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Kinderwunsch trotz Endometriose

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Eine bestehende Endometriose zählt zu den häufigsten Gründen dafür, dass ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Bei ungefähr 50 % der Frauen, die trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb eines Zeitraumes von mindestens 12 Monaten nicht schwanger werden, kann eine Endometriose diagnostiziert werden.

Warum genau Unfruchtbarkeit und Endometriose so eng vergesellschaftet sind, konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden. Bekannt ist allerdings bereits jetzt, dass es aufgrund der versprengten Gebärmutterschleimhautinseln zu Verklebungen und Verwachsungen im Bereich der Eileiter und Eierstöcke kommen kann.

Aufgrund dieser Veränderungen ist es dann häufig nicht möglich, dass eine reife Eizelle durch die Eierstöcke bis zur Gebärmutter gelangen kann. Darüber hinaus konnten Hinweise dafür gefunden werden, dass es bei Frauen, die an einer Endometriose leiden, oftmals zu Störungen der Eizellreifung und/oder der frühen embryonalen Entwicklung kommt.

Endometriose senkt demnach die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden um ein Vielfaches. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die betroffenen Frauen aufgrund der Endometriose unter Beschwerden leidet oder ob die Erkrankung vollkommen asymptomatisch verläuft.

Behandlung bei Kinderwunsch

Heutzutage gibt es einige Behandlungsmethoden, die dabei helfen können, den Kinderwunsch von Frauen mit Endometriose zu erfüllen. Die operative Entfernung der Endometriose-Herde spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Je mehr der Schleimhautinseln entfernt werden können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden. Die Erfolgsaussichten hängen zudem davon ab, an welchen Stellen sich die Herde befinden.

Die operative Entfernung der Herde erfolgt in der Regel über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Bei dieser Operationsmethode wird ein kleiner Hautschnitt gesetzt, über den ein dünnes Rohr mit integrierter Kamera und Lichtquelle in den Bauchraum vorgeschoben.

Über diesen Zugang ist es im Anschluss möglich, die chirurgischen Instrumente einzuführen. Endometrioseherde und gegebenenfalls bestehende Zysten können auf diese Weise besonders schonend entfernt werden.

Wenn kein akuter Kinderwunsch besteht, kann die Therapie der Endometriose auch mithilfe der Einnahme verschiedener Medikamente erfolgen. Dabei kommen vor allem Hormonpräparate mit Gestagenen oder Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Analoga.

Durch die Einnahme dieser Arzneimittel kann das Wachstum der Endometrioseherde gehemmt werden. Das wirkt sich wiederum lindert auf die für die Erkrankung typischen Schmerzen aus.

Die rein medikamentöse Behandlung wirkt sich jedoch nicht auf die Fruchtbarkeit aus. Aus diesem Grund ist diese Behandlungsstrategie bei Frauen mit bestehendem Kinderwunsch nicht zielführend.

GnRH-Analoga können jedoch auch nach einer laparoskopischen Entfernung von Endometrioseherden zum Einsatz kommen. In diesem Fall besteht die Aufgabe der Analoga darin, die nicht entfernbaren Schleimhautinseln am Wachstum zu hindern.

Ob nun die Kombination von operativem Eingriff und Einnahme der GnRH-Analoga hilfreicher ist als eine Operation alleine, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Fachärzte raten auch heute noch von einer postoperativen GnRH-Behandlung bei Endometriose-Patientinnen mit Kinderwunsch ab.

Eine Alternative zu diesen Therapiemethoden ist eine klassische Kinderwunschbehandlung. Dabei stellt sich vor allem die sogenannte Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (kurz: ICSI) als besonders vielversprechend dar.

Im Zuge dieser Behandlung wird zuerst die Eizellreifung durch Anwendung verschiedener Arzneimittel stimuliert. Sobald einige Eizellen herangereift sind, werden diese entnommen und dann im Reagenzglas befruchtet. Nach einigen Zellteilungen können dann 1 bis 2 Eizellen in die Gebärmutter der Patientin eingebracht werden.

Wenn alles gut läuft, nistet sich mindestens eine dieser Eizellen in der Gebärmutter ein und führt zu einer Schwangerschaft. In vielen Fällen kommt es nach der Durchführung einer ICSI auch zu Zwillingsschwangerschaften.

Hinweis

Selbst wenn die betroffene Patientin sehr gut auf die Therapie anspricht, kommt es häufig zu Rückfällen oder neu auftretenden Versprengungen. Dies ist selbst dann zu beobachten, wenn die Endometrioseherde chirurgisch entfernt wurden.

Einigen Berichten zufolge nehmen die Beschwerden bei Frauen mit Endometriose häufig nach einer Schwangerschaft deutlich ab. Woran genau das liegt, ist jedoch bislang unklar.

Sobald die Wechseljahre, beziehungsweise die Menopause eintritt, nehmen die Beschwerden spürbar ab, bis sie irgendwann gänzlich verschwunden sind.

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