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Psychische Probleme bei Niereninsuffizienz

Kurzgesagt
  • Psychische Störungen treten häufig bei einer chronischen Niereninsuffizienz auf
  • Psychische Symptome sollten ernst genommen werden, da sie die Prognose mitbestimmen
  • Psychische Symptome werden häufig nicht erfasst und nur selten therapiert
  • Die Anbindung an einen Psychologen und Psychiater sind empfehlenswert

Die chronische Niereninsuffizienz kann für viele Patientinnen und Patienten sehr belastend sein. Die Aussicht auf eine lebenslange Modifikations des Lebensstils und die Angst vor der Abhängigkeit von Therapien kann Ängste erzeugen.

Welche psychischen Probleme treten bei Nierenerkrankungen häufig auf?

Depression

Depressionen treten sehr häufig bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz auf. Depressionen können die Lebensqualität der betroffenen Patienten dramatisch reduzieren und haben auch einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. So gibt es Daten aus großen Studien, die zeigen konnten, dass bei Patienten mit Depressionen die Nierenerkrankung und die Sterberate höher ist als bei Patienten ohne Depression.

Eine große Herausforderung in der Gesundheitsversorgung ist, dass ein großer Teil der betroffenen Patienten nicht diagnostiziert wird und dementsprechend auch nicht angemessen behandelt wird. Daher sollte frühzeitig ein Screening von Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz auf Depressionen erfolgen.

Ängste

Die Unsicherheit über den Verlauf der Erkrankung einschließlich der Prognose führt bei vielen Patienten zu Ängsten und Unsicherheit. Das kann mit einer niedrigeren Bereitschaft einhergehen den Lebensstil für die Erkrankung anzupassen.

Es ist daher wichtig die Ursachen der Angsterkrankung bezogen auf die Psyche optimal zu verstehen und eine psychische Behandlung in den gesamten Therapieplan zu integrieren.

Auch die Angst vor Laborkontrollen wie GFR und Kreatinin kann stressbedingt dazu führen, dass Untersuchungen der Nierenwerte, die für die optimale Einstellung erforderlich sind, nicht durchgeführt werden.

Eine psychische Behandlung unter Einbeziehung der seelischen und emotionalen Gesundheit kann helfen Ängste zu reduzieren. Es gibt positive Berichte über Mediation als Behandlung.

Schlafstörungen

Das Ungleichgewicht an Hormonen und Elektrolyten als Folge einer chronischen Niereninsuffizienz und die Ansammlung von Giften kann sich negativ auf den Schlaf auswirken.

Zusätzlich erleben Patienten mit einer Niereninsuffizienz häufig ein sogenanntes Restless-Leg-Syndrom. Hierbei kommt es im Schlaf zu einer Empfindungsstörung des Beines, die erst durch Bewegungen wie einem Schütteln des Beines aufhört und damit den Schlaf massiv beeinträchtigt. Auch leiden viele Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz an einem Schlafapnoe-Syndrom, da die Flüssigkeitsüberladung des Körpers zu einer Verengung der Atemwege führt.

Die Schlafstörungen bei chronischer Niereninsuffizienz haben einen massiven Einfluss auf die Gesundheit des betroffenen Patienten und erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Die meisten Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz sterben an einer Herzerkrankung, sodass ein gesunder Schlafrhythmus für die Patienten lebensnotwendig ist. Es kann daher unter Umständen erforderlich sein, Ärzte aus verschiedenen Fachgruppen einzubeziehen.

Soziale Ausgrenzung

Bei Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz im Endstadium ist häufig eine Dialyse notwendig. Bei manchen Formen der Dialyse kann es notwendig sein, dass die Behandlung in einem speziellen Zentrum oder einem Krankenhaus durchgeführt wird.

Bei der Behandlung wird die Filterfunktion der Niere von einer Maschine übernommen. Dafür wird Blut aus dem Körper in die Maschine geleitet und dem Körper wieder zugeführt. Die Behandlung dauert in der Regel mehrere Stunden und wird an einem Tag in der Woche durchgeführt. Nach der Behandlung ist der Patient häufig sehr müde. Dies kann zu einer sozialen Ausgrenzung führen, da der Patient an einem Tag in der Woche keine Zeit für Freunde und Familie hat und an den Tagen davor und danach häufig mit der Behandlung weiterhin durch Müdigkeit oder Aufregung involviert ist.

Hinzu kommen weitere Arztbesuche und Kontrollen, die häufig mit langen Wartezeiten verbunden sein können, sodass eine soziale Ausgrenzung eine Gefahr dieser chronischen Erkrankung darstellt.

Was kann man selbst tun um die psychische Gesundheit bei Niereninsuffizienz zu fördern?

Sport und Bewegung kann helfen, psychische Probleme zu überwinden und aktiv bei der Neugestaltung des Lebens mitzuwirken. Eine optimale Ernährung kann sich nicht nur positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken sondern kann auch das Körpergefühl verbessern.

Ein besseres Körpergefühl kann zu einer Verbesserung der Psyche führen. Meditationen können helfen Stress zu reduzieren und Ängste zu meistern.

Insgesamt ist ein besseres Verständnis der Erkrankung, mit einer Auseinandersetzung der Ursachen wie Diabetes und Bluthochdruck von großer Relevanz, um das erhöhte Risiko besser einordnen zu können.

Wann und wo sollte man sich psychische Unterstützung suchen?

Die Belastung mit einer chronischen Erkrankung zu leben ist für Patienten häufig sehr groß. Die fehlende Sicherheit über den Verlauf der Erkrankung ist von emotionaler Bedeutung.

Die Patienten fürchten Nebenwirkungen der Medikamente und merken weitere gefährliche Erkrankungen als Folge der Grunderkrankung. Stressbedingte Ohnmacht vor einer unsicheren Zukunft schädigt weiterhin die Therapieplanung und die Lebensstilmodifikationen, um die ursächlichen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck in den Griff zu bekommen.

Patienten mit ungelösten psychischen Symptomen haben daher eine schlechtere Prognose und ein erhöhtes Risiko an der Krankheit zu sterben. Es ist daher wichtig die Symptome zu erfassen und frühzeitig zu therapieren.

Der wichtigste Schritt ist es daher, offen über die psychischen Symptome der Niereninsuffizienz zu sprechen. Häufig beachten Ärztinnen und Ärzte in der Therapie der Niereninsuffizienz nur Laborwerte, wie den Kreatinin und übersehen dabei die Symptome, die der Patient im Gespräch nicht äußert.

Das Vorstellen bei einem Psychologen oder Psychiater, der eine aktive Therapie gegen die psychische Belastung einleiten kann, stellt daher eine wichtige Komponente dar.

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