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Was hilft gegen Schnarchen?

Profilbild von Leyla Al-Sayegh Geschrieben von Leyla Al-Sayegh
Mann schnarcht im Bett und Frau hält sich die Ohren mit einem Kissen zu.

Obwohl das Schnarchen so weit verbreitet ist, konnte bis heute keine einheitlich anerkannte Definition dafür gefunden werden. Die Schnarch-, Grunz- und Atemgeräusche werden nämlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich - und damit auch unterschiedlich belastend - wahrgenommen.

Das Schnarchen nimmt mit dem Alter zu und zeigt eine eindeutige Häufung bei Männern.

Bei der Gruppe von über 50-jährigen Männern schnarchen in etwa 60%. Doch auch beim weiblichen Geschlecht schnarcht in etwa jede Vierte, wobei die Fallzahl bei Frauen nach der Menopause eindeutig steigt.

Unter gewissen Umständen (z.B. bei vergrößerten Mandeln oder „Polypen“) kann das Schnarchen auch schon im Kindesalter auftreten.

Entstehung

Schnarchgeräusche entstehen, weil die Gaumen- und Schlundmuskulatur – so wie auch alle anderen Muskeln im Körper – im Schlaf erschlaffen. Bei besonderen anatomischen Gegebenheiten im Bereich der oberen Atemwege können dann Vibrationen an den Weichteilen entstehen, die die Schnarch-Geräusche verursachen.

Risikofaktoren, die eine große Rolle spielen, sind eine behinderte Nasenatmung (z. B. „Polypen“ = adenoide Vegetationen, vergrößerte Mandeln oder eine schiefe Nasenscheidewand), Adipositas (durch das vermehrte Fettgewebe werden die Atemwege verengt), Bluthochdruck, COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Schlafposition in Rückenlage und vorangegangener Alkoholgenuss.

Auswirkungen auf unseren Körper

Schnarchen ist in den meisten Fällen an sich nicht krankhaft, meistens aber mit einer erhöhten Atemanstrengung im Schlaf verbunden. Das kann wiederum dazu führen, dass der Schlaf als nicht erholsam wahrgenommen wird. In weiterer Folge treten Tagesmüdigkeit mit der Gefahr von Sekundenschlaf bei monotonen Tätigkeiten und Konzentrations-, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen auf. Die sich wiederholenden, monotonen Grunzgeräusche sind zudem sozial störend und können auch beim BettpartnerIn zu indirekten Schlafstörungen führen!

Bei Kindern kann durch die verschlechterte Atmung sogar eine Gedeihstörung – also eine verzögerte Entwicklung mit verminderter Gewichtszunahme – entstehen. All dies sind Gründe, um eine passende Therapie zu beginnen.

Wichtig ist das „harmlose“ Schnarchen von einer obstruktiven Schlafapnoe (also Atemaussetzern im Schlaf) zu unterscheiden, die ebenfalls mit unregelmäßigen lauten Atem- bzw. Schnarchgeräuschen einhergeht und eine schwerwiegendere Erkrankung darstellt. Man muss auch wissen, dass Schnarchen an sich einen Risikofaktor darstellt, eine obstruktive Schlafapnoe zu entwickeln!

Was bei belastenden Schnarchen zu tun ist

In erster Linie sollte das akustische Phänomen abgeklärt werden. Das ist besonders wichtig, um es von anderen atembezogenen Schlafstörungen zu unterscheiden.

Arzt-Patienten-Gespräch

Dazu wird der Arzt/die Ärztin ein PatientenInnen-Gespräch über vorliegende Symptome, deren Ausprägung und Beschwerden sowie zu Vorerkrankungen und –operationen, das familiäre, soziale und berufliche Umfeld und Alkohol-, Rauch- und vor allem Schlafgewohnheiten führen. Ein spezieller Fragebogen kann dabei hilfreich sein. Eine körperliche Untersuchung mit Fokus auf die Atemwege und Allgemeinerkrankungen (z.B. Bluthochdruck) wird anschließend durchgeführt.

Körperliche Untersuchungen

Um weitere Klarheit zu schaffen, müssen spezielle schlafbezogene Untersuchungen gemacht werden: die sogenannte Polygrafie und die Polysomnografie. Beides sind Verfahren, bei denen spezielle Geräte über Nacht am vorgegebenen Körperstellen befestigt werden, wodurch das Atem- und Bewegungsverhalten im Schlaf beurteilt werden kann.

Die Polygrafie wird selbst zuhause durchgeführt, während man für die Polysomnografie eine Nacht im Schlaflabor verbringen muss – dafür ist der Schlaf durch die Polysomnographie wegen der Verwendung von weiteren, genaueren Messmethoden und einer Videoaufnahme viel besser beurteilbar.

Auch eine HNO-Untersuchung beim Facharzt/-ärztin sollte zum Ausschluss bzw. nötigenfalls zur Behandlung von krankhaften Veränderungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich angeschlossen werden.

Wenn nun ein primäres Schnarchen – also ohne Vorliegen eines obstruktiven Apnoe-Syndroms – festgestellt wurde, kann man zu Behandlungsmaßnahmen übergehen.

Was gegen Schnarchen hilft

Zuerst werden Patienten darüber aufgeklärt, dass das Schnarchen ein harmloses Phänomen ist, solange es nicht zu Beeinträchtigungen (sowohl in sozialer Hinsicht als auch in Bezug auf eine Verminderung der Schlafqualität) führt.

Falls das Schnarchen als störend und Alltags beeinträchtigend empfunden wird, sollten erste Behandlungspfade eingeschlagen werden.

Als erste Therapieschritte sollten Basismaßnahmen zur Verhinderung des Schnarchens durchgeführt werden: Das Erreichen von Normalgewicht, Vermeiden von Alkohol, richtige Lagerung im Schlaf (Hochlagerung des Oberkörpers, KEINE Rückenlage) und gegebenenfalls Absetzen von muskelentspannenden Medikamenten können schon zur Verbesserung der Schlafqualität ohne belastende Schnarchgeräusche beitragen.

Falls die konservativen Maßnahmen nicht ausreichen gibt es weitere Therapiemöglichkeiten, die das Schnarchen bekämpfen. Zum einen werden passende Zahnschienen verwendet, die ein Zurückfallen des Unterkiefers (und die dadurch entstehende Verlegung der Atemwege) verhindern.

Zum anderen kann eine Operation zur Straffung des Gaumens (z.B. minimaler Eingriff mittels Radiofrequenzablation, bei der durch Anwendung großer Hitze Gewebe gezielt zerstört wird) und/oder Kürzung des Zäpfchens durchgeführt werden, damit das Schnarchgeräusch auslösende Flattern der erschlafften Gaumenmuskulatur nicht mehr entstehen kann.

Vor allem bei Kindern wird bei der HNO-Untersuchung häufig ein Auslöser für die schlechte Atmung im Schlaf gefunden, wie zum Beispiel vergrößerte Mandeln oder „Polypen“ (Adenoide). Diese Probleme können durch einen kleinen chirurgischen Eingriff behoben werden.

Auch andere Hals-Nasen-Ohren-bezogene Erkrankungen, beispielweise eine schiefe Nasenscheidewand, können durch eine Operation behoben werden, was eine Nasenatmung, die häufig mit Schnarchen einhergeht, wieder erleichtert.

Letzte Änderung: 28. Oktober 2022

Quellen
  • Stuck BA, Maurer JT, Schlarb AA, Schredl M, Weeß H-G. Praxis der Schlafmedizin. Prax der Schlafmedizin. 2018;
  • Crönlein T, Galetke W, Young P. Schlafmedizin 1x1. Schlafmedizin 1x1. 2020;
  • AWMF. Leitlinie "nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörung - Insomnie bei Erwachsenen) [Internet]. 2017 [cited 2022 Apr 3]. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/063-003.html

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