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Hashimoto-Thyreoiditis

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Geschrieben von
Inga Jerrentrup (Ärztin)

Die Schilddrüse liegt im Hals, direkt unterhalb des Kehlkopfes, vor der Luftröhre. Sie sieht ein bisschen aus wie ein Schmetterling. Die Schilddrüse besteht aus einem rechten und einem linken Teil (Lappen). In seltenen Fällen gibt es noch einen pyramiden-förmigen Ausläufer nach oben.

Die Hauptaufgabe der Schilddrüse ist die Bildung von jodhaltigen Hormonen: Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Hormone spielen eine wichtige Rolle im Energie-Stoffwechsel des Körpers. Im Prinzip kann man sagen, dass sie den Stoffwechsel regulieren.

Diese Hormone sind aber auch bei vielen Körper-Funktionen beteiligt. Hierzu gehören das Wachstum, die Regelung der Struktur der Haut , die Entwicklung des Nervensystems nach der Geburt.

Wissenswert

Werden die Schilddrüsen-Hormone im Übermaß gebildet, kommt es zu einer Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose). Der Stoffwechsel des Körpers ist hierbei beschleunigt. Im Gegensatz dazu ist bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) der Stoffwechsel heruntergefahren.

In der Schilddrüse wird noch ein weiteres Hormon gebildet, das Calcitonin. Dieses Hormon ist Teil des Calcium-Stoffwechsels des Körpers. Der Calcium-Stoffwechsel spielt eine bedeutende Rolle für die Festigkeit der Knochen.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Stoffwechsel-Erkrankung der Schilddrüse. Es handelt sich um eine sogenannte Autoimmun-Erkrankung. Bei Autoimmun-Erkrankungen richtet sich das Immunsystem (Abwehrsystem) gegen Strukturen des eigenen Körpers.

Normalerweise unterscheidet es körpereigene und körperfremde Stoffe und kann den Körper so gegen gefährliche "Eindringlinge" verteidigen.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird das Schilddrüsen-Gewebe durch das eigene Immun-System angegriffen und beschädigt. Dadurch kommt es zu einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose). Die Schilddrüse kann in diesem Fall nicht mehr genügend Hormone bilden. Dies kann sich dann negativ und bremsend auf den allgemeinen Stoffwechsel des Körpers auswirken.

Wissenswert

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Form der Schilddrüsen-Unterfunktion. 5 Prozent der deutschen Bevölkerung haben entsprechende Antikörper (TPO-Autoantikörper) gegen Strukturen der eigenen Schilddrüse im Blut. Es kommt aber nicht bei allen zu den typischen Beschwerden einer Hashimoto-Thyreoiditis.

Frauen sind insgesamt 9 mal so häufig betroffen wie Männer. Dabei kann die Erkrankung in jedem Alter auftreten, besonders oft wird sie jedoch bei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren beobachtet.

Die genaue Entstehung der Erkrankung ist unklar. Am weitesten verbreitet ist die Vorstellung einer Interaktion von genetischen und geschlechts-abhängigen individuellen Faktoren mit verschiedenen Umwelteinflüssen. Frauen erkranken generell häufiger an Hashimoto.

Wissenswert

Die weiblichen Geschlechts-Hormone, Östrogene, begünstigen nachweislich die Entstehung der Erkrankung. Das männliche Geschlechts-Hormone, Testosteron, hemmt die Entwicklung der Hashimoto-Thyreoiditis eher.

Eine Reihe von Umwelteinflüssen stehen im Verdacht eine Schilddrüsen-Unterfunktion vom Hashimoto-Typ wahrscheinlicher werden zu lassen:

  • Hepatitis C-Erkrankung (eine Entzündung der Leber durch den Hepatitis-C-Virus)
  • Funktions-Einschränkungen der Nebennieren
  • andere Virus-Erkrankungen wie Pfeiffersches Drüsenfieber und Gürtelrose
  • Selen-Magel (Selen ist ein Spuren-Element, das heißt es kann nicht selbst vom Körper hergestellt werden, wird aber in geringen Mengen unbedingt benötigt.)
  • POC-Syndrom (Polyzystisches Ovar-Syndrom, bei Frauen)
  • Stress-Reaktionen

Tritt die Hashimoto-Thyreoiditis familiär-gehäuft auf, finden sich dann bei der Mehrheit der betroffenen bestimmt Proteine auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (HLA-Klasse-II-Moleküle DR3, DR4 und DR5).

Was sind die Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Symptome im Überblick

Zu Beginn der Erkrankung haben Patienten oft keine Symptome. Im Verlauf kann es zu den typischen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion kommen, die sich im Generellen durch eine reduzierte Stoffwechselleistung erklären lassen.

So kommt es zum Beispiel zu einem verlangsamten Herzschlag (Bradykardie), der häufig von einem allgemeinen Müdigkeits- und Schwächegefühl begleitet wird. Betroffene fühlen sich schnell erschöpft und können auf Außenstehende verlangsamt wirken.

Häufig beklagen betroffene Konzentrationsschwierigkeiten sowie ein generelles Desinteresse.

Aufgrund des reduzierten Stoffwechsels kommt es zu einem verstärkten Kälteempfinden, welches von vermindertem Schwitzen begleitet sein kann. Die Haut der Betroffenen ist daher häufig kalt und trocken.

Da auch die Magen-Darm-Tätigkeit heruntergefahren ist kann es zu Verstopfungen kommen.

Das Haar zeigt sich bei Schilddrüsenunterfunktion oft brüchig und trocken, typisch ist das vermehrte Auftreten von Haarausfall .

Auch die Augenbrauen können Auffälligkeiten aufweisen: Das sogenannte Hertoghe-Zeichen beschreibt eine Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen, welches gehäuft bei der Schilddrüsenunterfunktion auftreten kann.

Es zeigt sich häufig eine ungewollte Gewichtszunahme, welche nicht durch eine gesteigerte Nahrungsaufnahme oder Bewegungsmangel erklärt werden kann. Dies liegt an einer Reduktion des Grundumsatzes aufgrund der eingeschränkten Stoffwechselleistung.

Bei Frauen kann es zu Zyklus-Unregelmäßigkeiten bis hin zum Ausbleiben der Regelblutung kommen.

Wie wird die Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert?

Untersuchung im Überblick

Im Arzt-Patienten-Gespräch werden oft typische Beschwerden genannt.

Mithilfe einer Blut-Untersuchung kann ein Antikörper-Nachweis erfolgen. Zum Nachweis einer Hashimoto-Thyreoiditis werden dabei vorallem die Schilddrüsenperoxidase-Antikörper (Thyreoid-Peroxidase-Antikörper = TPO-AK), welche bei ca. 90% der Patienten im Blut vorzufinden sind, sowie die Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK), welche bei ca. 50% der Patienten vorliegen, bestimmt.

Außerdem werden die Schilddrüsen-Hormone (siehe oben) untersucht. Ebenso wird das Hormon gemessen, dass die Schilddrüse zur Produktion ihrer Hormone veranlasst. Je nachdem in welcher Konzentration welche der gemessenen Werte vorliegen, können dann verschiedene Formen unterschieden werden und es können Rückschlüsse gezogen werden, wie lang die Erkrankung schon besteht, also ob sie sich in einer frühen oder späten Phase befindet.

Die Schilddrüse kann auch mit dem Ultraschall untersucht werden. Bei Hashimoto sieht die Schilddrüse dunkel (echoarm) und in ihrer Struktur unregelmäßig (inhomogen) aus. Vereinzelt können sich auch helle (echoreiche) narbige Areale zeigen. Meist ist die Schilddrüse bei der Erkrankung verkleinert.

Eine weitere diagnostische Möglichkeit bietet die Szintigrafie. Bei dieser Art von Untersuchung wird ein Medikament in ein Blutgefäß gespritzt. Über das Blut gelangt das Medikament dann in die Schilddrüse. Das Medikament lagert sich vor allem dort an, wo die Schilddrüse viele Botenstoffe bildet.

Eine besondere Kamera misst dann, wie sich das Medikament in der Schilddrüse verteilt. Mithilfe dieser Bilder kann eingeschätzt werden, wie gut die Schilddrüse arbeitet. Bei einer Szintigrafie bei einer Hashimoto-Thyreoiditis zeigt sich eine verminderte Aufnahme von radioaktivem Technetium (99mTc) in der Schilddrüse.

Die Hashimoto-Thyreoiditis muss außerdem von anderen teilweise ähnlichen Schilddrüsen-Erkankungen unterschieden werden. Hierbei kommen hauptsächlich folgende Erkrankungen infrage: Postpartum-Thyreoiditis (PPT), akute eitrige Thyreoiditis und die Riedel-Thyreoiditis („eisenharte Struma“).

Therapie bei Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis wird medikamentös behandelt. Das Medikament, welches vorrangig verabreicht wird, heißt L-Thyroxin.

L-Thyroxin ist das "Mittel der Wahl" bei Schilddrüsen-Unterfunktionen im Allgemeinen. Dabei gilt: Je schwerer die Unterfunktion der Schilddrüse ist, desto langsamer sollte die Behandlung begonnen und desto niedrigerer Dosis zu Beginn der Behandlung gewählt werden. Anderenfalls können Nebenwirkungen drohen, die die Arbeit des Herzens beeinträchtigen können.

Wie ist die Prognose einer Hashimoto-Thyreoiditis?

Wird die Hashimoto-Thyreoiditis gut behandelt, ist keine Verkürzung der Lebenserwartung anzunehmen. Unbehandelt kann die Schilddrüsen-Unterfunktion chronisch werden und zu typischen Komplikationen führen.

Allem voran ist die Hashimoto-Enzephalopathie zu nennen. Diese ist vor allem gekennzeichnet durch Störungen der Wachheit und des Bewusstseins und der Bewegungskoordination, sodass es zu unwillkürlichen, kurzen Muskelzuckungen bis zum Auslösen epileptischer Anfälle kommen kann.

Diese entstehen aufgrund einer gesteigerten und übermäßig rhythmisierten Entladung von Nervenzellen. Es kann weiterhin zu bösartigen Gewebewucherungen der Lymphknoten und Lymphbahnen kommen.

Die Hashimoto-Thyreoiditis kann in Verbindung mit anderen (hauptsächlich auch autoimmun-bedingten) Erkrankungen auftreten. Zu nennen sind hier Diabetes mellitus Typ 1, Morbus Addison , M. Basedow und Weitere. Die Prognose kann dann entsprechend schlechter sein.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Hashimoto-Thyreoiditis

Achtung

Jod in Tablettenform hingegen sollte bei einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht zusätzlich eingenommen werden. Ein Jodüberschuss kann die Entzündung der Schilddrüse fördern.

Vorsicht gilt auch bei getrocknete Algen und Seetang aufgrund des hohen Jodgehalts. Bereits bei kleinen Portionen kann es zu einer übermäßig hohen Jodzufuhr kommen. Ansonsten gelten die in der Nahrung enthaltenen Jodmengen als unbedenklich.

Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass eine zusätzliche Einnahme des Spurenelements Selen sich positiv auf den Immunprozess auswirkt. Eine damit einhergehende positive Wirkung auf die Schilddrüse konnte jedoch bislang nicht belegt werden.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Hashimoto-Thyreoiditis

Regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsen-Werte sind wichtig. Bei Komplikationen kann es darüber hinaus zu weiteren Therapien und Untersuchungen kommen.

Zusammenfassung

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Sie bewirkt eine Schilddrüsenunterfunktion. Heute kann die Hashimoto-Thyreoiditis gut medikamentös behandelt werden.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Die Einnahme von Medikamenten ( wie L-Thyroxin) kann zu annähernder Beschwerdefreiheit führen.

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis kann es vorallem ohne Behandlung zu schweren Komplikationen kommen, die dann auch andere Organe betreffen können wie beispielsweise das Gehirn.

Zu Beginn haben Patienten oft keine Symptome.

Später leiden Patienten oft an:

  • verlangsamtem Herzschlag
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • generellem Desinteresse
  • allgemeiner Müdigkeit, Schwäche, schnelle Erschöpfung, Verlangsamung
  • verstärktem Kälte-Empfinden
  • kalter, trockener Haut
  • verminderter Schweiß-Abgabe
  • trockenem, brüchigem Haar, Haar-Ausfall
  • Verstopfung
  • Gewichts-Zunahme ohne vermehrter Nahrungs-Aufnahme
  • Ausdünnen der seitlichen Enden der Augenbrauen (Hertoghe-Zeichen)
  • verminderten Reflexen
  • Ausbleiben der Regel-Blutung und Zyklus-Unregelmäßigkeiten bei Frauen möglich

Autoimmunthyreoiditis Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Autoimmunthyreoiditis

Hashimoto-Thyreoiditis

Epidemiologie

  • macht rund 80% aller SD-Entzündungen aus
  • Frauen > Männer
  • Manifestationsalter: 40 bis 50 Jahre

Risikofaktoren

  • weibliches Geschlecht
  • Betroffene Angehörige
  • Stress
  • Nikotinkonsum

Ursachen

  • Antikörper gegen Eiweiße der Schilddrüse
  • Genveränderungen

Symptome

  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsschwäche
  • Heisere Stimme
  • Kälteempfindlichkeit
  • Verstopfung
  • Gewichtszunahme
  • Hautveränderungen
  • Haarausfall

Komplikationen

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Herz- Kreislauferkrankungen
  • Krampfanfälle
  • Konzentrationsprobleme
  • Bewusstseinsstörungen
  • Koma

Diagnose

  • Anamnese
    • Fühlen sie sich ständig müde und abgeschlagen?
    • Haben sie Schwierigkeiten sich länger auf eine Sache zu konzentrieren?
    • Leiden sie an Heiserkeit?
    • Sind sie besonders Kälteempfindlich?
    • Haben sie häufig Verstopfungen?
    • Haben sie an Gewicht zugenommen ohne etwas an ihren Essgewohnheiten zu verändern?
    • Ist ihre Haut trocken?
    • Sind ihre Nägel brüchig?
    • Leiden sie an Haarausfall?
  • Laboruntersuchung
    • Blutuntersuchung: T3/T4, TSH, Thyreoperoxidase (TPO), Thyreoglobulin (TG)
  • Ultraschalluntersuchung
    • Darstellung der Schilddrüse
  • Schilddrüsenszintigrafie
    • verminderter Stoffwechsel

Therapie

  • Medikamente
  • Operation

Prognose

  • nicht heilbare Erkrankung

Begriffe

Diabetes mellitus

Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht man eine Erkrankung, die durch eine Störung des Zuckerstoffwechsels hervorgerufen wird. Betroffene Personen weisen einen mitunter deutlich erhöhten Blutzuckerspiegel auf, der langfristig die Entstehung einer Reihe von Folgeerkrankungen triggern kann.
Der Ausbruch der Gürtelrose beginnt meist mit sehr unspezifischen Symptomen. Da die Varizellen Zoster Viren vor allem die Nerven besiedeln und angreifen, nehmen Patienten meist an den betroffenen Stellen Schmerzen wahr, ohne dass sich die Krankheit schon im Sinne von Hautänderungen bemerkbar macht.
Von Haarausfall (Alopezie) spricht man immer dann, wenn bei einer Person über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchschnittlich über 100 Haare pro Tag ausfallen.
Hepatitis beschreibt allgemein die Entzündung der Leber. Die Leber nimmt im Körper eine sehr zentrale Rolle ein: Sie ist das Einzelorgan mit den meisten Stoffwechselvorgängen im Körper und kann bis heute nicht durch Maschinen ersetzt werden.
Die primäre Nebennierenrindeninsuffizienz (NNR-Insuffizienz), auch Morbus Addison gennant, ist eine Erkrankung der Nebennierenrinde, wo es zu einem Mangel von Aldosteron und Kortisol kommt (adrenale Steroidhormone).
Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist eine meist harmlose, akute Virusinfektion, die durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst wird und meist mit einer Entzündung der Rachenmandeln, Fieber und einer generalisierten Lymphknotenschwellung einhergeht.
Die Schilddrüsenunterfunktion ("Hypothyreose") bezeichnet die verminderte oder fehlende Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse.

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