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Scheidenpilz nach Antibiotika: Ursachen und schnelle Hilfe

Profilbild von Jessica Papic Geschrieben von Jessica Papic

Es ist keine Seltenheit, dass Frauen im Anschluss an die Einnahme eines Antibiotikums eine Pilzinfektion im Intimbereich entwickeln. Bemerkbar macht sich diese Infektion in der Regel durch quälenden Juckreiz und einen geröteten Intimbereich.

Problematisch wird es dann, wenn die betroffenen Frauen auf Grund des Scheidenpilz die antibiotische Therapie abbrechen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Antibiotika nur dann verschrieben und eingenommen werden sollten, wenn es wirklich notwendig ist.

Wichtig dabei ist auch, dass das Antibiotikum wirklich bis zum Ende eingenommen und die Behandlung nicht verfrüht abgebrochen wird. Das ist auch dann der Fall, wenn es im Zuge der Medikamenteneinnahme zur Entstehung einer Pilzinfektion der Scheide kommt.

Aber warum kommt es unter der Anwendung von Antibiotika eigentlich zur Entstehung einer Pilzinfektion?

Wenn man sich mit dem normalen Milieu im Bereich der Scheide beschäftigt, ist es relativ einfach diese Frage zu beantworten. Das Scheidenmilieu einer gesunden Frau setzt sich sowohl aus bakteriellen Erregern als auch aus Pilzen zusammen.

Bakterien und Pilze bilden dabei ein empfindliches Gleichgewicht, das bereits durch kleinste Fehler ins Wanken geraten kann. Im normalen Milieu der Vagina finden sich auch jene Pilze, die für die Entstehung von Scheidenpilz verantwortlich sind.

Es handelt sich dabei um Hefepilze der Gattung Candida albicans. Solange das Milieu stabil ist und ein Gleichgewicht zwischen den Erregern existiert, sind die Hefepilze vollkommen harmlos und rufen keinerlei Beschwerden hervor. Zur Entstehung von Scheidenpilz kommt es nur dann, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist.

Eine relevante Störung des vaginalen Milieus kann zum Beispiel durch die Einnahme eines Antibiotikums verursacht werden. Das liegt daran, dass Antibiotika gegen bakterielle Erreger wirken.

Die Arzneimittel können nach der Einnahme jedoch nicht unterscheiden, ob es sich bei einem Bakterium um einen Krankheitserreger oder einen nicht-pathogenen Bestandteil des Milieus innerhalb der Vagina handelt. Aus diesem Grund töten Antibiotika sämtliche Bakterien, also auch die wichtigen Milchsäurebakterien, die unter der Bezeichnung Döderlein- Bakterien bekannt sind.

Milchsäurebakterien, die unter der Bezeichnung Döderlein Bakterien bekannt sind, zählen zu den wichtigsten Bestandteilen einer gesunden Vaginalflora.

Diese bakteriellen Erreger sorgen dafür, dass das Milieu der Vagina einen saueren pH-Wert annimmt. Nach der Antibiotikaeinnahme steigt der pH-Wert jedoch an und führt dazu, dass sich krankmachende Keime, zum Beispiel Hefepilze wie Candida albicans, ungehindert vermehren und eine Pilzinfektion hervorrufen können.

Welche Antibiotika verursachen Scheidenpilz?

Es gibt eine Reihe von Antibiotika, die relevante Störungen des Scheidenmilieus hervorrufen und auf diese Weise einer Pilzinfektion den Weg ebnen können. Vor allem bei Frauen, die mehrmals im Jahr Antibiotika einnehmen müssen, weißt die Scheidenflora weitreichende Beeinträchtigungen auf.

Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Zuge einer Antibiotika Scheidenpilz entwickelt, mit der Einnahmedauer des Medikaments. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass nicht alle Antibiotika ein Ungleichgewicht des Milieus der Scheide hervorrufen.

Zu den wichtigsten Antibiotika, bei deren Einnahme das Risiko für die Entstehung einer Pilzinfektion im Intimbereich steigt, gehören vor allem oral eingenommene Breitband- Antibiotika.

Breitbandantibiotika, die auch unter dem Begriff Breitspektrum- Antibiotika bekannt sind, erfassen ihre bakteriostatische (das bakterielle Wachstum hemmend) oder bakterizide (Bakterien abtötend) gegen viele Arten von Bakterien gleichzeitig.

Sogenannte Breitband- oder Breitspektrumantibiotika erfassen ihre Wirksamkeit gegen viele unterschiedliche Arten von Bakterien gleichzeitig.

Zu diesen Antibiotika zählen unter anderem die Vertreter Penicillin, Ampicillin, Amoxicillin, Tetracycline wie Doxycyclin sowie Cefalosporine (zum Beispiel Cefexim). Aber auch Quinolones wie Ciprofloxacin, Ofloxacin und Norfloxacin gehören zu den Breitbandantibiotika, welche das Scheidenmilieu angreifen und schädigen.

Zu den Breitbandantibiotika, welche die Scheidenflora beeinträchtigen zählen:

  • Penicillin
  • Ampicillin
  • Amoxicillin
  • Tetracycline (Doxycyclin)
  • Quinolone (Ciprofloxacin, Ofloxacin, Norfloxacin)
  • Cephalosporine (Cefixim)
  • Azithromycin
  • Fosfomycin

Scheidenpilz vorbeugen mit Milchsäurebakterien nach Antibiotika-Therapie

Um ein gesundes Milieu im Bereich der Scheide zu erzeugen und dieses langfristig beizubehalten, sind der richtige Säuregrad, also ein pH-Wert kleiner sieben, und die Anzahl der vorhandenen Milchsäurebakterien wichtig.

Die für den Intimbereich essenziellen Milchsäurebakterien sind auch unter dem Begriff Döderlein Bakterien bekannt. Wenn dieses Milieu, zum Beispiel durch die Einnahme eines Antibiotikums, gestört ist, können unter anderem spezielle Milchsäurebakterien hilfreich sein.

Durch die regelmäßige Anwendung spezieller Milchsäurebakterien- Kuren kann der Entstehung eines Scheidenpilz sogar vorgebeugt werden.

Der pH- Wert einer gesunden und ausgewogenen Scheidenflora liegt gewöhnlich zwischen 3,5 und 4,2.

Wie bereits erwähnt, haben Antibiotika, vor allem solche, die zur Gruppe der Breitband- oder Breitspektrum- Antibiotika gehören, einen enormen Einfluss auf das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Erregern, die das Scheidenmilieu aufrecht erhalten.

Werden Antibiotika zum Beispiel zur Behandlung einer vaginalen Bakeriose, einer bakteriellen Infektion der Vagina, eingenommen, so sorgt diese Einnahme dafür, dass nicht bloß die krankmachenden, sondern auch apathogene bakterielle Erreger zerstört werden.

In Folge dessen steigt der pH-Wert der vaginalen Flora deutlich an und Pilze können sich ganz einfach vermehren und dann Infektionen hervorrufen. Um dies verhindern zu können, empfiehlt es sich, nach einer längeren Einnahme eines Antibiotikums, prophylaktisch Milchsäureprodukte oder spezielle Milchsäurebakterien-Kuren anzuwenden.

Milchsäure- und Milchsäurebakterien- Kuren regenerieren und wirken stabilisierend auf die Flora im Bereich der Scheide. Sie senken den pH- Wert, der durch den Verlust der bakteriellen Bestandteile des Scheidenmilieus bis in den basischen Bereich rutschen kann.

Milchsäure- und Milchsäurebakterien- Kuren wird in der Regel in Form eines feuchtigkeitsspendenden Gels angewendet. Die Kulturen enthalten Milchsäure und können deshalb die Vermehrung der Milchsäurebakterien stimulieren. Das Gel wird über einen Zeitraum von sieben Tagen einmal täglich in die Vagina eingeführt. Um das Einführen zu erleichtern, werden bei den meisten Kuren Einmalapplikatoren mit gesendet.

Der Applikator befindet sich dabei in einzelnen Verpackungen. Nur so bleiben sie auch nach dem Öffnen der Kartonage hygienisch.

Wichtig bei der Verwendung solcher Milchsäure- und Milchsäurebakterien- Kuren ist vor allem der ideale Abstand zwischen der Antibiotika Therapie und dem ersten vaginalen Einführen des Gels.

Erfolgt die Antibiotika- Gabe oral, also in Form von Tabletten und beschränkt sich auf lediglich wenige Tage, so kann die Milchsäure- oder Milchsäurebakterien- Behandlung unmittelbar nach der Einnahme des letzen Antibiotikums begonnen werden. Bei Frauen, die hingegen über einen längeren Zeitraum antibiotisch Behandelt werden, empfiehlt es sich noch während der Einnahme der Antibiotika mit den Kuren zu beginnen.

Am effektivsten sind sie dann, wenn sie zum ersten Mal ab der Mitte der Antibiotikatherapie vaginal eingeführt werden. Diese Kuren können im Übrigen auch im Bereich des Darm angewendet werden.

Bei langandauernder Antibiotika-Therapie sollte bereits ab der Mitte der Einnahme mit dem Einführen der Milchsäurekur begonnen werden. Beschränkt sich die antibiotische Behandlung hingegen lediglich auf wenige Tage, so ist es besser erst nach der Einnahme der letzten Tablette zu starten.

Letzte Änderung: 10. September 2023

Quellen
  • Dirschka, T. et al.: Klinikleitfaden Dermatologie, Elsevier Verlag, 4. Auflage, 2021
  • Infoportal des Berufsverbands der Frauenärzte e.V.: "Scheidenpilz / Candida-Infektionen / Vaginalmykose / Vaginalpilz" http://frauenaerzte-im-netz.de
  • Janni, W. et al.: Facharztwissen Gynäkologie, Elsevier Verlag, 2. Auflage, 2017
  • Kaufmann, M. et al.: Die Gynäkologie, Springer-Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 2003

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