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Panikattacken nachts: Angststörungen im Schlaf

Profilbild von Leyla Al-Sayegh Geschrieben von Leyla Al-Sayegh
Frau liegt im Bett und hält sich die Hände vor das Gesicht.

Als panisches Erwachen aus dem Schlaf werden im Volksmund sowohl die „echten Panikattacken“ - eine Unterform von Angststörungen – als auch der sogenannte „Schlafterror“ (lat. Pavor nocturnus) und im weitesten Sinn auch das Erschrecken und Erwachen auf Grund von Albträumen gezählt.

Nächtliche „echte“ Panikattacken

„Echte“ Panikattacken im Schlaf sind gezeichnet von plötzlichem, panischen Aufschrecken aus dem Schlaf begleitet von einem starken Angst- und Unbehaglichkeitsgefühl und einem Zustand der Erregung und erhöhter Wachsamkeit. Sie werden hauptsächlich im ersten Drittel des Schlafs beobachtet. PatientenInnen sind komplett wach, sich der Situation voll bewusst und können sich an das Geschehen im Nachhinein gut erinnern.

Panikattacken nachts unterscheiden sich in den Symptomen kaum von welchen, die im wachen Zustand auftreten. Nächtliche Panikattacken können entweder alleine oder in Kombination mit Tages-Panikattacken auftreten.

Bis zu 70% der Betroffenen von allgemeinen Panikattacken, haben zumindest schon ein nächtliches, panisches Erwachen erlebt.

Typische Anzeichen einer Panikattacke sind Zittern, Schweißausbrüche, Atemnot, nach Luft schnappen oder Erstickungs-Angst, Herzrasen, Schwindel und Schwächegefühl. Außerdem berichten Betroffene davon, ihre Umgebung als unwirklich und fremd zu erleben, was in der Fachsprache als „Derealisationserleben“ bezeichnet wird.

Manche Menschen erleben sogar die eigene Person als fremd bzw. nicht hier hin gehörig, was dann „Depersonalisierung“ genannt wird. Darüber hinaus erscheint auch die Angst vor einem Kontrollverlust, katastrophale Konsequenzen oder sogar dem Sterben überwältigend. Panikattacken dauern unterschiedlich lange, wobei die subjektive Angst und deren körperliche Auswirkungen in den ersten Minuten am stärksten ausgeprägt ist.

Nachwirkungen können sich allerdings sogar bis zu 2 Stunden halten.

Eine weitere Gemeinsamkeit der Panikattacken in der Nacht und untertags ist außerdem, dass beide ohne erkenntlichen Auslöser auftreten müssen, um als Panikattacken gelten zu können. Damit sind nächtliche Panikzustände vom Erwachen wegen eines Albtraums oder eines Geräuschs zu unterschieden.

Folgen einer Panikattacke können gravierend sein: Einige PatientenInnen entwickeln eine regelrechte Angst vor der Angst, also Angst davor, wieder eine Panikattacke zu entwickeln. Das kann dazu führen, dass sich Betroffene zurückziehen und öffentliche Plätze meiden. Im schlimmsten Fall kann sich eine Panikstörung entwickeln, also ein Zustand von immer wieder vorkommenden Panikattacken, die ganz unerwartet und plötzlich auftreten.

Im Falle von nächtlichen Panikattacken können aus Angst vor dem panischen Erwachen (Ein-)Schlafstörungen entstehen, wodurch der erholsame Schlaf gestört wird. Daraus ergeben sich Tagesschläfrigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und vielleicht sogar soziale Abgeschiedenheit.

Panikattacken sollten schnell behandelt werden, um den Teufelskreis („Angst vor der Angst“) frühzeitig zu unterbrechen. Als Behandlungsoptionen steht die Psychotherapie (vor allem die kognitive Verhaltenstherapie) oder eine Therapie mit Medikamenten zur Verfügung.

„Schlafterror“ (Pavor nocturnus)

Der Schlafterror ist eine relativ seltene Erscheinung, wobei eindeutig mehrheitlich Kinder und Jugendliche (3% aller Minderjährigen erleben zumindest eine Phase) betroffen sind.

Typischerweise startet eine Episode des Schlafterrors mit einem lauten Schrei, darauf folgt körperliche Unruhe und Bewegung sowie eine starke Erregung (Herzklopfen, Schweißausbrüche, schnelle Atmung,…) begleitet von einem heftigen Angstgefühl.

Als wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Panikattacken und Albträume gilt, dass Betroffene weder auf beruhigende äußerliche Reize reagieren (sie sind sozusagen nicht ansprechbar) noch können sie sich im Nachhinein vollständige an das Erlebte erinnern. Typischerweise dauert eine Schlafterror-Phase weniger als 10 Minuten an und tritt in der Regel im ersten Drittel des Schlafes auf. Häufig wird der Pavor nocturnus gemeinsam mit Schlafwandeln erlebt.

PatientenInnen sind im Normalfall gesund – es konnte kein Zusammenhang mit Vorerkrankungen (z.B. Epilepsie, Herzerkrankungen,…) oder der Einnahme von Medikamenten oder Drogen - festgestellt werden. Es können darüber hinaus auch keine anderen auslösenden Faktoren (z.B. Albträume) festgestellt werden.

Sollten häufiger typische Symptome und Episoden von Schlafterror auftreten, ist eine medizinische Kontrolle empfehlenswert. Es ist nämlich wichtig, eine beginnende Epilepsie auszuschließen, die sich ebenfalls durch vermehrte Bewegungen und erhöhte Erregung im Schlaf zeigen kann.

In den meisten Fällen gestaltet sich die Therapie des Pavor nocturnus (nach Ausschluss einer anderen Erkrankung) einfach: Sowohl den Betroffenen als auch der Familie muss die Harmlosigkeit und Ungefährlichkeit des Phänomens erklärt und ihnen damit die Angst genommen werden.

Albträume

Die meisten Menschen kennen Albträume, also als lebensbedrohlich oder angsteinflößend wahrgenommene Traumerlebnisse. In der Kindheit treten Albträume häufiger auf, aber auch bei Erwachsenen sind Albträume in einem gewissen Rahmen durchaus normal.

Albträume zählen nicht als Panikattacke, da der als schrecklich empfundene Trauminhalt ja einen Auslöser bietet – die Reaktion des menschlichen Organismus folgt demnach einem Reiz (auch wenn dieser nicht in der Realität stattfindet).

Albträume treten vorwiegend in den frühen Morgenstunden auf. Betroffene sind danach zwar verängstigt und in Erregungszustand, aber sofort orientiert und können sich an den Traum zumindest für kurze Zeit erinnern.

Gemeinsam ist den nächtlichen Panikattacken und Albträumen, dass beides in Lebensphasen mit erhöhtem psychischem Stress vorkommen.

Nochmals verdeutlichen kann man das mit dem Beispiel der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS): Menschen, die etwas Furchtbares erlebt haben, müssen in ihren Träumen immer und immer wieder eine ähnliche Situation erleben. PTBS stellt aber auch einen Risikofaktor für die Entwicklung von Panikattacken (und Angststörungen generell) dar.

Auch bei Depressionen treten Albträume gehäuft auf.

Albträume werden durch verschiedenste Medikamente (z.B. Medikamente bei Herzproblemen, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Schmerzmittel und Antibiotika) und Alkohol verstärkt.

Als Therapieoption steht eine allgemeine Psychotherapie (v.a. bei Angstgefühlen auch untertags) oder eine spezielles „Imagery-rehearsal-Traning“ zur Verfügung.

Dabei werden mithilfe eines TherapeutenIn die Erlebnisse im Traum aufgeschrieben oder gemalt und gemeinsam wird ein positives Ende bzw. eine positive Umdeutung gefunden.

Unter gewissen Allgemeinumständen können auch Medikamente Abhilfe schaffen.

Zusammenfassung

Zuerst merkt man, dass die Symptome bei all diesen Phänomenen relativ ähnlich beschrieben werden: Nächtliches Aufschrecken mit einem Gefühl von Angst und Panik mit begleitenden körperlichen Flucht-Reaktionen wie Herzklopfen, schwere Atmung, erhöhte Erregung und Schweißausbrüchen. Die Dauer der Angst-Episoden variiert zwar, der Höhepunkt liegt allerdings immer in den ersten Minuten der Anfälle.

Während Panikattacken und der Schlafterror vorwiegend in der ersten Hälfte der Nacht erlebt werden, kommen Albträume eher in den Morgenstunden vor. Albträume unterscheiden sich des Weiteren dadurch, dass die körperliche Angst-Reaktion durch eine „nachvollziehbare“ Ursache (also, die Angst vor dem Erlebten im Traum) entsteht, während Panikattacken und der Pavor nocturnus laut Definition plötzlich und ohne vorangegangenem Auslöser auftreten.

Dabei ist darauf zu achten, dass sowohl Panikattacken als auch Albträume meistens in Lebensepisoden mit erhöhtem Stresspegel oder sogar beim Vorliegen von psychischen Leiden (z.B. generalisierte Angst) oder Vorangehen von schrecklichen Erlebnissen (im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung) beim Erwachsenen auftreten.

Eine wichtige Unterscheidung bietet auch noch der Bewusstseins- und Gedächtniszustand während der Episoden: Während Betroffene beim Erleben des Nachtschrecks nicht auf äußere, vorwiegend beruhigende Reize reagieren und sie sich an das Geschehene im Nachhinein nicht erinnern können, ist jenen, die einen Albtraum erlebt haben oder eine Panikattacke durchmachen müssen die Situation vollends bewusst und das Erlebte ist auch im Nachhinein erinnerlich.

Darüber hinaus sind der Pavor nocturnus und auch Albträume vorwiegend bei Kindern zu finden und stellen natürliche Phänomene dar, solange sie nicht übermäßig oft vorkommen oder die Erholung des Schlafes stören.

Letzte Änderung: 25. Oktober 2022

Quellen
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