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Social Freezing: Eizelle einfrieren und Kinderplanung verschieben

Profilbild von Dr. med. Nina A.  Herz Geschrieben von Dr. med. Nina A. Herz
Kryokonservierung von Zellen und Gewebe im Stickstofflagertank.

Entstehung

Die Kryokonservierung, also das Einfrieren der weiblichen Eizellen, ist eine Methode, mit dem Ziel das Kinderkriegen auf einen späteren Zeitpunkt zu "verschieben". Der Begriff "Social Freezing" hat, wie der Name vermuten lässt, die Idee das Kinderkriegen für Frauen "Sozial verträglicher" oder "Karriere verträglicher" zu gestalten und der Name wurde von großen Unternehmen wie Facebook und Apple geprägt.

Es kann Frauen ermöglichen ihre Eizellen für eine Schwangerschaft für "später" aufzubewahren. Für einen Zeitpunkt an dem die Wahrscheinlichkeit für eine spontane Schwangerschaft aufgrund der mit dem Alter sinkende Eizellzahl und - qualität ansonsten gering wäre.

Schon länger findet die Methode bei vielen Erkrankungen Anwendung, bei denen eine Einschränkung der Fruchtbarkeit zu erwarten ist, wie bei einer Krebserkrankung mit Chemotherapie.

Hintergrund

Die Fruchtbarkeit sinkt mit zunehmendem Alter bei der Frau deutlich früher als bei den Männer. Schon vom Zeitpunkt der Geburt beginnt die Eizellreserve langsam zu schrumpfen, deutlich schneller ab dem 25 Lebensjahr. Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Eizellen sinkt und damit auch die Wahrscheinlichkeit für eine gesunde Schwangerschaft . Während bei einer 30-jährigen Frau noch jede zweite bis dritte Eizelle für eine Befruchtung geeignet wäre, sinkt die bei einer 40-jährigen Frau bereits auf jede fünfte Eizelle.

In Deutschland ist das Einfrieren der Eizellen in jedem Alter rechtlich erlaubt. 

Die Wahrscheinlichkeit für eine spontane Schwangerschaft bei einer 40-jährigen Frau beträgt pro Zyklus nur noch etwa 5%. Generell gilt: je früher das Social Freezing erfolgt, desto mehr Eizellen können pro Stimulationszyklus gewonnen werden und desto höher ist die Eizellqualität und folglich höher ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft.

Ablauf

Für die Gewinnung der einzufrierenden Eizellen, müssen diese hormonell zur Reifung gebracht werden und das möglichst viele und zur gleichen Zeit. Dies gelingt mit einer Hormontherapie: die Frauen nehmen Hormone ein, um das zu erreichen. Individuell wird entschieden welche Dauer und welche Zusammensetzung diese medikamentöse Stimulation hat. Üblich sind ca. acht bis zwölf Tage tägliche Injektionen mit Hormonspritzen.

Dadurch reifen die Eizellen heran, im Idealfall ca. 30 Stück pro Zyklus - die Anzahl sinkt mit dem Alter. In einer Kurznarkose werden dann mit einem vaginalen Eingriff die reifen Eizellen abpunktiert. Die Eizellen werden dann bei -180 °C schockgefroren mit flüssigem Stickstoff. Empfohlen ist ca. 30-50 Eizellen einzufrieren, je älter die Patientin ist, desto mehr Zyklen sind dafür erforderlich.

Mit dem Einfrieren von dem Gewebe kann die Qualität der Eizellen zum Zeitpunkt der Entnahme erhalten werden und stehen der Frau zu einem späteren Zeitpunkt für eine Schwangerschaft zur Verfügung. Wichtig ist dabei eine hohe Geschwindigkeit des Einfrierens, um Kristallbildung zu vermindern. Diese Technik heit Vitrifikation und hat in den letzten Jahren die Erfolgsrate deutlich erhöht, auf über 80%. Ist der Zeitpunkt gekommen an dem die Frau schwanger werden will, werden die Eizellen aufgetaut und die Befruchtung kann im Labor erfolgen. 

Die Befruchtungwahrscheinlichkeit liegt etwa bei etwas über 60%.Dabei können die Spermien des Partners oder der Samenspende zum Einsatz kommen. Die befruchteten Eizellen reifen dann zu Embryonen heran, von denen dann zwei bis drei in die Gebärmutter der Frau wieder eingesetzt werden können.

Kosten

Wenn für die Behandlung keine medizinische Gründe, wie eine Krebstherapie, bestehen, dann müssen die Kosten in der Regel von der Frau selbst übernommen werden.

Die anfallenden Kosten sind nicht unerheblich: es entstehen Kosten für die Untersuchungen, die Hormonspritzen, die Entnahme, die Lagerung und das Wiedereinsetzten der Eizellen. In der Regel ist beim Sozial Freezing mit Kosten von mehreren Tausend Euro zu rechnen, weshalb die Methode folglich aktuell finanziell Wohlhabenden vorbehalten ist.

Risiken

Jeder der Behandlungsschritte birgt Risiken, auch wenn diese aktuell als relativ gering einzuschätzen werden.

Die Stimulation mit Hormonen wird von den Frauen unterschiedlich gut vertragen und kann in Einzelfällen zu einer Überstimulation mit lebensbedrohlichen Zuständen führen. Häufige Nebenwirkung der Hormonbehandlung sind Hitzewallungen und Schwindel.

Die Stimulationen können den Körper belasten und die Langzeitwirkung, insbesondere bei wiederholten Stimulationen, ist bisher kaum untersucht. Auch birgt jede Narkose und vaginaler Eingriff Risiken. Außerdem steigen die Risiken für Komplikationen einer Schwangerschaft in hohem Alter.

Erfolgsaussichten

Viele Frauen stehen unter großer psychischer Belastung bei dem Versuch ihre Lebenspläne, Karriere und den Kinderwunsch miteinander zu vereinen. Viele Frauen geraten mit jedem Geburtstag stärker unter Druck, in dem Wissen, dass die Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft sinkt.

Der daraus resultierende Stress kann eine erfolgreiche Schwangerschaft zusätzlich erschweren. Durch die Methode des Social Freezings können Frauen ihren Kinderwunsch etwas selbst bestimmter gestalten und erfahren eine Selbstwirksamkeit, die den psychischen Druck nehmen kann.

Kritische Stimmen warnen jedoch davor, dass diese Methode das Planen und Optimieren einer Schwangerschaft und zusätzlichen Druck von Arbeitgebern und der Gesellschaft erzeugen kann. Gegenstimmen betonen, dass die Gleichberechtigung der Frau, insbesondere im Beruf, dadurch entgegengewirkt werden würde.

Bei ca. 10% der Frauen endet die Befruchtung mit eingefrorenen Eizellen in einer erfolgreichen Schwangerschaft.

Bisher geben Studien keinen Hinweis darauf, dass die Kinder aus einer kryokonservierten Eizelle sich von natürlich Kinder aus spontanen Schwangerschaften unterscheiden. Auch scheint die Dauer der Eizelllagerung keinen Einfluss auf den Erfolg der Schwangerschaft zu nehmen.

Die Abschätzung der individuellen Erfolgsaussichten und Risiken sollten von erfahrenen Reproduktionsmedizinern in geeigneten Kinderwunschkliniken eingeschätzt werden.

Letzte Änderung: 28. Oktober 2022

Quellen
  • Bandelow, B. 2008. Kurzlehrbuch Psychiatrie. 1 ed.: Springer.
  • Kaufmann, M. 2013. Die Gynäkologie. 3 ed.: Springer.
  • von Wolff, M. 2013. Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. 1 ed.: Thieme.
  • Wallwiener, D. 2018. Atlas der gynäkologischen Operationen. 8 ed.: Thieme.

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