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Die Rolle der Pille in der Therapie von Endometriose

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Bei einer Endometriose verhalten sich die versprengten Schleimhautzellen der Gebärmutter, in gleichem Maße wie die richtig lokalisierten Zellen, in Abhängigkeit der weiblichen Geschlechtshormone.

Das bedeutet, dass sich die Endometriose- Herde hormonabhängig vergrößern oder verkleinern. Aus diesem Grund können die Herde genau wie die Menstruation durch verschiedene von extern zugeführte Hormone beeinflusst werden. Diese Tatsache macht sich die Gynäkologie zum Beispiel bei dem Einsatz der „Pille“ zu Nutze.

Wissenswert

Endometriose- Herde verhalten sich, in gleichem Maße wie die Schleimhautzellen innerhalb der Gebärmutter, hormonabhängig.

Bei der Pille unterscheidet man grundsätzlich drei Formen: die Minipille, die Mikropille und die Kombinationspille. In kombinierten Pillen zur Empfängnisverhütung sind stets zwei verschiedene Wirkstoffe enthalten.

Zum Einen ein Östrogen und zum Anderen ein Gestagen. Man weiß bislang nicht, ob das Östrogen, das in der Kombipille enthalten ist, tatsächlich einen Einfluss auf die Endometriose hat.

Einigen Studien zur Folge unterscheiden sich die Ergebnisse bei der Einnahme von Kombipillen nicht nennenswert von den Erfolgen bei der Einnahme von reinem Gestagen. Unter dem Begriff Gestagene versteht man synthetisch hergestellte Gelbkörperhormone, deren Wirkungsweise dem körpereigenen weiblichen Geschlechtshormoon Progesteron ähnelt.

Aus diesem Grund bezeichnet man Progesteron häufig auch als körpereigenes Gestagen. Der Bildungsort ist der sogenannte Gelbkörper (Corpus luteum).

Wird die Pille, die eigentlich der Verhütung gilt, bei Endometriose angewendet, so sollte die erkrankte Patientin das Medikament durchgängig, also ohne die klassische „Pillenpause“ einmal am Tag, zur möglichst gleichen Zeit, einnehmen.

Während die Pille jedoch als solche bislang nicht zur Behandlung der Endometriose zugelassen ist und lediglich im sogenannten Off Label use verschrieben wird, gibt es ein reines Gestagenpräparat, dass speziell zur Therapie von versprengten Gebärmutterschleimhautzellen zugelassen wurde.

Bei diesem Medikament handelt es sich um Dienogest. Während der Behandlung muss eine Tablette Dinogest pro Tag eingenommen werden.

Achtung

Die Verhütungspille ist zur Behandlung der Endometriose eigentlich nicht zugelassen.

Das in dem Medikament Dinogest enthaltene Gestagen wirkt sich auf vielfältige Weise auf die versprengten Schleimhautzellen der Gebärmutter aus. Zum Einen sorgt es dafür, dass die Produktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen weit gesenkt wird.

Zum vollständigen Erliegen der Produktion kommt es durch den Einfluss des Gestagen jedoch nicht. Zum Anderen weißt Dinogest entzündungshemmende Eigenschaften auf. Es unterdrückt die Zellteilung innerhalb der Endometriose- Herde.

Darüber hinaus wirkt es sich negativ auf die Gefäßbildung aus und führt auf diese Weise dazu, dass die Zellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können. Sie trocknen im Laufe der Zeit sozusagen aus.

Durch verschiedene Studien konnte mittlerweile bewiesen werden, dass die tägliche Einnahme von Dinogest dazu führt, dass die für eine Endometriose typischen Beschwerden abnehmen und sich die Anzahl der versprengten Schleimhautzellen um einiges reduziert. Werden Endometriose- Herde operativ entfernt, bestand bislang immer das Risiko, dass sie sich erneut an gleicher Stelle bilden.

Das in Dinogest enthaltene Gestagen verhindert das Wiederauftreten von einmal während eines chirurgische Eingriffs entfernten Endometriose- Herden.

Hinweis

Werden Endometriose- Herde operativ entfernt, so besteht die Gefahr, dass sich an gleicher Stelle erneut Schleimhautzellen der Gebärmutter ansiedeln.

Neben dessen Einfluss auf die versprengten Schleimhautzellen, wirkt sich Dinogest auch unterdrückend auf den Eisprung aus. Dennoch ist das Medikament, anders als die Pille, nicht zur Empfängnisverhütung zugelassen. Dinogest sollte zudem niemals in Kombination mit der Pille angewendet werden.

Wird die klassische Verhütungspille zur Behandlung einer Endometriose angewendet, so ist dies nur dann möglich, wenn kein akuter Kinderwunsch besteht. Die Pille wird dabei nämlich vor allem dazu eingesetzt, um den Zyklus zu stabilisieren.

Die Einnahme des Präparats erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten ohne klassische Pillenpause, in der es zu einer Menstruationsähnlichen Abbruchblutung kommt.

Wenn es über mehrere Monate nicht zu einer Periodenblutung kommt, treten auch die für die Erkrankung typischen Schmerzen nicht auf. Auch eine Verschlechterung des Befundes kann in diesem Zeitraum normalerweise nicht beobachtet werden.

Darüber hinaus wirkt sich die Pille ebenfalls auf das Hormon Androgen aus. Auf Grund dieser Tatsache kann sie auch bei einer bestehenden Akne hilfreich sein. Vor allem Pillen, die zur Gruppe der vierten Generation gezählt werden, sind dabei zu bevorzugen.

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