kinder nicht selten noch ein paar Wochen beatmet werden, bis ihr Körper dieses Gel produziert und die Atmung normal funktioniert.

Untersuchungen

Bei dieser Untersuchungsform atmet ein Patient mehrmals Heliumluft aus einer reinen Heliumbox ein. Der Arzt beobachtet die Box und kann über technische Hilfsmittel sehen, wie sich bei jedem Atemzug die Heliummenge verändert. So kann der Arzt die kleine Menge Luft in der Lunge bestimmen, welche auch bei einer extremen Ausatmung immer in der Lunge bleibt. Diese Untersuchungsmethode kann man auch mit anderen Atemgasen durchführen, zum Beispiel mit Atemluft, die zu einer sehr geringen und nicht schädlichen Menge Kohlenstoffmonoxid versetzt ist, das nennt sich dann CO-Diffusionsmessung.

Hier setzt sich der Patient in eine Kammer, welche luftdicht verschlossen ist. Dann wird der Druckunterschied zwischen Ein- und Ausatmung gemessen. Der Patient saugt quasi an einem Mundstück, ohne dabei Luft einzuatmen. So kann man zum Beispiel die größtmögliche Ausdehnung des Brustkorbes bestimmen, da der Druck in der Kammer steigt. Man kann hier auch messen, wie viel Luft der Patient innerhalb einer Sekunde maximal ausatmen kann.

Das Peak-Flow-Meter wird gerne für eine schnelle und einfache Untersuchung genutzt. Eine solche Messung kann ein chronisch erkrankter Patient auch selbst zu Hause durchführen. Patienten, die diese Messung nutzen, haben oft eine chronische Lungenerkrankung wie Asthma oder COPD und nutzen das Gerät zur Selbstkontrolle. Der Patient atmet für seine Messung nach einer größtmöglichen Einatmung mit voller Kraft in das Mundstück des Gerätes aus. Nun kann der Patient selbst die Werte aufschreiben und sammeln. Wird diese Messung mehrmals am Tag und langfristig durchgeführt, kann der Patient seine Krankheit besser kontrollieren und mit den gesammelten Werten und dem Arzt zu der bestmöglichen Behandlung beitragen.

Diese Untersuchung ist keine direkte Lungenuntersuchung. Hier wird dem Patienten Blut abgenommen und dann untersucht. Ziel ist, die Menge von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid im Blut zu untersuchen. Das Blut wird sofort nach Abnahme untersucht. Anhand der Ergebnisse kann der auch Arzt feststellen, ob das Blut des Patienten übersäuert (zu viel CO₂) ist.

Funktionsstörungen der Lunge

Asthma

Bei Atemwegserkrankungen wie Asthma hat der Patient folgendes Problem: Die Einatmung erfolgt zwar ohne Probleme, aber die Ausatmung ist erschwert. Ein Asthmatiker kann bei einem Asthmaanfall zwar sehr schnell ein, aber nur sehr schwerlich und langsam ausatmen. Sie können also nicht in einer gesunden Zeit genug verbrauchte Luft mit CO₂ ausatmen.

Es kommt zu einem ungenügenden Austausch von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid. Da die Ausatmung nur langsam funktioniert, versucht der Asthmatiker mit Kraft die Luft rauszudrücken. So verengt er aber seine gesamten Atemwege und behindert die Ausatmung noch mehr.

Alle unsere medizinischen Inhalte werden regelmäßig überprüft und aktualisiert

  • Aktuelle Version
  • 8. Juli 2022

Geschrieben von
Anna Flisek

Medizinisch geprüft am
18. Sept. 2022

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Eine Raucherlunge ist schwarz von dem Teer des Zigarettenrauchs. Der Teer ist zu schwer und klebrig um ausgeatmet zu werden. Eine gesunde Lunge ist rosa-gräulich. Die Lunge von einem Menschen, der in seinem Leben fünf Zigaretten geraucht hat, ist nicht schwarz. Wer jahrelang mehrere Zigaretten am Tag raucht, darf damit rechnen, dass seine Lunge mehr schwarz als rosa-grau ist.

Die Fläche der Lunge komplett aufgefaltet liegt bei hundert Quadratmetern. Das entspricht  in etwa der Fläche einer recht großen Wohnung (zehn mal zehn Meter). Die Lunge ist stark verzweigt. Die vielen Äste führen zu insgesamt dreihundert Millionen Lungenbläschen, welche den Gasaustausch durchführen.

Der Hilus ist der Eingang für die Luftröhrenabzweigung, Lungenarterie, Lungenvene und Lymphgefäße in den jeweiligen Lungenflügel.

Mund oder Nase-> Rachen->Kehlkopf ->Luftröhre ->Abzweigungen -> Abzweigungen->Abzweigungen-> Lungenbläschen. (Den vorderen Teil des knorpeligen Kehlkopfes können wir übrigens spüren, wenn wir unsere Finger auf den Hals legen und schlucken.)

Die Lunge liegt im Brustkorb. Im Ruhezustand reicht sie von dem Schlüsselbein oben bis zu der sechsten Rippe vorne und zehnten Rippe im Rücken runter. Sie fühlt einen großen Teil des Brustkorbes aus.

Ja. Bei Lungenkrebs zum Beispiel wird manchmal der Lappen, der von dem Tumor befallen ist, bei einer Operation von einem Chirurgen entfernt.

Lungenlappen sind die Teile der Lunge. Beide Lungenflügel haben mehrere Lappen (rechts drei, links zwei).

Die Lunge hat keine Muskulatur. Atmet man ein hebt die Rippenmuskulatur den Brustkorb und dehnt sich das Zwerchfell. Es entsteht mehr Raum für die Lunge, die sich mit eingeatmeter frischer Luft füllt.

Die Lunge ist im Schnitt etwa 25 cm hoch und 15 cm breit.

In die gesunde Lunge eines Erwachsenen passen drei bis fünf Litern. Bei Leistungssportlern sogar bis zu neun Litern.

Ist die Lunge krank oder verletzt, hat der Patient in der Regel Schmerzen im Brustbereich und/oder im Rücken.

Häufiges Husten, Blutiger Husten, Atemnot, Kurzatmigkeit, schnelle Atmung

Die Lunge sorgt dafür, dass unser Körper mit Sauerstoff versorgt wird und Kohlenstoffdioxid aus unserem Körper abgegeben werden kann.

Begriffe

COPD

Die COPD beschreibt eine chronische Atemwegsverengung die aufgrund von jahrelangem Einfluss schädlicher Substanzen (meistens Zigarettenrauchen) auf die Atemwege verursacht worden ist.
Als Husten bezeichnet man die Reaktion des Körpers, auf eine Reizung des Rachens oder der Atemwege.
Beim Lungenödem handelt es sich nicht um eine konkrete Erkrankung, sondern vielmehr um die Beschreibung eines Zustandes, der von einer Vielzahl von Grunderkrankungen verursacht werden kann.

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