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Atemaussetzer im Schlaf

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Geschrieben von
Leyla Al-Sayegh (Ärztin)

Der Umstand von Atemaussetzern im Schlaf wird im medizinischen Fachjargon als „Schlafapnoe-Syndrom“ bezeichnet und umfasst 2 Krankheitsbilder: Die wesentlich häufigere obstruktive Schlafapnoe (90%) und die zentrale Schlafapnoe (10%).

Hinweis

Schlafapnoen unterbrechen den gesunden, erholsamen Schlaf, was den Alltag stark beeinflussen kann. Es sind in etwa 3-7% der erwachsenen Männer und 2-5% der erwachsenen Frauen betroffen. Atemaussetzer können allerdings selten auch bei Kindern und sogar Säuglingen oder Neugeborenen auftreten.

Atemaussetzer im Schlaf: Entstehung und Risikofaktoren

Entstehung und Risikofaktoren

Auch wenn wir unsere Atmung willentlich beeinflussen können, wird sie größtenteils unbewusst von einem Teil des Gehirns – dem Hirnstamm – gesteuert. Die Aufgaben der Atmung sind die Aufnahme von Sauerstoff sowie die gleichzeitige Abgabe von Kohlenstoffdioxid (CO2), das im Körper aus Sauerstoff entsteht. Im gesamten Körper verteilt gibt es zudem verschiedene Rezeptoren, die sowohl den Sauerstoff- als auch den CO2-Gehalt im Blut messen und die Werte an den Hirnstamm senden.

Dort werden sie verarbeitet und die Atmung angepasst (z.B. schnellere Atmung bei körperlicher Tätigkeit). Die Atemluft fließt für gewöhnlich über Nase und Mund durch den Rachen- und Schlundbereich über die Luftröhre bis in die Lunge. Dort wird sie über immer kleiner werdende Luftwege ganz nah an die Blutgefäße in der Lunge herangebracht, sodass ein Austausch von neuem Sauerstoff und altem CO2 stattfinden kann. Beim Ausatmen gelangt die „verbrauchte“ Luft über denselben Weg in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück.

Die obstruktive (d.h. „verengende“) Schlafapnoe wird verursacht, wenn die oberen Atemwege beim Schlafen verschlossen werden und einen Luftfluss in die Lunge nicht mehr erlauben. Der Verschluss der oberen Atemwege wird dadurch verursacht, dass die Schlundmuskeln im Schlaf erschlaffen und „zurückfallen“ weswegen die Einatemluft an der entstehenden Engstelle im Rachen-Hals-Bereich nicht mehr vorbei kommt.

Risikofaktoren für obstruktive Schlafapnoen sind ein höheres Lebensalter, Übergewicht (durch vermehrtes Fettgewebe im Halsbereich werden die Atemwege verengt), Schnarchen und anatomische Besonderheiten (vor allem Enge) des Nasen-Rachen-Bereichs.

Auch Rauchen, Alkohol, Schlafmedikamente, Rückenlage, Bluthochdruck, Herzschwäche und die Zuckerkrankheit gehen mit einem erhöhten Risiko der Atemaussetzer einher. Obwohl die Häufigkeit des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms eindeutig mit dem steigenden Alter und Körpergewicht zunimmt, können auch junge Menschen (auch Kinder) und schlanke Personen davon betroffen sein!

Das zentrale Schlafapnoe-Syndrom wird hingegen durch eine Störung im Gehirn verursacht. Zum einen können die Sauerstoff- und Kohlendioxid-Rezeptoren fehlerhafte Messwerte senden, oder der Hirnstamm kann die erhaltenen Werte nicht mehr richtig verarbeiten. Es kommt in jedem Fall zu Atemaussetzern, weil das Gehirn nicht mehr die richtigen Atemsignale an die Atemmuskulatur senden kann.

Risikofaktoren bzw. auslösende Faktoren sind Erkrankungen des Stammhirns (Tumore, Schlaganfall und Entzündungen), Hirndruckerhöhung (z.B. durch einen Unfall), Zuckerkrankheit, Herzkrankheiten, Medikamente (zum Beispiel Opioide als starke Schmerzmittel) oder Drogen.

Atemaussetzer im Schlaf: Symptome

Es ist wichtig zu wissen, dass kurze Atempausen bei allen gesunden Menschen im Schlaf vorkommen.

Vom Schlafapnoe-Syndrom wird erst dann gesprochen, wenn die Atempausen mindestens 5 Mal pro Stunde UND mit entsprechenden Symptome untertags auftreten oder wenn mehr als 15 solcher Phasen pro Stunde (mit oder ohne Tages-Symptome) vorkommen. Der Atemstillstand hält mindestens 10 Sekunden an, kann allerdings bis zu 120 Sekunden andauern – das sind 2 Minuten ohne Sauerstoffzufuhr! In weiterer Folge entsteht dadurch auch ein Mangel an Sauerstoff im Blut.

Dieser Sauerstoffmangel wird im Gehirn bemerkt, wodurch das Signal zum tiefen Luftholen ausgesendet wird. Häufig ist dieser tiefe Atemzug mit einem lauten Schnarchgeräusch und einer kurzen Unterbrechung des Schlafs verbunden. Der Schlafabbruch kann so kurz sein, dass Betroffene diesen gar nicht bemerken. Manchmal führt der Atemstillstand allerdings auch dazu, dass PatientenInnen erwachen.

Hinweis

So oder so zeigt der unterbrochene Schlaf am darauffolgenden Tag seine Wirkung: Betroffene klagen über ausgeprägte Müdigkeit, Konzentrations-, Gedächtnis- und Leistungsschwäche. Auch über morgendliche Kopfschmerzen und einen trockenen Mund nach dem Schlafen wird häufig berichtet. Außerdem neigen Betroffene zu depressiven Verstimmungen, Persönlichkeitsveränderungen und Potenzstörungen.

Eine überaus gefährliche Folge des schlechten Schlafs ist die Einschlafneigung bei monotonen Tätigkeiten wie dem Autofahren (Sekundenschlaf!). Das obstruktive Schlafapnoesyndrom kann allerdings nicht nur vom Betroffenen, sondern auch von Mitmenschen als äußerst belastend wahrgenommen werden, da es üblicherweise mit häufigen, lauten Schnarch-Geräuschen einhergeht.

Beim zentralen Schlafapnoesyndrom sind die Symptome meist geringer ausgeprägt. Hier steht oft die Grunderkrankung (z.B. Schlaganfall oder Herzschwäche) im Vordergrund.

Achtung

Komplikationen, die durch die Atemaussetzer im Schlaf entstehen, betreffen vor allem das Herz-Kreislauf-System: Ein erhöhtes Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko ist mit Schlafapnoe verbunden. Auch die Unfallgefahr ist durch die Konzentrationsschwäche und Müdigkeit massiv erhöht.

Diagnose bei Atemaussetzern im Schlaf

Untersuchungen im Überblick

Eine gute und gezielte Diagnose ist wichtig, um Betroffenen helfen zu können.

Wenn man mit dem Verdacht einer Schlafapnoe zum Arzt geht, wird in erster Linie eine detaillierte Anamnese – also eine Befragung zur Krankheitsgeschichte – durchgeführt. Dabei werden Fragen zur aktuellen Symptomatik (Beginn, Dauer, Beeinträchtigung, Folgen,…), genauso wie zu Begleiterkrankungen, Voroperationen, dem familiären, sozialen und beruflichen Umfeld, Medikamenten-Einnahme, Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum und Ess-, Schlaf-, Harn- und Stuhl-Gewohnheiten gefragt.

Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der vor allem auf den Allgemein- und Ernährungszustand, allgemeine Risikofaktoren (z.B. Bluthochdruck) sowie die Atemwege geachtet wird. Ein spezieller Fragebogen kann ebenfalls wichtige Hinweise liefern. Falls in der Anamnese und Untersuchung typische Befunde, wie Übergewicht, verengter Rachenbereich, subjektive Erzählungen über schlechten Schlaf, Schnarchen, Tagesmüdigkeit und erschwerte Alltagsbewältigung auffallen, sollte eine weiterführende Diagnostik („Schlafapnoe-Screening“) angeschlossen werden.

Als ersten Schritt wird eine „ambulante Polygraphie“ durchgeführt. Dazu wird PatientenInnen ein Gerät für zuhause mitgegeben, dass sie vor dem Zu-Bett-Gehen selbst anbringen sollen. Das Gerät soll an festgelegten Punkten am Körper befestigt werden. Für gewöhnlich wird das Gerät am nächsten Tag zur Auswertung an den Arzt/die Ärztin zurückgegeben. Damit können unter anderem Atemfluss, Schnarchgeräusche und Kreislauf-Werte während des Schlafens ermittelt werden.

Natürlich erfolgt beim ärztlichen Vorgespräch eine genaue Einschulung und angepasste Voreinstellung des Geräts. Äußerst wichtig ist, dass die Polygraphie unter „Normalumstand“ durchgeführt werden soll. Das heißt, dass Patienten den gewohnten Alkohol-, Nikotin- und Medikamentenkonsum beibehalten sollen, um das Ergebnis möglichst nah am Alltag orientieren zu können.

Bei auffälligem Befund wird eine Polysomnographie angeschlossen. Dafür müssen Betroffene eine Nacht in speziellen Kliniken im sogenannten Schlaflabor verbringen, während ihre Schlafgewohnheiten mit verschiedenen Messverfahren aufgenommen werden. Hier können zusätzlich die Bewegungen im Schlaf, die Hirnaktivität und die Unterscheidung zwischen obstruktiver und zentraler Schlafapnoe durchgeführt werden. Das ist für die Therapieentscheidung unumgänglich!

Therapie bei Atemaussetzern im Schlaf

Die Therapie wird je nach PatientIn entschieden. Es gibt konservative, apparative und operative Verfahren, die auch in Kombination gute Erfolge erzielen.

In erster Linie soll eine Lifestyle-Modifikation durchgeführt werden: Das Erreichen und Halten von Normalgewicht, passende Voraussetzungen für einen guten Schlaf (leichte Kost, angenehmes Bett, Seitenlage,…) und Verzicht von Alkohol, Nikotin und Schlafmedikamenten können eine große Verbesserung erzielen.

Falls der Leidensdruck sehr hoch ist oder die Lebensstiländerung nicht ausreichende Erfolge erzielt, wird als nächster Schritt eine kontinuierliche Nasenbeatmung in der Nacht empfohlen. Dafür gibt es spezielle Beatmungsgeräte mit Nasen- oder Vollgesichtsmasken.

Bei manchen Patienten kann das Problem der Atempausen im Schlaf auch darin liegen, dass das Unterkiefer „zurückfällt“ und der Atemweg damit verschlossen wird. Hierfür gibt es spezielle Kunststoffformen, die jede Nacht angelegt werden um ein Zurücksinken des Unterkiefers zu verhindern.

Zu den chirurgischen Verfahren zählen vor allem HNO-spezifische Operationen: je nach Ursache werden zum Beispiel übergroßen Tonsillen (deutsch: „Mandeln“) oder Polypen entfernt oder eine schiefe Nasenwand geradegestellt. Weitere, spezielle, größere Operationen werden nur in ganz seltenen Situationen gebraucht.

Bei der zentralen Schlafapnoe steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund!

Hinweis

Eine regelmäßige Nachsorge beim behandelten Arzt wird bei allen PatientenInnen unabhängig von Art der Erkrankung und Therapie-Form dringend empfohlen!

Prognose bei Atemaussetzern im Schlaf

Ohne Behandlung ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch das Schlafapnoesyndrom massiv erhöht. Bei schweren Formen steigt das Sterberisiko durch Herzinfarkt, Schlaganfälle und Unfälle wegen Tagesmüdigkeit erheblich an.

Eine konsequente Therapie senkt nachweislich den Blutdruck und das Überlebensrisiko.

Vorbeugung und Haushaltsmittel bei Atemaussetzern im Schlaf

Das Achten auf einen gesunden Lebensstil und eine gute Schlafhygiene sind das A und O der Behandlung einer Schlafapnoe.

Das Einhalten von Normalgewicht sowie der Verzicht auf Alkohol, Nikotin, illegale Drogen und Schlafmittel sind die wichtigsten Voraussetzungen für einen gesunden Schlaf. Dazu kommt die richtige Schlafhygiene: Vermeiden von üppigen Mahlzeiten, körperliche und geistige Arbeiten und künstlichen Licht, das Einhalten von Schlafritualen und einem geeigneten Schlafrhythmus sowie das Schaffen einer passenden Schlafumgebung (angenehme Unterlage, dunkler, kühler Raum,…) helfen nachweislich.

Zusammenfassung

Atemaussetzer im Schlaf (medizinisch: „Schlafapnoe“) werden vor allem durch Verschlüsse des Atemwegs im oberen Atemtrakt verursacht, wenn die Schlundmuskeln während des Schlafens erschlaffen und „zurückfallen“ – nur selten kommt die zentrale Schlafapnoe (durch eine Schädigung des Gehirns) vor.

Atemaussetzer stören den gesunden Schlaf und erzeugen Symptome wie Schnarchen, Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Konzentrationsschwäche oder depressive Verstimmung auftreten.

Da es einige Lifestyle-Risikofaktoren gibt (Rauchen, Alkohol-, Drogen- und Schlafmittelkonsum, Übergewicht, Rückenlage beim Schlafen) sollte als erster Therapieschritt Lebensstil-Modifikationen durchgeführt werden, danach wird üblicherweise auf ein nächtliches Beatmungsgerät zurückgegriffen, dass gute Erfolge in Hinblick auf das Komplikationsrisiko (Herzkreislauferkrankungen und Unfälle) erzielt.

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