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ADHS und Dopamin

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Geschrieben von
Georgia Weigt

Kurzgesagt
  • Das "Glückshormon" Dopamin ist als Neurotransmitter im Gehirn verantwortlich für Antriebssteigerung und Motivation, sorgt für Wohlbefinden und für Glücksgefühle beim Erreichen gesteckter Ziele, vor allem langfristig avisierter.
  • Auch bei der Freude an sozialen oder sexuellen Begegnungen, Musik oder sportlicher Betätigung ist Dopamin maßgeblich beteiligt.
  • Diese Aufgaben kann das Hormon nicht mehr übernehmen, wenn es im Gehirn nicht ausreichend zur Verfügung steht, wie bei der ADHS-Störung. Durch die damit verbundene Abwesenheit positiver Gefühle kann es zu einer immer geringeren Fähigkeit kommen, diese zu empfinden.
  • Eine medikamentöse Behandlung kann in Kombination mit einer Psychotherapie, ein Mittel der Wahl sein, sollte aber, hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen, genau überlegt werden.
  • Im Falle einer ADHS Erkrankung muss auch bei der Ernährung auf eine ausreichende Versorgung der Grundbausteine für eine Dopaminsynthese geachtet werden. Neben Vitaminen sind hier Amino- und Fettsäuren lebenswichtig.

ADHS ist keine Frage des Wollens oder der mangelnden Selbstkontrolle, wie lange angenommen wurde. Wer von der Störung des Gehirnstoffwechsels betroffen ist, der wird von neurochemischen und neurobiologischen Besonderheiten bestimmt.

Bei Personen mit ADHS besteht ein Ungleichgewicht der sich im Gehirn befindenen Neurotransmitter.

Welche Rolle spielt Dopamin bei ADHS?

Bei Personen mit ADHS stehen Dopamin und Noradrenalin dort, wo sie benötigt werden, nämlich im Gehirn, nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Dadurch wird die Übertragung von Signalen gestört und ist das Zusammenspiel im Aufmerksamkeits- und Motivationssystem beeinträchtigt.

Ein Dopaminmangel kann daher langfristig gesehen nicht nur unglückliche Gefühle nach sich ziehen, sondern ist auch für eine erhöhte Müdigkeit , Konzentrationsschwäche und Gedächtnislücken verantwortlich.

Verlangsamt wird durch den Dopaminmangel auch der Ausbau der Bahnen im zentralen Nervensystem, über die das Hormon transportiert wird, denn diese bilden sich abhängig von der Menge des ausgeschütteten Dopamin aus.

Das heißt: Immer weniger Signale werden weitergeleitet, die dafür vorgesehenen Bahnen veröden und die Reize gehen verloren. Glücksempfinden, Antrieb, Konzentration, Planungsfähigkeit, innere Ruhe lassen in ungünstigen Fällen zunehmend nach.

Was sind die Schwierigkeiten zwischen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und dem Hormon Dopamin? Bei den Betroffenen kommt es zu einem schnelleren Abbau von Dopamin im Gehirn als bei anderen. Es gilt als bewiesen, dass die Personen in den vorderen Hirnabschnitten weniger Blutzucker verbrauchen, was dazu führt, dass das Gehirn weniger stark durchblutet wird.

Durch diese Stoffwechselstörung ist der rechte vordere Bereich des Gehirns weniger aktiv als bei gesunden Vergleichspersonen. Nachgewiesen wurde in diesem Zusammenhang eine genetische Veränderung im sogenannten Dopamin-Transporter-Gen.

Damit kann davon ausgegangen werden, dass die Ursache für eine ADHS-Erkrankung genetisch ist, weitere Faktoren die Symptomatik jedoch beeinflussen können.

Was macht Dopamin mit unserem Körper?

Populärwissenschaftlich wird Dopamin auch "Glückshormon" genannt. Nicht völlig zu Unrecht, denn medizinisch betrachtet wird seine Wirkung im Bereich der Antriebssteigerung und Motivation gesehen, können durch das Hormon Wohlbefinden und Glücksgefühle hervorgerufen werden.

Dopamin steuert emotionale, geistige und motorische Reaktionen, versorgt den Menschen mit Energie und Ausdauer - und kann ihm dabei helfen, Glücksgefühle zu empfinden.

Auch als Arzneistoff wird Dopamin eingesetzt, so zur Behandlung des Herz-Kreislauf-Schocks. Chemisch betrachtet ist es ein sogenanntes biogenes Amin, das vom Körper im Nervensystem und im Nebennierenmark als Vorstufe des Stresshormons Noradrenalin gebildet wird.

Andere "Glückshormone", die auch als "körpereigene Drogen" oder "endogene Drogen" bezeichnet werden, sind:

  • Serotonin
  • Noradrenalin
  • Endorphine
  • Oxytocin
  • Phenethylamin

Sie alle weisen eine stimulierende, entspannende und/oder schmerzlindernde und betäubende Wirkung auf.

Als Neurotransmitter reguliert Dopamin in einigen Systemen des vegetativen Nervensystems die Durchblutung innerer Organe, zum Beispiel der Bauchorgane, und ist maßgeblich an zahlreichen lebenswichtigen Steuerungs- und Regelungsvorgängen des Körpers, insbesondere der Nieren beteiligt.

Wichtig ist die richtige Dosierung der Dopamin-Moleküle. Bei einer zu geringen Ausschüttung kann es zur Parkinson-Erkrankung kommen, bei einer zu starken Ausschüttung zu Halluzinationen , Wahn, Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen. Noch nicht geklärt ist, wie es zu einer derart vermehrten Ausschüttung kommt.

Grundsätzlich werden bei einem gesunden Menschen Dopamin und Serotonin ausgeschüttet, wenn er Dinge erlebt oder aktiv betreibt, die ihn glücklich machen - sei es Sport, Musik, sexuelle Aktivitäten oder soziales Miteinander.

Die beiden Hormone erzeugen ein Wohlgefühl und bei dem Betroffenen den Wunsch, dieses angenehme Gefühl immer wieder zu wiederholen. Auf diese Art also belohnt das Gehirn und leitet damit zu Zielen, die mit einem guten Gefühl verbunden werden. Am heftigsten ist diese Hormonausschüttung, wenn lange angestrebte Ziele erreicht werden.

Neurologisch bewiesen ist: Die Bahnen im zentralen Nervensystem, über die das Glückshormon transportiert wird, bilden sich stärker aus, je mehr Dopamin ausgeschüttet. wird.

Bei einem Mangel des Hormons hingegen wird auch bei Anlässen, die den jeweils Betroffenen eigentlich glücklich machen würden, zu wenig Dopamin ausgeschüttet - der positive Effekt tritt nicht ein.

Im Gegenteil: Antriebskraft und Motivation sind beeinträchtigt und können nach und nach zurückgehen. So werden auch eigentlich glückliche Momente nicht mehr als solche empfunden.

Eine wichtige Rolle spielt Dopamin auch bei Suchterkrankungen. Durch den Konsum der meisten Drogen wird die Wirkung von Dopamin verstärkt. Auch ein Teil der Entzugssymptome beruht auf der Störung im Dopaminspiegel des Körpers.

Welche Medikamente, können den Dopamin-Spiegel beeinflussen?

Medikamente gegen ADHS sollen den Stoffwechsel im Gehirn positiv beeinflussen und somit die Symptomatik lindern. Ob eine medikamentöse Therapie angebracht und angemessen ist, muss nach jeder Diagnose individuell mit Arzt und/oder Ärztin besprochen werden.

Dabei sollte unbedingt über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt werden, mit denen bei einer Einnahme gerechnet werden kann, wie Schlafstörungen , Appetitminderung und Nachlassen der Libido.

Häufig verschrieben werden Präparate mit dem Arzneistoff Methylphenidat (Medikinet adult und Ritalin adult), die die Konzentration der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erhöhen. Alternativ wird das Antidepressivum Atomoxetin eingesetzt, mit dem ADHS-Beschwerden verringert werden können.

Geht die ADHS-Erkrankung mit einer Depression einher, können die Antidepressiva Bupropion und Venlafaxin dabei helfen, die Beschwerden beider Krankheitsbilder zu lindern.

Wie die richtige Ernährung die Dopaminproduktion unterstützen kann

Aber auch die Ernährung kann die Dopaminproduktion beeinflussen. So soll eine gute Zufuhr von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren dabei helfen, das Gehirn mit dem Hormon zu versorgen.

Zu finden sind diese Fettsäuren vor allem in Fisch wie Lachs und Makrele sowie in Leinsamen und Algenöl. Achten sollten Personen mit ADHS auch auf die ausreichende Versorgung vor allem mit den Vitaminen B12 und D, ebenso mit den Vitaminen C, B2, B6 sowie den Aminosäuren wie Tyrosin, der Ausgangssubstanz für die Dopaminsynthese und Tryptophan, der Ausgangssubstanz für die Serotoninsynthese.

Diese sind essentiell, können also vom Körper nicht selbst gebildet werden und vor allem in eiweißreichen Lebensmitteln enthalten.

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