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Endometriose in der Blase: Symptome erkennen und behandeln

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Bei einer Endometriose siedeln sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut innerhalb des Bauchraumes an. Zwar lassen sich die meisten dieser Endometrioseherde frei, also abseits der Organe, finden, dennoch kann es im Zuge der Erkrankung auch zu einem Befall der Gebärmutter, der Eierstöcke sowie der Harnblase kommen.

Die Häufigkeit des Befalls der Harnblase und/oder der ableitenden Harnwege (UTE, urinarg tract endometriosis) liegt bei ungefähr 1-2 Prozent. Das bedeutet, dass rund zwei von 100 Frauen, die an einer Endometriose leiden, versprengte Schleimhautzellen im Bereich der Blase und/oder der Harnwege aufweisen.

Tatsächlich sind die ableitenden Harnwege im Vergleich deutlich seltener betroffen. Bei ungefähr 80 Prozent der Patientinnen mit UTE zeigen sich die Endometriose- Herde auf der Harnblase.

Ein derartiges Befallsmuster kann vor allem bei jenen Patientinnen beobachtet werden, bei denen eine sogenannte tief infiltrierende Endometriose (TIE) diagnosiziert wurde. Tief infiltrierend bedeutet in diesem Zusammenhang, das die Schleimhautzellen tief in die Gewebe eindringen.

Symptome der Harnblasenendometriose

Eine Endometriose kann bei den betroffenen Frauen eine Vielzahl verschiedener Beschwerden hervorrufen. Die dabei typischerweise auftretenden Symptome können sich in Abhängigkeit davon, wo die Schleimhautzellen lokalisiert sind, deutlich voneinander unterscheiden.

Wenn die Blase durch Endometrioseherde beeinträchtigt wird, entwickeln sich bei den Erkrankten häufig starke Schmerzen im Bauchraum. Die Schmerzen treten dabei sowohl bei Gefüllter Blase also auch während des Wasserlassens auf.

Zudem berichten die meisten Frauen mit Harnblasenbeteiligung, dass sie sehr häufig Harndrang versprüren und dann nur kleinste Mengen Harn absetzen müssen. Im Allgemeinen scheinen die Gewebsinseln, die auf der Blase siedeln, zu häufigem Harndrang zu führen.

Es gibt allerdings auch Frauen, die trotz starkem Befall keinerlei Beschwerden entwickeln und vollkommen schmerzfrei bleiben. Ungefähr jede sechste Frau, die an einer Endometriose leidet, entwickelt zu keinem Zeitpunkt Schmerzen.

Darüber hinaus können die Herde im Bereich der Harnblase zu Blutungen führen. Ob solche Blutungen tatsächlich entstehen, hängt vor allem von der sogenannten Eindringtiefe der Schleimhautzellen ab.

Das Blut wird dann in der Regel über den Urin ausgeschieden. Blutbeimengungen im Urin müssen allerdings nicht unbedingt sichtbar sein.

Es ist durchaus möglich, dass man das Blut nur anhand spezieller Teststreifen nachweisen kann. In der Medizin spricht man in diesem Fall von einer Mikrohämaturie. Dem entgegen steht die Makrohämaturie, bei der die Blutbeimengungen schon mit dem bloßen Auge sichtbar sind.

Wissenswert

Je tiefer die versprengten Schleimhautzellen in die Wand der Harnblase hineinreichen, desto wahrscheinlicher entwickeln sich Blutungen.

Aufgrund der anatomischen Beziehung zwischen Harnblase und Darm kommt es bei Frauen mit Blasenendometriose genauso häufig zu starken Schmerzen beim Stuhlgang.

Blasen-Endometriose und Unfruchtbarkeit

Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sollte neben den weiblichen Geschlechtsorganen auch die Blase auf den Befall durch Endometrioseherde hin untersucht werden. Dies ist unbedingt notwendig, weil die Harnblasenendometriose bei vielen Erkrankten ebenfalls zu Unfruchtbarkeit führt.

Diagnose der Harnblasenendometriose

Wenn bei einer Frau, die nachweislich an einer Endometriose leidet, Symptome entdeckt werden, die auf eine Beteiligung der Harnblase hindeuten, sollten zeitnah weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden. Wie bei jeder Form der Endometriose wird bei den Betroffenen zuerst eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt.

Ultraschalluntersuchung bei Verdacht auf Blasenendometriose

Bei Verdacht auf den Befall der Harnblase oder der ableitenden Harnwege findet diese Untersuchung über den Bauch, also eine abdominelle Sonografie, statt.

Mit Hilfe der Sonografie ist es möglich, die Wände des Hohlorgans darzustellen und auf Veränderungen hin zu prüfen. Während sich große Endometrioseherde in der Regel zügig im Ultraschall finden lassen, können kleinere betroffene Bereiche hingegen unentdeckt bleiben.

Achtung

Auch wenn während der Ultraschalluntersuchung keine Endometriose-Herde gefunden werden, schließt das eine Blasenendometriose nicht gänzlich aus.

MRT bei Verdacht auf Blasenendometriose

Eine Alternative zur Sonografie stellt die Magnetresonanztomografie dar. Auch dabei findet keine Strahlenbelastung der Patientin statt. Bei der Magnetresonanztomografie, MRT, können solch kleinere Herde oftmals besser dargestellt werden.

Aber auch mit diesem bildgebenden Verfahren ist der sichere Ausschluss eines Befalls der Blase nicht möglich.

Hinweis

Eine zuverlässige Aussage über einen möglichen Befall der Harnblase kann nur mit Hilfe einer Blasenspiegelung (Zystoskopie), die gegebenenfalls durch eine Laparoskopie ergänzt wird, getroffen werden.

Blasen- und Bauchspiegelung bei Verdacht auf Blasenendometriose

Bei einer Blasenspiegelung wird eine kleine Kamera über die Harnwege in die Blase eingeführt. Mit Hilfe dieser Kamera können die Wände des Organs genau inspiziert und auf Veränderungen hin untersucht werden. Die äußere Seite der Harnblase lässt sich während einer Bauchspiegelung ideal darstellen.

Bei diesem diagnostischen Verfahren wird die Bauchdecke durchstochen und damit ein Zugang zur Bauchhöhle geschaffen. Durch diesen Zugang schiebt der Operateur anschließend eine Kamera vor.

Eine Blasenspiegelung ohne pathologischen Befund, schließt Endometriose-Herde auf der Außenseite der Blase zwar nicht aus, in Kombination mit einer Bauchspiegelung kann jedoch eine zuverlässige Abklärung erfolgen.

Behandlung

Grundsätzlich kann eine Endometriose, unabhängig von der Lokalisation der Herde, medikamentös behandelt werden. Vor allem Gestagenpräparate wie die Pille können durch eine Regulation des Zyklus und das Aussetzen der Monatsblutung dabei helfen, die Beschwerden zu lindern.

Hinweis

Eine kausale Therapie, also eine Behandlung, die die Ursachen der Endometriose beseitigt, gibt es bis heute nicht.

Tatsächlich spielt die Einnahme von Medikamenten ,im direkten Vergleich zu den operativen Behandlungsmöglichkeiten, nur eine untergeordnete Rolle.

Im Falle eines Organbefalls ist es zudem nicht immer möglich, die Endometriose-Herde während der Bauchspiegelung abzutragen. Das ist nur dann möglich, wenn die Schleimhautzellen nicht zu tief in die Wand der Harnblase eingewachsen sind.

Bei einem tiefen Befall, bei dem die Blasenwand tief infiltriert wird, gilt die teilweise Entfernung der Blase (partielle Zystektomie) bis heute als Mittel der Wahl. Die Operation wird in der Regel minimalinvasiv, also ohne großen Bauchschnitt, durchgeführt.

Um die ein Auslaufen zu verhindern, die Blase zu schützen und einer Dehnung der Blasenwand vorzubeugen, wird die Patientin nach dem Eingriff über einige Tage mit einem Blasenkatheter versorgt.

Sollten darüber hinaus noch freie Herde innerhalb der Bauchhöhle vorliegen, können diese bereits im Zuge der diagnostischen Laparoskopie entfernt werden.

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