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Hepatitis

Hepatitis beschreibt allgemein die Entzündung („-itis“) der Leber (griechisch „Hepar“).

Die Leber nimmt im Körper eine sehr zentrale Rolle ein: Sie ist das Einzelorgan mit den meisten Stoffwechselvorgängen im Körper und kann bis heute nicht durch Maschinen ersetzt werden.

Dies ist ein wichtiger Punkt im Vergleich zu anderen Organen wie beispielsweise der Niere (durch Dialyse teilweise ersetzbar) oder der Lunge (durch Maschinen zur Sauerstoffanreicherung des Blutes teilweise ersetzbar) oder gar dem Herzen (auch dieses kann durch Maschinen überraschend lange ersetzt werden).

Dies bringt uns zu dem Schluss, dass die Leber lebenswichtig ist und nur durch ein Spenderorgan ersetzt werden kann. Diese sind aber bekanntlich sehr knapp.

Wichtige Funktionen der Leber erklärt:

Um die Leberentzündung Hepatitis besser verstehen zu können, gibt es hier Hintergrundinformationen zu den Funktionen der Leber.

Wenn unsere Nahrung im Magen-Darm-Trakt aufgespalten wurde, gelangen die darin enthaltenen Bestandteile größten Teils in das Blut, welches den Magen-Darm-Trakt durchfließt.

Dieses Blut wird nach seinem Besuch bei den unterschiedlichen Verdauungsorganen direkt durch ein eigens dafür angelegtes Gefäßsystem (dem „Pfordadersystem“) zur Leber transportiert.

Die Leber ist aber auch direkt an manchen Verdauungsvorgängen beteiligt. Sie produziert zum Beispiel die Galle. Die Galle ist eine Flüssigkeit, die sog. Gallensäuren und weitere Bestandteile, wie Abbauprodukte von alten Blutzellen, enthält.

Die Galle wird von der Leber über die Gallengänge in den Dünndarm abgegeben und ist hier dafür verantwortlich, dass wir Fette in der Nahrung aufspalten und anschließend aus dem Darm aufnehmen können. Auch werden über diese Mechanismen wichtige fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, D, E und K aufgenommen.

Zum einen werden viele Giftstoffe, welche im Körper selber entstehen, durch die Leber abgebaut und über verschiedene Wege aus dem Körper ausgeschieden. Zum anderen werden auch Giftstoffe, welche durch den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, durch die Leber abgebaut, bevor sie in den restlichen Körper gelangen können.

Proteine, die dafür sorgen, dass das Blut bei einer Verletzung gerinnt, also fest wird und somit für einen schnellen Verschluss der Wunde sorgen und maßgeblich daran beteiligt sind, dass wir nicht an einem kleinen Schnitt in den Finger verbluten.

Hormone sind sehr wichtige Botenstoffe in unserm Körper. Diese regulieren eine schier unbegreifliche Anzahl an Vorgängen in unserem Körper und müssen dementsprechend immer in genau der richtigen Menge vorhanden sein.

So mancher Krankheitserreger gelangt durch den Magen-Darm-Trakt ins Blut. Da dieses Blut aber erst einmal zur Leber transportiert wird, kann die Leber diese Krankheitserreger schon bekämpfen, bevor sie den restlichen Körper erreichen.

Eine Entzündung dieses zentralen und unersetzlichen Organs kann also gravierende Folgen haben. So vielfältig wie die Funktionen der Leber sind auch die Ursachen für eine Hepatitis. Es gibt infektiöse (durch Viren, Bakterie, Pilze oder andere Mikroorganismen), autoimmune (das eigene Immunsystem richtet sich gegen die Leber), toxische (Giftstoffe wie Alkohol) oder durch Gewalteinwirkung (zum Beispiel im Rahmen eines Autounfalls) entstandene Leberentzündungen.

Achtung

Zusätzlich kann eine Leberentzündung akut (Verlauf bis 6 Monate) oder chronisch (Verlauf über 6 Monate) verlaufen.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Hepatitis?

Die verschiedenen Hepatitisarten:

Wie bereits erwähnt gibt es viele verschiedene Ursachen für eine Hepatitis. Je nach Ursache unterscheiden sich auch die Risikofaktoren, die jeweils zu einer Hepatitis führen. Im Folgenden soll auf die Virusentzündungen der Leber (sog. „Virushepatitiden“) eingegangen werden.

Allen Virushepatitiden ist gemeinsam, dass die Schädigung der Zellen der Leber in erster Linie nicht durch das Virus selbst, sondern durch die stattfindende Abwehrreaktion des Immunsystems entsteht.

Das jeweilige Virus dringt in die Leberzellen (sog. „Hepatozyten“) ein. In der Zelle angelangt zwingt das Virus die Leberzelle durch unterschiedliche Mechanismen dazu, Bestandteile des Virus herzustellen. Dies selbst schädigt die Leberzellen nicht sehr stark, allerdings würden die Zellen irgendwann nicht mehr genug Energie haben, um das Virus herzustellen und ihre eigentliche Aufgabe im Körper wahrzunehmen.

Es nützt also nichts, das Immunsystem zu verteufeln. Es ist nur schneller und reagiert schon auf die Infektion, bevor Symptome durch die Virusbestandteil-Produktion auftreten können.

Ist das Virus erst einmal bis in die Leberzelle vorgedrungen und hat die Produktionsmaschinerie gekapert, kann es nicht mehr aus der Zelle entfernt werden. Dem Immunsystem bleibt also nur die Möglichkeit, die ganze Zelle zu zerstören.

Diese Zerstörung der Leberzellen sorgt maßgeblich für die Symptome einer Hepatitis.

Diese beiden Viren fassen wir zusammen, da sich das Hepatitis A Virus (HAV) und Hepatitis E Virus (HEV) in den Übertragungswegen und Symptomen sehr ähneln.

Das HAV ist ein unbehülltes Virus. (In der Virologie unterscheidet man Viren unter anderem danach, ob sie eine Hülle haben oder nicht. Paradoxerweise ist das Unschädlichmachen von unbehüllten Viren schwieriger. Dies wird aber etwas verständlicher, wenn man erfährt, dass ein behülltes Virus ohne seine Hülle keinen Schaden mehr anrichten kann.

Man muss mit Desinfektionsmaßnahmen also nur die Hülle zerstören. Dies gelingt oft einfach mit Alkohol oder Seifen. Bei unbehüllten Viren müssen aggressivere Desinfektionsverfahren angewendet werden.

Folglich hat das HAV eine hohe Umweltstabilität, was bedeutet, dass es lange irgendwo „warten“ kann bis ein geeigneter Wirt es aufnimmt. Zu unserer Leber gelangt das HAV über eine sogenannte „fäkal-orale Schmierinfektion“.

Dieser Infektionsweg bedeutet, dass ein bereits Infizierter das Virus über seinen Stuhl ausscheidet und die orale Aufnahme der Viruspartikel zu einer Infektion führt. Vermehrt kommen HAV-Infektionen daher in Gegenden und Ländern mit niedrigem Hygienestandard vor.

Ähnliches gilt für das HEV.

Für beide Infektionen stellt geringe Hygiene und der Verzehr von ungekochten oder ungegarten Lebensmitteln in besagten Risikogebieten einen der Hauptrisikofaktoren dar. Daher gilt für Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard der Leitspruch: „Cook it, boil it, peel it or forget it“, was so viel bedeutet wie „brat es, koch es ab, schäle es oder iss es nicht“. Es sind aber durchaus auch Ausbrüche und Ansteckungen in Deutschland beschrieben.

Im Jahr 2020 wurden dem Robert-Koch-Institut 456 Fälle von Hepatitis A in Deutschland gemeldet. Im Jahr 2019 waren es noch 873. Nach einer leicht abfallenden Tendenz in den letzten Jahren ist wohl auch die Corona-Pandemie entscheidend für die Abnahme der Meldefälle verantwortlich, da nicht mehr so viele Menschen in andere Länder reisen konnten.

Die Hepatitis B wird durch das Hepatitis B Virus (HBV) verursacht.

Hepatitis B zählt zu den häufigsten Viruserkrankungen des Menschen. Sie wird vor allem sexuell übertragen. Möglich ist auch eine Übertragung, die fachsprachlich als „parenteral“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich wörtlich um eine Infektion, die „am Darm vorbei“ geschieht. Möglich ist hier, dass der Erreger direkt ins Blut gelangt. Zum Beispiel durch das mehrfache Verwenden von medizinischen Geräten wie Nadeln.

Dies ist auch ein Risiko beim gemeinsamen Gebrauch von Drogenbestecken, wie es in der Szene der Heroinkonsumenten nicht selten beobachtet wird. Früher kam es auch in Deutschland häufig zu einer Übertragung durch Blutspenden. Dies ist heute praktisch ausgeschlossen, da jede Blutspende auch auf HBV getestet wird. Auch eine Übertragung einer infizierten Mutter auf das ungeborene Kind ist möglich.

Zu den besonders gefährdeten Personengruppen gehören:

Intravenös Drogenabhängige (Personen die sich Drogen direkt in die Venen spritzen), homosexuelle Männer, medizinisches Personal, Personen, die im Haushalt Kontakt zu bereits Infizierten haben und Dialysepatienten. Außerdem gehören auch Personen, die Tattoos oder Piercings, Bluttransfusionen oder Organtransplantationen bekommen haben, dazu.

Nach einer Infektion kommt es zu einer Inkubationszeit. Dies beschreibt die Zeit von der Infektion bis die ersten Symptome auftreten. Diese Inkubationszeit dauert meist mehrere Monate. Nach der Inkubationszeit tritt vorwiegend eine milde oder sogar asymptomatische (keine Beschwerden bemerkbar) akute Hepatitis auf. Diese akute Hepatitis heilt in 95 % der Fälle komplett aus.

Gefürchtet ist jedoch, dass es bei etwa 5 % der Infizierten zu einer chronischen Hepatitis kommen kann. Eine solche chronische Hepatitis kann zur langsamen und ab einem gewissen Punkt unwiderruflichen Zerstörung der Leber führen.

Das HBV besitzt eine Hülle und ist somit gut durch Desinfektion und Hygienemaßnahmen unschädlich zu machen.

Die Hepatitis C wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis C Virus (HCV) hervorgerufen.

Auch das HCV wir „parenteral“ (s.o.) übertragen und betrifft damit die gleichen Risikogruppen wie die Hepatitis B. Im Unterschied zur Hepatitis B nimmt die Hepatitis C aber in den meisten Fällen einen chronischen Verlauf. Auch das HCV besitzt eine Hülle und ist daher anfällig gegen Desinfektionsmittel und Hygienemaßnahmen.

Die Hepatitis D wird durch das Hepatitis D Virus (HDV) verursacht. Dieses ist ein unvollständiges Virus und braucht zwingend das HBV um sich zu vermehren.

Man geht davon aus, dass etwa 5 % der chronisch HBV-Infizierten zusätzlich mit HDV infiziert sind. Der Übertragungsweg ist derselbe wie bei HBV.

Die Autoimmunhepatitis wird durch das eigene Immunsystem verursacht. Warum das Immunsystem eigene Körperzellen als Feinde erkennt, ist bis heute noch nicht abschließend verstanden. Im Verlauf kommt es dazu, dass eigene Abwehrzellen die Leberzellen nicht mehr als körpereigen erkennen und sie deshalb zerstören.

Auch die Autoimmunhepatitis kann sowohl einen chronischen als auch einen akuten Verlauf nehmen.

Äthyltoxisch bezeichnet die Giftwirkung (toxisch) von Alkohol (äthyl) auf die Leber. Langwieriger, regelmäßiger Alkoholkonsum führt zu einer chronischen Hepatitis und irgendwann zur Leberzirrhose .

Was sind die Symptome einer Hepatitis?

Unterschied zwischen einer akuten und chronischen Hepatitis:

Die Symptome der Hepatitis ähneln sich unabhängig von ihrer Ursache. Zu unterscheiden gilt es, ob der Verlauf chronisch oder akut ist.

Der akute Verlauf ist meist von heftigeren Symptomen begleitet. Allerdings führt der chronische Verlauf zu mehr und vor allem gefährlicheren Langzeitschäden.

Bei einer akuten Hepatitis kommt es zum schnellen Zerfall von vielen Leberzellen. Die Leber kann ihre Funktionen nicht mehr, oder nur noch reduziert erfüllen. Sehr typisch für Leberentzündungen ist die Gelbfärbung (sog. „Ikterus“ von altgriechisch „Gelbsucht“) von Haut (sog. „Hautikterus“) oder Bindehaut am Auge (sog. „Sklerenikterus“ von Sklera = Bindehaut). Diese kommt dadurch zustande, dass die Leber die Abbauprodukte überalterter roter Blutkörperchen (sog. „Erythrozyten“) nicht mehr ausscheiden kann.

Diese Abbauprodukte sind nicht mehr rot, wie die ursprünglichen Erythrozyten, sondern wurden schon teilweise umgewandelt und haben nun eine gelbe Farbe. Im Übrigen gibt es während diesem Abbau noch eine grüne Zwischenstufe.

Und so erklärt sich auch, warum ein blauer Fleck (sog. „Hämatom“) mit der Zeit seine Farbe verändert. Aber zurück zu den gelben Farbstoffen, welche durch die Leber nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden können: Diese setzten sich in Haut und Bindehaut ab und führen dort zu der sichtbaren Gelbfärbung.

Da die Leber so viele Funktionen erfüllt, können bei einer Störung der Leberfunktion auch viele unterschiedliche Symptome auftreten. Diese sind aber oft nicht spezifisch. So kann es durch die Arbeit des Immunsystems zu einer ähnlichen Symptomatik wie bei einer Erkältung oder Grippe kommen. Hierzu gehören unter anderem Fieber , Müdigkeit , Erschöpfbarkeit.

Es kann auch zu Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen oder Appetitlosigkeit kommen.

Bei der chronischen Hepatitis kommt es für eine lange Zeit praktisch zu keinen wahrnehmbaren Symptomen. Erst wenn bei einem langen chronischen Verlauf so viele Zellen der Leber zerstört wurden, dass die übrigen Zellen die Funktionen nicht mehr erfüllen können, kommt es zu ähnlichen Symptomen wie bei der akuten Hepatitis.

Sobald bei einer chronischen Hepatitis eindeutige Symptome auftreten, ist es häufig bereits zu einer sogenannten Leberzirrhose gekommen. Dies beschreibt, dass das ehemals funktionsfähige Lebergewebe zu einem großen Teil durch Narbengewebe ersetzt wurde. Hier gibt es keine Regenerationsmöglichkeit mehr. Es kann ein Leberversagen eintreten.

Bei einem solch schweren Krankheitsbild wie dem Leberversagen gibt es wieder eine ganze Reihe an Symptomen, die viel mit der oben genannten Funktion der Leber zu tun haben.

Da die Leber an der Verdauung beteiligt ist, kann es zu ungewollter Gewichtsabnahme kommen. Durch die fehlende Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen kann es zu sogenannten "Hypovitaminose" kommen. Die Symptome solcher Hypovitaminose sind sehr vielfältig und würden den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Auch können sich Gifte im Körper ansammeln, welche das Gehirn schädigen und in seiner Funktion einschränken. Dies kann sich durch starke Schläfrigkeit, Konzentrationsprobleme und sogar Bewusstlosigkeit bemerkbar machen.

Auch kann es zu unkontrollierten Blutungen im Körper kommen, da einige Gerinnungsfaktoren nicht mehr hergestellt werden können. Sichtbar können solche Blutungen in der Haut werden. Dort nennt man sie „Petechien“. Dies sind punktförmige rote Flecken in der Haut.

Auch kann es zu Wasseransammlungen in den Beinen oder der Lunge kommen.

Wie oben beschrieben läuft praktisch das gesamte Blut aus dem Verdauungstrakt über die Pfortader zu der Leber. Ist die Leber durch eine chronische Entzündung narbig umgebaut, kann nicht mehr so viel Blut durch sie hindurchfließen.

Es kommt zu einem Rückstau des Blutes in der Pfortader, einer sogenannten „portalen Hypertonie“. Der Körper versucht das Blut nun über andere Gefäße umzuleiten, welche nicht durch die Leber fließen.

Da das Blut von ganz am Anfang und ganz am Ende des Verdauungstraktes nicht erst durch die Leber fließt, leitet der Körper das Blut vom restlichen Verdauungstrakt hier entlang. Diese Gefäße müssen dafür größer werden.

Es entstehen Krampfadern (sog. „Varizen“). Diese entstehen vor allem in der Speiseröhre und dem Rektum. Da diese Gefäße schnell umgebaut und stark vergrößert werden, werden sie auch unstabiler. Es besteht die Gefahr, dass sie reißen und es zu starken Blutungen kommt.

Wie wird Hepatitis diagnostiziert?

Bei Verdacht wird der Arzt folgende Untersuchungen durchführen:

Die Diagnose unterscheidet sich auch im Hinblick darauf, ob eine akute oder chronische Hepatitis vorliegt. Bei einer akuten Hepatitis sind schon von außen Symptome sichtbar und der Arzt wird gezielt eine Untersuchung der Leber vornehmen.

Bei der chronischen Hepatitis handelt es sich oft um Zufallsbefunde, die zufällig bei anderen Untersuchungen entdeckt werden. Oder es handelt sich um eine gezielte Untersuchung, weil der entsprechende Patient zu einer der oben genannten Risikogruppen gehört.

Das Blut wird auf oft als „Leberwerte“ bezeichnete Parameter untersucht. Unter anderem versteht man hierunter Enzyme (dies sind Moleküle, die Stoffwechselvorgänge ermöglichen), die vor allem in Leberzellen vorkommen.

Hier werden vor allem die Aspartat-Aminotransferase (kurz als AST oder früher als GOT bezeichnet) und die Alanin-Aminotransferase (kurz als ALT oder früher als GPT bezeichnet). Die Erklärung dieser Enzyme würde hier den Rahmen sprengen. Die ALT und AST werden auch gern als „Transaminasen“ bezeichnet.

Weitere Enzyme sind die „gamma-Glutamyltransferase“ und die „alkalische Phosphatase“. All diese Enzyme können bei einer Schädigung der Leber erhöht sein. Hier gilt es zu beachten, dass nicht alle Enzyme gleichzeitig und in gleichem Maße erhöht sein müssen. Aus den Verhältnissen der Enzyme zueinander kann der Arzt auch ableiten, wie schwer die Leber geschädigt ist.

Auch wird das „Bilirubin“ gemessen. Dies ist der oben erwähnte gelbe Farbstoff aus dem Abbau der roten Blutkörperchen.

Ergibt sich der Verdacht auf eine Hepatitis, wird das Blut des Patienten auf Antikörper gegen Hepatitis Viren untersucht. Hier kann jeweils auf bestimmte Antikörper getestet werden, die dann einen Rückschluss auf das jeweilige Virus zulassen. Es kann anhand der Antikörperkonstellation auch unterschieden werden, ob es sich um eine Infektion handelt oder um eine in der Vergangenheit stattgefundene Impfung.

Auch der Nachweis der Erbinformationen der Viren ist möglich. Dies kennen die meisten vom SARS-CoV-2. Es wird eine "PCR" durchgeführt.

Wenn der Verdacht einer Autoimmunhepatitis besteht, kann das Blut auch auf sogenannte „Autoantikörper“ untersucht werden. Dabei handelt es sich um, vom Immunsystem produzierte Antikörper, welche gegen den eigenen Körper gerichtet sind.

Spätestens wenn der Arzt den Verdacht auf ein Leberproblem hat, wird er die Leber mit einem Ultraschallgerät untersuchen. Oft wird die Leber aber bei Routineuntersuchungen gleich mit untersucht.

Manchmal ist es sogar notwendig ein Stück Leber zu entnehmen (sog. "Biopsie"), um es unter dem Mikroskop zu untersuchen oder weiteren Test im Labor zu unterziehen.

Therapie bei Hepatitis

Behandlung bei Hepatitis

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Hepatitis und wird wieder je nach Ursache besprochen:

Da sich HAV und HEV sowohl in der Ansteckung als auch in den ausgelösten Symptomen sehr ähneln, liegt es nahe, dass sie sich auch in der Behandlung nicht unterscheiden.

Beide Erreger kann der Körper selbst wieder loswerden. Wie schon erwähnt kann es sogar so schnell gehen, dass die Infektion gar keine Symptome macht. Sollte es zu Symptomen der akuten Hepatitis kommen, werden nur diese Symptome behandelt, sofern dies möglich und nötig ist. In seltenen Fällen kann es sowohl bei Hepatitis A als auch E zu sogenannten „fulminanten Verläufen“ kommen. In diesem Fall wird die Leber so schwer geschädigt, dass sie sich unter Umständen nicht mehr erholt. In diesen Fällen ist eine Versorgung der Patienten auf der Intensivstation notwendig. Sollte sich die Leber nicht mehr erholen, kann nur eine Lebertransplantation das Leben des Patienten retten.

Grundsätzlich ist es so, dass ein akuter Verlauf der Hepatitis B mit einer hohen Chance, die Hepatitis zu heilen, verbunden ist.

Bei einer chronischen Hepatitis B richtet sich die Therapie nach der Aktivität der Entzündung. Ist ein Patient Träger des Virus, ohne dass eine Entzündungsreaktion nachweisbar ist, wird er regelmäßig vom Arzt kontrolliert.

Sollte der Arzt Anzeichen für eine stattfindende Leberschädigung finden, wird er dem Patienten antivirale Medikamente verabreichen. Hierfür kommen zum Beispiel Lamivudin, Entecavir, Tenofovir und einige andere infrage. Auch die Behandlung mit sogenanntem Interferon ist möglich. Dies unterstützt den Körper dabei, die Viren selbst in Schach zu halten. Jedoch ist dies aber auch mit mehr Nebenwirkungen verbunden.

Ist es aber erst zu einer chronischen Hepatitis B gekommen dient die oben genannte Therapie lediglich ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, die chronische Hepatitis B ist derzeit nicht heilbar.

Die Therapie der Hepatitis C erfolgt so bald eine aktive Infektion nachgewiesen wird. Die Therapie zielt darauf ab, die Infektion zu heilen. Hierfür werden direkt antiviral wirkende Substanzen eingesetzt. Beispielsweise Glecaprevir, Ledipasevir, Sofobuvir und viele andere.

Ziel der Behandlung ist es, dass Patienten auch 12 Wochen nach Ende der Behandlung frei von viralem Erbgut sind. Ist dies der Fall, gelten sie als geheilt.

Die Hepatitis D wird nicht direkt behandelt. Sie wird mit der Behandlung der Hepatitis B gewissermaßen mitbehandelt.

Die Therapie bei der Autoimmunhepatitis wird mir Kortisonpräparaten gestartet, da diese eine schnelle Wirkung besitzen. Da Kortisonpräparate aber bei der langfristigen Anwendung schwere Nebenwirkungen haben können, wird die Therapie im Verlauf auf andere Immunsuppressiva umgestellt, beispielsweise Azathiprin. Die Therapie dauert insgesamt bis zu 4 Jahre. Die Chancen sind danach aber gut, dass es keinen Rückfall mehr gibt.

Da diese Leberentzündung durch den Konsum von Alkohol verursacht wird, gilt es diesen sofort zu stoppen. Wird die Schädigung gestoppt und hat der Schaden der Leber ein gewisses Maß nicht überschritten, ist eine vollständige Erholung der Leber möglich.

Wie ist die Prognose bei Hepatitis?

Die Prognose hängt maßgeblich von der Ursache, der Verlaufsform und der Behandlung ab.

  • Die Hepatitis A und E haben eine sehr gute Prognose. Sie heilen in der Regel ohne bleibende Schäden aus.
  • Wenn die Hepatitis B chronisch geworden ist, ist eine Heilung nicht mehr möglich. Bei guter Behandlung kann ein Fortschreiten der Krankheit oft verhindert werden.
  • Die Hepatitis C kann mittlerweile in fast allen Fällen geheilt werden.
  • Die Hepatitis D verläuft zusammen mit der Hepatitis B.
  • Bei der Autoimmunhepatitis ist die Chance auf eine Heilung hoch.
  • Bei der Äthyltoxischen Hepatitis kann ein Stoppen des Alkoholkonsums zur vollständigen Ausheilung führen.

Bei allen Leberentzündungen ist zumindest eine gute Therapie möglich, häufig sogar die Heilung.

Achtung

Die Prognose hängt aber sehr stark von der Dauer der Entzündung ab. Je länger die Leber entzündet ist, desto höher ist das Risiko für eine Leberzirrhose oder Leberkrebs . Diese beiden Krankheiten sind sehr schwerwiegend und können zum Tod führen.

Wie kann man einer Hepatitis vorbeugen?

Der beste Schutz vor Leberentzündungen und deren teils schweren Folgen ist die Prävention.

Gegen Hepatitis A und Hepatitis B kann geimpft werden.

Vor einer Infektion mit Hepatitis C kann man sich durch mehrere Maßnahmen schützen:

  • Verwendung von sterilen medizinischen Produkten (Tätowiernadeln, Spritzennadeln usw. Besonders zu erwähnen sei hier, dass es in den meisten größeren Städten die Möglichkeit für Drogenabhängige gibt, sich sterile Spritzen und Nadeln geben zu lassen.)
  • In bestimmte Länder eigene Nadeln mitnehmen, falls man dort in ein Krankenhaus muss.
  • Bei häufig wechselnden und nicht getesteten Sexualpartnern immer Kondome verwenden.
  • Beim Umgang mit infektiösem Material geeignete Schutzausrüstung tragen.

Vor der Hepatitis D schützt auch die Impfung gegen Hepatitis B, da die Hepatitis D nur gemeinsam mit der Hepatitis B auftreten kann.

Vor Hepatitis E schützt gründliche Hygiene und Durchgaren von Speisen.

Hinweis

Die alkoholbedingte Hepatitis kann durch das Einstellen des Alkoholkonsums verhindert werden.

Nur vor der Autoimmunhepatitis kann man sich nicht schützen. Hier gilt es diese früh zu erkennen und gut zu behandeln.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Hepatitis

Alternativmedizin sollte hier als Ergänzungsmedizin verstanden werden. Ein Heilpraktiker oder Arzt für traditionelle chinesische Medizin kann das Wohlbefinden und den Behandlungsverlauf unter Umständen positiv beeinflussen, aber auf keinen Fall ersetzen. Denn wie oben beschrieben, kann eine verzögerte schulmedizinische Behandlung zu schweren Komplikationen oder gar dem Tod führen.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Hepatitis

Die Nachsorge richtet sich nach der Ursache der Hepatitis.

Bei einer Überstanden Hepatitis A oder E ist keine spezielle Nachsorge notwendig.

Achtung

Die Therapie der chronischen Hepatitis B endet nie.

Nach einer länger dauernden Hepatitis ist in der Zukunft eine regelmäßige Kontrolle der Leber notwendig. Hier geht es darum, Rückfälle, beispielsweise bei der Autoimmunhepatitis früh zu erkennen. Oder die Entstehung einer Leberzirrhose früh zu erkennen.

Auch kann es nach einer chronischen Schädigung der Leber gehäuft zu Leberkrebs kommen. Dessen Prognose sich mit früher Erkennung verbessert.

Einen Nachsorgeplan erstellt der Arzt für jeden Patienten individuell.

Zusammenfassung

Leberentzündungen können viele verschiedene Ursachen haben. Je nach Ursache unterscheiden sich Prognose und Behandlung. Viele Leberentzündungen sind heilbar.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Hepatitis A, D und E: Aufnahme von Krankheitserregern durch den Magendarm-Trakt. Zum Beispiel über kontaminierte Lebensmittel.

Hepatitis B und C: Durch Einbringen von Erregern in die Blutbahn. Zum Beispiel mit kontaminierten Nadeln oder Bluttransfusionen.

Bei chronischen Verläufen kann die Entzündung in eine Zirrhose und Leberkrebs übergehen. Ohne Behandlung kann eine Hepatitis tödlich verlaufen.

Ja. Bis auf die chronische Hepatitis B.

Das kann so nicht gesagt werden, die Hepatitis B ist in manchen Fällen unheilbar, allerdings durch eine Impfung zu verhindern. Die Hepatitis C kann schwer Verlaufen ist aber in den meisten Fällen durch eine gute Behandlung heilbar.

Es gibt virusbedingte Hepatitiden A, B, C, D und E. Darüber hinaus gibt es Hepatitiden auf Grund von Autoimmunreaktionen oder durch Giftstoffe wie Alkohol verursachte Hepatitiden.

Hepatitis A verläuft immer Selbstlimitierend. Die Hepatitis B kann chronisch werden und ist dann nicht heilbar und erfordert dann eine lebenslange Therapie.

In seltenen Fällen kann jede Hepatitis tödlich verlaufen. Häufiger geschieht dies bei Hepatitis B und C.

Bei rechtzeitiger, guter Therapie kann eine normale Lebenserwartung erreicht werden.

Hepatitis Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Hepatitis

Betroffene

Organe(e):

Leber

Epidemiologie

  • eine der häufigsten Virusinfektion des Menschen
  • Gebiete mit hoher Prävalenz: Afrika Asien Südamerika Südpazifik Mittlerer Osten
  • Gebiete mit mittlerer Prävalenz: Mittelmeerraum Osteuropa
  • Prävalenz in DE: ca. 7%

Risikofaktoren

  • ungeschützter Geschlechtsverkehr
  • Nadelstichverletzungen (Kontaminierte Nadeln)
  • kontaminierte Blutprodukte
  • Verwendung gemeinsamer Nadeln
  • i.v. Drogenkonsum
  • Alkoholkonsum

Ursachen

  • Hepatitsvirus (DNA-Virus)

Pathophysiologie

  • Virusinfektion > Leberzellen tragen Virusantigen auf ihrer Oberfläche > zelluläre Immunantwort > infizierte Leberzellen werden durch spezifische CD8+-zytotoxische T-Zellen zerstört

Symptome

  • grippeähnliche Symptome
  • Bauchschmerzen im rechten Oberbauch
  • Müdigkeit
  • Appetitverlust
  • Hautausschlag
  • Schmerzen im Gelenk
  • Muskelschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Gelbsucht (Ikterus)

Komplikationen

  • Chronifizierung der akuten Form
  • Leberzirrhose
  • portale Hypertension
  • hepatische Enzephalopathie

Diagnose

  • Anamnese
    • Leiden sie unter grippeähnlichen Symptomen (z.B. Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen)?
    • Haben sie Schmerzen im rechten Oberbauch?
    • Sind sie häufig ungewöhnlich müde?
    • Haben sie häufig keinen Appetit obwohl sie schon über einen längeren Zeitraum nichts gegessen haben?
    • Ist ihnen ein Hautausschlag aufgefallen?
    • Haben sie Gelenkschmerzen?
    • Haben sie Schmerzen im Bereich der Muskulatur?
    • Leiden sie an Übelkeit?
    • Müssen sie sich übergeben?
    • Haben sie Fieber?
    • Haben ihre Haut und Augen eine gelbliche Färbung?
    • Trinken sie regelmäßig Alkohol?
    • Leiden sie an anderen Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)?
    • Sind sie HIV positiv?
    • Haben Sie Kontakt mit Giften wie Tetrachlorkohlenstoff (Tetrachlormethan), Vinylchlorid oder Phosphor?
    • Haben sie ungeschützten Geschlechtsverkehr?
    • Haben sie eine Bluttransfusion erhalten?
    • Waren Sie in letzter Zeit im Ausland?
  • Körperliche Untersuchung
    • Abdominelle Untersuchung: Untersuchung der Bauchorgane, Abtasten der Leber, Test auf Druckschmerzhaftigkeit der Leber
  • Laboruntersuchung
    • Blutuntersuchung: GOT (AST), GPT (ALT), Leukozyten, CRP, BSG,
    • Virusnachweis: Antikörpersuche, Virusnachweis
  • Ultraschalluntersuchung
    • Beurteilung der Lebergröße und -struktur
  • Biopsie
    • Entnahme einer Gewebeprobe der Leber

Laborwerte

  • GPT Erhöht
  • GOT Erhöht
  • Leukozyten Erhöht
  • CRP Erhöht
  • BSG Erhöht

Differenzial Diagnose

  • Gelbfieber

Therapie

  • Lebensstiländerung
  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • Anwendung von Kondomen
  • Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene
  • Impfung

Prognose

  • mögliche Chronifizierung einer akuten Form
  • akute Formen heilen oft von selbst aus

Begriffe

Müdigkeit

Jeder Mensch ist hin und wieder von Müdigkeit betroffen. Dabei besteht auch erstmal kein Grund zur Sorge, denn besonders in stressigen Lebensphasen kommt die Nachtruhe bei einer Vielzahl der Menschen zu kurz.
Eine Erkältung stellt einen grippalen Infekt der oberen Atemwege dar. Sie äußert sich meist in Form von Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder leichtem Fieber.
Als Krampfadern (lat. Varizen) werden unregelmäßig geschlängelte, sackförmig erweiterte Venen (Blutgefäße, die Blut zurück zum Herzen transportieren) bezeichnet. Der Begriff Krampfader leitet sich vom Wort „Krummader“ ab und hat keinerlei Zusammenhang mit Muskelkrämpfen!
Das Leberversagen ist ein plötzlicher Funktionsverlust der Leberzellen. In den meisten Fällen liegt eine Erkrankung der Leber vor. Das Leberversagen ist ein seltenes, potenziell tödlich verlaufendes Krankheitsbild.
Die Grippe (Influenza) ist eine weltweit vorkommende, virale Infektion die auf der Nordhalbkugel in der Regel gehäuft in den Wintermonaten auftritt. Die typischen Symptome sind ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und trockenem Reizhusten.
Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.
Es gibt aber auch Situationen, in denen eine Gewichtsabnahme alles andere als erwünscht ist. Wenn der Appetit nachlässt und es aus diesem Grund zum Gewichtsverlust kommt, kann dies unter Umständen mit einer schwerwiegenden Erkrankung in Zusammenhang stehen.
Die Leberzirrhose ist das Endstadium einer chronischen Lebererkrankung. Durch chronische Lebererkrankungen kommt es zur Zerstörung der Leberzellen, die nach und nach ihre Funktion nicht mehr ausüben können.
Leberkrebs ist einer der häufigsten bösartigen Tumore weltweit. Er entsteht meist aufgrund einer Leberzirrhose bei einer Alkoholsucht oder einer chronischen Hepatitis Infektion (Hepatitis B oder Hepatitis C).

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