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Nanofett-Stammzellentransplantation bei Arthrose

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Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka

Über Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka:

Professor Dr. med. Dr. h. c. Joachim Grifka ist ein weltweit renommierter Experte auf dem Gebiet der Orthopädie. Seit dem Jahr 2000 ist er Lehrstuhlinhaber für Orthopädie an der Universität Regensburg und Direktor der Klinik für Orthopädie der Universität Regensburg im Asklepios Klinikum Bad Abbach.

Von 2001 bis 2008 war er als Vertreter der Bundesärztekammer im Gemeinsamen Bundesausschuss tätig. Seit 2010 ist er Mitglied in der renommierten Deutschen Akademie der Naturforscher, Leopoldina. Durch seine wegweisende Forschung hat Professor Dr. med. Dr. h. c. Joachim Grifka bedeutende Fortschritte auf dem Gebiet der Orthopädie, insbesondere in der Arthroseforschung, erzielt.

Für seine herausragende Expertise wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen geehrt, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sein Einsatz für die Weiterentwicklung der Orthopädie und seine bahnbrechende Forschung machen ihn zu einer führenden Persönlichkeit auf seinem Fachgebiet.

Sie sind in Deutschland führend mit der Anwendung von Nanofett-Stammzellen in der Arthrosebehandlung. Wie ist der Wirkmechanismus der Nanofett-Stammzellen bei Arthrose? Können Sie den Knorpel wieder aufbauen?

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Das Filtrat des Fettgewebes mit den Stammzellen wirkt antiinflammatorisch. Bei Arthrose liegt immer ein Reizzustand des Kniegelenkes vor. Die Synovialis ist verdickt und produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit, was klinisch zur Gelenkschwellung, Überwärmung aufgrund der Mehrdurchblutung und teilweise auch zur Rötung führt, insbesondere nach vermehrter Gelenkbeanspruchung. Die Nanofett-Stammzellentransplantation mit anderen humoralen Faktoren des Suspensates wirkt gegen diese entzündlichen Veränderungen. Es ist ganz erstaunlich, dass dieser Effekt in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle langanhaltend ist. Es findet also keinerlei Veränderung im Bereich des Knorpels und bei den arthrotischen Destruktionen des Gelenkes statt, aber die Betroffenen sind in ihrer Beschwerdesymptomatik deutlich gelindert oder auch ganz beschwerdefrei.

Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit eine Nanofett-Stammzellentransplantation durchgeführt werden kann?

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Es geht darum, dass die Gelenkmechanik möglichst gut ist. Bei einem Gelenk, das instabil ist oder beispielsweise einem ausgeprägten O- oder X-Bein findet immer eine ungünstige Mehrbelastung oder konstante Reizung statt. Deswegen bin ich in solchen Fällen zurückhaltend. Wir haben allerdings auch Patienten, die ausgeprägte Gelenkarthrosen haben und bei denen aus verschiedenen Gründen keine Prothese eingesetzt werden kann, so beispielsweise bei systemischen Erkrankungen mit ausgeprägtem Muskeldefizit und Koordinationsstörungen, mit einer Nanofett-Stammzellentransplantation versorgt. Weil es keine akzeptable, herkünftige Behandlungsmethode gibt, habe ich auch in solchen Fällen die Nanofett Stammzellentransplantation angewendet und erstaunlich gute Resultate über einige Jahre erzielt, die ich nicht erwartet hätte. So kann beispielsweise ein Patient mit angeborener Muskeldystropie und Instabilität beider Kniegelenke nach dem Eingriff wieder längere Strecken gehen und ohne Beschwerden Treppensteigen. Das sind aber nicht unsere Standardversorgungsfälle.

Inwieweit kann die Stammzellentherapie in Zukunft einschneidendere chirurgische Eingriffe bei Arthrose ersetzen?

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Mit diesem Behandlungsverfahren haben wir eine zusätzliche Alternative, mit der man zumindest Zeit gewinnen kann. Viele Menschen bekommen Injektionen als „Knorpeltherapie“. Solche Verfahren sind sehr limitiert. Jeder kann sich vorstellen, dass eine „Knorpeltherapie“ nur bei noch vorhandenem Knorpel sinnvoll sein kann, nicht aber, wenn der Knorpel aufgenutzt ist und stellenweise Knochen auf Knochen scheuert. Knorpel kann nur dann ernährt werden, wenn es noch Knorpel gibt. Gerade in solchen Fällen bietet die Nanofett-Stammzellentransplantation eine gute Therapiealternative.

Wie geht das Verfahren praktisch vor sich?

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Wir sind eine der wenigen Kliniken, die eine behördliche Genehmigung für die Nanofett-Stammzellentransplantation hat. Nach europäischen Vorgaben ist es nicht erlaubt, das Fett abzusaugen, beispielsweise im Bauchbereich oder im Bereich der Oberschenkel und dann zu zentrifugieren. Damit muss das Gewebssuspensat außerhalb des OP-Tisches aufbereitet werden. Der Anwender wird zum Arzneimittelhersteller. Wir wenden eine Technik an, die bei plastischen Chirurgen üblich ist. Das Fettgewebe wird abgesaugt und direkt am OP-Tisch durch verschiedene Filter gereinigt, sodass feste Partikel ausgesondert werden und im Überstand Wachstumsfaktoren und eben die entzündungshemmenden Substanzen sind. Je nach Größe des Gelenkes erfolgt dann die Transplantation verschiedener Volumina unter Ultraschallkontrolle in das Fettgewebe der Schleimhaut und beispielsweise im Kniegelenk in den Hoffa-Fettkörper. An anderen Gelenken, beispielsweise im Daumensattelgelenk bei der so häufigen Rhizarthrose erfolgt die Applikation unter sonographischer Kontrolle in das Schleimhautfettgewebe und das periartikuläre Fett.

Wie lange muss ein Patient im Krankenhaus bleiben und wird dieses Verfahren von den Krankenkassen übernommen?

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Die Durchführung erfolgt ambulant. Da das Verfahren nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen ist, empfehle ich Patienten, die Übernahme der Kosten zu beantragen. Die Zusagen von Krankenkassen sind ganz unterschiedlich. Mir scheint, es liegt zum Teil an den Krankenkassen, zum Teil an den Sachbearbeitern, ob die Kosten übernommen werden.

Gibt es noch andere Indikationen für die Nanofettstammzellentransplantation?

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Ja, der Effekt der Nanofett-Stammzellentransplantation kann auch im Bereich von Vernarbungen genutzt werden, um diese Bereiche zu unterpolstern und unempfindlicher zu machen

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