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Abnehmen mit Probiotika

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Unter dem Begriff Probiotika versteht man spezielle Produkte, die über lebensfähige Mikroorganismen verfügen. Die in den Probiotika befindlichen Mikroorganismen sind dazu in der Lage sich im Darm zu vermehren und im Anschluss einen gesundheitlichen Nutzen für den Menschen zu vermitteln.

Es gibt einige Lebensmittel, die bereits in ihrem Ursprungszustand solche Mikroorganismen tragen. Man bezeichnet solche Nahrungsmittel auch mit dem Namen probiotische Lebensmittel. Zu dieser Gruppe zählen zum Beispiel Sauerkraut und Rote Bete. Außerdem gibt es verschiedene Joghurts, die mit Probiotika angereichert werden.

Außerdem können Probiotika auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, zum Beispiel als Lösungen, eingenommen werden.

Unabhängig davon, wie sie dem Körper zugeführt werden, haben Probiotika einen positiven Einfluss auf den Magen- Darm- Trakt. Durch eine Anreicherung der Darmflora mit guten Bakterien, fällt es krankmachenden Erregern schwer, sich im Darm zu vermehren. Aus diesem Grund kommt es bei Menschen, die über eine gesunde Darmflora verfügen, deutlich seltener zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Durchfall.

Wissenswertes über die Darmflora

Als sogenannte Darmflora bezeichnet man die Gesamtheit all jener bakteriellen Erreger, die den menschlichen Darm besiedeln und sich dort vermehren. Man geht davon aus, dass sich bei einem gesunden Menschen rund 10 Billionen Bakterien, die aus ungefähr 500 bis 1000 verschiedenen Arten stammen, finden lassen.

In Abhängigkeit von den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie der Herkunft eines Menschen, kann sich die Darmflora aus unterschiedlichen bakteriellen Erregern zusammensetzen.

Medizinisch unterscheidet man anhand des jeweils vorherrschenden Bakterienstamms drei Typen der Darmflora:

  • Enterotyp 1
  • Enterotyp 2
  • Enterotyp 3.

Enterotyp 1

Eine Darmflora vom Enterotyp 1 beinhaltet besonders viele bakterielle Erreger, die der Gattung der Bakterioides angehören. Bakterien dieser Gattung sind besonders gut dazu in der Lage Kohlenhydrate zu spalten. Außerdem gelten sie als exzellente Produzenten der Vitamine Biotin (Vitamin H) und Riboflavin (Vitamin B2) sowie Pantothensäure (Vitamin B₅). Pantothensäure ist ein wichtiger Bestandteil des sogenannten Coenzyms CoA.

Dieses Coenzym ist zum Beispiel an dem Abbau von Fetten, Kohlenhydraten und Aminosäuren beteiligt. Darüber hinaus wird es für die Herstellung von Cholesterin und Fettsäuren innerhalb des Organismus benötigt.

Enterotyp 2

Bei diesem Typen von Darmflora besteht der dominierende Bakterienstamm aus Erregern der Gattung Prevotella. Diese bakteriellen Erreger sind dazu in der Lage Zucker- Einweiß- Komplexe abzubauen. Darüber hinaus können sie Vitamin B1 und Folsäure synthetisieren.

Enterotyp 3

Menschen, mit einer Enterotyp 3 Darmflora, verfügen in ihrem Darm über eine Vielzahl an Bakterien der Gattung Ruminococcus. Diese bakteriellen Erreger können vor allem Zucker und Eiweiß abbauen.

Eine gesunde Darmflora ist für den Menschen essenziell. Sie dient unter anderem der Verdauung von Nahrungsbestandteilen, der Produktion von Vitaminen, der Neutralisierung von Giftstoffen, der Aktivierung verschiedener Arzneistoffe sowie der Immunabwehr.

Auch auf die Psyche soll die Darmflora einen wichtigen Einfluss haben. Experten gehen davon aus, dass Unregelmäßigkeiten innerhalb des Darms langfristig die Entstehung von psyschichen Erkrankungen fördern können. Sogar die Entwicklung wichtiger Hirnfunktionen soll mit den Bakterien innerhalb des Darmrohres in Zusammenhang stehen.

Verschiedene Bestandteile unserer Nahrung werden innerhalb des Magen- Darm- Trakts durch Enzyme gespalten. Andere Inhaltsstoffe müssen mit Hilfe von bakteriellen Erregern, die ein Teil der Darmflora sind, aufgespalten werden. Darmbakterien sind demnach essenziell an der Verdauung beteiligt.

Darmbakterien sind zum Beispiel dafür verantwortlich, unverdauliche Ballaststoffe in Fettsäuren umzuwandeln. Mit Hilfe dieser kurzen Fettsäureketten kann der Hauptteil der von der Schleimhaut des Magen- Darm- Trakts benötigten Energie bereitgestellt werden. Darüber hinaus wird auf diesem Wege die Mobilität (Beweglichkeit) des Darms gefördert.

Neben ihrer Beteiligung an der Verdauung sind die bakteriellen Erreger der Darmflora dazu in der Lage verschiedene Vitamine zu synthetisieren. Zu den wichtigsten bakteriell hergestellten Vitaminen zählen zum Beispiel Folsäure, Biotin, Riboflavin, Vitamin B12 und Vitamin K.

Einige Bakterien, die im Darm siedeln, können toxische Stoffe, die vom Menschen aufgenommen werden, neutralisieren. Dies ist zum Beispiel bei Substanzen wie Nitrosaminen möglich.

Einige Medikamente werden in einem inaktiven Zustand eingenommen. Erst wenn sie im Darm angekommen sind, können sie mit Hilfe der Bakterien der Darmflora, in ihre aktive Form umgewandelt werden. Wichtige Beispiele für solche Medikament sind Antibiotika der Gruppe der sogenannten Sulfonamide.

Außerdem spielt die Flora des Darms eine entscheidende Rolle bei der Immunabwehr. Auf der enorm großen Grundfläche der Darmschleimhaut siedeln eine Vielzahl guter bakterieller Erreger, die dafür sorgen, dass sich krankmachende Bakterien nicht ausbreiten können.

Wie wirken Probiotika?

Nehmen wir Probiotika von außen auf, so siedeln sich die bakteriellen Erreger innerhalb des Darmes an und beginnen damit sich dort zu vermehren. Letztendlich kann die Darmflora ihre positiven Effekte nur dann vermitteln, wenn die dort siedelnden Bakterien in ausreichenden Mengen vorliegen und in Einklang miteinander stehen.

Durch die Einnahme von Probiotika kann zum Beispiel die Verdauung von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen verbessert werden. Sie sind dazu in der Lage bestimmte Bestandteile aus der aufgenommenen Nahrung zu spalten und jene Bestandteile, die unverdaulich sind, zu fermentieren. Zudem steigern sie die Menge an Nährstoffen, die der Organismus aus der Nahrung aufnehmen kann.

Menschen, die eine ausgewogene, gesunde Darmflora aufweisen, leiden nachweislich weniger häufig an Infektionen. Grund dafür ist die Tatsache, dass schlechte Erreger von den in Probiotika enthaltenen bakteriellen Erregern in Schach gehalten werden. Sie unterdrücken das Wachstum anderer Keime und verbessern die Barrierefunktion der Darmwände.

Mit Hilfe von Probiotika kann der pH-Wert im Darm gesenkt und auf diese Weise ein gutes Milieu geschaffen werden. Sie halten die Darmflora in einem gesunden Gleichgewicht und können auf diese Weise die Funktionsfähigkeit des Immunsystems deutlich verbessern.

Gleichzeitig sorgen die Bakterien dafür, dass durch die Stärkung der Barrierefunktion deutlich weniger krankmachende Erreger in den Körper eindringen und sich dort vermehren können.

Mit Probiotika abnehmen

Neben den bereits erwähnten Einflüssen, die Probiotika auf den menschlichen Körper haben können, besteht seit langer Zeit die Annahme, dass sich eine gesunde, ausgewogene Darmflora positiv auf das Körpergewicht auswirken kann. Während eine unausgeglichene Bakterienbesiedlung innerhalb des Darms zu Übergewicht führen soll.

Untersucht man die Darmflora von übergewichtigen Menschen, so findet man vermehrt bakterielle Erreger aus der Gattung der Firmicutes, wohingegen dickere Personen nur geringe Mengen von Vertretern der Bacteriodacetes aufweisen. Bei schlanken Menschen hingegen lässt sich eine andere Zusammensetzung der Darmflora nachweisen.

In umfangreichen Studien wurde geprüft, wie sich die langfristige Aufnahme von Probiotika auf das Körpergewicht der Probanden auswirkt. So konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass jene Testpersonen, die über einen Zeitraum von vier Wochen mit einem probiotischen Präparat behandelt wurden, rund 1000 Kalorien pro Tag mehr zu sich nehmen konnten, ohne nennenswert an Gewicht zuzulegen. Den Testpersonen aus der sogenannten Kontrollgruppe hingegen wurde lediglich ein Placebo verabreicht. Bei dieser Gruppe von Probanden konnte eine deutliche Zunahme des Körpergewichts verzeichnet werden. Mit Hilfe dieser Studie war es möglich, den Einfluss einer ausgeglichenen Darmflora auf das Körpergewicht nachzuweisen.

Vermittelt wird die Gewichtsabnahme durch drei Mechanismen.

  • Zum Einen hemmen Probiotika die Fettresorption im Körper. Einige Milchsäurebakterien sind dazu in der Lage die Ausscheidung von Fetten aus der Nahrung zu fördern und somit gleichzeitig die Fettresorption zu hemmen.
  • Zum Anderen können probiotische Bakterien die Synthese des Hormons GLP-1, welches das Gefühl satt zu sein, vermittelt, steigern. Eben dieses Hormon soll zusätzlich die Fettverbrennung anregen und auf diese Weise die Gewichtsabnahme fördern.
  • Auch der Spiegel des Proteins ANGPTL-4 steigt unter dem Einfluss von probiotischen Bakterienstämmen deutlich an. Das Protein führt dazu, dass vermehrt am Bauch angesetztes Fettgewebe abgebaut wird. Darüber hinaus sorgen probiotische Milchsäurebakterien dafür, dass der Eiweißspiegel im Organismus ansteigt, was wiederum hemmend auf die Bildung von Fettdepots am Bauch wirkt.

Welche Arten von Probiotika helfen beim Abnehmen?

Es gibt eine Vielzahl von Milchsäurebakterien, die Teil der Darmflora sind. Während einige dieser bakteriellen Erreger dabei helfen, Bauchfett zu reduzieren und abzunehmen, können andere Vertreter zum genauen Gegenteil führen.

Aus diesem Grund ist es nicht irrelevant, welche Probiotika eingenommen werden. Die Art der Probiotika ist entscheidend dafür, ob man mit dessen Hilfe abnehmen kann oder nicht.

Lactobacillus Gasseri

Dem Milchsäurebakterium Lactobacillus Gasseri wird der mit Abstand größte Effekt im Bezug auf den Abbau von Bauchfett nachgesagt. Die bakteriellen Erreger Helfen zudem dabei, den Appetit zu zügeln. In verschiedenen Studien mit übergewichtigen Personen konnte die Wirkung von Probiotika mit diesen Bakterien nachgewiesen werden.

Bei den Probanden zeigte sich innerhalb eines Zeitraums von zwölf Wochen eine signifikante Reduktion des Gewichts und des BMI. Vor allem der Taillen- und Bauchumfang konnte durch die regelmäßige Einnahme der Probiotika reduziert werden. Insgesamt konnte eine Reduktion der Fettreserven im Bereich des Bauchs von circa 8,5 Prozent verzeichnet werden.

Lactobacillus fermentum und Lactobacillus amylovorus

In einer randomisierten kontrollierten Doppelblindstudie, also bei einer Studie in der zufällig gewählte Probanden das Probiotikum und andere lediglich ein Placebo erhalten haben, konnte nach einem Zeitraum von sechs Wochen bei der Probiotika- Gruppe eine Gewichtsabnahme von drei bis vier Prozent verzeichnet werden. In der Placebogruppe hingegen kam es zu keinem nennenswerten Abbau des Körperfetts.

Lactobacillus rhamnosus

Vor allem Frauen, die an Gewicht verlieren möchten, können von der Einnahme dieser probiotischen Bakterien profitieren. In einer umfangreichen klinischen Studie wurde ermittelt, dass Frauen unter der Einnahme dieser Bakterien im Schnitt rund 50 Prozent mehr Gewicht verloren haben, als Männer. Bei beiden Geschlechtern konnte jedoch eine höhere Abnahme als bei den Probanden der Kontrollgruppe, welche lediglich ein Placebo erhalten haben, verzeichnet werden.

Lactobacillus acidophilus

Möchte man mit Hilfe eines Probiotikums abnehmen, so sollte man dringend auf die Einnahme dieser bakteriellen Erreger verzichten. Lactobacillus acidophilus fördert keinen Verlust des Körpergewichts, sondern hat den gegenteiligen Effekt. Menschen, die in ihrer Darmflora einen Überschuss dieser Bakterien aufweisen, neigen zu Übergewicht.

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