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Haarausfall

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Von Haarausfall (Effluvium capillorum) spricht man immer dann, wenn bei einer Person über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchschnittlich über 100 Haare pro Tag ausfallen. Werden die Haare durch das Ausfallen sichtbar ausgedünnt oder entstehen sogar vollkommen kahle Stellen, so liegt eine sogenannte Alopezie (Kahlköpfigkeit; übermäßiger Haarausfall) vor.

Um die Ursachen des Haarausfalls zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, was Haare überhaupt sind, wie sie wachsen und warum ein gewisses Maß an Haarausfall vollkommen normal ist. Die Grenze zwischen natürlichem und krankhaften Verlust verläuft dabei fließend.

Ein Haar besteht, genau wie die Fingernägel aus abgestorbenen Zellen, sogenanntem Horn. Haare werden als sogenannte Hautanhangsgebilde bezeichnet.

Dabei weist jedes Haar einen Haarschaft und eine Haarwurzel auf. Bei dem Schaft handelt es sich um den sichtbaren Teil des Haares, der aus der Haut herausragt. Die Haarwurzel hingegen steckt in der Haut und reicht bis in das Unterhautgewebe. Die Wurzeln der einzelnen Haare sind von Haut- und Bindegewebe umhüllt. Bei dieser Hülle handelt es sich um den sogenannten Haarfollikel, in den auch eine Talgdrüse mündet.

Wissenswert

Jedes einzelne Haar macht einen Zyklus durch, der aus genau drei Phasen besteht.

  • Wachstumsphase (Anagenphase)
  • Übergangsphase (Katagenphase)
  • Ruhephase (Telogenphase)

Während der Wachstumsphase erhält das Haar alle notwendigen Nährstoffe, sodass es problemlos wachsen kann. Die Wachstumsphase dauert in der Regel ungefähr drei bis sechs Jahre. Im Anschluss daran wird die Nährstoffzufuhr gekappt und das Haar befindet sich circa zwei Wochen in der Übergangsphase.

Bevor es dann ausfällt, tritt es über einen Zeitraum von zwei bis vier Monaten in die Ruhephase ein. Sobald die Telogenphase abgeschlossen ist, beginnt sich das Haar zu lösen und auszufallen.

Mediziner unterscheiden zwischen verschiedenen Formen des Haarverlusts:

  • erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie, Alopecia androgenetica, anlagebedingter Haarausfall)
  • kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata, Pelade)
  • diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie, symptomatische Alopezie)

Bei diesen drei Formen spricht man zusammenfassend von den sogenannten nicht-vernarbenden Alopezien. Bei dem Verlust der Haare kommt es demnach nicht zur Bildung einer Narbe. Außerdem bleiben die einzelnen Haarfollikel intakt, sodass neues, junges Haar nachwachsen kann. Ebendies ist der Unterschied zwischen den nicht-vernarbenden und den vernarbenden Haarausfallformen.

Bei den vernarbenden Arten werden die Haarfollikel dauerhaft zerstört, sodass nach dem Herausfallen kein neues, junges Haar nachwachsen kann. Eine derartige Alopezie entsteht zum Beispiel nach Säureverletzungen, bei verschiedenen Hauterkrankungen oder bei Hautkrebs im Bereich der Kopfhaut.

Die mit Abstand häufigste Form des Haarausfalls ist der nicht-vernarbende, erbliche und androgenabhängige Haarausfall. Bei etwa 60 bis 70 % der unter Haarverlust leidenden Menschen kann diese Form nachgewiesen werden.

Männer sind aufgrund des männlichen Hormonhaushalts weitaus häufiger betroffen als Frauen. Ungefähr sieben von zehn Männern sind im Zuge ihrer Lebenszeit mehr oder weniger davon betroffen. Im Gegensatz dazu leiden lediglich vier von zehn Frauen im Alter unter dieser Form des Haarverlusts.

Alle anderen Typen des Haarausfalls können weitaus seltener beobachtet werden. Nur ungefähr ein bis zwei von einhundert Menschen haben in ihrem Leben Probleme mit dem kreisrunden Haarausfall. Darüber hinaus ist auch der sogenannte diffuse Haarausfall eher selten.

Haarausfall stellt für die meisten der Betroffenen ein ästhetisches Problem und deshalb eine große Belastung dar. Die psychischen Folgen, die durch das Verlieren der Haare hervorgerufen werden, dürfen auf keinen Fall unterschätzt werden.

Das Selbstbewusstsein der Betroffenen kann beachtlich schwinden, sodass sich die unter Haarausfall Leidenden nicht mehr attraktiv fühlen. Das wiederum kann zur Folge haben, dass sie sich zurückziehen und sozial abgrenzen. Es ist also nicht bloß die Optik, die durch den Haarausfall beeinträchtigt wird. Vor allem auf psychischer Ebene setzt der Haarverlust enorm zu.

Ursachen bei Haarausfall

Ursachen im Überblick

Für das Auftreten von krankhaftem Haarausfall kann es eine Vielzahl von Ursachen geben. Welche Ursache genau hinter dem Ausfallen der Haarpracht steht, hängt maßgeblich von der jeweiligen Form ab.

Beim erblich bedingten Haarausfall (androgenetischer Haarausfall) spielt eine genetische Komponente eine große Rolle. Liegt diese Form vor, so sind die Haarfollikel besonders empfindlich gegenüber äußeren Reizen und reagieren überempfindlich auf die männlichen Geschlechtshormone (Androgene).

Bei den Betroffenen kommt es im Laufe des Lebens zu einer stetigen Zunahme des Haarverlusts. Die Haarfollikel werden auffällig dünner, bis sie letztendlich schrumpfen und keine neuen, jungen Haare ausbilden können.

Bei dieser Veränderung der Haarfollikel spricht man von einer sogenannten Miniaturisierung. Auch Frauen können an dieser Form erkranken. Bei ihnen kann aber davon ausgegangen werden, dass die Ursachen unterschiedliche Faktoren für den Verlust der Haarpracht verantwortlich sind.

Neben der genetisch bedingten Überempfindlichkeit und der damit einhergehenden Miniaturisierung, gibt es demnach weitere Auslöser, die das Auftreten des weiblichen Haarverlusts triggern.

Zu diesen anderen Ursachen zählen vor allem das polymystische Ovarialsyndrom (PCO), verschiedene Krebsarten oder das sogenannte androgenitale Syndrom, das sich durch eine gestörte Hormonsynthese in der Nebennierenrinde bemerkbar macht.

Im Falle des Vorliegens des kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata) können die möglichen Ursachen bis heute nicht zweifellos bewiesen werden. Man geht davon aus, dass der Haarverlust mit einer Autoimmunreaktion im Zusammenhang steht.

Im Zuge dieser Autoimmunreaktion richten sich die einzelnen Komponenten des Immunsystems gegen den eigenen Organismus. Im Falle des kreisrunden Haarausfalls greifen die Immunzellen die bis dato gesunden Haarfollikel an.

Dadurch wird das Wachstum sowohl die Nährstoffversorgung von Haaren in der Wachstumsphase als auch die Bildung neuer Haare verhindern. Infolgedessen „sterben“ die Haare ab und fallen aus.

Bei den Betroffenen erscheinen kreisrunde Bereiche auf der Kopfhaut, die keine Haare mehr tragen. Die Alopecia areata tritt in einigen Familien besonders häufig auf. Diese Tatsache erlaubt den Rückschluss darauf, dass es für die Entstehung dieser Form des Haarverlusts ebenfalls eine genetische Komponente gibt.

Diffuser Haarausfall ist im Gegensatz zu den anderen Formen des nicht-vernarbenden Haarverlusts eher selten. Die möglichen Ursachen der Erkrankung sind jedoch bereits heute gut erforscht. Es gibt eine Reihe verschiedener Gründe, weshalb ein Mensch sein Haar verlieren kann.

Zu den häufigsten Ursachen des diffusen Haarausfalls zählen:

  • ausgeprägter Eisenmangel
  • hormonelle Umstellungen (beispielsweise während der Schwangerschaft, nach der Geburt eines Kindes oder im Zuge des Absetzen hormoneller Verhütungsmittel)
  • falsche, einseitige Ernährung und der damit einhergehende Nährstoffmangel
  • verschiedene Erkrankungen wie beispielsweise eine gestörte Schilddrüsenfunktion, Infektionen und Diabetes mellitus )
  • verschiedene Medikamente (zum Beispiel ACE-Hemmer, Betablocker, Heparin, Zytostatika)
  • schädliche Strahlung, die auf den Körper einwirkt (beispielsweise im Zuge einer Strahlentherapie oder nach Strahlenunfällen)
  • anhaltender Stress

Wann muss man bei Haarausfall zum Arzt gehen?

Krankhafter Haarausfall kann für die Betroffenen sehr belastend sein. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, bei starkem, anhaltenden Haarverlust zeitnah einen Arzt aufzusuchen und die Ursache der Problematik abzuklären.

Viele der Betroffenen fragen sich, was sie selbst gegen die Problematik tun können und ob es sich überhaupt lohnt einen Arzt aufzusuchen. Diese Frage kann ganz klar mit „Ja“ beantwortet werden, denn der Arzt hat ganz andere Behandlungsmöglichkeiten als der Patient selbst.

Wann genau man zum Arzt gehen sollte, ist manchmal schwer abzuschätzen.

Hinweis

Aus diesem Grund gibt es ein paar Richtlinien, die sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern mit Haarausfall gelten:

  • Wenn man über Wochen mehr als 100 Haare pro Tag verliert.
  • Wenn der Kopf sichtbar kahle Stellen aufweist.
  • Wenn der Leidensdruck zu groß wird.

Diagnose bei Haarausfall

Untersuchungen im Überblick

Die Diagnostik bei Haarausfall gliedert sich in mehrere Schritte. Zu Beginn findet in der Regel ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) statt. Im Zuge dieses Gesprächs ist es wichtig, die bei dem Patienten auftretenden Problematik so genau wie möglich zu besprechen.

Im Zuge der Anamnese ist es hilfreich die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Seit wann leiden Sie unter Haarausfall?
  • Hat sich seitdem etwas verändert? Fallen mehr, weniger oder gleich viele Haare aus?
  • Wie viele Haare verlieren Sie pro Tag?
  • Wie zeigt sich der Haarausfall bei Ihnen (beispielsweise kreisrund, diffus etc.)
  • Gab es für den Haarausfall einen Auslöser?
  • Haben Sie andere Auffälligkeiten bemerkt?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Bei Frauen: Haben Sie in den letzten Monaten damit angefangen, hormonelle Verhütungsmittel zunutze oder haben Sie die laufende Verhütung abgebrochen?
  • Waren Sie in den letzten Monaten krank?
  • Leiden Sie an chronischen Krankheiten?
  • Wie ernähren Sie sich?

Darüber hinaus spielen die Krankengeschichte der Betroffenen und die Familienanamnese hinsichtlich genetischer Formen des Haarausfalls im Zuge des Arzt-Patienten-Gesprächs eine entscheidende Rolle.

Im Anschluss an das Anamnesegespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Vor allem der erblich bedingte Haarausfall tritt bei den Betroffenen in einem ganz typischen Muster auf. Bei Inspektion des Kopfes kann der Arzt eine Ausdünnung des Kopfhaares oder eine vollständige Glatzenbildung beobachten.

Typisch für den erblich bedingten Haarausfall ist die Ausbildung einer Stirnglatze, eine große kahle Stelle am Hinterkopf (sogenannte Tonsur) und/oder Geheimratsecken.

Im Zuge einer Blutuntersuchung kann vor allem die Ursache des diffusen Haarausfalls gefunden werden. Im Blut des Betroffenen werden unter anderem die Eisenwerte, die Schilddrüsenwerte und die Entzündungswerte gemessen. Grund dafür ist die Tatsache, dass sowohl ein ausgeprägter Eisenmangel oder Schilddrüsenerkrankungen als auch entzündliche Prozesse Grund für den Haarverlust sein können.

Sind Frauen vom Haarausfall betroffen, so sollten auch die Hormone bestimmt werden. Wichtig sind dabei die Androgene und Östrogen. Besonders sinnvoll ist die Bestimmung der Hormonspiegel, wenn die betroffene Frau auch andere Anzeichen für einen erhöhten Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen aufweist. Hinweise darauf sind unter anderem Zyklusunregelmäßigkeiten und männliche Körperbehaarung (Hirsutismus).

Sollte die Ursache für das Auftreten des Haarausfalls bis dahin noch nicht gefunden sein, so kann der sogenannte Epilationstest zielführend sein. Bei diesem Test nimmt der Arzt ein kleines Büschel Haare in die Hand und beginnt daran zu ziehen.

Sollten sich auf diese Weise kahle Stellen hervorrufen lassen, so liegt wahrscheinlich ein verstärkter Haarausfall vor. Mithilfe eines Trichogramms lässt sich dann untersuchen, ob die Haarwurzel und/oder der Haarschaft krankhaft verändert sind. Außerdem lässt sich anhand des Trichogramms feststellen, wie viele der Haare sich zu diesem Zeitpunkt in einer bestimmten Phase befinden.

Auch die dabei gewonnenen Erkenntnisse können bei der Diagnostik helfen. Liegt ein normales Trichogramm vor, so zeigt sich, dass sich als 80 % der Haare in der Wachstumsphase (Anagenphase) befinden.

Lediglich 20 % der Haare sind in der Ausfallphase (Telogenphase), während sich 1-3 % im Übergang befinden. Ein ausgeprägter Haarverlust liegt immer dann vor, wenn der Anteil an Haaren in der Wachstumsphase unter 80 % rutscht. Auch ein Telogenanteil von bis zu 50 % weist auf einen verstärkten Haarausfall hin.

Mittlerweile kann man ein Trichogramm auch ohne Haare ausreißen zu müssen mit einer Digitalkamera und einem speziellen Computerprogramm erstellen. Dafür wird eine kleine Stelle eines weniger sichtbaren Areals abrasiert. Nach drei Tagen färbt man die nachwachsenden Haare und fotografiert diese Stelle mit ganz starker Vergrößerung.

Je nach vermuteter Ursache kann es notwendig werden, eine kleine Probe der Kopfhaut mitsamt eingelagerten Haarfollikeln herauszuschneiden (Biopsie). Im Anschluss kann das Biopsatmit einem Mikroskop untersucht werden. Besonders sinnvoll ist dieses diagnostische Verfahren, wenn der Verdacht einer vernarbenden Alopezie oder eines unklaren diffusen Haarausfalls besteht.

Behandlung bei Haarausfall

Viele der Betroffenen fragen sich, ob man gegen den übermäßigen Haarausfall überhaupt etwas tun kann und wenn ja, welche Behandlungsmethoden es gibt. Bei der Behandlung von Haarverlust ist es besonders wichtig, dass sie so früh wie möglich begonnen wird.

Die Wahl der am besten geeigneten Behandlungsstrategie hängt dann sowohl von der Art als auch von der Ursache des übermäßigen Haarausfalls ab.

Hinweis

Unabhängig davon, welche Therapie man ausprobiert, beim Thema Haarausfall kann ein Erfolg nicht garantiert werden. Bei den einen Patienten hilft die jeweilige Behandlung überhaupt nicht, während andere Betroffene unter der gleichen Therapie „Heilung“ erfahren.

Therapie im Überblick

Es gibt nur wenige Medikamente, die in der Lage dazu sind, bei anlagebedingtem Haarausfall eine Wirkung zu entfalten.

Die erblich bedingte Form des Haarausfalls lässt sich mit dem Medikament Finasterid behandeln. Dieses Medikament ist eigentlich für die Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie ) vorgesehen, zeigt aber auch bei Patienten mit Haarausfall eine enorme Wirksamkeit.

Es handelt sich um einen sogenannten 5alpha-Reduktase-Hemmer, der die 5alpha Reduktase (ein Enzym) blockiert. Durch dieses Enzym werden wichtige Schritte in der Synthese des männlichen Geschlechtshormons Testosteron katalysiert. Wird das Enzym gehemmt, kann die Synthese nicht mehr stattfinden und der Testosteronspiegel sinkt.

Finasterid sorgt bei regelmäßiger Einnahme vor allem dafür, dass der erblich bedingte Haarausfall nicht fortschreitet. Bei einigen der betroffenen Patienten sorgt es sogar dafür, dass sich neue Haare bilden. Bei der Anwendung dieses Medikaments ist jedoch Geduld gefragt, denn die Wirkung zeigt sich in der Regel erst nach ungefähr sechs Monaten.

Wie jedes Arzneimittel löst auch Finasterid gewisse Nebenwirkungen aus. Vor allem wegen des Einflusses auf die Libido wird das Medikament mit Vorsicht eingesetzt. Darüber hinaus kann es unter der Einnahme zu einer Berührungsempfindlichkeit und/oder Spannungsschmerz in der Brust kommen. Bei Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall darf das Medikament auf keinen Fall angewendet werden.

Eine geeignete Alternative stellt das Arzneimittel Minoxidil dar. Ursprünglich entwickelt wurde es für die Therapie von Bluthochdruck . Bei den Anwendern wurde beobachtet, dass bei dauerhafter Einnahme der Haarwuchs stimuliert wird. Dies macht man sich heute in der Behandlung des genetisch bedingten Haarausfall zunutze.

Wie genau sich Minoxidil auf den Haarwuchs auswirkt, ist bisweilen unbekannt. Man geht davon aus, dass die Wirksamkeit mit einer Durchblutungssteigerung im Bereich der Kopfhaut zusammen hängt. Minoxidil kann nach dem Auftragen zu Hautreaktionen führen.

Besonders häufig kommt es bei den Anwendern zu Juckreiz , Rötungen und lokalen Entzündungen. In einigen Fällen nimmt bei der Anwendung auch der Haarwuchs im Gesicht zu. Da Minoxidil in der Therapie des Haarausfalls als Tinktur auf die Kopfhaut aufgetragen wird, gibt es nur höchst selten eine Auswirkung auf den Blutdruck. Dennoch sollten Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Auffälligkeiten achten.

Darüber hinaus lässt sich der erblich bedingte Haarausfall mit sogenannten Anti-Androgenen therapieren. Die Medikamente Cyproteronacetat oder Dienogest hemmen die Wirkung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Manche Anti-Androgene sind überdies dazu in der Lage, das Hormon 5alpha-Reduktase zu hemmen.

Anti-Androgene wirken vor allem bei Frauen, die an erblich bedingtem Haarverlust leiden. Bei der Anwendung muss jedoch einiges beachtet werden. Bei Frauen vor den Wechseljahren dürfen die Anti-Androgene nicht alleine eingenommen werden.

Vielmehr erfolgt die Behandlung zusätzlich mit Östrogenen. Grund dafür ist die enorme Embryotoxizität der Arzneimittel. Eine Schwangerschaft muss während der Einnahme unbedingt vermieden werden. Nach den Wechseljahren kann das Anti-Androgen dann alleine eingenommen werden.

Wie Finasterid können auch Anti-Androgene zur sexuellen Unlust führen. Außerdem steigt unter der Anwendung das Thromboserisiko. Raucherinnen wird deshalb explizit von der Nutzung der Anti-Androgene abgeraten. Männer, die an erblich bedingtem Haarausfall leiden, dürfen ebenfalls keine Anti-Androgene einnehmen, da diese zur „Verweiblichung“ führen können.

Fallen die Haare aus und es bilden sich sogenannte Geheimratsecken oder eine Hinterkopfglatze, kann eine Eigenhaartransplantation Abhilfe schaffen. Bei diesem Verfahren werden kleine Gewebestücke mit Haarfollikeln aus gut beharren Stellen entnommen und auf die kahlen Areale verpflanzt.

Bei Patienten, die an kreisrundem Haarausfall leiden, kommen eine Reihe anderer Arzneimittel zur Behandlung in Frage. Besonders häufig wird Dithranol (Cignolin, Anthralin) zur Therapie genutzt. Dabei wird die eigentlich aufreizende Substanz auf die kahlen Stellen aufgebracht.

Beim Kontakt zwischen Haut und Dithranol kommt es zu Hautirritationen, die das Haarwachstum anregen können. Unter der Anwendung kann es bei den Patienten zu Hautrötungen, Braunverfärbung der Haut, Haarverfärbung und allergischen Reaktionen (Kontaktdermatitis) kommen.

Auch Glukokortikoide (Kortison) werden häufig bei Personen mit kreisrundem Haarausfall verwendet. In Form von Kortison-Cremes oder -Lösungen wird das Glukokortikoid auf die kahlen Stellen aufgetragen. Durch den Kontakt zwischen Kopfhaut und Kortison kommt es zu einer Hemmung der entzündlichen Immunreaktion.

Bei einigen Patienten kann dies bereits den Haarverlust eindämmen. Auch das Nachwachsen neuer Haare ist unter Kortisontherapie möglich. In diesem Zusammenhang muss jedoch beachtet werden, dass die Wirkung nicht garantiert werden kann.

Während einige Patienten besonders viel von dieser Behandlung profitieren, führt die bei anderen Betroffenen zu keinen Veränderungen. Die äußere Anwendung von Kortisonsalben oder -tinkturen kann bei den Betroffenen beispielsweise allergische Reaktionen hervorrufen.

Besonders bei innerlicher Anwendung besteht außerdem die Gefahr von systemischen Nebenwirkungen. Besonders relevant sind eine Schwächung des Immunsystems, die zu Wundheilungsstörungen und erhöhter Infektanfälligkeit führt, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen (Ödeme), Menstruationsstörungen und das sogenannte Cushing-Syndrom.

Führt der kreisrunde Haarausfall bei den Betroffenen zu besonders großen kahlen Stellen, kann unter Umständen eine Topische Immuntherapie hilfreich sein. Dabei wird durch Aufbringen des Wirkstoffes Diphencypron (Diphenylcyclopropenon, DCP) gezielt eine allergische Kontaktdermatitis hervorgerufen. Durch die langfristige Behandlung wird diese Reaktion auch aufrechterhalten.

Auf diese Weise werden die Immunzellen von dem Angriff der Haarzellen abgelenkt. Die topische Immuntherapie kann beispielsweise die Bildung von Ekzemen an den behandelten Arealen triggern. Aus diesem Grund sollte die Behandlung nur von Spezialisten durchgeführt werden.

Bei der Therapie mit Hilfe von PUVA wird ein phototoxischer Stoff (Psoarlen) angewendet. Er wird auf die kahlen Bereiche aufgetragen und anschließend wird die behandelte Stelle mit UVA Licht bestrahlt. Auf diese Weise soll der Angriff des Immunsystems auf die Haarwurzeln unterbunden werden.

Der sogenannte diffuse Haarausfall ist die seltenste Form des Haarverlusts. Die Ursachen für dessen Entstehung können vielfältig sein. Besonders häufig steht der diffuse Haarausfall mit Medikamenten in Zusammenhang. Wird das ursächliche Medikament abgesetzt, endet auch der Haarausfall und neue, gesunde Haare können nachwachsen.

Je nachdem, um welches Medikament es sich bei der Ursache des diffusen Haarausfalls handelt, kann bereits die Reduzierung der Dosis dabei helfen, die Problematik zu beseitigen. Außerdem kann es hilfreich sein, auf Alternativen zum ursprünglich verwendeten Arzneimittel umzusteigen.

Wird diese Form des Haarverlusts durch eine hormonelle Störung hervorgerufen, muss die Grunderkrankung behandelt werden. Gibt man Schilddrüsenkranken entsprechende Medikamente, so stoppt in der Regel auch der Haarausfall. Sollte ein ausgeprägter Eisenmangel ursächlich sein, so müssen dem Betroffenen Eisenpräparate zugeführt werden.

Zusammenfassung

Haarausfall (Alopezie) kann nur die Kopfhaut oder den ganzen Körper betreffen. Er kann erblich bedingt sein, durch hormonelle Veränderungen, medizinische Erkrankungen oder als normaler Teil des Alterungsprozesses auftreten. Es gibt Formen, die nur zeitweise auftreten und solche, die bestehen bleiben.

Begriffe

Benigne Prostatahyperplasie

Die benigne Prostatahyperplasie ist eine Erkrankung des älteren Mannes, bei der es zu einer Vergrößerung der inneren Zone der Prostatadrüse kommt. Aufgrund der Einengung der Harnröhre kommt es zu vielfältigen Beschwerden im Rahmen der Miktion.
Bluthochdruck, auch als "arterielle Hypertonie" bezeichnet, ist die häufigste internistische Erkrankung der Welt, betrifft ca. die Hälfte aller über 50-Jährigen und hat Rauchen, Diabetes, Stress, Adipositas und ein erhöhtes Alter als Risikofaktoren.
Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht man eine Erkrankung, die durch eine Störung des Zuckerstoffwechsels hervorgerufen wird. Betroffene Personen weisen einen mitunter deutlich erhöhten Blutzuckerspiegel auf, der langfristig die Entstehung einer Reihe von Folgeerkrankungen triggern kann.
Der Eisenmangel gilt als weltweit häufigste Mangelerkrankung und beschreibt eine Verminderung des Gesamt-Eisens im Körper. Das Spurenelement Eisen ist für nahezu alle Zellen im Körper, sowie für viele Stoffwechselvorgänge ein wichtiges Element.
Juckreiz ist ein unangenehmes Gefühl der Haut, das den Drang zum Kratzen hervorruft. Er ist ein charakteristisches Merkmal vieler Hautkrankheiten und ein Anzeichen für einige systemische Krankheiten.

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