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Verlustangst: Wie die Symptome dich beeinflussen!

Ein gewisses Maß an Verlustangst ist völlig normal und sogar gesund. Wer hat schon keine Angst ein geliebtes Familienmitglied oder den Partner/die Partnerin zu verlieren? Der Mensch braucht menschliche Bindungen, um zu überleben und tut deswegen auch alles dafür diese aufrecht zu erhalten.

Hinweis

Krankhaft wird die Verlustangst erst, wenn sie Dein Leben vollkommen bestimmt, Dich, oder Menschen in deinem Umfeld belastet, oder Dich in deinem Alltag einschränkt.

Evolutionär gesehen sind Verlustängste im Baby- und Kindesalter sogar überlebenswichtig. Babys spüren und wissen, dass sie ohne ihre Eltern gar nicht überlebensfähig sind und suchen deswegen Kontakt zu ihnen. Der Verlust ihrer Bezugspersonen stellt für sie also eine Bedrohung des Überlebens dar. Wird der Kontakt abgebrochen schreien sie und alarmieren so das Bindungssystem der Bezugspersonen. Sie beruhigen sich erst, wenn die Beziehung zu den Bezugspersonen wieder hergestellt ist und sie beispielsweise hochgenommen werden. Im Laufe der Entwicklung sollten die Verlustängste weniger werden.

Symptome

Verlustängste zeichnen sich dadurch aus, dass Betroffene Ängste vor dem Verlust eines geliebten Menschen haben. Mit Verlust kann hierbei der Tod, aber eben auch Beziehungsabbruch gemeint sein.

Äußern kann sich die Verlustangst einerseits durch ein großes Kontrollbedürfnis, Klammern in einer Partnerschaft, oder andererseits dadurch, dass sich Betroffene gar nicht auf eine Beziehung einlassen und als „beziehungsunfähig“ abgestempelt werden.

Hinweis

Die Vermeidung von Beziehung kann ein Schutzmechanismus sein, der vor Verlustangst schützen kann.

Verlustängste können sich unterschiedlich zeigen: Ein übermäßig eifersüchtiger Partner, der ständig das Handy seiner geliebten kontrolliert und stets wissen will, wo sie sich befindet. Eine ängstliche Mutter, die ihrem Kind auf dem Spielplatz überall hinterherläuft und nicht mit anderen Kindern spielen lässt.

Ein Jugendlicher, den kurz vor der ersten Klassenfahrt unerklärliche Bauchschmerzen klagen, die mit den Gedanken an die baldige Trennung von den Eltern immer stärker werden.

Ursprung

Wie bei den meisten anderen psychischen Leiden gibt es auch hier nicht den einen Auslöser. Den häufigsten Ursprung von krankhaften Verlustängsten findet sich jedoch in der Kindheit von Betroffenen.

Häufig ist der Grund ein plötzlicher unerwarteter Verlust einer geliebten Person, oder auch eine Bindungsstörung. Bindungsstörungen entstehen, wenn die frühkindlichen Bezugspersonen nicht zuverlässig auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren.

Normalerweise entwickeln Neugeborene in den ersten Monaten ein so genanntes Urvertrauen, welches den Grundstein für gesunde Bindungen im Erwachsenenalter legt. Urvertrauen kann sich entwickeln, wenn die Grundbedürfnisse des Neugeborenen von den Bezugspersonen, meist den Eltern, erfüllt werden. Wenn auf Schreien des Babys mit Empathie reagiert wird, lernt das Baby, dass andere Menschen für es sorgen und es sicher ist.

Hinweis

Dieses Sicherheitsgefühl ist tief in der Psyche des Menschen verankert. Ist dieses Sicherheitsgefühl oder Urvertrauen nicht vorhanden, so kann dieses Gefühl sich im Erwachsenenalter als Verlustangst zeigen.

Verlustangst kann jedoch auch nach einer geborgenen und friedlichen Kindheit entstehen, wenn Menschen im Erwachsenenalter schlechte Erfahrungen machen oder ein Trauma erleben. Der Ursprung des Entstehens einer Verlustangst im Erwachsenenalter könnte beispielsweise ein erheblicher Vertrauensbruch des Partners sein.

Wenn eine Frau nach 10 Jahren Ehe erfährt, dass ihr Ehemann bereits seit mehr als 5 Jahren zweigleisig fährt könnte dies bei der Ehefrau zu Verlustangst führen.

Was kann ich gegen meine Verlustängste tun?

  1. 01
    Selbstbewusstsein aufbauen: Verlustängste gehen meist mit einem niedrigen Selbstbewusstsein einher. Finde deine innere Sicherheit wieder und werde dir darüber bewusst wer du bist. Was macht dich aus? Was macht dich stark? Was hast du bis hier hin schon alles alleine gemeistert? Die meisten Menschen mit Verlustängsten haben Angst allein gar nichts zu schaffen und von anderen abhängig zu sein. Finde wieder zu dir selbst und lerne dich selbst so anzunehmen wie du bist!
  2. 02
    Finde ein Hobby: Ein Hobby kann dazu führen, dass du mehr Selbstbewusstsein erlangst, und bringt dich gleichzeitig auf andere Gedanken. Wenn dich nächstes Mal die Gedankenkreise in ihren Bann ziehen, versuch es doch mal mit einer ausgiebigen Joggingrunde durch den Wald! Vielleicht bist du auch eher die kreative Person und du entdeckst Nähen oder Malen für dich?
  3. 03
    Selbstreflexion: Wissen ist Macht! Um dir deiner eigenen Ängste bewusst zu werden, musst du den Ursprung herausfinden. In welchen Momenten treten deine Verlustängste auf? Was sind deine „Trigger“? Wann traten deine Ängste das erste Mal auf? Ein Tagebuch kann helfen Gedanken zu ordnen und Licht ins Dunkeln zu bringen!
  4. 04
    Hilfe suchen: Wenn du das Gefühl hast deine Verlustängste belasten dich, dann hol dir Hilfe! Sprich mit einer Freundin darüber, oder Such dir professionelle Hilfe bei einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin. Therapeut:innen bieten in der Regel Erstgespräche ohne lange Wartezeiten an.

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