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Blasenkrebs

Profilbild von Dr. Moritz Wieser Geschrieben von Dr. Moritz Wieser
3D-gerenderte Illustration - Blasenkrebs

Blasenkrebs ist eine bösartige Neubildung des Urogenitaltrakts und nach dem Prostatakarzinom der zweithäufigste Urogenitaltumor. Er betrifft hauptsächlich Männer, im Verhältnis 3:1 gegenüber Frauen, in der Altersgruppe von 50 bis 80 Jahren.

Raucher (aktive und passive) haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, an einem Blasenkrebs zu erkranken. Hinweisend auf einen Tumor der Harnblase sind häufig eine Makro- oder eine Mikrohämaturie.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Blasenkrebses?

Für die Entstehung von Blasenkrebs gibt es verschiedene Ursachen. In den meisten Fällen kommen mehrere dieser Faktoren zusammen und provozieren gemeinsam die Mutation von Zellen der Harnblase. Bei ungefähr 90 Prozent der Betroffenen geht der Tumor vom Urothel aus. Bei dem sogenannten Urothel handelt es sich um eine Gewebeschicht der Blasenschleimhaut. Diese Gewebeschicht kleidet die gesamte Harnblase, die Harnleiter und -röhre von innen aus.

Risikofaktoren

Einige Faktoren, sogenannte Risikofaktoren, die von außen auf den Menschen einwirken, können Mutationen der Zellen des Urothels hervorrufen:

Der Konsum von Nikotin stellt einen der wichtigsten Risikofaktoren dar. Eine Reihe von Schadstoffen, die im Zigarettenrauch enthalten sind, können sich nach dem Einatmen über die Blutbahn im Körper verteilen. Auf diese Weise gelangen sie zum Beispiel auch in die Harnblase und somit zu dem Urothel. Man geht davon aus, dass mindestens 50 Prozent aller Blasenkrebserkrankungen mit dem regelmäßigen Konsum von Nikotin in Zusammenhang stehen. Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ein bis zum Sechsfachen erhöhtes Risiko für Tumore im Bereich des Urogenitaltrakts.

Neben dem Zigarettenrauch können auch einige chemische Substanzen die Mutation von Urothelzellen provozieren. Eine besonders große Rolle spielen dabei die sogenannten aromatischen Amine. Diese Substanzen wurden noch vor einiger Zeit in der Chemieindustrie, der Gummi-, der Textil- und Lederindustrie eingesetzt. Auch in Malerberufen kamen aromatische Amine immer wieder zum Einsatz. Menschen, die in einem solchen Bereich arbeiten und an Blasenkrebs erkranken, können dies als Berufskrankheit geltend machen.

Seit der Zusammenhang zwischen aromatischen Aminen und Blasenkrebs bekannt ist, wurden diese Substanzen entweder gänzlich aus der Industrie verbannt oder nur noch unter strengen Sicherheitsmaßnahmen verwendet. Da es von dem Kontakt zu krebserregenden Substanzen bis hin zur Entstehung des Urothelkarzinoms bis zu 40 Jahre dauern kann, erkranken viele Patienten, die vor langer Zeit mit diesen Chemikalien gearbeitet haben, jedoch seit Jahren keinen Kontakt mehr dazu haben.

Auch Personen, die häufig an einer Infektion der Harnblase erkranken, weisen ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Blasenkrebs auf. Vor allem die Blasenentzündung, in der Medizin unter dem Namen Cystitis oder Blasenkatarrh bekannt, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Eine Cystitis wird in der Regel von bakteriellen Krankheitserregern, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen, hervorgerufen. Nur ausgesprochen selten sind andere Erreger, zum Beispiel Viren, für die entzündlichen Prozesse verantwortlich.

Neben Nikotinkonsum, Chemikalien und Infektionen der Harnblase stehen auch einige Medikamente im Verdacht, an der Entstehung von Urothelkarzinomen beteiligt zu sein. Zu den verdächtigen Arzneimitteln zählen vor allem Cyclophosphamid, Chlornaphazin, Phenazetin und Aristolochmasäure. Während Cyclophosphamit in Deutschland bis heute als Medikament in der Chemotherapie zum Einsatz kommt, sind die anderen potenziellen Krebserreger nicht mehr zugelassen.

Zuletzt kann die Bildung von Krebszellen in der Harnblase auch von anderen Infektionen provoziert werden. Dies betrifft zum Beispiel die Infektion mit Schistosomen (Pärchenegel), die vornehmlich in den Tropen und Subtropen zu finden sind. Die Egel gelangen in den menschlichen Körper und verursachen dort eine unter dem Namen Bilharziose bekannte Erkrankung. Unter anderem kann die Bilharziose auch die Harnblase und die Harnröhre befallen. Man spricht dann von einer sogenannten Urogenital- Bilharziose.

Was sind die Symptome von Blasenkrebs?

Bei einem Tumor in der Harnblase gibt es in der Regel keinerlei spezifische Symptome. Hinter den von dem betroffenen Patienten beschreibenden Beschwerden kann deshalb sowohl ein Tumor als auch eine andere, weniger schlimme Erkrankung stecken. Bei dem Auftreten dieser Beschwerden sollte jedoch immer ein Arzt aufgesucht und eine umfangreiche Diagnostik durchgeführt werden.

Denn wenn es sich tatsächlich um Blasenkrebs handelt, gilt wie bei allen Tumoren: Je früher der Tumor entdeckt wird, desto früher kann eine geeignete Behandlung eingeleitet werden. Je früher eine geeignete Behandlung eingeleitet wird, desto besser ist die Prognose.

Symptome Blasenkrebs

Die folgenden Symptome treten bei Personen, die an Blasenkrebs leiden, besonders häufig auf:

Blut im Urin stellt wohl das häufigste Warnzeichen auf das Vorliegen eines Tumors der Harnblase dar. Das Blut kann dabei im Urin sichtbar sein (Makrohämaturie) oder nur unter dem Mikroskop erkennbar sein (Mikrohämaturie). Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass die Mikrohämaturie eher auf ein frühes Krebsstadium hinweist, während eine Makrohämaturie in der Regel erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Blasenkrebses auftritt.

Bei diesem Symptom muss aber bewusst gemacht werden, dass es sich um kein für Blasenkrebs spezifisches Anzeichen handelt, denn derartige Blutbeimengungen können auch im Zuge einer Entzündung der Harnwege auftreten.

Zudem verspüren Menschen, die an Blasenkrebs leiden, häufig einen gesteigerten Harndrang. Dabei werden in der Regel nur kleine Urinmengen abgelassen. Derartige Pollakisurien sind in den allermeisten Fällen durch einen Tumor bedingt.

Eine Störung der Blasenentleerung wird medizinisch als Dysurie bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Problematik beim Entleeren der Harnblase. Diese ist bei den betroffenen Personen erschwert oder funktioniert nur tröpfchenweise. In einigen Fällen ist das Wasserlassen bei Dysurie schmerzhaft.

Vor allem, wenn diese Schmerzen ohne erkennbaren Grund im Bereich der Flanken auftreten, sollte unbedingt zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen. Grund dafür ist die Tatsache, dass obwohl auch entzündliche Prozesse zu derartigen Schmerzen führen können, gewöhnlich eher bei einem fortgeschrittenen Tumor in Erscheinung treten. In diesem Fall ist der Blasenkrebs bereits so groß, dass er die Harnleiter oder die Harnröhre verengt.

Auch bei immer wiederkehrenden Blasenentzündungen ist Vorsicht geboten. Grund dafür ist die Tatsache, dass chronische Blasenentzündungen unter Umständen ein Hinweis auf Blasenkrebs sein können.

Darüber hinaus gibt es weitere Hinweise, die allgemein auf eine Krebserkrankung hinweisen. Dazu zählen eine zunehmende Erschöpfung und Abgeschlagenheit. Zudem weisen Personen mit einem Tumor in der Regel die sogenannte B-Symptomatik auf. Dazu zählt neben einem ungewollten Gewichtsverlust auch häufiges Fieber und Nachtschweiß.

Wie wird der Blasenkrebs diagnostiziert?

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen eines Tumors der Harnblase gliedert sich in der Regel in verschiedene Schritte.

Untersuchung Blasenkrebs

Zu Beginn findet ein umfangreiches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) statt. Im Zuge dieses Gesprächs ist es besonders wichtig, die bei dem betroffenen Patienten vorliegenden Beschwerden so genau wie möglich zu beschreiben. Darüber hinaus sollten möglicherweise vorliegende Begleitsymptome benannt werden. Im Anschluss ist es die Aufgabe des Arztes diese Begleitsymptome zu bewerten und zu prüfen, ob sie mit der Verdachtsdiagnose Blasenkrebs in Zusammenhang stehen können oder ob die Zusammenschau aller bestehenden Beschwerden eher auf eine andere Erkrankung hindeutet.

Darüber hinaus spielen die Krankengeschichte des Betroffenen und dessen Familienanamnese eine entscheidende Rolle in der Diagnostik bei dem Verdacht auf Blasenkrebs. Grund dafür ist die Tatsache, dass eine erbliche Komponente bei Krebserkrankungen nicht ausgeschlossen werden kann.

Im Anschluss an das Arzt-Patienten-Gespräch erfolgt in der Regel eine orientierende körperliche Untersuchung. In diesem Fall liegt der Schwerpunkt der Untersuchung auf dem Bauchraum. Der Arzt wird zuerst auf sichtbare Veränderungen achten, dann den Bauch abhören und zuletzt auf Druckschmerzhaftigkeit prüfen. Auch die Nierenlager werden im Zuge der Untersuchung abgeklopft und auf Schmerzreize hin überprüft.

Wenn die Verdachtsdiagnose Blasenkrebs nach dem Arzt-Patienten-Gespräch und der körperlichen Untersuchung fortbesteht, können weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden. Zu den dabei am häufigsten durchgeführten Untersuchungen zählt die sogenannte Harnblasenspiegelung (Urethroskopie). Bei diesem Verfahren wird ein dünner Schlauch, in dem eine Kamera eingebaut ist, durch die Harnröhre in die Blase vorgeschoben.

Dem Arzt ist es dann möglich, die Oberfläche der Harnröhre und der Harnblase zu sehen. Bei dieser diagnostischen Maßnahme kann sowohl das Vorliegen eines Tumors bestätigt als auch die Ausdehnung und die Anzahl der Tumore bestimmt werden.

Gesichert wird die Diagnose letztendlich durch eine transurethrale Resektion der Blase (TUR-B) mit histologischer Aufarbeitung des Tumors. Im Zuge dieser Methode werden die resizierten Anteile mithilfe einer speziellen Elektroschlinge gelöst und im Anschluss über die Harnröhre aus dem Körper gezogen.

Vor der TUR-B sollte allerdings noch eine erweiterte Diagnostik mit Ausscheidungsprogramm und intravenösem Pyelogramm durchgeführt werden. Eine Beurteilung der lokalen Ausdehnung und des Lymphknoten-Befalls erfolgt durch die Computertomografie (CT) oder durch die Magnetresonanztomografie (MRT ). Zur Suche von Fernmetastasen, welche häufig in Luge, Leber und dem Skelettsystem auftreten, eignen sich Thoraxaufnahmen oder Computertomogramme.

In über 90 % der Fälle handelt es sich bei dem Tumor um ein Urothelkarzinom. Vom Wachstumstyp werden papilläre Tumore, nicht(muskel)invasive und muskelinfiltrierende Karzinome in den zugehörigen T-Stadien unterschieden. Das Carcinoma in situ (CIS) stellt vermutlich ein Vorläuferstadium der invasiven Tumore dar.

Klinisch ist die Unterscheidung in nichtinvasive (meist relativ gutartige) und muskelinvasiven (aggressiv wachsenden und rasch metastasierenden) Karzinome hilfreich.

Therapie bei Blasenkrebs

Bei der Auswahl der Therapie sind Stadium, histologischer Typ, Malignitätsgrad, Alter, Allgemeinzustand und die familiäre Situation des Betroffenen zu berücksichtigen.

Behandlungsoptionen

Die Behandlungsoptionen umfassen die TUR-B, die Blasenteilresektion, die Zystektomie mit Lymphadenektomie und Harndeviation, sowie die Chemotherapie.

Die TUR-B ist der erste diagnostische Schritt sowie auch die geeignete Therapie für nichtinvasive, gut differenzierte und lokalisierte Tumore (Ta, T1 und eventuell T2). Vorteile dieser Therapie sind ein kleines Operationstrauma, geringe postoperative Beschwerden, sowie eine jederzeitige Wiederholbarkeit der Behandlung.

Die Blasenteilresektion ist sehr selten indiziert, beispielsweise bei einem ungünstigen Tumorsitz in der Blasenkuppe oder der Blasenhinterwand mit einer beschränkten Lebenserwartung. Es kann hier zu einer Tumorzellverschleppung kommen.

Diese Therapie eignet sich für alle infiltrierenden und multizentrisch wachsenden Tumoren, welche die Möglichkeit der TUR-B übersteigen, aber vollständig geheilt werden sollen. Die Zystektomie ist nur hilfreich, wenn regionale Lymphknoten vom Tumor nicht befallen sind. Der Urin wird nach dem Eingriff meist nach außen umgeleitet, alternativ lässt sich ein inneres Darmbeutelreservoir (Ersatzblase, Neoblase) bilden.

Eine Behandlung mit Zytostatika ist zu einer wichtigen Zusatztherapie geworden, um die Prognose des Blasenkrebses positiv zu beeinflussen. Hier wird zwischen einer intravesikalen Instillationsbehandlung (hauptsächlich in den USA) sowie einer systemischen Chemotherapie unterschieden.

Bei der Instillationsbehandlung werden meist, in Kombination mit einer TUR-B, beim nichtinvasiven Karzinom, Epirubicin, Doxorubicin oder Mitomycin C in die Harnblase eingebracht. Dies senkt die Rezidivrate und verlangsamt die Entstehung bösartiger, infiltrativer Rezidive.

Die systemische Chemotherapie wird in Grenzfällen prä- und postoperativ (adjuvant und neoadjuvant) erfolgreich eingesetzt. Auch beim metastasierten Blasenkarzinom lassen sich partielle Remissionen mit einer gesteigerten Lebenserwartung erreichen. Die wichtigsten eingesetzten Zytostatika sind hier Cisplatin, Gemcitabin, Methotrexat, Adriamycin und Vinblastin.

Die Kombination von Cisplatin und Gemcitabin erreicht eine Ansprechrate von etwa 40 %. Das früher eingesetzte M-VAC Schema wurde aufgrund der besseren Verträglichkeit neuerer Therapieschemen verlassen.

Kann man Blasenkrebs vorbeugen?

Die Entstehung eines Urothelkarzinoms ist häufig von verschiedenen Faktoren abhängig. Aus diesem Grund ist es schwierig, der Erkrankung zuverlässig vorzubeugen. Es ist hingegen durchaus möglich, das Risiko für die Entstehung von Blasenkrebs deutlich zu senken.

Zu diesem Zwecke ist es besonders wichtig, möglicherweise vorliegende Risikofaktoren auszuschalten. Das betrifft vor allem den Konsum von Nikotin, da dieser zu den wichtigsten Ursachen für das Auftreten von Blasenkrebs zählt. Menschen, die in einem Beruf tätig sind, der durch den Kontakt mit bestimmten Substanzen das Risiko für die Entstehung eines Urothelkarzinoms steigert, sollten dringend die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen befohlen.

Nur auf diese Weise kann das Risiko von Zellmutationen gesenkt werden. Im Allgemeinen ist jedoch zu bedenken, dass der Kontakt zu einem Giftstoff zum Teil über Jahrzehnte vorliegen muss, um die Entstehung von Tumoren zu verursachen.

Ein großes Problem ist die Tatsache, dass Blasenkrebs in der frühen Erkrankungsphase kaum Beschwerden hervorruft. Aus diesem Grund sollten auch die kleinsten Auffälligkeiten abgeklärt werden. Treten zum Beispiel rezidivierende Harnwegsinfekte auf, sollte dies von einem Arzt abgeklärt werden. Das Gleiche gilt für das Auftreten von Blut im Urin , Problemen dabei, die Harnblase vollständig zu entleeren und Schmerzen.

Wie ist die Prognose eines Blasenkrebses?

Die Prognose hängt von der Infiltrationstiefe (T-Stadium) und vom Malignitätsgrad (G) des Tumors ab. Die 5-Jahre-Überlebensrate bei wenig invasiven Tumoren (T1/T2) liegt bei rund 60 % oder weniger (bei niedrigem Differenzierungsgrad). Bei fortgeschrittener Infiltration der Harnblasenwand (T3/T4) liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 10 % oder weniger.

Ist das Urothelkarzinom heilbar?

Auf die Frage, ob Blasenkrebs heilbar ist, kann man keine einheitliche Antwort geben. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Prognose von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Im Allgemeinen gilt jedoch so wie bei jedem Tumor: Je früher er diagnostiziert wird, desto früher kann eine geeignete Behandlung eingeleitet werden und desto besser ist die Prognose.

Vor allem die Eindringtiefe der veränderten Zellen spielen eine entscheidende Rolle. Wenn das Urothelkarzinom nur oberflächlich vorliegt, sind die Heilungschancen gut. Je weiter der Tumor in die Tiefe dringt und je mehr andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, desto schlechter wird die Prognose. Außerdem kann Blasenkrebs eine unterschiedliche Aggressivität aufweisen. Während er bei einigen der Betroffenen relativ langsam wächst, nimmt seine Größe in anderen Fällen zügig zu.

Bei der Mehrzahl der von Blasenkrebs betroffenen Patienten wird der Tumor bereits in einem frühen Stadium diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt haben sich in der Regel noch keine Metastasen gebildet, was dazu führt, dass die Heilungswahrscheinlichkeit recht hoch ist. In einem frühen Stadium lässt sich das Urothelkarzinom zudem meist vollständig entfernen. Wenn der Blasenkrebs hingegen in die tieferen Gewebeschichten der Harnblase, zum Beispiel in das Muskelgewebe, eingedrungen ist, nimmt das Risiko, das sich Tochtergeschwüre bilden, deutlich zu.

Grund dafür ist vor allem die gute Durchblutung der tiefer liegenden Gewebe. Metastasen gelangen durch die Blutbahn in andere Organe und beginnen dort weiterzuwachsen. Bei den betroffenen Patienten nimmt die Heilungswahrscheinlichkeit deutlich ab.

In jenen Fällen, in denen der Blasenkrebs bereits über die Harnblase hinaus gewachsen ist oder sogar Fernmetastasen vorliegen, sinkt die Prognose noch weiter. Wenn es dazu kommt, dass sich Metastasen bilden, so finden sich diese bei Blasenkrebs vornehmlich in der Lunge, der Leber oder dem Skelett.

Im Falle des Urothelkarzinoms muss außerdem beachtet werden, dass sich der Tumor häufig erneut bildet. Man spricht dabei von einem sogenannten Rezidiv. Betroffene Patienten sollten deshalb trotz vollständiger operativer Entfernung des Krebses, regelmäßig an Kontrolluntersuchungen teilnehmen.

Nur auf diese Weise lässt sich ein Tumor frühzeitig erkennen und behandeln. Was im Hinblick auf die Prognose einen deutlichen Vorteil darstellt. Wird der Primärtumor oder ein möglicherweise auftretendes Rezidiv nicht behandelt, so kann sich der Krebs ungehindert im Bauchraum ausbreiten und andere Organe infiltrieren.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einem Blasenkrebs

Bei Tumoren des Urothels kommt es häufig zu Rezidiven. Aus diesem Grund ist es besonders bei dieser Tumorart wichtig, eine gewissenhafte Nachsorge wahrzunehmen. Dies gilt auch für jene Patienten, bei denen die Harnblase vollständig entfernt werden musste. Bei diesen Patienten wird in der Regel eine sogenannte Neoblase angelegt. Die Nachsorge gibt ihnen dann auch Unterstützung in Bezug auf die Blasenentleerung.

Darüber hinaus beinhaltet die Nachsorge bei Patienten, die Blasenkrebs hatten, Beratungen und Hilfestellungen bei den Themen Lymphdrainage und Bewegungstherapie. Aufgrund der enormen psychischen Belastung kann außerdem die Durchführung einer Psychotherapie sinnvoll sein. Auf diese Weise lernen die Betroffenen, mit möglicherweise bestehenden Ängsten und Sorgen umzugehen.

Mithilfe der, in regelmäßigen Zeitabständen angesetzten Nachsorgeterminen beim Urologen kann zudem dazu beigetragen werden, dass ein möglicherweise entstehendes Rezidiv so früh wie möglich erkannt und behandelt wird. Dies wiederum verbessert die Prognose enorm.

Hierfür können auch wiederholte CT-Untersuchung zu Beurteilung der Remission beziehungsweise Krankheitsprogression notwendig sein.

Zusammenfassung

Der Blasenkrebs ist die zweithäufigste bösartige Neubildung des Urogenitaltrakts, tritt meist im fortgeschrittenen Alter auf und betrifft dreimal so viele Männer wie Frauen. Das Rauchen ist neben der Exposition zu aromatischen Aminen der wichtigste Risikofaktor. Die Therapie erfolgt je nach Stadium, beziehungsweise den Lebensumständen des Betroffenen, operativ oder mithilfe einer Chemotherapie.

Quellen
  • Adamczyk, P., P. Poblocki, M. Kadlubowski, A. Ostrowski, A. Wrobel, W. Mikolajczak, J. Adamowicz, T. Drewa, and K. Juszczak. 2022. "A Comprehensive Approach to Clinical Staging of Bladder Cancer." J Clin Med 11 (3).
  • Gasser, T. 2019. Basiswissen Urologie. 7 ed.: Springer.
  • Hautmann, R. 2010. Urologie. 4 ed.: Springer.
  • Mader, F. 2018. Allgemeinmedizin und Praxis. 8 ed.: Springer.

Blasenkrebs Ratgeber durch deine Erkrankung

Häufig gestellte Fragen

Bei ausgeprägten Tumoren oder invasivem Tumorwachstum kann eine vollständige Entfernung der Blase nötig sein.

Ja, ein Leben ohne einer Harnblase ist möglich.

Sollte die Blase entfernt werden müssen wird eine Harndeviation mittels eines Stomas oder einer Neoblase durchgeführt.

Je nach Malignitätsgrad des Tumors innerhalb von wenigen Wochen bis zu einigen Monaten oder Jahren.

Gesicherte Risikofaktoren für einen Blasenkrebs sind das Rauchen sowie eine länger andauernde Exposition gegenüber aromatischen Aminen.

Ja, ein unbehandelter Blasenkrebs endet meist tödlich.

Die häufigsten Symptome sind eine schmerzlose Mikro- oder Makrohämaturie beziehungsweise eine Pollakisurie oder länger andauernde Zystitis.

Aromatische Amine sowie Zigarettenrauch.

Die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate liegt je nach Stadium zwischen 10 und 60%.

In einem frühen Stadium beziehungsweise bei einem Carcinom in situ (CIS) kann eine vollständige Heilung erfolgen. Auch in fortgeschritteneren Stadien ist eine vollständige Heilung möglich, allerdings weniger wahrscheinlich.

Meist bilden sich Metastasen zuerst in Leber, Lunge, Lymphknoten oder im Skelettsystem.

Ein nicht behandelter Blasenkrebs schreitet meist voran und endet in den meisten Fällen tödlich.

Je nach Eingriff und Komplikationen einige Tage bis zu einigen Wochen. Die TUR-B ist in der Regel mit einer sehr kurzen Krankheitsdauer und einem kurzen Krankenhausaufenthalt verbunden.

Die Lebenserwartung ist mit einer Neoblase nicht eingeschränkt.

Der Blasenkrebs streut meist zuerst in die regionalen Lymphknoten dann in die Leber, die Lunge oder ins Skelettsystem.

Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 50-80 Jahren, wobei Männer dreimal so häufig betroffen sind wie Frauen.

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Blasenkrebs einfach erklärt

Urothelkarzinom

Betroffene

Organe(e):

Harnblase

Häufigkeit

  • Zweithäufigster Tumor des Urogenitaltraktes
  • Männer > Frauen (2:1)
  • meist bei Personen > 65 Jahre

Risikofaktoren

  • Nikotin
  • Chronische Blasenentzündung
  • Exposition verschiedener Substanzen (z.B. Benzidin)
  • Medikamente wie Cyclophosphamid und Pioglitazon

Ursachen

  • Chronische Blasenentzündung
  • Exposition verschiedener Substanzen (z.B. Benzidin)
  • Medikamente wie Cyclophosphamid und Pioglitazon

Symptome

  • Blut im Urin
  • Häufiges Wasserlassen
  • Blasenentleerungsstörung
  • Schmerzen

Komplikationen

  • Harnstau
  • Harnverhalt
  • Verstopfung
  • starke Schmerzen

Diagnose

  • Anamnese
    • Sind ihnen Verfärbungen des Urins aufgefallen?
    • Haben sie Probleme beim Wasserlassen?
    • Leiden sie an Verstärktem Harndrang?
    • Haben sie beruflich Kontakt mit Chemikalien?
    • Rauche sie?
  • Körperliche Untersuchung
    • Abdominelle Untersuchung
  • Laboruntersuchung
    • Urinuntersuchung (Urinzytologie): Nachweis von bösartig veränderten Zellen
    • Marker im Urin
  • Ultraschalluntersuchung
    • Begutachtung der Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie)
    • unter lokaler Betäubung
    • ggf. auch in Vollnarkose
  • Biopsie
    • Im Rahmen der Blasenspiegelung entnimmt der Arzt mit Hilfe einer Elektroschlinge die Gewebeprobe (transurethrale Elektroresektion der Blase, TUR-B
  • Computertomografie
  • MRT

Differenzial Diagnose

  • Prostatakrebs

Stadien

  • Ta Tumoren sind auf die Blasenschleimhaut (Mucosa) beschränkt
  • T1 T1-Tumoren haben sich auf das Bindegewebe unter der Blasenschleimhaut ausgebreitet
  • Tis/Cis Flache, auf die Schleimhaut begrenzte Tumoren. Carcinoma in situ
  • T2 Ausbreitung bis zur Muskelschicht der Harnblase
  • T3 Ausbreitung über das Muskelgewebe hinaus bis ins umliegende Fettgewebe.
  • T4 Befall benachbarter Organe (z.B. Prostata, Gebärmutter, Scheide)

Therapie

  • Medikamente
  • Operation
  • Chemotherapie
  • Immuntherapie
  • Strahlentherapie

Präventionsmaßnahmen

  • Bei Arbeit mit Chemikalien dringend Sicherheitsmaßnahmen beachten
  • Nikotinverzicht

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