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Sexualität im Alter: Hindernisse überwinden

Profilbild von Jessica Papic Geschrieben von Jessica Papic
Frau und Mann necken sich.

Dass ältere Menschen ebenfalls das Verlangen nach körperlicher Nähe und einem Sexualleben haben, wurde lange Zeit für kaum vorstellbar gehalten. Mittlerweile ist die Sexualität im Alter hingegen kein Tabuthema mehr.

Sexualität ist ein Grundbedürfnis und in jedem Lebensalter eine Möglichkeit Liebe und körperliche Nähe auszutauschen. Außerdem wirkt sich ein aktives Sexualleben positiv auf das Selbstwertgefühl und die Aktivität eines Menschen aus.

Das ändert sich auch nicht bei Menschen, die das 60. Lebensjahr längst überschritten haben. Auch für sie bedeutet ein aktives Sexleben ein Stück Lebensqualität, das sie auch im Alter nicht aufgeben wollen.

Sexualität im Alter als Tabu

Frauen und Männern über 70 wird das Recht auf oder besser gesagt das Bedürfnis nach einem sexuellen Austausch häufig abgesprochen. Dass sie auch in diesem Alter noch erotische Wünsche oder Vorstellungen haben, ist für einige jüngere Menschen unvorstellbar.

Die Behauptung, dass Sexualität im Alter kein Thema mehr sei, kann wissenschaftlich jedoch nicht belegt werden.

Studien zufolge geben rund 31-45 Prozent der Frauen und ungefähr 30 Prozent der Männer, die älter als 70 Jahre sind an, ein aktives Sexualleben zu haben. Auch bei Senioren, die das 80. Lebensjahr erreicht oder überschritten haben, findet in ungefähr zehn bis 22 Prozent der Fälle noch regelmäßiger Verkehr statt.

Hindernisse für das Sexualleben im Alter

Es ist mittlerweile belegt, dass die sexuelle Erregbarkeit bei Frauen auch nach den Wechseljahren bis ins hohe Lebensalter erhalten bleibt. Bei Männern hingegen nimmt die Erregbarkeit während des Alterns tendenziell ab.

Das bedeutet aber nicht, dass bei ihnen das Interesse und das Bedürfnis an sexueller Intimität sinkt. Ganz im Gegenteil: Die Vorlieben passen sich den körperlichen Veränderungen im Alter so an, dass auch weiterhin regelmäßige Intimität stattfinden kann.

Zwar nimmt der eigentliche Geschlechtsverkehr häufig ab, doch das Kuscheln, Streicheln und der Austausch erotischer Berührungen nehmen im Alter deutlich zu. Auch das Bedürfnis nach Selbstbefriedigung steigt sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit steigendem Alter an.

Ein Sexualleben aufrecht zu erhalten kann je nach Lebenssituation jedoch schwierig sein. Senioren, die noch zuhause leben sind in der Regel dazu in der Lage, sich ausreichend Ruhe und Freiraum schaffen zu können. Für Senioren in Pflegeeinrichtungen sieht das hingegen in vielen Fällen ganz anders aus.

Ehepaaren, die in einer solchen Einrichtung leben, spricht man das Recht auf körperliche Nähe und Privatsphäre in der Regel auch dort noch zu. In einigen Pflegeheimen wird es auch dort geschlossenen Lebensgemeinschaften ermöglicht, ein Doppelzimmer zu bewohnen.

Für die anderen Heimbewohner wird es hingegen häufig schwieriger ihr Recht auf Ungestörtheit einzufordern.

Umstellung des Pflegewesens

In der Pflege wurde das Thema Sexualität im Alter bislang sträflich vernachlässigt. Bislang richten sich die Abläufe in Pflege- und Altenheimen vor allem nach Routine und sozialer Kontrolle. Wie bereits erwähnt haben es Ehepaare in diesem System noch am einfachsten, denn für die Pflegenden scheint es weitestgehend einleuchtend zu sein, dass ein Ehepaar auch im Alter das Recht auf Privatsphäre und Intimität hat.

Aus diesem Grund gibt es in vielen Einrichtungen sogar Eheappartments, die auf Wunsch abschließbar sind. Außerdem kann in einigen Pflege- und Altenheimen ebenfalls ermöglicht werden, dass Paare, die sich innerhalb der Einrichtung neu gefunden haben, ein gemeinsames Doppelzimmer teilen.

Für das Pflegepersonal ist es wichtig zu verinnerlichen, dass auch Alleinstehende Heimbewohner ein Recht auf ein gewisses Maß an Privatsphäre haben müssen.

Wie sonst auch üblich, ist es zum Beispiel unabdingbar, vor dem Betreten eines Raumes anzuklopfen. Das Recht darauf dürfen auch alte Menschen nicht einbüßen müssen. Auch wenn es deutlich schwieriger ist dem Bedürfnis nach Intimität im Alter gerecht zu werden, als es beispielsweise bei dem Bedürfnis auf Nahrung und Beschäftigung der Fall ist. Hier ist ein Umdenken dringend notwendig.

In einigen Fällen kann es natürlich schwierig werden, das Grundbedürfnis nach Intimität als solchen zu definieren. Vor allem bei Menschen, die an Demenz leiden, kommt es in vielen Fällen zu einer sexuellen Enthemmtheit, die teilweise aus hirnorganischen Gründen und zum Teil als Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie in Erscheinung tritt.

Letzte Änderung: 30. Juli 2023

Quellen
  • Kaufmann, M. et al.: Die Gynäkologie, Springer Verlag, 3. Auflage 2013
  • pro familia, Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. http://profamilia.de
  • Kaufmann, M. et al.: Die Gynäkologie, Springer Verlag, 3. Auflage 2013

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