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Benigne Prostatahyperplasie

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Geschrieben von
Inga Jerrentrup (Ärztin)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Benignen Prostatahyperplasie?

Wissenswert

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse des Mannes, welche bis zu 50% der Männer über 50 Jahren betrifft und damit ein sehr häufiges Krankheitsbild darstellt.

Die Prostata liegt direkt unterhalb der Harnblase, gehört zu den akzessorischen Geschlechtsdrüsen des Mannes und dient dazu, einen Teil der Samenflüssigkeit herzustellen. Die Harnröhre verläuft ausgehend von der Harnblase durch das Innere der Prostata. Anatomisch lässt sich die Prostata in mehrere Zonen unterteilen, wobei das Größenwachstum bei der BPH vor allem im Bereich der sogenannten periurethralen Zone und der Transitionszone stattfindet. Einfacher ausgedrückt: Die Vergrößerung des Prostatagewebes findet in eher zentral gelegenen Bereichen statt, sodass es frühzeitig zu einer Einengung der Harnröhre und den daraus resultierenden Symptomen kommt.

Die genauen Ursachen der BPH sind bis heute ungeklärt. Diskutiert werden vor allem hormonelle Veränderungen, wobei hauptsächlich der Zunahme des Dihydrotestosterons und Östrogens ein wachstumsfördernder Effekt zugesprochen wird. Mögliche Risikofaktoren stellen vorangegangene Entzündungen, Rauchen, Übergewicht und ein fortgeschrittenes Alter dar, auch genetische Faktoren kommen in Betracht.

Was sind die Symptome einer Benignen Prostatahyperplasie?

Die Symptome im Rahmen eines benignen Prostatasyndroms lassen sich einteilen in irritative und obstruktive Beschwerden.

Betroffene verspüren sehr häufigen Harndrang, wobei die Urinmenge per se nicht gesteigert ist und es somit zu häufiger, als unzureichend empfundener Miktion kommt. Dies nennt man Pollakisurie. Meist zeigen sich diese Symptome vor allem nachts, sodass es zu häufigem nächtlichen Erwachen aufgrund des Harndrangs kommt, was als Nykturie bezeichnet wird. Bei einigen Patienten kommt es zu plötzlich auftretendem, imperativem Harndrang, der in einzelnen Fällen eine Inkontinenz , den unkontrollierten Abgang von Urin, bedingen kann. Diese Beschwerden lassen sich als irritativ zusammenfassen.

Weiterhin kommt es aufgrund der Verengung der Harnröhre zu einer Abschwächung des Harnstrahls, gegebenenfalls in Kombination mit einem verzögerten Beginn und einer verlängerten Dauer der Miktion. Aufgrund des Abflusshindernis kann der Harnstrahl unterbrochen sein, was als Stakkatomiktion bezeichnet wird. Nach erfolgter Miktion kann es zum Nachträufeln von Urin kommen. Diese Beschwerden werden den obstruktiven Symptomen zugeordnet.

In fortgeschrittenen Stadien kann es dazu kommen, dass nicht die gesamte Urinmenge die Harnblase verlässt und ein Teil des Urins auch nach der Miktion noch in dieser verbleibt. Es bildet sich sogenannter Restharn. Dies stellt ein Problem dar, da der verbleibende Urin ein ideales Nährmedium für das Wachstum von Bakterien bietet und es somit gehäuft zu Harnwegsinfekten kommen kann. Auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Blasensteinen ist bei Restharnbildung erhöht.

Durch ein weiteres Fortschreiten der Verengung kann es zu reaktiven Veränderungen der Harnwege kommen. Dazu zählen unter anderem eine Verdickung der Harnblasenwand mit veränderter Architektur der Muskulatur. Durch Rückstau des Urins können sich die Harnleiter und schließlich auch die Nierenbecken erweitern, dabei kann es bis zum Nierenversagen kommen.

Wie wird die Benigne Prostatahyperplasie diagnostiziert?

Untersuchungen Benignen Prostatahyperplasie

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer benignen Prostatahyperplasie gliedert sich in der Regel in verschiedene Schritte:

Aufgrund der recht typischen Symptomatik kann der Arzt meist anhand der geschilderten Beschwerden bereits die Verdachtsdiagnose der BPH stellen. Um die Anamnese zu erleichtern existiert ein speziell auf Prostata-Beschwerden ausgerichteter Fragebogen, um das Ausmaß der Miktionsproblematik zu erfassen: der International Prostate Symptom Score (IPSS).

Die wichtigste körperliche Untersuchung bei der Abklärung dieser Verdachtsdiagnose stellt die digital-rektale Untersuchung dar. Bei dieser führt der Arzt seinen Zeigefinger in das Rektum des Patienten ein und kann aufgrund der anatomischen Nähe von Prostata und Rektum unter anderem die Form, Größe und Konsistenz der Drüse beurteilen. Auch eine erste Abgrenzung zu der wichtigen Differentialdiagnose des Prostatakarzinoms kann bei dieser Untersuchung erfolgen.

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung der Harnwege können bereits aufgetretene reaktive Veränderungen sichtbar gemacht werden. Zur Beurteilung der Prostata nutzt man eine spezielle Form des Ultraschalls, bei der der Schallkopf analog zur digital-rektalen Untersuchung ins Rektum eingeführt wird. Dies ermöglicht eine genauere Darstellung der Drüse.

Um die Einschränkung der Miktion objektivieren zu können, nutzt man die sogenannte Uroflowmetrie. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung, bei der der Patient in einen Trichter uriniert, sodass der maximale Harnfluss sowie die Miktionsdauer gemessen werden können.

Im Blut kann der PSA-Wert bestimmt werden, wobei dies vor allem zur Verlaufskontrolle des Prostatawachstums genutzt wird. Das sogenannte Prostata-spezifische Antigen ist ein Protein, das ausschließlich in der Prostata gebildet wird und somit als Marker für Erkrankungen und Veränderungen der Prostata dienen kann. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass der PSA-Wert sowohl bei gutartigen als auch bösartigen Veränderungen erhöht sein kann. Auch Medikamente, Entzündungen oder mechanische Manipulationen wie zum Beispiel Fahrradfahren oder die digital-rektale Untersuchung haben Einfluss auf den PSA-Wert, sodass die Beurteilung kritisch erfolgen sollte.

Therapie bei Benigne Prostatahyperplasie

Vorrangiges Ziel der Therapie ist es, ein Fortschreiten der Symptomatik und das Auftreten von Komplikationen zu verhindern. Dazu stehen medikamentöse und operative Maßnahmen zur Verfügung, auch ein abwartendes, beobachtendes Verhalten stellt eine Möglichkeit dar.

Bei geringer Restharnmenge und schwach ausgeprägter Symptomatik kann mithilfe einer Lebensstilveränderung, zum Beispiel im Rahmen einer Gewichtsabnahme , ein zunächst abwartendes Vorgehen gewählt werden.

Zur medikamentösen Behandlung stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung. Bei vorrangig obstruktiven Beschwerden kommen Medikamente zum Einsatz, die zu einer Entspannung der glatten Muskulatur führen und so den Harnfluss erleichtern. Dabei kommen zum Beispiel Präparate wie Tamsulosin oder Sildenafil (auch bekannt als Viagra zur Therapie der erektilen Dysfunktion) zum Einsatz. Weiterhin kann Einfluss auf den Dihydrotestosteron-Spiegel genommen werden, indem die Bildung dieses Hormons, welches wie oben beschrieben einen Wachstumsreiz für die Prostata darstellt, medikamentös gehemmt wird. Ein in diesem Zusammenhang genutzter Wirkstoff wäre zum Beispiel Finasterid.

Kommt es im Rahmen der Prostatahyperplasie zu vermehrten Komplikationen wie Harnwegsinfekten, Harnverhalten oder einer Einschränkung der Nierenfunktion, so wird eine operative Therapie gewählt. Dabei kann zunächst eine Art „Ausschälung“ der zentralen Anteile der Prostata erfolgen, bei der unter Vollnarkose das vergrößerte Prostatagewebe entfernt wird. Dabei wird das benötigte OP-Instrument über die Harnröhre eingeführt. Dieses Verfahren wird als transurethrale Prostataresektion (TUR-P) bezeichnet. Bei stark vergrößerter Drüse wird eher ein offenes OP-Verfahren gewählt.

Wie ist die Prognose einer Benignen Prostatahyperplasie?

Die Prostatahyperplasie ist eine Erkrankung mit gutartigem Verlauf. Unter beschriebener Therapie zeigen sich gute Ansprechraten und die einschränkende Symptomatik kann gut kontrolliert werden.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Benignen Prostatahyperplasie

Es existieren einige pflanzliche Mittel, zum Beispiel Sägepalmenextrakt, Kürbiskerne oder Brennnesselwurzel, die möglicherweise einen positiven Effekt auf die Symptomatik haben. Da die Wirksamkeit aktuell jedoch nicht ausreichend belegt ist, wird die alleinige Therapie mit pflanzlichen Wirkstoffen derzeit nicht empfohlen. Betroffene können jedoch im Rahmen der Lebensstilveränderung selbst Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen, sodass eine Gewichtsabnahme sowie der Verzicht auf das Rauchen das Fortschreiten der Erkrankung verzögern können.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Benignen Prostatahyperplasie

Die Nachsorge ist abhängig von dem jeweiligen Befund und der gewählten Therapie. Je nach Ausprägung und Risikofaktoren sollten regelmäßige Kontrollen des Zustands erfolgen, um gegebenenfalls die Therapie anzupassen, und sich entwickelnde Komplikationen frühzeitig feststellen zu können.

Zusammenfassung

Die benigne Prostatahyperplasie ist eine Erkrankung des älteren Mannes, bei der es zu einer Vergrößerung der inneren Zone der Prostatadrüse kommt. Aufgrund der Einengung der Harnröhre kommt es zu vielfältigen Beschwerden im Rahmen der Miktion. Es stehen mehrere medikamentöse und operative Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, sodass die Symptomatik im Regelfall gut beherrscht werden kann.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Zum Erhalt der Prostatagesundheit sind die allgemeinen Regeln einer gesunden, ausgewogenen Ernährung zu empfehlen, um Übergewicht als Risikofaktor der benignen Prostatahyperplasie zu verhindern. Da die Ursache der BPH bis heute nicht geklärt ist, können keine Lebensmittel direkt mit der Ausbildung der BPH in Zusammenhang gebracht werden.

Protektive Faktoren stellen zum Beispiel eine gesunde Lebensführung mit ausreichend Bewegung und der Vermeidung von Übergewicht dar.

Die Ursache der BPH ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Diskutiert werden vor allem hormonelle Faktoren, wie die Zunahme des Dihydrotestosteron- und Östrogen-Spiegels mit zunehmendem Alter. Auch Lebensstil-Faktoren wie Übergewicht und Rauchen sowie die genetische Veranlagung können eine Rolle spielen.

Als auffällig wird ein PSA-Wert > 4 ng/ml betrachtet, wobei bereits Werte von 2 – 4 ng/ml als kontrollbedürftig gelten. Generell ist allerdings wichtig, die PSA-Werte im Verlauf zu betrachten, da neben der absoluten Höhe des Wertes vor allem die Geschwindigkeit des Anstiegs aussagekräftig ist. Außerdem ist zu beachten, dass der PSA-Wert durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden kann.

Zur Therapie der benignen Prostatahyperplasie stehen je nach Ausprägungsgrad und Leidensdruck verschiedene medikamentöse und operative Möglichkeiten zur Verfügung. Bei nur gering ausgeprägter Symptomatik kann auch zunächst ein abwartendes Verhalten mit Lebensstilveränderungen gewählt werden.

Unter einer benignen Erkrankung versteht man ein gutartiges Krankheitsbild, bei dem nicht mit einer aggressiven Ausbreitung oder Verschlimmerung gerechnet werden muss. Meist wird der Begriff „benigne“ genutzt, um eine Abgrenzung zu malignen, im Volksmund als Krebs bezeichneten, Erkrankungen zu ermöglichen.

Zum Einsatz kommen Medikamente, die eine Entspannung der glatten Muskulatur des Urogenitaltraktes bewirken, wie zum Beispiel Tamsulosin oder Sildenafil.

Eine andere Behandlungsmöglichkeit stellt der Einfluss auf die Produktion des Dihydrotestosterons dar, welche mit Hilfe von Wirkstoffen wie Finasterid gehemmt werden kann. Auch stehen einige pflanzliche Präparate zur Verfügung, die gegebenenfalls zusätzlichen positiven Einfluss auf die Symptomatik haben können.

Unterschieden werden irritative Beschwerden, wie zum Beispiel der vermehrte, oft plötzlich einsetzende Harndrang mit nur geringen Harnmengen und das nächtliche Wasserlassen, von obstruktiven Beschwerden, die sich in einer Abschwächung beziehungsweise Unterbrechung des Harnstrahls, einer verlängerten Miktionszeit und einem Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung zeigen.

Da generell der gesunden Lebensführung ein protektiver Einfluss auf die Entstehung von Prostataerkrankungen zugesprochen wird, wird zu einem maßvollen Umgang mit Alkohol geraten. Außerdem kann es durch Alkoholkonsum zu einer Verschlimmerung der Beschwerden kommen, da Alkohol den Harndrang verstärkt.

Benigne Prostatahyperplasie Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Benigne Prostatahyperplasie

Epidemiologie

  • Häufigste urologische Erkrankung des männlichen Geschlechts
  • Manifestationsalter: ca. 50. Lebensjahr

Risikofaktoren

  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • abdominelles Fett
  • hohes LDL
  • niedriges HDL
  • Alter

Ursachen

  • multifaktorielle Genese (z.B. Androgene. Östrogen. vermehrte Ausschüttung von Wachstumshormonen)

Symptome

  • Harnlassen in geringen Mengen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • abgeschwächter Harnstrahl
  • unterbrochener Harnstrahl
  • Restharngefühl
  • verzögerter Miktionsbeginn

Komplikationen

  • Rezidivierende Infekte
  • Miktionsstörungen (z.B. Harnverhalt)
  • Blasensteinleiden
  • akute oder chronische Niereninsuffizienz
  • Blasendivertikel

Diagnose

  • Anamnese
    • Verspüren sie häufig Harndrang und müssen dann nur kleine Mengen Urin absetzen?
    • Müssen sie Nachts häufig aufstehen und Wasserlassen?
    • Haben sie bei der Blasenentleerung Schmerzen?
    • Brauchen sie länger bis sie auf der Toilette Urin absetzen können?
    • Ist ihr Harnstrahl schwächer als sie es gewohnt sind?
    • Geben sie Urin in einem unterbrochenen Strahl ab?
    • Haben sie auch nach dem Wasserlassen das Gefühl, als sei ihre Blase nicht vollständig entleert?
    • Leiden sie an chronischen Erkrankungen?
    • Haben sie Potenzprobleme?
    • Hatten sie in der Vergangenheit Operationen im Bereich des Beckens?
  • Spezifische Tests
    • Miktionsanamnese: International Prostate Symptom Score (IPSS)
  • Körperliche Untersuchung
    • Urologische Untersuchung: Genital, DRU
  • Ultraschalluntersuchung
    • Untersuchung der Nieren, der Blase, Detrusordicke, Blasenwand
    • Bestimmung der Restharnmenge
    • - Transrektaler Ultraschall: Beurteilung der Prostata (Größe, Homogenität)
  • Uroflow
    • Beurteilung des Harnstrahls
  • Laboruntersuchung
    • Urinstatus, Urinsediment, Urinkultur
    • Blutuntersuchung: Kreatinin, PSA (wichtig ist der Vergleich im zeitlichen Verlauf > PSA Anstieg)

Differenzial Diagnose

  • Prostatakrebs

Therapie

  • Watch and Wait
  • Medikamente
  • Konservative Behandlung
  • Operation

Prognose

  • schreitet in der Regel langsam fort

Begriffe

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