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Diagnose bei ADHS

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Geschrieben von
Georgia Weigt

Kurzgesagt
  • Die Diagnose einer ADHS ist nur mit medizinisch geschultem Fachpersonen möglich.
  • Sie findet nach festgelegten Kriterien statt, fragt nach drei Faktoren (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität) und beinhaltet auch den Ausschluss anderer Krankheiten, die eine ADH-Störung durch ähnliche Symptome verdecken können.
  • Fragebögen, Aussagen des sozialen Umfeld und vor allem das Gespräch mit den Betroffenen, sogenannte Selbstbeurteilungsverfahren sind die Grundlage einer Beurteilung, ob es sich bei den Störungen um ADHS handelt.
  • Um Fehldiagnosen zu vermeiden, wurden anerkannte Diagnose-Standards festgelegt, die sich allerdings voneinander leicht unterscheiden. Während die einen Fachleute die Zunahme an ADHS-Diagnosen in den letzten Jahren begrüßen, kritisieren die anderen die Pathologisierung tolerierbarer Verhaltensweisen. Auch der Pharmaindustrie wird ein Interesse am Krankheitsbild ADHS nachgesagt.

ADHS lässt sich meist auf frühkindliche Faktoren zurückführen und zieht sich in Form von Verhaltensauffälligkeiten durch Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenalter. Als Ursache einer ADHS gelten Veranlagung und äußere Einflüsse.

Für die Wahl einer passenden Therapie ist es notwendig, dass erfahrenes medizinisches Fachpersonal für Kinder- und Jugendmedizin oder Kinder- und Jugendpsychiater:innen und Psychotherapeut:innen eine Diagnose mittels entsprechender Diagnoseverfahren stellen.

Die Vergabe einer ADHS-Diagnose ist erst ab dem dritten Lebensjahr eines Kindes möglich.

Welche Kriterien sind für die ADHS Diagnose entscheidend?

Für die Feststellung einer ADH-Störung wurden von Fachleuten Kriterien festgelegt, die für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen gelten.

Man unterscheidet dabei zwischen zwei Diagnose-Standards. So gibt es die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in der "Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD)" definiert sind und die Kriterien aus dem "diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen (DSM)", herausgegeben von der US-amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft, der weltweit größten psychiatrischen Fachgesellschaft. Die Diagnosekriterien des ICD gelten als strenger als die des DSM; daher erhalten nach DSM auch mehr Kinder eine ADHS-Diagnose als nach ICD.

Beide Diagnose-Standards arbeiten mit den Fragen nach dem Vorhandensein, der Dauer und dem Grad von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Sie treten in der Schule sowie auch zu Hause oder im Freundeskreis auf und beeinträchtigen den Alltag der Betroffenen und die sozialen Beziehungen.

Bei beiden Standards müssen die Anzeichen der drei Kernsymptome mindestens sechs Monate in einer Form erkennbar sein, die sich deutlich von dem Verhalten Gleichaltriger unterscheidet.

Erwachsene

Die Zahl der Erwachsenen, bei denen eine ADHS vorliegt und die diese Diagnose nicht schon in der Kindheit erhalten haben, ist groß. Erst in den letzten Jahrzehnten ist ADHS als psychische Erkrankung zunehmend in den Fokus der Wissenschaft getreten.

Für viele Betroffene bedeutete dies eine jahrzehntelange Unsicherheit, in der sie eigene Verhaltensweisen und Besonderheiten nicht erklären oder verstehen konnten und Probleme in Beziehungen, Familie und Beruf erleiden mussten.

Heute werden zur Diagnose verschiedene Methoden genutzt:

  • Anamnese (Gespräche zur Klärung der Krankheitsgeschichte)
  • Spezifische Fragebögen (die betroffene Person soll die Symptome bei sich selbst erkennen und einschätzen)
  • Körperliche Untersuchungen (EKG, EEG, Blutuntersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen, z.B. Schilddrüsen-Erkrankungen, Seh- oder Hörstörungen)
  • Gespräche mit Bezugspersonen (die diagnostizierende Person erhält durch Aussagen des sozialen Umfeldes genauere Angaben)
  • Spezielle Tests (Feststellung der Aufmerksamkeitsleistung und der kognitiven Fähigkeiten)

Kinder

Besonders bei Kindern ist es wichtig festzustellen, wann man bei der Diagnose ADHS von einer Störung und wann von einer Erkrankung sprechen kann. Auch bei Kindern und Jugendlichen gelten die Diagnose-Standards des ICD und die des DSM, die nach drei Faktoren fragen:

Unaufmerksamkeit – mangelnde Konzentrationsfähigkeit; Abneigung und Vermeidung von Tätigkeiten, die Konzentration über einen längeren Zeitraum erfordern; häufiger Verlust von Gegenständen aus dem Schul- und Lehrbereich; Vergesslichkeit; schnelle Ablenkungsneigung; mangelndes Zuhören; ungenügende Organisationsfähigkeit.

Hyperaktivität – starker Bewegungsdrang auch in unangemessenen Situationen; körperliche Unruhe; Unfähigkeit, leise zu sein; wild herumlaufen oder -klettern (Kinder) oder das Empfinden von Rastlosigkeit (Jugendliche).

Impulsivität – Unterbrechen anderer in Gesprächen; Nichtabwarten-Können bis man an der Reihe ist oder bis eine Frage zu Ende gestellt wurde.

Wie können Fehldiagnosen verhindert werden?

Bei einigen Kindern und Jugendlichen, aber auch bei manchen Erwachsenen liegt eine leichte Form der ADHS vor, bei der die Grenze zwischen behandlungsbedürftigem und durchschnittlichem Verhalten nicht klar auszumachen ist. Umso wichtiger ist es hier, die offiziellen Diagnosekriterien zu berücksichtigen.

Nicht jedes unruhige oder unaufmerksame Kind leidet unter ADHS und ebenso nicht jeder sprunghafte, vergeßliche, konzentrationsgestörte oder rastlose Erwachsene. Ob eine krankhafte Störung vorliegt, können nur erfahrene Ärzte oder Psychotherapeuten mittels einer aufwendigen Untersuchung feststellen.

Achtung

Wichtig ist dabei, dass die Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen länger als sechs Monate feststellbar sind und zwar in verschiedenen Bereichen des Lebens (Schule, Freizeit und Familie).

Wie sicher ist die Diagnose?

Diagnostiziert werden sollte und kann eine ADHS nur nach einer eingehenden Untersuchung durch medizinisches Fachpersonal vor dem Hintergrund der anerkannten Diagnose-Standards.

Dabei gibt es keine gültige Übereinkunft, wann von einer leichten, mittelschweren oder schweren ADHS gesprochen wird. Unterschiede bestehen jedoch zwischen ICD- und DSM-Maßstäben hinsichtlich der Bewertung der Auffälligkeiten, ob es sich bei diesen grundsätzlich um eine ADHS handelt oder nicht.

Während der ICD eine ADHS-Diagnose nur bei ausgeprägten Symptomen stellt, erhalten Betroffene diese beim DSM schon mit leichten oder mittelschweren Auffälligkeiten.

Ursachen für Fehldiagnosen?

Ursachen einer Fehldiagnose können nicht erkannte, andere seelische Erkrankungen wie Depressionen oder Suchterkrankungen sein, die mit ihren ähnlichen Symptomen eine ADHS als Ursprung der Auffälligkeiten überdecken und so die Diagnose erschweren oder gar verhindern.

Dieses auszuschließen ist eine wichtige Aufgabe der Diagnostiker:innen. Denn auch, wenn eine ADHS nicht grundsätzlich heilbar ist, kann eine individuell angepasste Therapie Symptome und Probleme der Betroffenen behandeln und das alltägliche Leben dieser erleichtern.

Fehldiagnosen vermeiden

In ausführlichen Gesprächen mit Betroffenen, ihren Familien oder/und anderen Bezugspersonen und mithilfe festgelegter Tests und Fragebögen sollte mit größtmöglicher Sorgfalt und Sicherheit ermittelt werden, ob die Kriterien für eine ADHS-Diagnose erfüllt sind.

Durch eine irrtümlich diagnostizierte ADHS, einhergehend mit einer nicht passenden Medikation oder psychotherapeutischen Therapie, können Entwicklungsschritte gehemmt oder gestört werden.

Bei Diagnosen für Kinder ist es äußerst wichtig, das Alter der Betroffen zu beachten. Impulsive Verhaltensweisen sind oftmals altersgerecht; je jünger ein Kind ist, umso "unreifer" wirkt sein Verhalten.

So kann es zwischen den ältesten Schüler*innen einer Klasse und den jüngsten auffallende Diskrepanzen im Verhalten geben, ohne dass eine ADHS vorliegt.

Woran liegt es, dass die Diagnose ADHS so stark zunimmt?

Die starke Zunahme von ADHS-Diagnosen in den letzten Jahren wird auch in der Fachwelt konträr betrachtet. Manche Fachleute werten es als positiv, dass die Erkrankung mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft gelangt ist, andere befürchten, dass Verhaltensweisen, die früher als normal und tolerierbar galten ("Zappelphilipp") heute als krankhaft eingestuft werden.

Sicher ist, dass Eltern von Kindern und Jugendlichen sowie erwachsene Betroffene heute früher und häufiger ärztliche oder therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Unbestritten ist in diesem Zusammenhang, dass die ADHS-Behandlung als lukrativer Absatzmarkt der Pharmaindustrie gilt. Daher ist es im Interesse der Hersteller von Medikamenten, das Thema ADHS immer wieder in die öffentliche Diskussion zu rücken.

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