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Kiss Syndrom: Ist das eine echte Krankheit?

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Geschrieben von Jessica Papic

Mutter hält den Kopf ihres Babies.

Unter dem Begriff KISS-Syndrom versteht man eine Halswirbel-Fehlstellung, die zwischen Ärzten und Alternativmedizinern in heftiger Diskussion steht. Die Abkürzung steht dabei für Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung.

Tatsächlich handelt es sich bei dem KISS-Syndrom nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne. Vielmehr kann bei den betroffenen Kindern eine fehlerhafte Stellung der beiden ersten Halswirbel nachgewiesen werden.

Alternativmediziner gehen davon aus, dass eben diese Fehlstellung für eine später auftretende Entwicklungsstörung verantwortlich sein kann.

Ursachen

Die möglichen Ursachen zusammengefasst:

  • Geburt mit Zange oder Saugglocke
  • (Not-) Kaiserschnitt
  • besondere Belastung der Halswirbelsäule unter der Geburt (zum Beispiel bei Sternenguckern)
  • Mehrlingsgeburt
  • Makrosomie

Es gibt eine Reihe von möglicher Ursachen für das Auftreten der unter dem Begriff KISS-Syndrom bekannten Fehlstellungen. Besonders häufig lässt sich eine solche Wirbelstellung bei Säuglingen, die mit Hilfe einer Zange oder Saugglocke das Licht der Welt erblickt haben.

Außerdem scheint die Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung in vielen Fällen mit einem Kaiserschnitt oder Notkaiserschnitt in Zusammenhang zu stehen. Aber auch bei einer vaginalen Geburt kann es Umstände geben, die die Wahrscheinlichkeit für das Auftretend es KISS-Syndroms deutlich steigern.

Dies ist vor allem dann der Fall, wenn es unter der Geburt zu einer deutlich gesteigerten Belastung der Halswirbelsäule des Kindes kommt. Was vor allem, aber nicht ausschließlich bei Babys mit einem Gewicht von mehr als 4000 Gramm der Fall ist.

Weitere Besonderheiten bei der Geburt, die dazu führen können, dass sich die oberen beiden Halswirbel verschieben, sind die Steißlage und die Entbindung als Sternengucker.

Bei Mehrling-Schwangerschaften lassen sich relevante Fehlstellungen der Halswirbelsäule häufig nachweisen.

Symptome

Symptome im Überblick

Das Kiss Syndrom kann einen Einfluss auf den Körper und den Geist der Betroffenen haben

  • Schiefhalten von Kopf und Rumpf
  • abgeflachter Hinterkopf mit Haarabrieb
  • Schwäche beim Halten und Drehen des Kopfes
  • Schieflage
  • asymmetrische Schädel- und Gesichtsform
  • Fehlstellung der Füße und der Hüfte
  • anhaltendes Schreien (vor allem beim Hochnehmen)
  • Vermeiden der Bauchlage
  • Bevorzugen einer Brust beim Stillen
  • bevorzugte Blick- und Lagerichtung
  • Schlafstörungen

Alternativmediziner bringen die für das KISS-Syndrom typische Stellung der beiden oberen Halswirbel mit verschiedenen Symptomen in Zusammenhang. Ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht oder reiner Zufall ist, konnte bis heute noch nicht abschließend geklärt werden. Sie begründen ihre Annahme vor allem damit, dass gewisse Verhaltensauffälligkeiten bei Neugeborenen und Säuglingen nach einer Behandlung der Wirbelfehlstellung verschwinden.

In den meisten Fällen zeigen die betroffenen Säuglinge eine deutliche Schiefhalten des Kopfes und des Rumpfes, die eventuell mit einer Überstreckung des gesamten Körpers einher gehen kann. Außerdem weisen die Kinder besonders häufig einen abgeplatteten Hinterkopf, an dem sich auf Grund des Scheuerns des Kopfes an Dingen wie einer Matratze, oftmals haarlose Stellen. In diesem Zusammenhang spricht man vom sogenannten Haarabrieb.

Auf Grund der verdrehten Wirbel haben die Kinder zumeist Probleme damit den Kopf selbstständig aufrecht zu halten und/oder zu drehen. In Folge dessen verbleibt das Köpfchen vermehrt auf der Unterlage, auf der die Säuglinge liegen, und nimmt deshalb eine asymmetrische Form an. Diese Asymmetrie kann unter Umständen derart ausgeprägt sein, dass sie sogar zu sichtbaren Verzierungen der Gesichtsstruktur führt. Dies zeigt sich zum Beispiel dadurch, dass ein Auge eines solches Säuglings kleiner wirkt, als das andere.

Darüber hinaus ruft die Fehlstellung im Bereich der Halswirbelsäule eine Beeinträchtigung der Fußhaltung und Arm- und Beinbewegungen hervor.

Kinder mit KISS-Syndrom sollen auf Grund dieser weitreichenden Veränderungen auch in ihrem Verhalten Auffälligkeiten zeigen. Dies zeigt sich vor allem durch anhaltendes Schreien, was beim Hochnehmen nicht stoppt, sondern sogar zunimmt. Außerdem reagieren die betroffenen Säuglinge mit Weinen und Abwehr, wenn man sie in Bauchlage bringt.

Da sich Babys mit KISS-Syndrom typischerweise auf eine Körperseite ausrichten, weisen sie eine bevorzugte Lage- und Blickrichtung auf. Auch beim Stillen bevorzugen sie sichtlich eine Brust, was auf Dauer zu Stillproblemen führen kann.

Die einzelnen Symptome, die mit dem KISS-Syndrom vermutlich in Zusammenhang stehen, zeigen sich nicht bei jedem der betroffenen Kinder. Außerdem kann es sein, dass die Anzeichen nicht gemeinsam, sondern nacheinander in Erscheinung treten.

Für die Anzeichen des KISS-Syndroms kann es auch andere Ursachen geben. Anhaltendes Schreien wird zum Beispiel bei Neugeborenen besonders häufig durch die sogenannten 3-Monats-Koliken hervorgerufen.

Folgen

Alternativmediziner und andere Befürworter des Zusammenhangs zwischen dem KISS-Syndrom und der genannten Auffälligkeiten bei Säuglingen, sind davon überzeugt, dass die Unterlassung einer geeigneten Behandlung langfristig zu Störungen in den Entwicklungsprozessen führen kann.

Vor allem die motorische Entwicklung, zum Beispiel das Erlernen des Krabbeln und Laufens oder die Feinmotorik, könnten durch das Syndrom stark beeinträchtigt werden.

Zudem soll es bei Kindern, die nicht therapiert werden, zu Haltungsschäden, Schlaf- und Entspannungsstörungen, einer verlangsamten Sprachentwicklung und zu allgemeinen Entwicklungsverzögerungen kommen.

Die Befürworter gehen außerdem davon aus, dass sich das unbehandelte KISS-Syndrom im weiteren Verlauf zu dem unter der Abkürzung KiDD Syndrom, der sogenannten Kopfgelenk-induzierten Dyspraxie/Dysgnosie, entwickelt.

Letzte Änderung: 28. Oktober 2022

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