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Nasenpolypen

Zuletzt evidenzbasiert geprüft am 11. Nov. 2022

Einleitung

Nasenpolypen sind gutartige Wucherung der Nasenschleimhaut. Obwohl man davon ausgeht, dass sie in der Allgemeinbevölkerung relativ häufig vorkommen, gibt es wenig wissenschaftliche Daten, die eine genaue Häufigkeit belegen können. Das Spektrum der Symptome, mit denen sich der Patient bei seinem Mediziner vorstellt, ist relativ groß und reicht von asymptomatischen Verläufen, bis hin zu belastenden Symptomen mit Verschlechterung der Nasenatmung. Nasenpolypen sind meist die Folge einer langanhaltenden chronischen Infektion, aber auch andere Ursachen sind bekannt. Es gibt aktuell keine Standardtherapie und aus heutiger Sicht scheint die Krankheit nicht vollständig heilbar zu sein.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren von Nasenpolypen?

Nasenpolypen sind gutartige (also nicht krebsartige) Wucherungen der Nasenschleimhaut oder der Nasennebenhöhlen, die aufgrund einer chronischen Schleimhautentzündung entstehen. Nasenpolypen entstehen in den Nasennebenhöhlen und verbreiten sich dann in der Nasenhaupthöhle.

Nasenpolypen bestehen aus weichem Bindegewebe, das mit Flüssigkeit gefüllt ist. Oft bilden sich Nasenpolypen in beiden Nasenlöchern. Außerdem können sie eine sehr unterschiedliche Größe haben: Sie können ein paar Millimeter, oder einige Zentimeter groß sein. Wenn die Nasenpolypen etwas größer sind, können diese die Nasenhöhle fast komplett verstopfen und dementsprechend die Atmung durch die Nase behindern.

Hinweis

Wenn die Nase so verstopft ist, dann atmet man bevorzugt durch den Mund, was dann Erregern erlaubt, leichter in die Atemwege einzudringen. Außerdem können Krankheitserreger, durch das Blockieren des Schleims in den Nasenhöhlen, dort leichter Infektionen verursachen, die mit Fieber und Kopfschmerzen auftreten. Diese Infektionen können wiederkehren, wenn man die Nasenpolypen nicht behandelt, und zu Schleimhautschwellungen führen, die die Blockade verschlimmern.

Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Chronische Rhinosinusitis
  • Zystische Fibrose
  • Schmerzmittel Unverträglichkeit

Eine Rhinosinusitis ist eine gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis) und der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen (Sinusitis). 

Schmerzmittelunverträglichkeit: Samter-Trias bezeichnet eine pseudoallergische Empfindlichkeitsreaktion nach der Einnahme von Aspirin oder ähnlicher Medikamente. Die drei Hauptsyndrome sind Asthma, chronische Sinusitis und Nasenpolypen (es handelt sich hierbei nicht um eine echte allergische Reaktion, deshalb "pseudoallergisch", sondern eher um eine Unverträglichkeit).

Zystische Fibrose (auch Mukoviszidose genannt) ist eine Stoffwechselerkrankung, in der Drüsen im Körper anstatt dünnflüssigem Schleim, einen zähen und klebrigen Schleim bilden. Dadurch werden die Drüsen verstopft, was Krankheitserregern immer wieder eine Gelegenheit bietet sich einzunisten und Entzündungen zu verursachen. Dadurch können Organe, die Drüsen haben, wie die Lungen, nicht mehr richtig arbeiten. 

Eine spezielle Form der Nasenpolypen ist der Antrochoanalpolyp. Es handelt sich hierbei um einen isolierten Schleimhautpolypen, der von der Kieferhöhle ausgeht und tiefer in den Rachen gelangt. Die Symptome sind Nasennebenhöhlenentzündungen, sowie einer nasalen Blockade.

Abgrenzen mit man auch die bei Kindern häufig vorkommende Vergrößerung der Rachenmandeln, die im Volksmund häufig auch als Polypen bezeichnet werden. Dieses hat jedoch keinen Zusammenhang zu Polypen der Nase.

Achtung

Ein einseitiger Nasenpolyp sollte jedoch hochgradig verdächtig für eine Krebserkrankung (sinonasales Malignom) sein.

Was sind die Symptome von Nasenpolypen?

Sehr große Polypen können bereits augenscheinlich wahrgenommen werden. Wenn ein Polyp groß genug ist, wächst er durch ein Nasenloch nach außen und ist damit erkennbar. Polypen haben ein längliches Wachstum, dass sich stielförmig aus der Nasenschleimhaut entwickelt.

Hauptsächlich leiden Patienten unter eine eingeschränkte Nasenatmung, und wie bereits erwähnt fällt es einem leichter durch den Mund zu atmen. Dadurch, dass die Nasenhöhlen teilweise verstopft sind, haben Patienten oft das Gefühl eine verstopfte Nase zu haben. Wenn man nicht durch die Nase einatmet, wird die Luft nicht gefiltert und Krankheitserreger können so leichter infizieren. Entzündungen der Nasennebenhöhlen können mit Kopfschmerzen verbunden sein. Es kann auch zu Entzündungen der Atemwege kommen.

Genauer gesagt, können Patienten unter Rachenentzündungen, Kehlkopfentzündungen, oder Entzündungen der Bronchien leiden. Außerdem schnarchen Patienten öfter und können auch unter Schlafstörungen leiden. Patienten, die unter chronischer Rhinosinusitis, oder Erkältungen leiden, können einen retronasalen Schleimfuß bekommen. In dem Fall kommt es zu einer erhöhten Produktion von Schleim, der von der Nase in den hinteren Rachenraum fließt. Generell kann es deshalb bei Erkältungen öfter vorkommen, dass man das Gefühl hat, dass der Hals verstopft ist.

Ein weiteres Symptom ist ein eingeschränktes Riechvermögen. Da unsere Sinne miteinander verbunden sind, ist dann auch der Geschmackssinn beeinträchtigt.

Bei Kindern, die unter Nasenpolypen leiden, treten manchmal Mittelohrentzündungen auf.

Wie werden die Nasenpolypen diagnostiziert?

Manchmal sind Nasenpolypen mit dem bloßen Auge erkennbar. Sind die Polypen sehr klein, dann kann man diese mit einer Rhinoskopie, also einer Nasenspiegelung, erkennen. Bei der Nasenspiegelung handelt es sich um eine Routineuntersuchung, die der Hals-Nasen-Ohren (HNO) Arzt verwendet, um z.B. die Schleimhaut zu untersuchen, und um nach Schwellungen und Polypen zu schauen.

Um sich ein besseres Bild verschaffen zu können, kann der HNO-Arzt Röntgenaufnahmen oder eine Computertomografie veranlassen. So kann man dann feststellen, um wie viele Nasenpolypen es sich handelt, und wo diese genau gelegen sind. Außerdem kann man so Entzündungen in den Nasennebenhöhlen erkennen.

Sind beidseitige, graue oder rosafarbene Polypen sichtbar, so handelt es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um normale, gutartige Nasenpolypen.

Therapie bei Nasenpolypen

Oft verschreibt der Arzt ein kortisonhaltiges Nasenspray, mit dem man die Polypen gut schrumpfen kann. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und umfassen Kortison und Antibiotika.

Es wird vermutet, dass bis zu 50 % der Patienten mit Polypen in den Nasennebenhöhlen einen chirurgischen Eingriff benötigen.

In bestimmten Fällen kann der HNO-Arzt veranlassen, dass die Polypen operativ entfernt werden. Während der Arzt die Polypen entfernt, kann er gleichzeitig auch weitere Schleimhautwucherungen entfernen. So können die Nasennebenhöhlen anschließend wieder frei sein.

Falls die Nasenpolypen durch eine Allergie verursacht werden, dann kann der Arzt Medikamente gegen allergische Reaktionen verschreiben (sogenannte Antihistaminika).

Alle Maßnahmen haben das Ziel, den Atemfluss durch die Nase zu verbessern und dafür zu sorgen, dass Sekret wieder problemlos aus  Nebenhöhlen und Nase abfließen kann.

Wie ist die Prognose von Nasenpolypen?

Falls die Nasenpolypen durch eine Operation entfernt wurden, dann ist es oft üblich, dass der HNO-Arzt ein kortisonhaltiges Nasenspray verschreibt, damit die Polypen nicht noch einmal entstehen. In der Regel ist die Prognose gut, und man kann mit einer Behandlung beim HNO-Arzt dafür sorgen, dass man wieder frei durch die Nase atmen kann. Andere Symptome, die die Polypen begleiten, wie z.B. Kopfschmerzen, oder Nebenhöhlenentzündungen verschwinden dann in der Regel auch.

Allerdings sollte man auch wissen, dass es eine hohe Rückfallquote gibt, die bei 50 % liegt. Dies bedeutet, dass wenn die Polypen z.B. durch Allergien, oder zystische Fibrose verursacht worden sind, es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Polypen auch nach einer Operation wieder entstehen werden. Es wird dennoch empfohlen, die Polypen operativ entfernen zu lassen, da die Mehrheit der Patienten danach einen deutlichen Rückgang ihrer Beschwerden beobachten, und oft verschwinden die Symptome sogar ganz.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei Nasenpolypen

Es ist zwar nicht immer möglich, Nasenpolypen komplett vorzubeugen, jedoch gibt es einige Dinge, die man tun kann, um das Risiko zu vermindern, und begleitenden Symptomen vorzubeugen. So sollten Patienten, deren Nasenpolypen durch Allergien entstehen, versuchen, die Allergieauslöser zu meiden. Es gibt z.B. verschiedene Nahrungsmittelallergien, die die Entstehung von Nasenpolypen fördern können. Hierzu zählen u.a. die Milchallergie und die Glutenunverträglichkeit.

Es kann auch hilfreich sein, entzündungshemmenden Lebensmittel in die tägliche Ernährung einzubauen. Es gibt auch entzündungshemmende Nahrungsergänzungen, wie z.B. Quercetin. Man findet Quercetin in vielen pflanzlichen Lebensmitteln, wie z.B Dill und Spargel. Vitamin A1, auch als Retinol bekannt, wirkt auch entzündungshemmend. Dieses Vitamin findet man z.B. in Karotten und Spinat.

Empfehlungen zur Nachsorge bei Nasenpolypen

Zur Nachbehandlung zählen die kortisonhaltigen Nasensprays. Zudem sollte man die Nase regelmäßig pflegen. Es ist wichtig, dass die Nasenschleimhaut feucht bleibt, damit das Risiko, dass sich Krankheitserreger einnisten können, sinkt. Dies wiederum vermindert das Risiko, das eine Nasennebenhöhlenentzündung entsteht. Man kann dafür sorgen, dass die Schleimhaut feucht bleibt, indem man regelmäßig inhaliert und Salzwasser-Nasenduschen benutzt. Patienten mit nasaler Polyposis leiden häufig unter einer schweren Obstruktion der nasalen Atemwege und tragen nachweislich eine deutlich größere gesundheitliche Belastung als Patienten ohne Polypenerkrankung. Die Nachsorge muss daher auch die allgemeine Gesundheit des Betroffenen erfassen.

Zusammenfassung

Nasenpolypen sind gutartige Wucherungen, die in den Nasennebenhöhlen entstehen, und sich dann in der Nasenhaupthöhle verbreiten. Es gibt verschiedene Risikofaktoren, wie z.B. zystische Fibrose und Allergien. Nasenpolypen sind in der Regel harmlos, jedoch können sie mit der Zeit die Nasenatmung behindern, weshalb man die Polypen operativ entfernen lassen sollte.

Alle unsere medizinischen Inhalte werden regelmäßig überprüft und aktualisiert

  • Aktuelle Version
  • 5. Aug. 2022

Geschrieben von
Natalie Aaron

Medizinisch geprüft am
11. Nov. 2022

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Nein, man kann Nasenpolypen weder sehen, noch ertasten. Der HNO-Arzt kann die Polypen durch eine Nasenspiegelung erkennen.

Leider ist das Risiko hoch, dass sich die Polypen wieder bilden werden, und wachsen in den ersten Jahren nach der Operativen Entfernung wieder nach.

Nasenpolypen sind an und für sich harmlos. Jedoch können sie mit der Zeit zu Schwierigkeiten beim Atmen führen und zu Entzündungen führen. In solchen Fällen wird dazu geraten die Nasenpolypen zu entfernen.

Nasenpolypen können mit der Zeit zu Atembeschwerden und Infektionen führen. Manchmal können diese Infektionen auch dauerhaft sein, wie z.B. bei dem Auftreten von Asthma oder einer chronischen Bronchitis. Zudem sind die wiederkehrenden Infektionen und Entzündungen problematischer da sie dazu führen, dass noch mehr Polypen wachsen.

In manchen Fällen können Nasenpolypen auch gefährlich sein. Wachsen diese nicht nur in den Nasennebenhöhlen, sondern auch im umliegenden Gewebe, so können Entzündungen in den Augenhöhlen, oder im schlimmsten Fall, Entzündungen in der Hirnhaut oder des Gehirns entstehen. Ausserdem kann es gefährlich werden, wenn sich Nasenpolypen ausbreiten, da sie dann Druck auf das Nasengerüst ausüben können, und somit den Augenabstand vergrößern. Deshalb ist es wichtig, dass man den HNO-Arzt aufsucht, wenn es einen Verdacht gibt, dass man Nasenpolypen hat, oder unter einer Nebenhöhlenentzündug leidet.

In sehr seltenen Fällen, können Nasenpolypen bösartig sein. Da Nasenpolypen beidseitig auftreten, sind einseitige Polypen ein erstes Anzeichen, dass es sich eventuell um bösartige Polypen handelt.

Man kann Nasenpolypen schon im Alter von 3 Jahren entfernen lassen.

Nasenpolypen Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Nasenpolypen

Epidemiologie

  • Prävalenz: 4% der Bevölkerung
  • meist nach dem 30. Lebensjahr

Risikofaktoren

  • wiederkehrende Schleimhautentzündung
  • rezidivierende Atemwegsinfekte
  • Allergien

Ursachen

  • Entzündungen der Nasenschleimhaut

Pathophysiologie

  • wiederholte Reizung der Nasenschleimhaut > rezidivierende Entzündung der Nasenschleimhaut > Bildung von Polypen

Symptome

  • Atemnot
  • Schnarchen
  • Stimmveränderung
  • Mundgeruch
  • Unfähigkeit, richtig zu riechen
  • Infektanfälligkeit

Komplikationen

  • Pharyngitis
  • Laryngitis
  • Bronchitis

Diagnose

  • Anamnese
    • Bekommen sie schlecht Luft wenn sie durch die Nase atmen?
    • Scharchen sie?
    • Hört sich ihre Stimme näselnd an?
    • Haben sie Mundgeruch?
    • Haben sie Schwierigkeiten mit dem Riechen?
    • Riechen bekannte Dinge plötzlich anders (z.B. Kaffee)?
    • Haben sie häufig Infekte der oberen Atemwege?
    • Läuft Ihnen häufig die Nase?
    • Leiden Sie an Asthma oder Bronchitis?
    • Leiden Sie häufiger an Entzündungen der Nasennebenhöhlen?
  • Körperliche Untersuchung
    • Nasenspiegelung

Differenzial Diagnose

  • Nasennebenhöhlenentzündung

Therapie

  • Medikamente
  • Operation

Präventionsmaßnahmen

  • regelmäßige Nasenpflege

Prognose

  • Nach erfolgreicher Behandlung sehr gute Prognose.

Begriffe

Fieber

Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.
„Mukoviszidose: Der Mukus ist zu viskös.“ Das bedeutet, dass das Sekret, welches in unserem Körper gebildet wird, wie zum Beispiel im Darm, in der Leber oder in der Bauchspeicheldrüse, zu dickflüssig ist.
Die Nasennebenhöhlenentzündung (=Sinusitis) bezeichnet die Entzündung einer oder auch mehrerer Nasennebenhöhlen. Typisch sind neben Schnupfen, Schmerzen im Gesichtsbereich und ein starkes Krankheitsgefühl.
Schlafstörungen werden als selbst empfundene oder von anderen beobachtbare Beeinträchtigungen des normalen Schlafes hinsichtlich der Schlaftiefe und/oder der Schlafdauer mit daraus resultierenden Einschränkungen im Wachzustand (z.B. Leistungsminderung), definiert.

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