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Bluthochdruck bei Frauen in den Wechseljahren

Profilbild von Justus Schumacher Geschrieben von Justus Schumacher

Die Wechseljahre sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, in welcher es zu einer Vielzahl von körperlichen und hormonellen Veränderungen kommt. Diese Veränderungen können jedoch zu gesundheitlichen Beschwerden wie allen voran Bluthochdruck führen.

Deswegen ist es von großer Wichtigkeit regelmäßig seinen Körper in den Wechseljahren untersuchen zu lassen und seinen Lebenstil dahingehend anzupassen.

Wie beeinflussen Hormone und die Wechseljahre den Bluthochdruck?

Ein zu hoher Blutdruck ist häufig tückisch, da man ihn erst spürt, wenn die Werte deutlich erhöht sind. Erst dann treten Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Ohrensausen, Schlafstörungen oder Nasenbluten auf. In jungen Jahren sind Frauen deutlich seltener von Bluthochdruck betroffen als Männer. In den Wechseljahren kann sich dies jedoch sehr schnell ändern. Mehr als die Hälfte der Frauen entwickelt in den ersten Jahren nach der Menopause einen Bluthochdruck. Der Grund dafür liegt darin, dass Frauen von der Pubertät bis zu den Wechseljahren einen hohen Östrogenspiegel haben. In den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt jedoch deutlich. Die Östrogenproduktion in den Eierstöcken fällt signifikant ab und der Östrogenspiegel sinkt.

Das Östrogen spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Flexibilität und Funktion von Blutgefäßen, sodass eine Abnahme des Spiegels dazu führt, dass die Blutgefäße an Elastizität verlieren. Die Blutdrucksenkende Wirkung und somit eine Schutzwirkung gegen Herz-Kreislauf Erkrankungen, kommt dadurch zum erliegen. Des Weiteren kommt es auch zum Anstieg des sonst als "männlich" assoziierten Hormons Testosteron. Die Dominanz des Östrogens über das Testosteron aus den Jahren vor der Menopause fällt weg und durch eine Überrepräsentation des Testosterons neigen Frauen verstärkt dazu, in der Bauchregion Fett einzulagern. Dieses Bauchfett produziert wiederum hormone, die zum einen den Appetit anregen und einen Blutdruckanstieg bewirken.

Zusätzlich zu den hormonellen Veränderungen muss auch der Aspekt des Alterns berücksichtigt werden. Im Durchschnitt kommen Frauen mit Anfang 50 in die Wechseljahre. Zu diesem Zeitpunkt macht der weibliche Körper auch viele andere altersbedingte Veränderungen durch.

Dazu gehören unter anderem eine gesteigerte Salzempfindlichkeit, häufig eine geringere körperliche Aktivität und eine veränderte Ernährung mit mehr Koffein und anderen Lebensmitteln, welche in Verbindung mit Bluthochdruck gebracht werden können. All diese Veränderungen und Symptome der Wechseljahre können zusätzlich auch eine psychische Belastung für die betroffenen Frauen darstellen und Stress, sowie Ängste auslösen.

Beispeilsweise können eine Frustration über die Gewichtszunahme, ein gestörter Schlafrhythmus aufgrund von nächtlichen Schweißausbrüchen und emotionale Verstimmungen allesamt weitere Risikofaktoren für einen Anstieg des Blutdrucks darstellen und sollten bei der Behandlung, beziehungsweise Lebensstilanspassung mit respektiert und ernst genommen werden .

Wie hoch darf der Blutdruck in den Wechseljahren sein?

Im Alltag und in Hausarztpraxen hört man häufig, dass nur ein Blutdruck von systolisch 120 zu diastolisch 80 mmHg normal sei. Dies gilt grundsätzlich für Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren. Je nach Alter und Geschlecht gibt es jedoch leichte Abweichungen bezüglich der Blutdruckwerte, die als normal eingeordnet werden sollten.

Dementsprechend kann man die Werte auch unter Rücksichtnahme der Wechseljahre als Normal einordnen. Nachfolgend eine Übersicht über die Werte die bei Frauen in Bezug zu Ihrem alter als annährend "normal" anzusehen sind.

  • 20 bis 29 Jahre: 119/75 mmHg (Diastolisch/Systolisch)
  • 30 bis 39 Jahre: 122/78 mmHg (Diastolisch/Systolisch)
  • 40 bis 49 Jahre: 130/82 mmHg (Diastolisch/Systolisch)
  • 50 bis 59 Jahre: 143/86 mmHg (Diastolisch/Systolisch)
  • 60 bis 69 Jahre: 153/86 mmHg (Diastolisch/Systolisch)
  • 70 bis 79 Jahre: 155/83 mmHg (Diastolisch/Systolisch)

Diese Werte geben eine Übersicht über den Einfluss der Wechseljahre auf den Blutdruck und darüber was bei Frauen in einem bestimmten Alter als normal anzusehen ist.

Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass die Blutdruckänderung bei jeder Frau unterschiedlich sind und dass es auch zu einer Ausbildung von Symptomen in diesem "normalen" Bereich kommen kann. Dies sollte dann immer mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Wie unterscheidet man die Symptome der Wechseljahre von Bluthochdruck?

Sowohl die Wechseljahre als auch Bluthochdruck gehen beide mit vielen Symptomen einher, an denen viele Patienten leiden können. Während Patienten, die von Bluthochdruck betroffen sind, hauptsächlich von Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, einer generellen Schwäche, aber auch Herzklopfen und Herzrasen betroffen sind, sind die typischen Symptome der Wechseljahre etwas spezifischer.

Bis zu 85% der Frauen in den Wechseljahren berichten von Hitzewallungen, welche vermutlich auf eine gestörte Thermoregulation in Verbindung mit Schwankungen der Östrogenproduktion entstehen. Durch die Abnahme der Östrogenaktivität kommt es zudem zu einer Verkürzung der Tiefschlafphase, welche in Kombination mit den Schweißausbrüchen oftmals zu Schlafstörungen und daraus resultierender Müdigkeit führen können. Östrogene haben grundsätzlich eine stimmungsaufhellende Wirkung und aktivieren das zentrale Nervensystem, sodass eine Folge der Wechseljahre auch psychische Beschwerden wie depressive Verstimmung , Reizbarkeit und Nervosität sein kann. Häufig resultiert dies in Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit.

Eine große Rolle bei der Entwicklung dieser psychischen Probleme spielen neben den Hormonen aber auch äußere Lebensumstände und Einflussfaktoren, welche sich auf die Psyche der Frauen auswirken können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Symptome infolge der hormonellen Veränderung sowie der Lebensumstandsänderungen bei Frauen nach der Menopause häufig förderlich auf die Ausbildung des Bluthochdrucks und seiner Symptome wirken. Es kann grade mit Blick auf die psychischen Beschwerden schnell zu einer Art Teufelskreislauf kommen, welchen man mit dem Arzt gemeinsam angehen und diskutieren sollte.

Welche Rolle spielt die Hormon-Ersatztherapie bei Bluthochdruck?

Bei der Hormonersatztherapie (HRT) wird der in den Wechseljahren entstehende Hormonmangel durch Medikamente künstlich ausgeglichen. Die Wirkung der HRT in Bezug auf den Bluthochdruck ist umstritten.

Neue Studien belegen, dass die Hormonersatztherapie bei postmenopausalen Frauen mit normalem oder leicht erhöhtem Blutdruck eine neutrale oder positive Wirkung haben. Bei Frauen, die bereits unter Bluthochdruck leiden sind die positven Ergebnisse nicht hinreichend belegt. Unter der Therapie zeigte sich jedoch nachweislich ein erhöhtes Thromboserisiko. Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass eine Hormonersatztherapie gemeinsam mit dem Arzt unbedingt hinsichtlich der persönlichen Nutzen und Risiken eingeordnet werden sollte.

Tipps um Bluthochdruck in den Wechseljahren in den Griff zu bekommen

Wenn im Rahmen der ärztlichen Untersuchung erhöhte Werte festgestellt werden, ist es nicht immer direkt nötig, Medikamente einzunehmen. Oftmals genügt es, seine Lebensweise etwas anzupassen und gegebenenfalls regelmäßige körperliche Untersuchungen durchzuführen.

Bluthochdruck regelmäßig messen

Aufgrund des zuvor aufgeführten Zusammenhangs zwischen Bluthochdruck und den Wechseljahren wird Frauen ab 45 empfohlen, bei jedem Arztbesuch den Blutdruck regelmäßig untersuchen zu lassen. Wenn in den Wechseljahren Symptome des Bluthochdrucks feststellt werden, kann es ebenfalls ratsam sein, auch zu Hause häufiger mal den Blutdruck zu bestimmen, um gegebenenfalls rechtzeitig eine Therapie einzuleiten.

In Bewegung bleiben

Im Vordergrund der Änderung des Lebensstils sollte eine vermehrte Bewegung stehen. Durch eine regelmäßige körperliche Aktivität werden die Blutgefäße trainiert und sie lernen, sich je nach Bedarf des Körpers anzupassen. Folglich sinken die Blutdruckwerte ab.

In Studien zeigte sich, dass bereits tägliches Spazieren gehen von 30 Minuten den Blutdruck um bis zu 8 mmHg senken kann. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen oder Radfahren können dabei noch effektiver sein, sollten bei längerer Pause jedoch zuvor vorsichtshalber mit einem Arzt abgeklärt werden.

Gesund ernähren

Die richtige Ernährung kann ein wichtiger Faktor bei der Therapie des Bluthochdrucks in den Wechseljahren sein. Eine ausgewogene Kost mit vielen frischem Obst und Gemüse, sowie Vollkornprodukten und hochwertigen pflanzlichen Ölen ist von enormem Vorteil. Sie hilft, die Entstehung des vermehrten Bauchfetts und dessen fördernde Wirkung auf den Blutdruck zu verhindern. Ebenfalls ratsam ist eine salzarme Ernährung, um dessen steigernden Effekt auf den Blutdruck zu entgehen. Selbiges gilt auch für Alkohol und Rauchen, deren Belastung auf das Herz-Kreislauf-System spielt nachgewiesener Weise einen wichtigen Faktor in der Entstehung des Bluthochdrucks.

Stress kontrollieren

Eine Bewältigung des Stress-Levels kann ebenfalls von großer Wichtigkeit sein, um den Blutdruck zu senken. Wenn der Körper unter Strom steht, produziert er ein Übermaß an Stresshormonen, die das Herz-Kreislauf-System stark belasten.

Helfen können dabei Entspannungstechniken wie Meditation oder autogenes Training, aber auch ein "auspowern" mit Sport oder andere Methoden, die individuell von dem persönlichen Stress ablenken.

Wann zum Arzt?

Da Bluthochdruck in den anfänglichen Stadien selten Symptome zeigt, sollte jede Frau in den Wechseljahren oder ab 45 Jahren routinemäßig beim Arzt den Blutdruck regelmäig bestimmen lassen. Spätestens wenn es zur Ausbildung der für Bluthochdruck charakteristischen Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit etc. kommt, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um diese Symptome abklären zu lassen.

Letzte Änderung: 30. November 2023

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