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Keine Lust auf Sex? Ursachen für fehlende Libido

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Der Begriff Libido stammt aus dem Latein und bedeutet soviel wie Begehren oder Begierde. Gemeint ist damit die sexuelle Lust eines Menschen. Diese kann bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sein, weshalb es eine „normale Libido“ schlicht nicht gibt. Ob bei einem Menschen eine Beeinträchtigung der sexuellen Lust vorliegt, kann dieser nur im Vergleich zur eigenen Vergangenheit nachvollziehen.

Das Nachlassen der sexuellen Lust, beziehungsweise des sexuellen Begehrens wird in der Medizin als Libidoverlust (sexuelle Inappetenz oder Hyposexualität) bezeichnet. Obwohl sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen von einer Einschränkung der Libido betroffen sein können, lässt sich beobachten, dass Frauen deutlich häufiger an einem Libidoverlust leiden.

Wissenswert

Verschiedenen Umfragen zufolge geben ungefähr 30 Prozent der Frauen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren an, weniger Interesse an Sex zu verspüren als in den Jahren zuvor. Bei Männern hingegen sind nur circa 14-17 Prozent der 18 bis 59 Jährigen von einem Libidoverlust betroffen.

Ursachen für fehlende Libido

Die wichtigsten Gründe für fehlnden Libido

Wenn es bei einem Mann oder einer Frau zu einem Libidoverlust kommt und sie deshalb keine Lust mehr auf Sex haben, so kann es dafür eine Vielzahl von Gründen geben. Vor allem das Vorliegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kann zeitnah von einem Arzt abgeklärt werden.

In vielen Fällen lässt sich bei Menschen mit sexueller Unlust eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) anhand einer einfachen Laboruntersuchung nachvollziehen. Der Libidoverlust wird bei dieser Erkrankung durch das Abfallen der Schilddrüsenhormone T3 und T4 hervorgerufen.

Auch verschiedene Gefäß- und Herzkrankheiten können die Sexualität eines Menschen stark einschränken. Besonders häufig kommt es im Zusammenhang mit einer ausgeprägten Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck, der sogenannten Hypertonie, zu einem Libidoverlust.

Besonders betroffen sind darüber hinaus Frauen und Männer, die an der Zuckerkrnakheit Diabetes mellitus leiden. Direkte Ursache dafür können zum Beispiel zuckerbedingte Nervenschädigungen, die sogenannte diabetischen Neuropathie, sein. Darüber hinaus kann die sexuelle Lust bei Zuckerkranken auch durch Schäden im Bereich des Gefäßsystems verursacht werden. In diesem Zusammenhang spricht man von einer diabetischen Angiopathie.

Bei Menschen, die an einer Leberzirrhose leiden, lässt sich ebenfalls besonders häufig ein Verlust des sexuellen Verlangens feststellen. Im Zuge der Erkrankung gehen die Leberzellen zugrunde und wandeln sich nach und nach in funktionsloses Narben- oder Bindegewebe um.

Besonders häufig kommt es bei Menschen mit chronischem Alkoholabusus zur Entstehung einer Leberzirrhose. Die Erklärung weshalb eine solche Leberschädigung zu einem Libidoverlust führen kann, ist recht einfach: In der gesunden Leber werden normalerweise gewisse Sexualhormone synthetisiert.

Gehen große Anteile des Gewebes der Leber zugrunde, so kann an diesen Stellen keine Hormonsynthese mehr stattfinden. In Folge dessen nimmt die Konzentration der Sexualhormone ab und es kommt zur Reduzierung der sexuellen Lust.

Gleiches gilt auch für eine Schädigung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz), denn auch in den Nieren werden wichtige Sexualhormone synthetisiert, deren Konzentration bei einer Nierenschwäche deutlich abnimmt und häufig einen Verlust der Libido zur Folge hat.

Weitere wichtige Gründe dafür, dass Frauen oder Männer keine Lust mehr auf Sex haben, sind verschiedene neurologische Erkrankungen. Vor allem die Schädigung des Nervengewebes im Zuge eines Schlaganfalls oder bei Multipler Sklerose kann für die sexuelle Unlust ursächlich sein.

Wenn keine körperlichen Leiden, die den Verlust der Libido erklären können, zu finden sind, so sollte zunächst der Medikamentenplan der Betroffenen kontrolliert werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass auch die regelmäßige Einnahme verschiedener Arzneimittel als Nebenwirkung einen Libidoverlust zur Folge haben kann.

In diesem Zusammenhang spielen vor allem hormonelle Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille, Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel (Diuretika), Medikamente zur Senkung der Blutfettwerte (Lipidsenker), Herzmedikamente und Haarwuchsmittel eine entscheidende Rolle.

Darüber hinaus gilt der Verlust der Libido als eines der häufigsten Begleitsymptome vieler psychischer Erkrankungen. Vor allem Menschen, die an einer Depression leiden, entwickeln im Laufe der Zeit häufig ein mangelndes sexuelles Verlangen. In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass einige der bei psychischen Erkrankungen verschriebenen Arzneimittel den Libidoverlust verstärken können.

Damit es zu einer sinkenden Libido kommt, muss man jedoch nicht erst psychisch erkrankt sein. Auch besonders belastende Lebensumstände, können sich in Form dieses Symptoms niederschlagen. Aus diesem Grund nimmt die Libido in stressigen Lebensphasen oder bei anderweitiger beruflicher und/oder familiärer Belastung häufig, zumindest temporär, ab.

Bei Frauen gibt es noch weitere, geschlechtsspezifische Ursachen für den Libidoverlust. Gerade innerhalb der ersten Monate nach einer Geburt, haben viele Frauen kein Verlangen nach derartiger körperlicher Nähe. Das hängt sowohl mit den erlittenen körperlichen Strapazen und den hormonellen Umstellungen, als auch mit der steigenden Belastung durch die Versorgung des Neugeborenen zusammen. Darüber hinaus können einige gynäkologische Erkrankungen, zum Beispiel die Endometriose, zum Auftreten sexueller Unlust führen.

Hinweis

Die Ursachen für die sexuelle Unlust können demnach ganz unterschiedlich sein. Wichtig ist jedoch, unabhängig von der vermuteten Ursache, dass Paare offen mit der Thematik umgehen und sich, falls notwendig, ärztliche Hilfe suchen.

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