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Schnarchen verhindern

Profilbild von Inga Jerrentrup Geschrieben von Inga Jerrentrup
Mann schnarcht im Bett und Frau hält sich die Ohren zu.

Viele Paare kennen das Problem: Sobald der Partner fest eingeschlafen ist, ist an das eigene Einschlafen nicht länger zu denken, denn die nächtliche Ruhe und damit der erholsame Schlaf wird durch das laute Schnarchen des Partners gestört.

Das Schnarchen kann Lautstärken von bis zu 90 dB annehmen und ist damit vergleichbar mit dem Geräuschpegel eines Presslufthammers.

Nicht selten stellt dies die Ursache für Beziehungsprobleme und getrennte Schlafzimmer dar. Doch muss das wirklich sein - oder gibt es einfache Mittel, mit denen das Schnarchen bekämpft werden kann?

Was versteht man unter Schnarchen?

Schnarchen, im medizinischen Fachjargon auch als Rhonchopathie bezeichnet, beschreibt ein knatterndes Atemgeräusch eines Schlafenden, welches meist ohne Krankheitswert zu bewerten ist. Dem Atemgeräusch liegt meist eine Enge der oberen Atemwege zu Grunde, die verschiedene Ursachen haben kann.

Männer sind vom Schnarchen häufiger betroffen als Frauen: Mit zunehmendem Alter schnarchen bis zu 60% der Männer, bei Frauen sind dies nur 40%.

Häufige Ursachen von Schnarchen

Die häufigsten Faktoren

Eine genaue Ursache des Schnarchens ausfindig zu machen ist meist schwierig, da häufig mehrere Faktoren zusammenkommen.

Grundsätzlich steckt hinter dem störenden Atemgeräusch eine Enge der oberen Atemwege, meist liegt das Problem dabei im Bereich des Mundrachens (Oropharynx). Dieser erstreckt sich vom weichen Gaumen bis zum Kehldeckel. Kommt es in diesem Bereich zu einer Engstelle, zunächst unabhängig von der Ursache, ändern sich die Strömungsgeschwindigkeiten.

Dies kann dazu führen, dass das Gaumensegel in Schwingung versetzt wird und zu vibrieren beginnt, was sich schließlich als Schnarchgeräusch präsentiert. Dies ist besonders häufig der Fall, wenn zusätzlich zu der Enge der Atemwege Faktoren eine Rolle spielen, die zu einer Erweichung des Bindegewebes und der Muskulatur und damit des Gaumensegels führen.

Eine den Atemstrom abbremsende Einengung der Atemwege kann zum Beispiel entstehen, wenn es zu einer Vergrößerung der Gaumen-, Zungengrund- oder Rachenmandeln kommt.

Dies ist vor allem bei Kindern der Fall, welche aufgrund der zahlreichen Atemwegsinfekte, die sie im Kleinkindalter durchlaufen, häufig vergrößerte Mandeln haben.

Aber auch Erwachsene können von Vergrößerungen der Mandeln betroffen sein, sodass es zum Schnarchen kommt.

Auch andere anatomische Veränderungen des Atemwegs können ursächlich sein, unter anderem zählen dazu vergrößerte Nasenmuscheln oder eine Verbiegung der Nasenscheidewand.

Das schnarchende Atemgeräusch tritt gehäuft in Verbindung mit Infekten der oberen Atemwege auf: Im Rahmen des Infekts kommt es zum Anschwellen der Nasenschleimhaut, sodass auch durch diesen Umstand eine Einengung des Atemwegs erfolgt.

Ähnliches gilt für das Anschwellen der Nasenschleimhaut im Rahmen einer Allergie.

Eine Erweichung des Bindegewebes und eine Schwäche der Muskulatur, wie sie zum Beispiel physiologisch mit zunehmendem Alter auftreten, stellen das Schnarchen verstärkende Faktoren dar.

Alkoholkonsum und der Gebrauch von Schlafmitteln führen ebenso zu einem verstärkten Erschlaffen der Muskulatur, sodass der Verzicht auf diese Substanzen bereits eine erste Verbesserung der Symptomatik bringen kann.

Bei den meisten Betroffenen ist das Auftreten des Schnarchens abhängig von der Körperposition beim Schlafen: Vor allem in Rückenlage, wenn es gegebenenfalls zu einem Zurückfallen der Zunge kommt, wird der Atemweg eingeengt und das Schnarchen tritt auf.

Ein Lagewechsel während des Schlafs, zum Beispiel das Einnehmen der Seitenlage, kann in diesen Fällen bereits Abhilfe schaffen.

Ist Schnarchen gefährlich?

Man unterscheidet das Stadium des zunächst ungefährlichen, kompensierten Schnarchens von dem des obstruktiven Schnarchens, wenn es aufgrund des eingeschränkten Atemflusses zu einer Verminderung der Sauerstoffversorgung kommt.

In Folge der eingeschränkten Sauerstoffversorgung kann es zu einer stark verminderten Schlafqualität mit daraus resultierender Tagesmüdigkeit und Abgeschlagenheit mit Konzentrationsstörungen kommen.

Studien zufolge geht das obstruktive Schnarchen mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten eines erhöhten Blutdrucks, sowie von Schlaganfall und Herzinfarkt einher.

Es sollte daher bei ausgeprägtem Schnarchen, vor allem wenn begleitende einschränkende Symptome im Laufe des Tages auftreten, eine diagnostische Abklärung erfolgen, um ein sogenanntes obstruktives Schlafapnoe-Syndrom auszuschließen. Dabei handelt es sich um eine extreme Ausprägung des obstruktiven Schnarchens, welche mit Atemaussetzern einhergeht.

Was hilft gegen Schnarchen?

Da vor allem lautes Schnarchen zu einer starken Belastung des Betroffenen und auch des Partners führen kann, suchen viele Betroffene nach möglichst einfachen Mitteln, um das störende nächtliche Atemgeräusch zu unterbinden. Doch wie kann man Schnarchen verhindern?

Viele Betroffene wenden sich dabei zunächst an den Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der die Möglichkeit hat, die ursächlichen Faktoren des Schnarchens ausfindig zu machen, zum Beispiel die genaue Lokalisation der den Atemfluss einschränkenden Engstelle.

Therapieansätze

Aufgrund der großen Anzahl der Betroffenen existieren zahlreiche mögliche Ansätze: von einfachen Verhaltensregeln, mit denen selbst gegen das Schnarchen vorgegangen werden kann, über diverse Hilfsmittel bis hin zu operativen Eingriffen.

Zu den einfachen Verhaltensregeln zählen unter anderem das Vermeiden von Schlafmitteln, sowie eine vor allem abendliche Alkohol- und Nikotinkarenz. Bei starker Adipositas zeigt eine Gewichtsreduktion häufig positive Ergebnisse, da auch überschüssiges Fettgewebe im Nasen-/Rachenbereich zu einer Einengung der Atemwege führen kann.

Es sollte eine Anpassung der Schlafposition erfolgen: Bei vielen Betroffenen tritt das Schnarchen vor allem in Rückenlage auf, sodass eine Seitlagerung häufig eine Besserung mit sich bringt. Auch eine geringfügige Oberkörperhochlagerung kann Abhilfe schaffen, wobei es bei zu starker Hochlagerung zu einem Abknicken des Atemwegs kommen kann. In diesem Fall müssen Betroffene verschiedene Positionen ausprobieren und einen möglichst angenehmen Mittelweg für sich selbst finden.

Bei allergisch bedingter Nasenschleimhautschwellung sollten Allergieauslöser, wie zum Beispiel Hausstaub oder Tierhaare, vermieden werden oder gegebenenfalls anti-allergische Medikamente eingenommen werden.

Es können so genannte Nasendilatatoren zum Einsatz kommen, wenn das Schnarchen auf einer Enge im Bereich der Nase beruht. Diese erweitern, wie der Name vermuten lässt, die Nasenatemwege und können somit den Atemstrom erleichtern.

Es besteht in einigen Fällen die Möglichkeit, das Schnarchen mit Hilfe einer Zahnschiene zu behandeln, die dazu führen soll, dass der Unterkiefer während des Schlafs nach vorne geschoben wird, sodass es zu einer Erweiterung des Rachenraums kommt.

Ob Betroffene von diesem Therapieansatz profitieren könnten sollte vorher von einem erfahrenen Zahnarzt untersucht werden. Auch während der Therapie sollte eine regelmäßige Kontrolluntersuchung erfolgen, um gegebenenfalls auftretende Veränderungen der Zahnstellung frühzeitig zu bemerken.

Spezielle Schnarchspangen, welche in den Mundraum eingeführt werden können, verfolgen eine andere Strategie, um das Schnarchen zu reduzieren: Sie sollen zu einer Fixation des weichen Gaumens führen, sodass dieser nicht so leicht in Schwingung versetzt werden kann.

Zu den operativen Therapiemöglichkeiten zählen mehrere Eingriffe, die meist mit einer Straffung oder teilweisen Entfernung des weichen Gaumens oder des Zäpfchens einhergehen, um eine Erweiterung des Rachenraumes herbeizuführen.

Dies kann klassisch operativ oder mit Hilfe eines Lasers erfolgen. Moderne Verfahren, wie zum Beispiel die Radiofrequenztherapie, nutzen eine geringere Hitzeeinwirkung, um das Gaumensegel zu schrumpfen, sodass sie häufig mit weniger Nebenwirkungen und Beschwerden einhergehen.

Bei anatomischen Veränderungen, wie zum Beispiel bei starker Verkrümmung der Nasenscheidewand, kann eine operative Korrektur erfolgen.

Da es sich beim Schnarchen zunächst nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne handelt, sollten vor allem operative Eingriffe zurückhaltend eingesetzt werden, da häufig nicht sicher von einer Besserung der Symptomatik ausgegangen werden kann und die Ergebnisse meist irreversibel sind.

Letzte Änderung: 24. Oktober 2022

Quellen

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