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Beziehungen und Sexualität bei Parkinson

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Geschrieben von
Sonja Schulte

Was sind die Auswirkungen von Parkinson auf Beziehungen?

Die Auswirkungen der Parkinson-Krankheit auf Beziehungen sind pro Patient:in sehr unterschiedlich. Dabei kommt es sowohl auf den Umgang der Betroffenen mit ihrer Krankheit an, als auch auf die Art der Beziehung. Am meisten wird wohl die Beziehung zu Ehepartner oder Ehepartnerin oder mit den Patient:innen zusammenlebenden Personen beeinflusst.

Je nach Schwere und Verlauf der Krankheit müssen Partner:innen ihre Angehörigen aufgrund von körperlichen Einschränkungen pflegen und unterstützen. Auch Kinder oder andere Angehörige können diese Funktion übernehmen.

Es kommt also zu einer Veränderung von einer rein ehelichen, familiären oder freundschaftlichen Beziehung zu einem pflegerischen Verhältnis. Das ist an sich noch nicht als gut oder schlecht zu beurteilen, ist aber eine offensichtliche Veränderung, mit der jedes Paar und jede Familie anders umgeht. Es könnte zum Beispiel zu Stress bei den Angehörigen, aber durch die vermehrte gemeinsame Zeit auch zu einer engeren Bindung führen.

Die Parkinson-Krankheit kann dazu führen, dass Betroffene sich sozial zurückziehen. Gründe dafür können Scham über eingeschränkte körperliche Funktionen sein, aber auch psychische Erkrankungen, die bei Menschen mit Parkinson gehäuft auftreten.

Dazu gehören zum Beispiel Depressionen und Angststörungen. Das führt dazu, dass Betroffene eventuell weniger soziale Beziehungen haben, was wiederum ihr psychisches Wohlergehen beeinträchtigt. Wenn es zum Beispiel um einen Sportkurs geht, kann aber auch das körperliche Wohlergehen beeinflusst werden.

Wie kann Parkinson die emotionale Bindung in einer Beziehung beeinflussen?

Die oben genannte Veränderung zu einer pflegerischen Beziehung kann zum Beispiel zu Folge haben, dass sich der Partner oder die Partnerin trotz mehr gemeinsamer Zeit, emotional distanziert zum/r Patient:in fühlt. Das kann daran liegen, dass das Paar weniger über andere Themen als die Krankheit und die Pflege redet.

So geht eine gemeinsame Identität der Beziehung verloren. Wenn beispielsweise sonst oft über eine gemeinsame Leidenschaft gesprochen wurde, dazu aber nun keine Zeit mehr bleibt, wird eventuell ein wichtiger Bestandteil der Beziehung genommen.

Es kann aber auch an Symptomen der Krankheit selbst liegen: Parkinson kann zum Beispiel zu Demenz , Aufmerksamkeitsstörungen und Abgeschlagenheit führen. Das heißt, Patient:innen sind im Gespräch eventuell "weniger da".

Betroffene haben zusätzlich oft ein Symptom, das Alexithymie, übersetzt: Gefühlsblindheit, genannt wird. Dabei können Gefühle nicht so gut unterschieden, wahrgenommen oder in Worte gefasst werden. Auch das kann zu emotionaler Distanziertheit in der Beziehung beitragen.

Welche Herausforderungen können in Beziehungen auftreten, wenn ein Partner an Parkinson erkrankt ist?

Die Parkinson-Krankheit kann den Alltag und die Beziehung von Patient:innen und Angehörigen deutlich beeinflussen:

  • Betroffene sind eventuell ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, alltägliche Aufgaben zu erfüllen. Dinge wie Papierkram, Finanzen, Essenszubereitung oder auch das Ankleiden des / der Partner:in, müssen übernommen werden. Es lastet ein großer Teil der sogenannten "Care-Arbeit" auf den Angehörigen. Vor allem wenn die Person krank ist, die vorher den Großteil dieser Aufgaben übernommen hat, stellt das eine Herausforderung dar. Ab einem bestimmten Krankheits-Fortschritt müssen Angehörige die Betroffenen vielleicht auch pflegen. Ehepartner:innen von Menschen mit Parkinson verbringen durchschnittlich bis zu 6 Stunden am Tag mit der Pflege und dazugehörenden Aufgaben. Dies ist emotional und körperlich anstrengend und herausfordernd.
  • Bei Angehörigen kann es durch die Krankheit der betroffenen zu Frustration, Stress und Zukunftsängsten kommen. Bei Betroffenen auf der anderen Seite führt dies eventuell zu Schuldgefühlen oder ebenfalls Frust oder auch Trotz. All dies sind Gefühle, die eine Herausforderung in der Beziehung darstellen, die vorher nicht da gewesen ist.
  • Depressionen und Angststörungen bei Patient:innen können auch ohne die Parkinson-Krankheit zu erheblichen Schwierigkeiten in Beziehungen führen. Da Menschen mit Parkinson ein erhöhtes Risiko für solche psychischen Erkrankungen haben, kommt dies auch dazu. Ungefähr 20-30 Prozent der Menschen mit Parkinson leiden an einer Depression. Sie ist oft eins der frühesten Symptome, bevor körperliche Fehlfunktionen bestehen. Das macht die Diagnose der Depression so schwer und beeinflusst die Beziehungen zu anderen Personen schon vor "offiziellem" Krankheitsbeginn. Depressionen stellen also ein sehr frühes und großes Hindernis für zwischenmenschliche Beziehungen dar.
  • Die Parkinson-Krankheit kann auch zu sexuellen Funktionsstörungen oder Libidoverlust führen. Das ist bei Männern und Frauen der Fall. Wenn der sexuelle Teil in einer Beziehung wegfällt, hat das auf verschiedene Paare natürlich unterschiedliche Auswirkungen, kann aber eine große Herausforderung darstellen.

Durch all diese und viele weitere Punkte wird die Beziehungsstabilität und Zufriedenheit innerhalb der Beziehung erschwert. Dies kann wiederum zu Depressionen und anderen psychischen aber auch körperlichen Krankheiten führen.

Davon sind beide Menschen in der Partnerschaft, also Patient:innen und Angehörige betroffen. Deswegen sollten diese Schwierigkeiten früh erkannt werden, damit dagegen vorgegangen werden kann.

Wie kann Parkinson die Kommunikation in einer Beziehung beeinflussen?

Menschen mit Parkinson können einige Symptome haben, die ihre Kommunikation mit anderen Menschen beeinflusst:

  • ein sogenanntes Maskengesicht kann dazu führen, dass andere die Patient:innen als uninteressiert oder traurig wahrnehmen, obwohl das eventuell nicht der Fall ist. So kann es zu Fehlkommunikation kommen. Ein Maskengesicht geht außerdem manchmal mit eingeschränkter Wahrnehmung von Gefühlen einher. Das heißt auch Patient:innen können die Gefühle der Angehörigen nicht immer auseinanderhalten. Das erschwert die Kommunikation auf beiden Seiten.
  • Auch die Sprechmuskulatur kann durch die Parkinson-Krankheit langsamer oder schlechter funktionieren. Das verschlechtert auch die Fähigkeit wie gewohnt zu kommunizieren. Sprech- und Schluckstörungen können auch Folge von Medikamenten gegen Parkinson sein.
  • Die Parkinson-Krankheit kann zu vermehrter Müdigkeit führen. Auch dies beeinflusst die tägliche Kommunikation, da Patient:innen zu müde für Gespräche sind, oder weniger Zeit für das Besprechen von wichtigen Themen bleibt.
  • Viel Zeit vergeht damit, die Krankheit zu besprechen: Seien es Symptome, die Pflege oder Zukunftspläne. Dadurch kann weniger über andere alltägliche Dinge oder Schönes gesprochen werden. Die Krankheit beeinflusst die Kommunikation also auch im Thema der Gespräche.
  • Parkinson-Patient:innen haben ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Diese Erkrankungen selber können Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen stark verändern.

Welche Strategien können helfen, die Auswirkungen von Parkinson auf Beziehungen zu bewältigen?

Vor allem sollten die Symptome, die die Beziehungen erschweren, mit medizinischem Personal besprochen werden. Vor allem depressive Symptome werden oft nicht genannt und dann auch nicht erkannt. Diese können allerdings sehr gut behandelt werden, was sowohl für die Betroffenen als auch für die Beziehungen sehr wichtig und erleichternd wirkt.

Wenn bemerkt wird, dass die Beziehung immer weniger partnerschaftlich oder freundschaftlich oder wie zuvor wird, sondern eher pflegerisch wird, kann ein abgesteckter Zeitraum helfen. In diesem Zeitraum kann über andere Themen als die Krankheit gesprochen werden.

Aber auch die Kommunikation über die Schwierigkeiten selbst ist sehr wichtig: In Studien zeigte sich, dass das offene Besprechen von sensiblen Problemen wie beispielsweise sexuellen Störungen oder aber auch depressiven Gedanken, die Lebensqualität erheblich verbessern kann. Die Planung von zukünftigen Pflegemaßnahmen, die die Wünsche von Patient:innen enthalten, tragen ebenfalls dazu bei.

Wenn Betroffene sich sozial zurückziehen, können Gruppenaktivitäten mit anderen Betroffenen helfen. Das verringert Schamgefühle bezüglich der Krankheit und ermöglicht soziale Kontakte. Das Teilnehmen an Aktivitäten mit vorherigen sozialen Kontakten kann ebenfalls durch das Besprechen von Problemen und Gefühlen möglich gemacht werden.

Wie kann man als Partner eines Parkinson-Patienten Unterstützung bieten?

Auch wenn das anfangs schwierig ist, hilft es sehr, sich offen über Probleme und vor allem Gefühle zu unterhalten. Mimik und Gestik sind ein großer Bestandteil von zwischenmenschlicher Kommunikation. Wenn dieser wegfällt, ist es wichtig, dies sprachlich zu ersetzen: Offene Kommunikation über Gefühle, hilft hier den Patient:innen und auch der emotionalen Beziehung zu Angehörigen.

Da Kontakte zu Ärzt:innen je nach Krankheitsfortschritt sehr selten sein können, ist es wichtig, dass Angehörige Symptome der Betroffenen wahrnehmen. So kann zum Beispiel eine Depression erfolgreich behandelt werden.

Auch das Motivieren zu Gruppenaktivitäten, kann Betroffenen sehr helfen, ihren Scham und ihre Motivationslosigkeit zu überwinden.

Wie kann man mit den Veränderungen in der Beziehung umgehen, die durch Parkinson verursacht werden?

Veränderungen in Beziehung, die schon lange bestehen, sind manchmal schwer zu akzeptieren. So ist es auch bei Angehörigen von Menschen mit Parkinson nicht leicht, die durch die Krankheit verursachten Abweichungen zum "Normalen" einfach so hinzunehmen.

Wie bei den anderen genannten Problemen, hilft es darüber zu sprechen. Gespräche mit den Partner:innen, sowie mit außenstehenden Personen, nehmen oft eine große Last von den Schultern der Personen in der veränderten Beziehung.

Wenn alle beteiligten Personen ihre Wünsche äußern können, kann eventuell ein Kompromiss gefunden werden. Denn manche Veränderungen geben Platz für neue Aspekte in einer Beziehung. Das kann diese auch bereichern. Natürlich ist auch das aber von Beziehung zu Beziehung unterschiedlich und es kann auf erfolgreiche Bewältigungsmaßnahmen für vorherige Probleme zurückgegriffen werden.

Welche Ressourcen stehen zur Verfügung, um Beziehungen zu stärken, die durch Parkinson belastet sind?

Bei zu viel pflegerischem Aufwand durch Angehörige kann ein Pflegedienst oder ein Platz im Altenheim helfen. Das ist natürlich ein großer Schritt innerhalb einer Familie oder Partnerschaft, kann aber alle beteiligten Personen entlasten. Durch den Wegfall vom pflegerischen Teil in der Beziehung, ist es so eventuell möglich, den intimen, sozialen und emotionalen Teil wiederzubeleben.

Es gibt Gruppenangebote für Menschen mit Parkinson oder anderen Erkrankungen, die genutzt werden können. Damit kann sowohl der Körper trainiert, als auch soziale Kontakte hergestellt werden. Soziale Kontakte verbessern die Lebensqualität von vielen Menschen mit Parkinson enorm.

Wie kann man die Intimität in einer Beziehung aufrechterhalten, wenn ein Partner an Parkinson leidet?

Die Parkinson-Krankheit kann zum Verlust von sexuellen Funktionen und Lust führen und auch die emotionale Intimität beeinträchtigen. Das Wichtigste ist es, über diese Probleme offen zu sprechen, auch wenn das anfangs schwerfallen mag. Denn meistens geht es beiden Personen in der Beziehung ähnlich und ein Gespräch erschafft Erleichterung.

Intimität kann auch auf andere Weise gefunden werden, als bis jetzt in der einzelnen Beziehung gewohnt. Manchmal kann zum Beispiel emotionale Intimität die körperliche sehr gut ersetzen, aber auch körperlich können andere Methoden zum Lustgewinn gefunden werden.

Wichtig ist, zu akzeptieren, dass sich die Intimität in der Beziehung auf jeden Fall verändert und dies meist auch nicht rückgängig gemacht werden kann. Andere Wege zu finden, muss aber nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten und kann die Beziehung auch bereichern.

Wie kann man als Partner eines Parkinson-Patienten für seine eigene psychische Gesundheit sorgen?

Durch gezieltes Abgrenzen von der Krankheit für geplante Zeiträume. Ein eigener Alltag, in dem es nicht nur um Pflege und Probleme geht, ist sehr wichtig für die psychische Gesundheit von jedem Menschen. Das kann zum Beispiel im Rahmen von geplanten Aktivitäten mit anderen Menschen sein.

Über seine Probleme sowohl mit seinem/r Partner:in als auch mit anderen Menschen zu sprechen, kann psychischen Leidensdruck deutlich verringern. Das gelingt auch, ohne sofort Lösungen zu finden.

Wenn ernsthafte depressive Gedanken bestehen, sollte darüber auf jeden Fall mit medizinischem oder psychologischem Personal gesprochen werden. Eine Psychotherapie hilft vielen Menschen mit diesen Gedanken.

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