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Melatonin als Schlafmittel: Erfahrungen und Nebenwirkungen

Was ist überhaupt Melatonin?

Melatonin ist ein kleines, hoch konserviertes Indol mit zahlreichen Rezeptor-gesteuerten und Rezeptor-abhängigen Aktionen. Rezeptor-abhängige Funktionen sind zum Beispiel die Regulierung des circadischen Rhythmus, Schlaf und Hemmung von Krebs. Die Rezeptor-unabhängigen Aktionen beziehen sich auf die Fähigkeit von Melatonin freie Radikale unschädlich zu machen und somit wichtige Moleküle vor dem zerstörerischen Effekt vom oxidativen Stress zu schützen.

Wissenswert

Melatonin hat viele Anwendungsbereiche in der Physiologie und Medizin. Es ist ein Hormon, das der Körper selbst herstellt. Es wird hauptsächlich in der Zirbeldrüse (Epiphyse) im Gehirn synthetisiert. Geringe Anteile werden allerdings auch in der Netzhaut des Auges und im Darm gebildet.

Wie viel von dem Hormon ausgeschüttet wird, hängt vom Auge ab. Fällt Tageslicht auf die Netzhaut, so wird die Melatoninbildung gehemmt. Bei Dunkelheit dagegen wird die Ausschüttung angeregt. Das freigesetzte Hormon kann an bestimmten Bindungsstellen, etwa an den Blutgefäßen im Gehirn und einigen Zellen des Immunsystems, andocken.

So wird dem Körper bei Dunkelheit klar gemacht, dass es nun Zeit zum Ruhen ist und beispielsweise der Energieverbrauch heruntergesetzt und der Blutdruck gesenkt werden muss.

Hinweis

Außerdem senkt Melatonin die Körpertemperatur, kurbelt das Immunsystem an, beeinflusst die Ausschüttung von Sexualhormonen sowie das Lernen und das Gedächtnis.

Ein stabiler circadischer Rhythmus, welcher mit Hilfe von Melatonin reguliert wird, ist ausschlaggebend für eine optimal generalisierte Physiologie des Organismus und für die Mikrophysiologie der molekularen Funktionen.

Auch die Fähigkeit von Melatonin den oxidativen Prozess zu modulieren und essentielle Moleküle vor freien Radikalen zu schützen ist unentbehrlich für den reibungslosen Ablauf aller zellularen Funktionen.

Melatonin Präparate

Hinweis

Melatonin ist frei verkäuflich in Form von Tabletten oder Spray erhältlich. Jedoch kommt es stark auf die Konzentration sowie den Zeitpunkt der Einnahme an wie hoch die Effektivität ist.

Die Einnahme sollte ca 30 - 60 Minuten vor dem Schlafen gehen erfolgen. Leider ist der perfekte Zeitpunkt sowie die Höhe der Einnahme um schneller Einschlafen und Durchschlafen zu können von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Achtung

Es gibt verschiedenste Mittel auf dem Markt von günstig aus der Drogrie bis teuer aus der Apotheke. Und alle verspreche beim Einschlafen zu helfen. Jedoch ist darauf zu achten, dass die Inhaltsstoffe laborgeprüft sind.

Wer den Schlaf nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt mit dem verschreibungspflichtigen Medikament verbessern möchte, sollte sich Zeit nehmen. Nach etwa vier Wochen bis drei Monaten sollte sich ein gesunder Schlaf-Wach-Rhythmus eingependelt haben. Allerdings ist das Arzneimittel nur für die Anwendung über ein Vierteljahr zugelassen. Eine Dauerlösung ist es also nicht.

Nebenwirkungen

Melatonin-Präparate gelten insgesamt als nebenwirkungsarm, können jedoch zu

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Hautausschlag

führen. Die empfohlene Einnahmemenge von 2mg/Tag kann ohne Bedenken täglich eingenommen werden. Die Gefahr einer Abhängigkeit sowie einer Gewöhnung besteht nicht.

Studien zur Einnahme

2020 hat die IARC eine Publikation veröffentlicht welche darlegt das kurzgesagt Schichtarbeit das Krebsrisiko erhöht. Sie beziehen sich darauf das durch den unregelmäßigen Schlafrythmus der Körper nicht genügend Melatonin und/oder unterschiedlich viel produziert. Die schwankende Konzentration im System führt dazu das sich der oxidative Stress auf die Zelle erhöht. Das Risiko von DNA-Schäden steigt und somit auch das Risiko der Krebsentwicklung. Arbeit im Schichtbetrieb ist somit purer Stress für den Organismus.

Um den Körper den Möglichkeit zu geben schneller Einzuschlafen und gleich in die Tiefschlafphase zu finden ist die Einnahme von Melatonin möglich. Jedes eingenommene Milligramm dieses Hormons hilft dem Körper dem oxidativen Stress entgegenzuwirken. Auch die Erholungsphase fällt länger aus da schneller in die Tiefschlafphase gefunden wird. Die therapeutische Nutzung von Melatonin als Schlafmittel ist noch neu. Erst im Jahr 2007 wurden Melatonin-Präparate für die Kurzzeitbehandlung der Schlafstörungen bei Personen im Alter von über 55 Jahren von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassen.

Seit Neuestem wird es bei Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung und ADHS angewendet. Über die effektive Wirksamkeit der Melatonin-Präparate wird in der Wissenschaft aktuell intensiv geforscht. Unter einer primären Schlafstörung werden Formen der Schlaflosigkeit verstanden, die ohne eine bestimmte medizinische und psychiatrische Ursache oder Außenreize auftreten. Die Ergebnisse bezüglich primärer Schlafstörungen weisen insgesamt auf einen positiven Effekt einer Melatonin-Therapie hinsichtlich der Dauer des Einschlafens, des Gesamtschlafes und der allgemeinen Schlafqualität hin.

Es gebe auch Hinweise, dass Melatonin bei älteren Personen die Einschlafzeit verkürze und die Schlafqualität verbessere. Allerdings seien noch große Langzeitstudien erforderlich, um gesicherte Empfehlungen abgeben zu können.

Nicht retardierte Präparate mit weniger als drei Milligramm würden nicht besser als ein Placebo wirken. Rezeptpflichtiges Melatonin als Medikament sei dagegen wirksam. Vor allem bei ­älteren Menschen, bei denen nicht mehr so viel natürliches Melatonin vorhanden ist. Daneben wisse man von Patienten mit Ein- und Durchschlafstörungen: Auch in jüngeren Jahren schon können sie einen verminderten nächtliche Melatoninspiegel haben, wenn diese Störungen schon über viele Jahre andauern. Auch hier kann das Medikament durchaus helfen.

Allerdings ist es erst für Betroffene ab 55 Jahren zugelassen, da es sich für sie als besonders wirksam erwiesen hat. Außerdem ist noch nicht hinreichend bekannt, welche Auswirkung Melatonin-Tabletten auf Schwangere und somit auf das ungeborene Kind haben. In der Schwangerschaft sollte daher auf die Tabletten verzichtet werden.

Das Gleiche gilt für die Stillzeit, da Melatonin auch in die Muttermilch gelangt. Ein niedriger Melatoninspiegel im Blut kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel lange Tageslichtphasen im Sommer,Serotoninmangel, die Einnahme bestimmter Medikamente oder koffeinhaltiger Getränke wie Kaffee und Energydrinks, Alkohol- und Tabakkonsum, intensiver Sport am Abend und dauerhafter Stress.

Hinweis

Ein hoher Melatoninspiegel im Blut dagegen kann durch lange Dunkelphasen wie im Winter, bestimmte Antidepressiva oder eine Leberfunktionsstörungen bedingt sein.

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