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Alkoholismus: Symptome und Ursachen

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Geschrieben von
Dr. Moritz Wieser (Arzt)

Kurzgesagt
  • Alkoholismus liegt vor, wenn ein starker, unkontrollierbarer Drang zum Alkoholkonsum vorliegt und eine erhöhte Toleranz gegenüber Alkohol besteht (es wird mehr Alkohol benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen). Beim Versuch auf Alkohol zu verzichten treten Entzugserscheinungen auf.
  • Alkoholismus ist eine schwere langwierige Erkrankung, von der mehr als 7,9 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind.
  • Durch Alkoholismus kann der Körper und die Seele schwer in Mitleidenschaft gezogen werden und stellt Familien und soziale Kontakte vor eine große Herausforderung.
  • Eine Entzugsbehandlung kann ambulant (man geht tagsüber zur Therapie und schläft zu Hause) oder stationär (man bleibt im Krankenhaus) erfolgen. Ein Entzug kann mit starken körperlichen Symptomen verbunden sein.

Symptome

Eine Alkoholabhängigkeit kann sich durch viele verschiedene Symptome bemerkbar machen. Betroffene neigen dazu die Abhängigkeit ständig zu verneinen, was es besonders wichtig macht, auf einzelne Zeichen zu achten, um die Erkrankung frühzeitig erkennen zu können. Symptome die auf eine Alkoholkrankheit hinweisen können sind:

  • starkes Verlangen nach Alkohol (Craving)
  • Unfähigkeit weniger Alkohol zu trinken
  • Körperliches Entzugssyndrom
  • der Wunsch Konsum zu reduzieren und eine Vorgeschichte von mehreren gescheiterten Versuchen
  • soziale Isolation
  • Toleranzentwicklung
  • Kontrollverlust (man kann das Trinken nicht kontrollieren)
  • Vernachlässigung anderer Interessen
  • Weiterer Konsum trotz schädlicher Folgen
  • Betroffene beschäftigen sich viel mit Alkohol, wie sie daran kommen und wie sie sich davon wieder erholen
  • Alkoholkonsum trotz unsicherer Situation (z.B. Autofahren)
  • fehlende Einsicht gegenüber der Erkrankung (Betroffene vertreten dabei häufig ziemlich aggressiv den Standpunkt kein Trinker zu sein)

Wechselspiel aus Entzugssymptomen und Rausch

Im Verlauf der Erkrankung tritt ein Wechselspiel zwischen schweren Rauschzuständen und Entzugserscheinungen auf. Entweder der Betroffene trinkt und entwickelt ein auffälliges, häufig aggressives und unkontrolliertes Verhalten, oder er trinkt nicht, was bereits früh zu Entzugssymptomen führt, die in erneutem Trinken münden.

Entzugserscheinungen

Wenn Alkoholiker plötzlich aufhören zu trinken, kann dieses gefährlich sein, da der Körper sich stark an Alkohol gewöhnt hat. Es kann bereits Stunden oder noch Tage später zu einem gefährlichen Entzugssyndrom kommen. Dieses kann von einer starken Verwirrung (Delirium ) begleitet sein.

Symptome der Entzugserscheinung sind:

  • Entzugssyndrom ohne Delirium: Kreislaufstörungen, Brechreiz, Durchfälle, innere Unruhe , Fieber , Schwitzen, Rötungen
  • Entzugssyndrom mit Delirium: örtliche und zeitliche Desorientierung, Halluzinationen (z.B. krabbelnde Tiere unter der Haut ), schwerste innere Unruhe, Suizidgefahr

Starker Rausch

Bei einem starken Konsum, kann der Alkoholspiegel im Blut ansteigen und das Gift wird in hohen Mengen in das Gehirn transportiert. Dieses kann zu starken Verhaltensauffälligkeiten, wie Aggression und unpassendem Verhalten, bei dem der Betroffene die Kontrolle über sich verliert führen, aber auch zu komatösen, lebensgefährlichen Zuständen.

Was sind Ursachen und Risikofaktoren für Alkoholismus?

  • Genetik: Der Hang zum Alkoholmissbrauch kann auch vererbt werden. Alkohol führt in der Anfangsphase häufig zu einer Erleichterung oder einem Lustgewinn. Je nachdem, wie die Sensoren in unserem Körper verteilt sind, ist das Risiko, zum Alkoholiker zu werden, größer oder niedriger. Menschen, die ein höheres Risiko vererbt bekommen haben, neigen dementsprechend auch zu anderem Suchtverhalten. Daher sind viele Menschen, die Alkoholiker sind, auch Raucher.
  • Soziales Umfeld: Einen wichtigen Einfluss hat das soziale Umfeld. In der Regel sind Alkoholiker in einem Umfeld, das den Alkoholkonsum unterstützt. Dies stellt häufig auch eine große Herausforderung dar, da viele schöne Aktivitäten, die der Betroffene macht, auch im Zusammenhang mit Alkohol stehen. Häufig wird Alkohol auch in Partnerschaften gemeinsam konsumiert, was es für den Einzelnen auch schwieriger macht aufzuhören.
  • Stress und Belastung: Alkohol ist häufig auch eine Flucht aus Situationen von großem Stress oder schwerer Belastung. Finanzielle Sorgen, Perspektivlosigkeit oder familiäre Probleme können Auslöser für einen starken Alkoholkonsum sein.
  • Traumatische Erfahrungen: Traumatische Erfahrungen, insbesondere in der Kindheit, stellen ein hohes Risiko für Alkoholkonsum dar. Hier bietet Alkohol den Betroffenen eine Fluchtmöglichkeit.
  • Erziehung: Die Art, wie Menschen groß werden, hat einen hohen Einfluss darauf, ob sie Alkoholiker werden. Kinder von betroffenen Alkoholabhängigen haben ein sechsfach erhöhtes Risiko, selber Alkoholiker zu werden.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen oder Angstzustände führen häufig zu Alkoholismus , da Alkohol eine kurzfristige Entspannung darstellen kann.
  • Früher Konsum: Je früher ein Betroffener anfängt, Alkohol zu konsumieren, desto größer ist das Risiko, zum Alkoholiker zu werden.
  • Verfügbarkeit: Wenn Alkohol allgegenwärtig im Alltag von Menschen integriert ist, zum Beispiel bei der Arbeit in einer Kneipe, ist das Risiko, zum Alkoholiker zu werden, erhöht.

Ab welcher Menge ist Alkohol gefährlich?

Grundsätzlich ist Alkohol ein Gift und es gibt keine Menge in der Alkohol einschließlich Wein vorteilhafte Effekte hat. Ab welcher Grenze Alkohol gefährlich ist, hängt von jedem einzelnen ab.

  • Ab 12 Gramm Alkohol täglich (1 Glas Bier) ist Alkohol für Frauen gefährlich
  • Ab 16 Gramm Alkohol täglich (1 Glas Wein) ist Alkohol für Männer gefährlich

Was sind die gesundheitliche Folgen von Alkoholismus?

  • Gedächtnisstörungen: Langjährige Alkoholabhängigkeit führt zu Erinnerung und Konzentrationsstörungen
  • Depression : 15 % aller Alkoholiker begehen Selbstmord
  • Krebs: Erhöhtes Risiko für Krebs der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre , des Magens, der Bauchspeicheldrüse , des Darms und der Leber
  • Herz-Kreislaufsystem: Erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen , Schlaganfall , erhöhte Blutfettwerte, Arteriosklerose , hoher Blutdruck.
  • Nervensystem: Missempfindungen wie Kribbeln, Stechen, Brennen, Taubheit insbesondere an den Beinen
  • Schädigung der Leber: Leberzirrhose
  • Magen-Darm-Trakt: Entzündung von Magenschleimhaut und Speiseröhre (Gastritis und Ösophagitis)
  • Schwangerschaft: Schwere Folgen für das Kind

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