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Demenz

Profilbild von Leyla Al-Sayegh Geschrieben von Leyla Al-Sayegh
Eine ältere Frau mit ihrer Altenpflegerin.

Die Demenz ist eine häufige Erkrankung des Alters, die vor allem bei über 65-Jährigen auftritt. Sie ist definiert durch den Abbau von höheren Hirn-Funktionen in Kombination mit dem Verlust von Alltagskompetenzen.

Anders ausgedrückt beschreibt die Demenz eine fortschreitende Störung von kognitiven, emotionalen und sozialen Funktionen, was dazu führt, dass der Alltag nicht mehr alleine bewältigbar ist.

Das Endstadium zeichnet sich durch die vollständige Hilflosigkeit und damit Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit durch Mitmenschen aus. Einer Demenz liegt immer eine organische Veränderung des Gehirngewebes zugrunde.

Insgesamt leiden circa 8-13 % aller Menschen über 65 Jahren in westeuropäischen Ländern an einer Demenz. Das Auftreten der Demenz ist stark altersabhängig: Während circa 10 % der bis 80-Jährigen von einer Demenz betroffen sind, sind es bei den bis 90-Jährigen schon etwa 40 %.

Aktuellen Daten zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr circa 300 000 Menschen neu. In Österreich leben heutzutage etwa 135 000 Menschen mit Demenz, in der Schweiz sind es circa 148 000 Menschen. Im Allgemeinen sind Frauen häufiger betroffen als Männer – nur unter der sogenannten „vaskulären Demenz“ leiden mehr Männer als Frauen. Außerdem kann bei vielen Demenzkranken eine familiäre Häufung beobachtet werden.

Demenzen werden in mehrere Formen unterteilt, die sich sowohl in der Ursache, als auch in der Ausprägung der Symptome unterscheiden. Allen Unterarten ist laut offizieller Definition gemeinsam, dass eine ausgeprägte Verminderung von „höheren kognitiven Funktionen“ vorliegen muss.

Zu diesen kognitiven Funktionen gehören Vorgänge des Denkens, des Gedächtnisses, der Orientierung, der Auffassung und des Urteilsvermögens sowie das Rechnen, die Lernfähigkeit und die Sprache.

Zusätzlich machen sich Veränderungen von Emotionen, vom Sozialverhalten und von der Motivation beziehungsweise der Lebensfreude bemerkbar. Um zur Diagnose „Demenz“ zu gelangen, muss auch eine Beeinträchtigung des Alltags vorliegen, die durch die Funktionsstörungen der kognitiven Fähigkeiten entsteht.

Damit wird die Demenz von ihrer Vorstufe, dem „mild cognitive impairment“ abgegrenzt. Insgesamt müssen die Symptome mindestens für 6 Monate bestehen, damit von einer Demenz gesprochen werden kann. Wichtig ist zudem, dass das Bewusstsein bei der Demenzerkrankung nicht getrübt ist.

Formen der Demenz

Formen im Überblick

Die Demenz kann anhand ihrer Entstehung in eine primäre und eine sekundäre Demenz gegliedert werden. Außerdem können verschiedene Formen der Demenz auch noch anhand der betroffenen Regionen des Gehirns unterschieden werden.

Als primäre Demenz werden alle Formen beschrieben, die ohne vorangegangene Krankheiten oder Verletzung entstehen. Mit 80-90 % aller Demenzerkrankungen kommt sie eindeutig häufiger vor, als die sekundäre Demenz, die aufgrund von Vorerkrankungen entsteht.

Diese primären Formen lassen sich wieder unterteilen in neurodegenerative und vaskuläre Demenzen sowie in Mischformen. „Neurodegenerativ“ heißt, dass die Nervenzellen des Gehirns verkümmern, während „vaskuläre“ Formen auf eine Veränderung der Hirndurchblutung zurückzuführen sind.

Insgesamt kommt am häufigsten, mit circa 55 %, die Alzheimer-Demenz vor, die zu den neurodegenerativen Demenzformen zählt. Sie beginnt meist schleichend und ist durch eine frühe Merkfähigkeitsstörung gekennzeichnet.

Die ebenfalls neurodegenerative, sogenannte „Lewy-Body-Demenz“ (oder „Lewy-Körperchern-Demenz“) teilt sich mit 20 % den 2. Platz hinsichtlich ihrer Häufigkeit mit der vaskulären Demenz mit 15%-20 %. Auch Mischformen (vor allem Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenzen) kommen mit 15 % nicht selten vor.

Die Symptome einer Demenz können durch andere Grunderkrankungen hervorgerufen werden. Dann werden sie als sekundäre Demenzen bezeichnet. Sowohl Krankheiten des Gehirns bzw. der Gehirnnerven, als auch Stoffwechselstörungen, infektiöse Erkrankungen, Giftstoffe oder traumatische Verletzungen kommen als Auslöser infrage.

Typische Demenz-verursachende Gehirnerkrankungen sind das Parkinson-Syndrom, der Normaldruckhydrozephalus oder die Multiple Sklerose. Auch Tumor-Erkrankungen des Hirngewebes können für den Abbau der kognitiven Funktionen ursächlich sein.

Stoffwechselstörungen, wie ein Ungleichgewicht von Schilddrüsenhormonen oder gewisse Vitamin-Mangel-Syndrome und Infektionen, wie eine HIV-Erkrankung, Toxoplasmose, Syphilis oder eine Ansteckung mit dem Zytomegalie-Virus können eine Demenz begünstigen.

Bei langer, chronischer Alkoholabhängigkeit wird die Entstehung von Demenzsymptomen ebenfalls gefördert.

Demenz nach Lokalisation

Der Abbau des Hirngewebes ist nicht in jeder Hirnregion gleich ausgeprägt. Je nach betroffener Gehirn-Lokalisation entstehen verschiedene Symptome. Die Einteilung kann daher auch nach Betroffenheit der Hirnteile gemacht werden. Teilweise können verschiedene Demenztypen nach der Ursache klar den betroffenen Hirnregionen zugeteilt werden.

Ist die Hirnrinde am stärksten betroffen, wird das „kortikale Demenz“ genannt. Sie macht sich vor allem durch einen Abbau der Sprache, des Gedächtnisses, der räumlichen Orientierung und dem Rechnen bemerkbar.

Die Persönlichkeit, die Lebensmotivation und das Bewusstsein sind dabei in der Regel nicht verändert. Beispielsweise kann bei der Alzheimer-Demenz häufig eine ausgeprägte Betroffenheit der Hirnrinde festgestellt werden.

Dahingegen sind bei der „subkortikalen Demenz“ vor allem Teile des Gehirns, die innerhalb der Hirnrinde liegen, verändert. Typischerweise ist hier der Antrieb, die Arbeitsgeschwindigkeit, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein getrübt, wobei die anderen Leistungen (wie Orientierung oder Rechnen) vergleichsweise gut erhalten bleiben. Die subkortikale Demenz ist meistens eine sekundäre Form, das heißt, ihr liegt eine andere Erkrankung des Gehirns zugrunde.

Eine spezielle Unterart der Demenz stellt die frontotemporale Demenz dar, die schon in jüngeren Jahren auftritt und durch eine Veränderung der Persönlichkeit und des Verhaltens gekennzeichnet ist.

So wirken Betroffene enthemmt, lachen in unpassenden Situationen und verhalten sich unverschämt und aggressiv in Gesellschaft. Die Orientierung und Gedächtnisfunktionen sind allerdings gut erhalten, weswegen oft nicht an eine Demenz als Diagnose gedacht wird.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Demenz?

Ursachen im Überblick

Im Allgemeinen entsteht eine Demenz unabhängig von ihrer Unterform durch eine fortschreitende Störung der Gehirnfunktionen, die auf eine Veränderung des Gehirngewebes zurückzuführen ist. Je nach Unterform kommen verschiedene Ursachen für die Entstehung der demenziellen Symptome infrage.

Zum Teil spielen genetische Faktoren eine Rolle: In 5-10 % der Fälle konnte eine familiäre Häufung bei Patienten mit Demenz gefunden werden. Einzelne Genveränderungen konnten zwar als Auslöser identifiziert werden, meistens werden die Symptome allerdings durch das Zusammenspiel von mehreren Veränderungen des Erbguts verursacht.

Vor allem bei den neurodegenerativen Erkrankungen, kann eine „Schrumpfung“ des Hirngewebes gefunden werden. Die betroffenen Hirn-Stellen werden von Medizinern „atrophische Zonen“ genannt. In bildgebenden Verfahren des Gehirns – zum Beispiel mittels Magnetresonanztomografie (MRT ) – können diese manchmal klar nachgewiesen werden.

Durch direkte Untersuchungen von Hirngewebe bei betroffenen Patienten wurden in vielen Fällen krankhafte Ablagerungen von speziellen, falsch zusammengesetzten, körpereigenen Eiweißen (z.B. sogenannte Amyloid-Beta- oder Tauproteine) gefunden.

Diese Eiweiß-Ablagerungen werden als Verursacher des demenziellen Syndroms gesehen. Die Lewy-Body-Demenz wurde beispielsweise sogar nach den krankhaften Ablagerungen – nämlich den „Lewy-Bodies“ – benannt. In wenigen Fällen können auch spezielle Krankheitserreger („Prionen“) als Ablagerungen im Gehirn nachgewiesen werden.

Die bekannteste Krankheit, die durch Prionen verursacht wird, ist die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, die als Unterform des Rinderwahnsinns auch in der Allgemeinbevölkerung bekannt wurde.

Die vaskuläre Demenz resultiert im Unterschied zu den neurodegenerativen Formen aus einer Minderdurchblutung des Gehirns – ähnlich einem Schlaganfall bzw. vielen Mini-Schlaganfällen.

In diesem Fall handelt es sich um eine Erkrankung der Gehirngefäße, wodurch das Blut (und damit Nährstoffe und Sauerstoff) nicht mehr regelrecht zu allen Zonen des Gehirns gebracht werden kann. Dadurch entsteht eine Minderversorgung und damit ein Abbau der betroffenen Hirnteile.

Meist entsteht eine vaskuläre Demenz aus dem Verschluss oder einer Blutung von kleinen Gefäßen, was zuerst meist keine Symptome verursacht. Erst wenn viele Blutgefäße betroffen sind, zeigt sich die volle Wirkung. Darüber hinaus kann auch ein großer Schlaganfall (bzw. mehrere größere Schlaganfälle hintereinander) eine Demenz als Langzeitfolge verursachen.

Einer der größten Risikofaktoren für vaskuläre Demenzen ist der Bluthochdruck . Aber auch andere Systemerkrankungen, wie hohe Blutzucker- oder Blutfettwerte und Verkalkungen der Blutgefäße begünstigen die vaskuläre Demenz.

Ein ungesunder Lebensstil mit Nikotin- und Alkoholkonsum, fettreicher Ernährung und Übergewicht stellen weitere Risikofaktoren für das Entstehen einer vaskulären Demenz dar.

Im Allgemeinen werden für die primären Demenzformen weitere Risikofaktoren beschrieben, die vor allem für die häufigste Unterart, der Alzheimer-Demenz, definiert wurden.

Als größter Risikofaktor wird das hohe Alter beschrieben, was durch eindeutige Daten belegbar ist. Daneben werden noch ein niedriges Bildungsniveau, Bewegungsarmut, Depressionen, ungesunde Ernährungsformen sowie Nikotin- und Alkoholkonsum zu den begünstigenden Faktoren gezählt.

Auch Allgemeinerkrankungen, wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhte Blutfettwerte und vorangegangene Herzinfarkte oder Schlaganfälle, werden insgesamt als Risikofaktoren von allen Demenz-Formen gezählt. Ebenso wiederholte Schädelhirntraumata oder Hirninfektionen können zur Entstehung der Demenz beitragen.

Sekundäre Demenzen sind häufig vorübergehende Zustände, die im Rahmen der Grunderkrankung entstehen. In manchen Fällen könnte das Gehirngewebe allerdings durch eine vorbestehende Krankheit so geschädigt sein, dass trotz ausreichender Behandlung des Grundleidens, die Defizite im Denken und der kognitiven Leistung bestehen bleiben.

Als Beispiel dient eine chronische Minderversorgung des Gehirns, die aufgrund einer Blutarmut entsteht: Wenn zu wenige rote Blutkörperchen im Blut sind, wird der gesamte Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Grundsätzlich fallen Menschen mit Blutarmut in erster Linie durch eine blasse Hautfarbe, Müdigkeit und körperliche Leistungsschwäche auf. Im Falle einer verminderten Hirndurchblutung können dann auch kognitive Einschränkungen dazu kommen: Betroffene haben Schwierigkeiten mit der Konzentration und Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis und dem Lösen von komplexeren Aufgaben. Dies sind Symptome, die bei einer Demenz auftreten.

Ein anderes, typisches Beispiel ist das "demenzielle Syndrom", das im Rahmen von langjährigem, chronischem Alkoholkonsum entsteht: Der Alkohol zerstört vereinfacht gesagt über komplexe Prozesse nach und nach das Nervengewebe, sodass das Gehirn nicht mehr 100 % seiner Leistungsstärke geben kann.

Das resultiert ebenfalls in Demenz-ähnlichen Symptomen, die trotz Absetzen von Alkohol in den allermeisten Fällen nicht rückgängig gemacht werden können.

Was sind die Symptome einer Demenz?

Symptome je nach Unterform der Demenz

Je nach Unterart der Demenz können sich Symptome und der Ausprägung stark unterscheiden. Allen Formen ist gemein, dass es zu einem Verlust von höheren Gehirnleistungen kommt, die zuvor schon einmal erreicht waren.

Damit wird die Demenz klar von der „Minderbegabung“ abgegrenzt, die von der Geburt an besteht. Um von einer Demenz sprechen zu können, muss außerdem die alleinige Bewältigung des Alltags stark eingeschränkt sein.

Im Allgemeinen ist die Demenz grundsätzlich von Gedächtnis-, Konzentrations- und Orientierungsstörungen, sowie Einschränkungen in der räumlich-visuellen Verarbeitung, dem Urteilsvermögen, der Sprache und des Rechnens und Veränderungen des Verhaltens und der Persönlichkeit geprägt.

Bei manchen Formen steht der Verlust der Gedächtnisleistung im Vordergrund, während bei anderen eher eine Persönlichkeitsveränderung festgestellt werden kann. Im Folgenden werden die häufigsten Formen mit ihren typischen Ausprägungen erklärt.

Typischerweise entwickelt sich die Alzheimer-Krankheit langsam und schleichend. Anfangs bemerken Betroffene selbst meist Gedächtnisstörungen, die sich im Laufe der Zeit auch im Alltagsleben und damit auch bei den Mitmenschen bemerkbar machen.

In vielen Fällen werden auch leichte Verhaltensänderungen, gekennzeichnet durch sozialen Rückzug und Motivationsminderung bemerkt. Betroffene sind im Frühstadium Meister darin, die Vergesslichkeit zu überspielen und weichen Fragen über mögliche kognitive Einschränkungen gezielt aus. Das macht eine Diagnosestellung im Frühstadium äußerst schwierig. Im weiteren Verlauf schleichen sich nach und nach weitere geistige Defizite, wie Wortfindungsstörungen, fehlerhafte Anwendungen von Alltagsgegenständen, Verlust der Lesefähigkeit und Störungen in der räumlichen Orientierung, ein.

Bis zu 70 % der Erkrankten leiden darüber hinaus an negativen Verhaltensänderungen, beispielsweise innere Unruhe, Aggressivität, Rückzug, Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen, aber auch Wahnsymptome und Halluzinationen. Im klassischen Verlauf leben Betroffene der Alzheimerdemenz ab Diagnosestellung meist noch 5-8 Jahre, wobei vor allem anfangs eine rasche Fortschreitung beobachtbar ist. Das Endstadium ist durch eine schwere Hilflosigkeit und Pflegebedürftigkeit gekennzeichnet, die vor allem dadurch entsteht, dass das Alltagsleben (Toilettengang, Nahrungsaufnahme, Waschvorgänge) nicht mehr alleine zu bewältigen ist.

Auch nächtliche Unruhen, Verwirrtheitszustände oder aggressives Verhalten können eine professionelle Pflege rund um die Uhr erforderlich machen. Der Tod tritt durch Zusatzerkrankungen, meist Infektionen, Herzinfarkte oder schwere Verletzungen ein.

Die Lewy-Body-Demenz ist durch starke Schwankungen der kognitiven Leistungen gekennzeichnet: Mal wirken Betroffene in ihren höheren Gehirnfunktionen eingeschränkt, einige Stunden später kann davon nicht mehr die Rede sein.

Auch in Bezug auf die Wachheit und Aufmerksamkeit können starke Schwankungen beobachtet werden. Dazu kommen häufig visuelle Halluzinationen - das heißt, Betroffene „sehen“ Dinge, die gar nicht real sind. Der letzte Hinweis auf das Vorhandensein der Lewy-Body-Demenz sind das Auftreten von Parkinson-ähnlichen Symptomen, wie zittern der Hände, Steifheit der Extremitäten und unsicheres, kleinschrittiges Gangbild.

Häufige Nebenbefunde sind eine ausgeprägte Sturzneigung, wiederholte kurze Bewusstseinsverluste, Wahnvorstellungen oder auch Halluzinationen, die andere Sinnesorgane betreffen (z.B. hören Betroffene nicht vorhandene Stimmen oder Geräusche).

Im Gegensatz zu neurodegenerativen Formen treten die Symptome bei vaskulären Demenzen akuter, weniger gleichmäßig und stärker wechselnd auf. Typisch sind ein plötzlicher Beginn, sprunghafte Verschlechterungen und punktuelle Leistungseinbußen – das heißt, dass der Verlust höheren kognitiven Fähigkeiten nicht gleichmäßig ausgeprägt ist, sondern je nach betroffener Hirnregion unterschiedlich sein kann.

Wie bei der Alzheimer-Erkrankung kommt es zu Gedächtnisverlust und Störungen der Hirnfunktionen, wie der Sprache, der Orientierung und der praktischen Anwendung von Alltagsgegenständen. Dahingegen kommt es meistens nicht zu Veränderungen der Persönlichkeit, der Motivation oder der Urteilsfähigkeit.

Das Auftreten von Persönlichkeitsveränderungen, vor allem der Ich-Bezogenheit oder paranoiden Wahnvorstellungen schließt die Diagnose „vaskuläre Demenz“ allerdings nicht aus.

Im Gegensatz zu den anderen häufigen Demenzformen, wird die frontotemporale Demenz gehäuft auch bei jüngeren Menschen – zwischen 30 und 40 Jahren – diagnostiziert. Bei dieser Demenz-Art wird zwischen einer Verhaltensvariante und einer die Sprache betreffende Variante unterschieden.

Bei der Verhaltensvariante kommt es zu starken Änderungen der Persönlichkeit. Klassische Symptome sind die soziale Enthemmung, unangebrachte Veränderungen in den Essgewohnheiten, Aggressivität, Verlust von gesellschaftlichen Wertvorstellungen, von Mitgefühl und Einfühlungsvermögen sowie Anteilslosigkeit und Passivität.

Die Gedächtnisleistung und die Orientierungsfähigkeit bleiben dabei zumindest in den Anfangsstadien gut erhalten, weswegen in vielen Fällen nicht an eine Demenz gedacht wird. Bei den Sprach-dominanten Unterformen werden vor allem Sprachstörungen, eine Reduktion des Wortschatzes, Benennungsstörungen und der Verlust der Lesefähigkeit beobachtet. Auch Stottern, stockender Redefluss und unflüssige Spontansprache sind auffällig. Erst im Verlauf kommt es ebenfalls zu negativen Verhaltensänderungen.

Diese können sich je nach Ursache stark in ihren Symptomen unterscheiden. Meisten treten Demenz-Syndrome in diesen Fällen in den Hintergrund und andere krankhafte Veränderungen des Körpers werden viel eher wahrgenommen.

So klagen Betroffene nach Verletzungen, Gehirn-Entzündungen, Blutungen im Schädel sowie bei Hirntumoren eher über Kopfschmerz und eventuell über Krampfanfällen und weniger über Gedächtniseinbußen.

Andere, das Nervengewebe betreffende Erkrankungen (beispielsweise Parkinson , amyotrophe Lateralsklerose oder Multiple Sklerose) können zwar von Schwächen der kognitiven Fähigkeiten begleitet sein, die Hauptsymptome machen sich allerdings anders, meistens durch Veränderungen im Bewegungsablauf oder körperliche Schwächen) bemerkbar.

Klinisch kann jede Art von Demenz in eine leichte, mittlere und schwere Ausprägung gegliedert sein, die normalerweise mit dem zeitlichen Verlauf korreliert. Am Beispiel der Alzheimer-Krankheit kann so ein typischer Verlauf beschrieben werden: Zuerst kommt es zu leichten Einbußen im Lernen von neuen Inhalten und der Merkfähigkeit, beispielswiese werden Termine vergessen und Schlüssel verlegt. Um von einer Demenz reden zu können, ist die Alltagsbewältigung nicht mehr möglich, Betroffene sind schon auf externe Hilfen angewiesen. Bei der mittelschweren Ausprägung werden sich neue Informationen nur noch kurz gemerkt. An Vergangenes können sich Patienten häufig noch besser erinnern. Auch die Orientierung zur eigenen Person bzw. zu nahen Angehörigen ist nicht mehr gegeben: Betroffene wissen nicht mehr, wo sie wohnen oder wie ihre Kinder heißen. Das selbstständige Leben ist nicht mehr möglich. Bei der schweren Form kommt es zum fast vollständigen Verlust von früher Erlerntem. Nahe Angehörige werden nicht mehr erkannt. Motorische Fähigkeiten sowie alltägliche Tätigkeiten (Nahrungsaufnahme, Körperhygiene und der Toilettengang) können nicht mehr durchgeführt werden.

Der Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt sich oft, was zu massiven Schlafproblemen führt. Eine ständige Betreuung ist unbedingt notwendig. Betroffene sterben in den meisten Fällen durch Infektionen oder Herzkreislauferkrankungen.

Neben dem Leid der Demenzkranken selbst darf man die Belastung für Angehörige nicht außer Acht lassen. Während die kognitiven Fähigkeiten der Liebsten immer mehr abbauen, müssen die Angehörigen nach und nach die Pflege und Betreuung übernehmen.

Die psychische und körperliche Belastung steigt dadurch enorm. Deswegen werden auch Angehörige in die Diagnostik und vor allem dem Therapieweg bei Demenz Patienten eingebunden.

Wie wird die Demenz diagnostiziert?

Falls Schwierigkeiten beim Merken von neu Erlerntem, häufiges Verlegen von Gegenständen oder das Vergessen von Namen oder Wörtern auftreten, könnten das erste Hinweise auf das Entstehen einer Demenz sein.

Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass viele andere Faktoren – allen voran Alltags-Stress, psychische Belastung oder Leistungsdruck – Symptome der Vergesslichkeit hervorrufen können, die bei Stressabbau oder Änderung des Lebensstils wieder gänzlich verschwinden und keine Demenz sind.

Beim ersten Verdacht auf eine demenzielle Erkrankung kann vorerst der Hausarzt aufgesucht werden. Um eine genaue Diagnose zu bekommen, sollten spezialisierte Demenz Abteilungen aufgesucht werden.

In vielen Krankenhäusern gibt es sogenannte „Gedächtnisambulanzen“ oder „Memory-Clinics“, die sowohl für die Diagnosestellung Demenz als auch für die weitere Betreuung aufgesucht werden können.

Untersuchungen im Überblick

Als erster Schritt zur Diagnosestellung müssen bei Verdacht auf Demenz andere Erkrankungen, die ähnlich erscheinen können, ausgeschlossen werden. Dazu werden einige diagnostische Mittel nach einem festgelegten Schema angewendet. Insgesamt dauert die Demenzabklärung einige Stunden.

Sie wird daher gerne auf 2-3 Tage aufgeteilt, in denen der Patient von einem multiprofessionellen Team, bestehend aus Ärzten, speziell ausgebildeten „Demenz“-Pflegern, Ergotherapeuten und Psychologen untersucht und betreut wird.

Am wichtigsten erscheint eine ausführliche Anamnese und Fremdanamnese, also ein Gespräch mit dem Betroffenen und einem oder mehreren Angehörigen über die Krankheitsgeschichte. Es werden Fragen zu den auftretenden Symptomen mit Ausprägung, Beginn und Verlauf gestellt.

Auch Informationen über Erkrankungen bei Familienangehörigen, sowie früheren Krankheiten und Verletzungen der betroffenen Person sind wichtig. Angaben über die aktuelle Medikamenteneinnahme, Nikotin- und Alkoholkonsum sind genauso wichtig, wie über das soziale, berufliche und familiäre Umfeld und das normale Alltagsleben. Um eine Abgrenzung zu psychiatrischen Erkrankungen, allen voran der Depression , zu schaffen, wird ein sogenannter psychopathologischer Befund im Rahmen des Gesprächs erhoben. Dieser dient dazu, Persönlichkeits- sowie etwaige psychische Störungen gezielt herausfinden zu können.

Nach dem Gespräch folgt eine körperliche, internistische und neurologische Untersuchung, vor allem um andere, die Symptome verursachenden Erkrankungen ausschließen zu können.

Dabei wird der ganze Körper von oben bis unten einmal durchuntersucht. Besonderes Augenmerk wird auf mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und hormonelle Störungen gelegt. Dazu zählt auch die Kontrolle des Blutdrucks, die Durchführung einer Elektrokardiografie (EKG), ein Ultraschall der Halsgefäße und des Herzens.

Bei einer angeschlossenen neurologischen Untersuchung werden vor allem die Gelenke, Nerven und Muskeln mit verschiedenen Tests (z.B. passive Durchbewegung, aktive Bewegungen, Reflextestungen) überprüft. Damit werden in erster Linie neurologische Erkrankungen (z.B. Parkinson-Syndrom, Normaldruckhydrozephalus) ausgeschlossen.

Neben den Gesprächen und der körperlichen Untersuchung zählt auch die Blutuntersuchung zu den Standardmaßnahmen. Damit können etwaige auslösende Faktoren, wie beispielsweise Infektionen, Ungleichgewicht von Schilddrüsenhormonen, Vitamin-Mangel oder Giftstoffe oder Drogen nachgewiesen werden.

Genauso sollten bildgebende Verfahren des Gehirns standardmäßig durchgeführt werden. Dazu zählen eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels, die Hinweise auf eine Atrophie – also ein „Verkümmern“ – des Hirngewebes zeigen können.

Außerdem können diese im Falle einer vaskulären Demenz Aufschlüsse über Durchblutungsstörungen geben. Auch weiterführende bildgebende Untersuchungen mit dem Namen SPECT oder PET, mittels derer die Hirndurchblutung und –Aktivität dargestellt werden können, verordnet werden.

Wenn die Notwendigkeit besteht, könnte auch eine Untersuchung der Hirnaktivität (Elektroenzephalografie – EEG), eine Liquorpunktion (also eine Entnahme der Rückenmarks Gehirnflüssigkeit mithilfe eines kleinen Nadelstichs im Bereich der Lendenwirbelsäule).

Zur normalen Abklärung einer möglichen Demenz werden neuropsychologische Untersuchungen mit standardisierten Testverfahren – auch „Demenz-Screening-Tests“ genannt – durchgeführt. Vollständigkeitshalber sollten alle Tests durchgeführt werden, um ein Vollbild des kognitiven Status des Patienten zu erlangen.

Zu den Tests zählen der Mini-Mental-Status-Test, der Uhren-Zeichen-Test, der DemTect, der Montreal Cognitive Assessment Test und der Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung.

Jeder einzelne Test dauert in der Regel 5-15 Minuten und erfasst im unterschiedlichen Ausmaß Funktionen zum Kurz- und Langzeitgedächtnis, der zeitlichen und örtlichen Orientierung, der Sprache, der Aufmerksamkeit und Konzentration, der visuellen Fähigkeiten, dem Rechnen, dem konzeptuellen Denken und der praktischen Anwendung beziehungsweise Durchführung von Aufgabenstellungen.

Am Ende dieser Demenzabklärung sollte eine klare Diagnose feststehen. Konnte keine Demenz festgestellt werden, müssen weiterführende Untersuchungen eingeleitet werden, die die bestehenden Symptome erklären können. Wurde ein demenzielles Syndrom festgestellt, sollte sowohl die Ursache, die Unterform als auch der Schweregrad definiert sein. Das ist deswegen wichtig, weil es einige Formen bzw. Ursachen gibt, die mit der richtigen Behandlung eine vollständige Heilung erfahren können.

Andere Formen sind chronisch fortschreitend und können dann auch mit der passenden Therapie nicht geheilt, sondern der Verlauf lediglich verzögert werden. Im Normalfall kann nach der durchgeführten Diagnostik auch ihr Schweregrad eingeschätzt werden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Diagnose einer Demenz schlussendlich hauptsächlich durch die klinische Manifestation, also die Beschreibung und Feststellung von typischen Symptomen gestellt wird.

Dabei gilt:

  • Die alleinige Bewältigung des Alltags muss beeinträchtigt sein, Patienten sind auf die Hilfe des Umfelds angewiesen
  • Die kognitiven Leistungen müssen sich hinsichtlich der vorherigen Fähigkeiten verschlechtert haben
  • Mindestens 2 der folgenden kognitiven Funktionsbereiche müssen gestört sein: Gedächtnisleistung, Durchführung von komplexeren Aufgaben und Urteilsfähigkeit, Räumlich-visuelle Auffassungsgabe, Sprachfunktion, Änderungen im Verhalten oder der Persönlichkeit
  • Die Veränderungen dürfen nicht durch eine Beeinträchtigung des Bewusstseins, der Sinnesorgane oder dem Vorhandensein von psychischen Erkrankungen erklärbar sein
  • Die Symptome müssen mindestens seit 6 Monaten bestehen

Andere Diagnosen, die mit einer Demenz verwechselt werden können

Mit diesen Krankheiten kann eine Demenz verwechselt werden

Krankheiten, die sich wie eine Demenz darstellen können und im Rahmen der Untersuchung ausgeschlossen werden müssen

Die leichte kognitive Störung stellt ein sogenanntes „prädementielles Syndrom“ – also eine Übergangsstufe zwischen dem normalen Nachlassen der Leistungsfähigkeit der Gehirnfunktionen im Alter und der „echten Demenz“.

Genau wie bei der Demenz werden hierbei ein Nachlassen der Gedächtnisleistung beschrieben, die aber auf alle Fälle milder ausgeprägt ist. Außerdem darf es keine Beeinträchtigung im Alltag geben, was wohl die Hauptunterscheidung zur Demenz darstellt.

Da das mild cognitive Impairment als Vorstufe der Demenz gesehen wird, wird gerade intensiv an Therapiemöglichkeiten geforscht, die in diesem Stadium eingesetzt werden, damit eine Demenz erst gar nicht entstehen kann. Bis jetzt konnten keine Therapien entwickelt werden, die den Verlauf der Erkrankung aufhalten könnte.

Von depressiver Pseudodemenz wird dann gesprochen, wenn Symptome einer Demenz auftreten, die aber eigentlich durch eine Depression ausgelöst werden. Andersherum sind allerdings auch Demenzen oft von depressiven Verstimmungen begleitet.

Deswegen gibt es spezielle Fragebögen, die auf die Unterscheidung zwischen Depression und Demenz abzielen. In Kürze kann man die Unterscheidungen in etwa so zusammenfassen: Depressive Menschen klagen aktiv über ihre Vergesslichkeit, während Demenzkranke die Gedächtnisverluste eher verstecken.

Die geistige Leistungsminderung erscheint bei Depressiven eher schwankend und fokussieren sich auf das Gedächtnis und weniger auf die Orientierung. Bei dementen Menschen werden die Gehirnfunktionen schleichend schlechter und meist sind alle kognitiven Funktionen, wie Gedächtnis, Orientierung, Konzentration und Auffassung gleichermaßen betroffen.

Darüber hinaus strengen sich Demenzkranke gegenüber Depressiven beim Lösen von Aufgaben mehr an, während depressive Menschen schneller aufgeben und darauf bestehen, dass sie die Antwort nicht wissen. Außerdem finden Leute mit Depression im Alltag oft recht gut alleine zurecht, während Demenzkranke laut Definition Schwierigkeiten bei der alleinigen Alltagsbewältigung haben.

Als Delir wird ein Zustand der qualitativen Bewusstseinsstörung bezeichnet. Häufig kommt es bei älteren Patienten vor. Es geht mit Bewusstseinstrübung, Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit zu Ort, Zeit und Person, Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen einher.

Im Vergleich zur Demenz ist es ein akut eingetretener, stark schwankender Zustand der Verwirrtheit und kein Dauerzustand.

Ein wichtiges Diagnosekriterium der Demenz ist, dass schon einmal erlernte Fähigkeiten wieder vergessen werden. Damit grenzt es sich eindeutig von der Intelligenzminderung oder der Minderbegabung („Oligophrenie“) ab, die schon von Geburt an bestehen.

Therapie bei Demenz

Da die Demenz eine Erkrankung ist, die nicht nur Betroffene selbst, sondern auch ihr Umfeld stark beeinträchtigt, spielt auch die Angehörigenberatung eine wichtige Rolle. Oft können Patienten selbst im Verlauf nicht mehr für sich entscheiden, weswegen den Angehörigen eine schwere Last der weiteren Therapieentscheidung und Lebensgestaltung der Betroffenen auf die Schulter gelegt wird.

Aus diesem Grund sollten schon frühzeitig Aufklärungen über die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie die Prognose durchgeführt werden – solange der Patient damit einverstanden ist. Wenn möglich, sollte gemeinsam über rechtliche Möglichkeiten, wie eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht, das Beantragen eines Behindertenausweises und der Pflegeversicherung entschieden werden.

Der Verlust der Fahrtauglichkeit stellt für viele Betroffene eine große Einschränkung dar und sollte deswegen ebenfalls ausführlich besprochen und evaluiert werden. Außerdem sollten sich von Anfang an Gedanken über eine mögliche Betreuung, externe Pflege oder die Beanspruchung von Tagesstätten oder Pflegeheimen gemacht werden, allen voran, um eine Entlastung für Patienten und Angehörige zu schaffen.

Allgemeintherapeutisch ist zu sagen, dass jeder Demenzkranke von einer adäquaten Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr profitiert.

Da Demenzerkrankungen häufig mit Begleitsymptomen wie Schlaflosigkeit, depressiven Verstimmungen, vermehrten Verletzungen (durch Sturzgefahr) und psychischen Veränderungen einhergehen, stellt die Bekämpfung dieser Symptome ebenfalls eine wichtige Behandlungssäule dar.

Diese Nebenerscheinungen können entweder mit Medikamenten oder auch mit nichtmedikamentösen Maßnahmen (Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Physiotherapie) gezielt behandelt werden.

Als Therapiemaßnahmen kommen grundsätzlich bei allen Formen sowohl Medikamente bzw. medizinische Eingriffe, als auch nicht-medikamentöse Behandlungen zum Einsatz.

Nicht medikamentöse Therapie

Die nicht medikamentöse Therapie ist dabei bei jeder Unterform der Demenz gleich:

Das Ziel der nicht-medikamentösen Therapie ist eine Erhaltung bzw. Förderung der kognitiven Leistungen, der Selbstständigkeit und des Selbstwertgefühls. Das wird vor allem durch eine Strukturierung des Tagesablaufes, ausreichende Motivation und mentale und körperliche Aktivierung erreicht.

Eine Ergotherapie kann hierbei sehr hilfreich sein, bei der das Schaffen von bedeutungsvollen Betätigungen im Vordergrund steht.

Darüber hinaus werden Angehörige einbezogen und beraten und gemeinsam eine Anpassung der Umwelt und Wohnsituation besprochen und bei Bedarf durchgeführt. Mittels Physiotherapie werden muskuläre Schwächen und Bewegungsdefizite ausgeglichen.

Eine Psychotherapie kann das Selbstwertgefühl stärken und eine etwaige depressive Verstimmung beheben. Viele Betroffene profitieren außerdem davon, wenn sie frühzeitig bei offiziellen, spezialisierten Einrichtungen, zum Beispiel Tagesstätten oder Pflegeheimen, aufgenommen werden.

Hier trainieren sie (je nach Abkommen wöchentlich bis täglich) das Einhalten der Tagesstruktur, erlernen körperliche Übungen und festigen die geistige Gesundheit. Auch Alzheimer-Selbsthilfegruppen können eine Entlastung erbringen. Weitere Therapien, die für viele Betroffene positive Effekte erzielen, sind Aromatherapien, Musik- oder Tanztherapien, Massagetherapien, Entspannungstherapien und viele weitere.

Die medikamentöse Therapie sollte immer genauesten nach Risiko-Nutzen abgewogen werden.

Die weitere, spezifische Behandlung der Demenz richtet sich nach diagnostizierter Ursache und Unterart. Manche Formen können mit der richtigen Behandlung vollständig geheilt werden, während der Großteil der Demenz-Syndrome leider auch mit der richtigen Therapie lediglich aufgehalten oder verzögert, aber nicht rückgängig gemacht werden können.

Therapie entsprechend der Unterform

Jede Unterform der Demenz erfordert eine individuelle Therapie

Die Alzheimer-Erkrankung kann nicht geheilt werden, schon eingesetzte Symptome können bedauerlicherweise auch nicht rückgängig gemacht werden. Die Behandlungsziele sind daher in erster Linie eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung bzw. eine Stabilisierung der jetzigen Situation.

Dabei sollte bei der Beurteilung des Therapieerfolgs nicht nur auf die kognitiven Leistungen, sondern auch auf die Bewältigung des Alltags und den Gesamteindruck Wert gelegt werden. Dieser sollte sowohl vom Patienten selber, als auch von den Angehörigen bzw. Pflegepersonen beurteilt werden.

Neben den nicht-medikamentösen Basismaßnahmen, wird mithilfe von Medikamente, die Antidementiva genannt werden, versucht, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Leider sind die Erfolgschancen auch bei medikamentöser Therapie sehr eingeschränkt.

So verzögert sich das Fortschreiten der Erkrankung nur bei circa 20 % der Betroffenen und das auch nur um 6-12 Monate im Durchschnitt. Jeder Therapieversuch mit Medikamenten sollte mindestens 6 Monate durchgeführt werden, um einen Erfolg beurteilen zu können. Bei leichten bis mittelgradigen Demenzformen werden sogenannte Cholinesterase-Hemmer mit dem Namen Domepezil oder Rivastigmin eingesetzt. Als wichtige Nebenwirkungen sind vor allem Magen-Darmbeschwerden und Unruhezustände zu nennen. Bei mittel- bis schwergradiger Demenz wird Memantin eingesetzt. Als unerwünschte Wirkungen werden hier vor allem Unruhe, Schwindel und Übelkeit beobachtet. Alternativmedizinische Präparate mit Ginkgo biloba haben ebenfalls positive Wirkungen gezeigt und können bei Unverträglichkeiten von Cholinesterase-Hemmern und Memantin eingesetzt werden. In einigen Ländern (z.B. Österreich) ist darüber hinaus auch ein Medikament namens Cerebrolysin zur Behandlung verschiedener Demenz-Erkrankungen durch Unterstützung der Gehirnfunktion zugelassen.

Angewendet wird es kurmäßig, im ersten Zyklus 5x wöchentlich über etwa 4 Wochen, dann kann auf eine 2-3 Mal wöchentliche Verabreichung umgestiegen werden. Die Anwendungsform erfolgt dabei entweder als Spritze in den Muskel oder verdünnt direkt in die venöse Blutbahn.

Auch die Lewy-Body-Demenz kann nicht geheilt werden, sondern nur eine Erleichterung des Alltags und ein Verhindern des Fortschreitens der Erkrankung erzielt werden.

Auch hier stellt die nicht-medikamentöse Therapie eine wichtige Therapiesäule dar. Als Medikament können wie bei der Alzheimer-Demenz Cholinesterase-Hemmer angewandt werden, die häufig sehr guten Erfolg sowohl bei den kognitiven Defiziten, als auch bei den Halluzinationen erzielen.

Bei schweren Parkinson-ähnlichen Symptomen kann das „Parkinsonmedikament“ Dopa eingesetzt werden. Hier ist allerdings darauf zu achten, dass die Halluzinationen unter dieser Therapie zunehmen können.

Zur Therapie der Halluzinationen wird hingegen auf Antipsychtoika wie Quetiapin oder Clozapin zurückgegriffen. Die Einnahme sollte dabei strengsten abgewogen und überwacht werden, da häufig eine Überempfindlichkeit auf diese Medikamentengruppe besteht.

Da die vaskuläre Demenz eine Erkrankung der Blutgefäße mit resultierender Minderdurchblutung darstellt, zeigt eine Vorsorgetherapie hier die größte Wirkung, sodass die vaskuläre Demenz erst gar nicht entstehen kann.

Wie bei jeder Prophylaxe von Herzkreislauf-Erkrankungen ist ein gesunder Lebensstil hierfür ausschlaggebend: Fettleibigkeit, Alkohol- und Nikotinkonsum sollten vermieden werden. Bluthochdruck , erhöhte Blutfettwerte und die Zuckerkrankheit sollten frühzeitig diagnostiziert und ausreichend behandelt werden.

Zur Behandlung von schon bestehender Demenz wird neben den nicht-medikamentösen Basismaßnahmen und bei Notwendigkeit der Bekämpfung von Begleitsymptomen, auf Medikamente zurückgegriffen.

Da es sich um eine Durchblutungsstörung handelt, werden im Gegensatz zur neurodegenerativen Form hauptsächlich Tabletten verabreicht, die die Durchblutung fördern – sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer. Diese bringen gemäß ihrer Wirkweise vor allem eine erhöhte Blutungsneigung als unerwünschte Wirkung mit sich. In manchen Fällen können beim Vorhandensein von Blutgefäßverengungen auch kleine Operationen zur besseren Durchblutung sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch eine Besserung erzielen. Die bei der Alzheimer-Erkrankung verwendeten Medikamente, wie Cholinesterase-Hemmer, sind zur offiziellen Behandlung bei vaskulären Demenzen nicht zugelassen.

In einigen Studien konnten sie allerdings ebenfalls eine Besserung der Symptome zeigen, weswegen nach Absprache zwischen Arzt und Patient ein Therapieversuch gestartet werden kann, schon allein deswegen, weil eventuell eine Mischform mit Alzheimer-Demenz vorliegen könnte.

Auch wenn schon erste Symptome einer Demenz eingetreten sind, sollten oben erwähnte „prophylaktische“ Maßnahmen, wie eine Behandlung des Bluthochdrucks oder eine Verbesserung des Lebensstils vor einem weiteren Fortschreiten schützen.

Auch hier ist die nicht-medikamentöse Basistherapie sehr wichtig, wobei es durch die oft fehlende Erkrankungseinsicht schwieriger ist, Patienten von der Notwendigkeit zu überzeugen. Bei der Sprachstörung-dominanten Unterform ist die Logopädie eine der wichtigsten unterstützenden Maßnahmen zur Erhaltung der Sprachfähigkeit.

Es gibt keine medikamentöse Standardtherapie. Während Cholinesterase-Hemmer absolut nicht angewendet werden sollten, zeigen spezielle Antidepressiva, sogenannte Sertralin Wiederaufnahme-Hemmer, gute Wirkungen bei den Verhaltensauffälligkeiten. Bei Erregung, Unruhe und Aggressivität können Antipsychotika Linderung verschaffen.

Sekundäre Demenzsymptome, also jene, die durch Vorerkrankungen entstehen, sind die einzigen, die teilweise heilbar sind. Um diese möglicherweise heilbaren Unterformen zu entdecken, ist die genaue, teilweise langwierige Diagnostik unbedingt notwendig.

Je nach Ursache kommen dann verschiedene Therapiemöglichkeiten zum Einsatz. Beispiele dieser Vorerkrankungen, die eine Demenz auslösen können, sind chronische Minderdurchblutungen des Gehirns, die wegen einer Blutarmut oder einer Herzinsuffizienz entstehen. Oft kommt es zur Besserung der demenziellen Symptome, wenn die Durchblutung wieder verbessert wird.

Manchmal führen auch Grunderkrankungen wie Leber- und Nierenversagen, Schilddrüsenerkrankungen oder Infektionen zur Demenz-Symptomatik. Werden diese Krankheiten behandelt, verschwindet oft auch die kognitive Leistungsschwäche. Auch die häufigen Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangelerscheinungen können Gedächtnisstörungen verursachen, die bei entsprechender Therapie wieder behoben werden.

Tumore des Gehirns können ebenfalls demenzielle Symptome verursachen. In einigen Fällen können solche Krebserkrankungen des Hirns mithilfe von Operationen, Chemo- und Strahlentherapie bekämpft werden, wodurch auch die kognitiven Fertigkeiten zum Großteil wiederhergestellt werden können.

Vollständigkeitshalber ist zu sagen, dass nicht jede dieser Krankheiten immer vollständig geheilt werden kann und auch, dass trotz vollständiger Heilung der Grunderkrankung weiterhin kognitive Einschränkungen bestehen bleiben könnten

Wie ist die Prognose der Demenz?

Die Prognose ist von Demenzart zu Demenzart unterschiedlich. Während es einige, sekundäre Demenzen gibt, die vollständig geheilt werden können, werden primäre Demenzen trotz richtiger Therapie maximal herausgezögert und niemals rückgängig gemacht.

So liegt die mittlere Lebenserwartung bei Patienten mit Alzheimer-Demenz bei 8 Jahren nach Diagnosestellung. Vaskuläre Demenzen haben eine noch schlechtere Prognose: Hier liegt die mittlere Überlebensdauer nach Diagnosestellung bei 4 Jahren.

Außerdem ist der Verlauf bei vaskulären Demenzen eher schubförmig, weswegen eine individuelle Prognose schwerer zu treffen ist.

Die häufigsten Todesursachen bei Demenz sind vor allem Infektionen, Herzinfarkte und die allgemeine Schwäche, die durch Mangel an Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und Bewegung entsteht.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei Demenz

Die meisten Fälle der Demenz können nicht vorhergesehen oder vermieden werden. Es gibt allerdings einige Risikofaktoren (niedriger Bildungsstandard, ungesunde Lebensstilführung), die es grundsätzlich zu vermeiden gilt.

Lediglich die vaskuläre Demenz kann wirklich gezielt durch gesunde Lebensstilführung verhindert werden. Dazu zählt eine ausgewogene Ernährung, ausreichend sportliche Aktivität, gesunder Schlafrhythmus genauso wie Verzicht auf massiven Alkohol- und Nikotinkonsum.

Risikoerkrankungen für Herzkreislauf-Vorkommnisse, wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Zuckerkrankheit und Verkalkungen sollten zum Beispiel durch regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt überprüft und gegebenenfalls behandelt werden.

Als alternativmedizinische Möglichkeiten werden vor allem Extrakte mit Ginkgo biloba eingesetzt, die in einigen Studien eine positive Wirkung auf die kognitiven Leistungen zeigen konnten.

Darüber hinaus sollen Mittel mit Wirkstoffen von Immergrün sowie spezielle Lippenblütler in Form von griechischem Bergtee gute Effekte erzielen. Auch Kurkuma-Extrakt soll die Gedächtnisleistung steigern können.

Empfehlungen zur Nachsorge bei Demenz

Die meisten Demenzformen sind chronisch fortschreitende Erkrankungen. In den meisten Fällen kann keine Heilung erzielt werden. Die Therapie soll lediglich eine Verschlechterung der Symptomatik verhindern.

Es sollten regelmäßige Nachsorge-Kontrollen beim behandelten Arzt bzw. im Demenz-Zentrum erfolgen, um eine mögliche Therapieanpassung regelmäßig durchführen zu können.

Sollte eine sekundäre Demenzform, mit möglichen Heilungschancen bei Behandlung der Grunderkrankung, festgestellt worden sein, richten sich die Empfehlungen zur Nachsorge ganz nach der Art der ursächlichen Erkrankung.

Jegliche Nachsorgeuntersuchungen sollten mit dem behandelten medizinischen Team abgesprochen werden.

Zusammenfassung

Die Demenz ist durch den Verlust von zuvor erworbenen kognitiven Fertigkeiten, wie Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Rechnen sowie einer Veränderung der Persönlichkeit und des Verhaltens gekennzeichnet und kann durch verschiedenste Ursachen (vor allem durch neurodegenerativen Abbau des Gehirngewebes oder Blutgefäßerkrankungen) entstehen.

Die häufigsten primären Unterformen sind die Alzheimer-Demenz und die Lewy-Body-Demenz, sowie die vaskuläre Demenz, die allesamt trotz Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser (Ergo-, Physio-, Verhaltenstherapie etc.) Behandlungsverfahren nicht heilbar, sondern höchstens aufhaltbar sind.

Die genaue Diagnostik sollte durch eine ausführliche Anamneseerhebung, körperliche Untersuchung, Blut- und Gehirnflüssigkeitsuntersuchung, bildgebende Verfahren sowie speziellen Screening-Tests von einem multiprofessionellen Team durchgeführt werden, mit dem Ziel etwaige rückgängig machbare Ursachen der kognitiven Einbußen zu erkennen und die korrekte Unterform zur richtigen Therapieentscheidung und der Einleitung von rechtlichen und pflegerischen Maßnahmen zu diagnostizieren.

Quellen

Demenz Ratgeber durch deine Erkrankung

Medisiegel

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