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Selbsttest für Parkinson: Frühsymptome richtig deuten

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Geschrieben von
Sonja Schulte

Was ist ein Selbsttest für Parkinson und wie funktioniert er?

Ein Selbsttest für Parkinson soll Patient:innen dabei helfen, ihre Symptome einzuordnen und festzustellen, ob sie eventuell die Parkinson-Krankheit haben könnten. Er besteht aus Fragen zu körperlichen und psychischen Symptomen.

Einen offiziellen Selbsttest gibt es jedoch gar nicht. Die Deutsche Parkinson Vereinigung e.V., eine Selbsthilfegruppe, hat einen solchen Test laut eigenen Aussagen mit ärztlichem Beirat erstellt.

Dieser Test stellt zehn Fragen zu möglichen Symptomen. Wenn mehr als drei davon mit "ja" beantwortet werden, kann das ein Anzeichen für Morbus Parkinson sein. Dies ist allerdings keine ärztliche Diagnose und Sie sollten sich unbedingt einen Termin machen, bei dem Sie einem Arzt/ einer Ärztin Ihre Symptome schildern!

Parkinson-Selbsttest (10 Fragen)

Die zehn Fragen sind:

  • Kommt es vor, dass Ihre Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt? Das könnte ein Zeichen für einen Ruhetremor sein, ein typisches Symptom der Parkinson-Krankheit, das aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten kann.
  • Ist ein Arm angewinkelt und schlenkert beim Gehen nicht mit? Das könnte ein Zeichen für Rigidität, also eine erhöhte Spannung der Muskulatur sein. Typisch für die Parkinson-Krankheit ist der asymmetrische, also einseitige Beginn und auch Fortschreiten.
  • Haben Sie eine vornüber gebeugte Körperhaltung? Ein weiteres typisches Symptom von Parkinson ist die posturale Instabilität. Das heißt, Reflexe, die für eine aufrechte Körperhaltung zuständig sind, sind gestört.
  • Haben Sie einen leicht schlurfenden Gang oder ziehen Sie ein Bein nach? Das kann ein Zeichen für eine im Parkinson vorkommende Bradykinese oder Akinese sein. Das sind verminderte Beweglichkeit oder komplette Bewegungsarmut. Ein schlurfender Gang kann aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten.
  • Haben Sie einen kleinschrittigen Gang und kommt es häufig vor, dass Sie stolpern oder stürzen? Ein kleinschrittiger Gang ist typisch für Parkinson. Da die Schritte ungewollt immer kleiner und schneller werden können und das Abbremsen oft schwer fällt, kann es zu Stürzen kommen.
  • Leiden Sie an Antriebs- und Initiativemangel? Zu Morbus Parkinson gehören nicht nur die motorischen Symptome, sondern auch sogenannte neuropsychiatrische Symptome. Ein Antriebsmangel kann ein Zeichen für eine depressive Verstimmung sein.
  • Haben Sie häufig Rückenschmerzen im Nacken-Schultergürtel-Bereich? Durch die erhöhte Muskelspannung, kann es zu Schmerzen in Muskeln und Gelenken kommen.
  • Haben Sie bemerkt, dass Sie sich von Ihren Freunden und Angehörigen zurückziehen, dass Sie Kontakte meiden und zu nichts Lust haben? Auch das kann ein Zeichen einer depressiven Verstimmung im Rahmend er Parkinson-Krankheit sein. Auch ohne die Parkinson-Krankheit kann eine Depression bestehen und über die Symptome sollte mit medizinischem Personal gesprochen werden.
  • Haben Sie Veränderungen in Ihrer Stimme bemerkt? Ist sie monotoner und leiser als früher oder hört sich heiser an? Das nennt man Hypophonie. Sie kann ein Zeichen von fortgeschrittenem Morbus Parkinson sein.
  • Haben Sie eine Verkleinerung Ihrer Schrift bemerkt? Dieses Symptom bezeichnet man als Mikrografie, ein weiteres muskuläres Symptom von Parkinson.

Symptome fallen oft eher den Angehörigen als den Betroffenen auf. Es kann sinnvoll sein, diese Symptomliste zusammen mit Menschen durchzugehen, die Sie im Alltag oft sehen.

Es gibt allerdings noch weitere Symptome, die dieser Test nicht erfasst.

Wie kann ein Parkinson-Selbsttest helfen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen?

Der Selbsttest kann dabei helfen, typische Symptome strukturiert durchzugehen. Dabei fallen eventuell noch Symptome auf, die noch nicht so offensichtlich waren. Er kann dazu führen, dass Patient:innen früher zum Arzt / zur Ärztin gehen und so auch früher eine ärztliche Diagnose bekommen. Dadurch kann auch früher eine wirkungsvolle Behandlung begonnen werden. Er kann also zur Früherkennung führen.

Wenn allerdings gar kein Verdacht besteht, Parkinson zu haben, ist es nicht sinnvoll den Test durchzuführen.

Wie zuverlässig ist ein Parkinson-Selbsttest?

Da es keinen offiziellen Selbsttest gibt, kann keine Aussage zur Zuverlässigkeit getroffen werden. Sicherlich ist es aber sinnvoll zu überprüfen, ob und welche Symptome bestehen, damit dies im Folgenden mit einem Arzt / einer Ärztin besprochen werden kann.

Die Parkinson-Krankheit beginnt oft mit sehr unspezifischen Symptomen. Diese können außerdem pro betroffener Person unterschiedlich sein. Bei manchen startet die Krankheit mit neurologischen Symptomen, also zum Beispiel Vergesslichkeit, bei manchen mit muskulären Symptomen, bei manchen mit Symptomen in der Bauchregion und bei anderen ganz verschieden. So kann ein Selbsttest nicht alle diese Symptome aufgreifen.

Die Symptome, die durch den Selbsttest festgestellt werden, könnten außerdem Zeichen anderer Krankheiten sein.

Wenn Sie also mehrere Symptome bei Ihnen oder Ihren Angehörigen feststellen, sprechen Sie mit einem Arzt/ einer Ärztin darüber.

Was sollte man tun, wenn der Parkinson-Selbsttest positiv ist?

Die Deutsche Parkinson Vereinigung gibt an, dass es sich bei mehr als drei "ja"-Antworten auf die oben genannten Fragen, um Anzeichen für die Parkinson-Krankheit handeln könnte. Wenn das auf Sie zutrifft, sollten Sie Ihre Symptome mit Ihrem Hausarzt / Ihrer Hausärztin besprechen.

Falls Sie auf weniger als drei Fragen mit "ja" geantwortet haben, die Symptome Sie aber sehr belasten oder Sie sich Sorge machen, ist es auch dabei sinnvoll sich eine ärztliche Meinung einzuholen. Ärzt:innen haben noch einmal andere diagnostische Möglichkeiten und stellen eventuell noch einmal genauere Fragen zu Ihren Symptomen.

Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen bei einem Parkinson-Selbsttest?

Nein. Da es sich ausschließlich um Fragen handelt, kann nichts passieren.

Wie oft sollte man einen Parkinson-Selbsttest durchführen?

Ein Selbsttest kann durchgeführt werden, wenn ein Verdacht besteht, an Morbus Parkinson zu leiden. Da der Test nicht schadet, kann die Fragenliste an sich so oft durchgegangen werden, wie gewollt.

Allerdings ändert eine mehrmalige Durchführung nichts an den Ergebnissen. Falls Ihnen oder Ihren Angehörigen ein neues Symptom auffällt, können die Fragen natürlich noch einmal beantwortet werden.

Falls Sie sich nicht sicher sind und die Symptome Sie sehr belasten, ist es immer sinnvoll mit Fachpersonal darüber zu sprechen.

Wo kann man einen Parkinson-Selbsttest durchführen oder erwerben?

Die oben genannte Fragenliste findet man im Internet auf der Website der Deutschen Parkinson Vereinigung. Den Test können Sie also ganz einfach zu Hause oder vor einem Ihnen zur Verfügung stehenden Computer durchführen. Er ist kostenlos verfügbar.

Wie unterscheidet sich ein Parkinson-Selbsttest von einer ärztlichen Diagnose?

Ein Selbsttest umfasst nur Fragen zu Symptomen und keine körperliche Untersuchung, wie das bei der ärztlichen Diagnosestellung der Fall ist. Außerdem umfasst die Fragenliste nicht alle Symptome, die bestehen können. Die Selbstdiagnose nach einem Selbsttest ist zudem keine Grundlage für eine Behandlung der Krankheit.

Eine ärztliche Diagnose ist meist eine gesicherte Diagnose, auf die eine Behandlung und folgen kann. Bei der Untersuchung können auch andere Krankheiten festgestellt werden. Bei Parkinson-Diagnose gibt es außerdem regelmäßige Kontrollen und Gespräche, bei denen neue und alte Symptome besprochen werden können.

Kann ein Parkinson-Selbsttest auch andere Krankheiten erkennen?

Der Selbsttest ist alleinig auf Morbus Parkinson ausgelegt. Andere Erkrankungen können teilweise die gleichen oder ähnliche Symptome hervorrufen. Falls Sie also mehrere Fragen mit "ja" beantwortet haben, kann dies auch ein Hinweis für eine andere Erkrankung sein.

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