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Milchschorf

Der Begriff Milchschorf wird in der deutschen Sprache sehr schwammig verwendet. Grundsätzlich beschreibt Milchschorf eine auf der Kopfhaut vorkommende Hautschuppung, die bei Säuglingen auftritt. Medizinisch gesehen ist der „echte“ Milchschorf oftmals eine Erstmanifestation eines atopischen Ekzems (auch: Neurodermitis ).

Laienhaft wird allerdings oft die harmlose Kopfhautschuppung im Rahmen eines seborrhoischem Ekzems (Kopfgeneis) als Milchschorf bezeichnet. Im Folgenden wird vor allem der echte Milchschorf des atopischen Ekzem, aber auch in Kürze das seborrhoische Ekzem beschrieben. Häufig wird in der Literatur dennoch Kopfgneis und Milchschorf als Synonym verwendet, was eine Abgrenzung noch schwieriger macht.

Wissenswert

Als atopisches Ekzem wird eine chronische, entzündliche, stark juckende Hauterkrankung beschrieben. Die ersten Symptome beginnen meist schon vor dem 5. Lebensjahr (oder eben mit der „echten“ Milchschorf-Bildung beim Säugling – meist nach dem 3. Lebensmonat).

Der „echte“ Milchschorf ist zwar selten, aber das atopische Ekzem tritt bei Kindern sehr häufig auf (ca. 10-15 % der 5-6-Jährigen sind betroffen) und kann bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben (ungefähr 5 % der Erwachsenen leiden darunter).

Das seborrhoische Ekzem ist ein vor allem auf der Kopfhaut oder in den Schweißrinnen vorkommender, chronischer Hautausschlag . Oftmals beginnen Symptome beim Säugling in den ersten drei Lebensmonaten: gelbliche, fettige, fest haftende Schuppen und Krusten werden auf der Kopfhaut gebildet.

Diese Schuppung ist harmlos, wird allerdings auch häufig Milchschorf genannt, der richtige Begriff ist allerdings „Kopfgneis“. Dieser tritt eher vor dem 3. Lebensmonat, oft schon nach der 6. Lebenswoche, auf.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Milchschorfs?

Der Entstehungsmechanismus des Milchschorfs ist bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass es durch ein Zusammenspiel von vielen Gründen – unter anderem genetische Veranlagung und Faktoren von außen – ausgelöst wird. Wichtig ist, dass sich im späteren Leben bei Säuglingen mit Milchschorf eine atopische Dermatitis manifestieren kann, es aber nicht zwingend zu einer Ausprägung der Erkrankung kommen muss.

Auch die Entwicklung des atopischen Ekzems wird noch nicht komplett verstanden. Klar ist, dass verschiedene Genmutationen bei Betroffenen gefunden werden können, die zu einer Hautveränderung und Fehlfunktionen des Immunsystems führen.

Dazu kommen Auslöser von außen, sogenannte Triggerfaktoren: Kontakt mit Staub oder Pollen, der Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln, kalte, trockene (Heizungs-)Luft, kratzige Kleidung, physischer oder emotionaler Stress, langes Sonnenbaden oder auch das Rauchen von Zigaretten.

Die genaue Ursache beim seborrhoischen Ekzem ist ebenfalls noch unklar. Mediziner gehen von einer Überfunktion der Talgdrüsen aus, wodurch sich bestimmte Hefepilze ansiedeln können, kombiniert mit leichter Veränderung des Immunsystems und des Fettsäure-Stoffwechsels.

Auch hier spielen auf jeden Fall Risikofaktoren von außen eine wesentliche Rolle. Beispielsweise konnte festgestellt werden, dass Sonnenlicht eine Besserung und psychischer Stress eine Verschlechterung der Hautmanifestation mit sich bringt.

Was sind die Symptome eines Milchschorfs?

Der „echte“ Milchschorf an sich präsentiert sich bei Säuglingen (meist nach der 3. Lebenswoche) mit trockenen, bräunlich-gelblichen, fest haftenden, harte Hautschuppungen oder Krusten an der behaarten Kopfhaut. Die betroffenen Hautstellen sind dabei häufig gerötet, entzündet und schmerzhaft.

In einigen Fällen – vor allem, wenn es im weiteren Verlauf zu bestehendem atopischen Ekzem kommt – können sich die Hautveränderungen auch auf Stirn, seitliche Wangenregion und dem Gesicht ausbreiten. Der Ausschlag kann sich dann auch weiter über den Hals zur Körpermitte und die Streckseiten der Arme erweitern, wobei die Windelgegend nicht betroffen ist.

Es wird stark angenommen, dass der Hautausschlag auch juckt, jedoch entwickeln Kinder die Fähigkeit sich zu kratzen erst zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat, weswegen dieser Fakt nicht endgültig geklärt ist. Eine große Komplikation stellt die bakterielle Superinfektion dar, das bedeutet, dass Bakterien durch die gestörte Hautbarriere schneller eintreten können und Entzündungen verursachen.

Andere Symptome des atopischen Ekzems, die im Verlauf des Lebens von Betroffenen auftauchen, sind trockene, eventuell bläschenförmige und nässende, schuppende, gerötete Hauterscheinungen vor allem an den Beugeseiten von Gelenken (Kniekehlen, Ellenbeugen, Hals) bei Kindern.

Im Jugend- bzw. Erwachsenenalter sind gerötete Ekzeme im Gesicht, Brustbereich und den Beugen typisch, wobei die gesamte Haut immer eher trocken erscheint. Juckreiz und das Gefühl von trockener Haut sind tägliche Begleiter für Betroffene.

In Abgrenzung dazu zeigen sich die harmlosen Kopfhauterscheinungen (Kopfgneis) beim seborrhoischem Ekzem als fettige, gelbliche, fett haftende Schuppen bzw. Krusten. Die Rötung fehlt hier allerdings häufig.

Die Schuppen jucken im Gegensatz zum Milchschorf nicht und verschwinden in der Regel innerhalb eines Jahres von selbst. Im Erwachsenenalter können Symptome zurückkehren: Es entstehen rötliche „Plaques“ am Haaransatz, Bartbereich, an und zwischen den Augenbrauen, den Nasenfalten und im Brustbereich.

Wie wird der Milchschorf diagnostiziert?

In der Regel kann die Diagnose „Milchschorf“ vom Arzt rein klinisch gestellt werden. Das bedeutet, dass durch das typische Erscheinungsbild der Kopfschuppen der Milchschorf schon erkannt wird. Trotzdem sollte der Arzt eine ausführliche Anamnese, also eine Erhebung der Krankheitsgeschichte mit den Eltern durchführen.

Dabei werden Fragen zur Entstehung, der Dauer der Auffälligkeiten, zu (Haut-)Erkrankungen von Familienangehörigen und Ähnlichem gestellt. Außerdem sollte der Säugling vollständigkeitshalber komplett durchuntersucht werden.

Ob sich die Hautveränderungen im späteren Leben zu einem atopischen Ekzem weiterentwickeln, ist meistens nicht vorherzusehen. Um die Diagnose dafür stellen zu können, muss der weitere Verlauf abgewartet werden, damit dann durch das Erscheinungsbild eine Aussage getroffen werden kann.

In der Regel sind eine Blutabnahme oder eine kleine Probenentnahme von betroffenen Hautteilen nicht nötig.

Hinweis

Der Arzt kann auch durch eine Blickdiagnose zwischen Milchschorf und dem Kopfgneis unterscheiden.

Therapie bei Milchschorf

Für die Behandlung der atopischen Dermatitis werden einige Ansätze verfolgt. Diese sollen den Juckreiz lindern, die natürliche Barrierefunktion der Haut wiederherstellen bzw. unterstützen und Komplikationen vermeiden.

  • Hautreinigung und -hydrierung durch tägliche, lauwarme Bäder mit Ölzusatz (so können Hautschuppen oder Salbenrückstände schonend entfernt werden)
  • Pflege der trockenen Haut mit reinigenden und rückfettenden Pflegecremen/-salben (am besten nach dem Bad)
  • Vorsorge und eventuelle Behandlung von bakteriellen Superinfektionen mit antibiotischen oder kortisonhaltigen Pflegesalben
  • Konsequente antientzündliche Therapien, damit Schübe schnell zur Abheilung kommen (bei Neigung zu bakteriellen Infektionen)

Die passenden Cremen und Salben werden durch den behandelten Arzt gemeinsam mit den Eltern der betroffenen Kinder ausgewählt. Je nach Zustandsbild und Alter des Patienten gibt es eine Vielzahl an Arzneimitteln, die optimalerweise verwendet werden können.

Vor allem bei der Anwendung von Cortison-Salben sind einige wichtige Punkte zu beachten. Dazu zählen z.B. die Stärke des Kortisons, die Anwendungsdauer und der Zeitpunkt des Auftragens. Als Nebenwirkungen bei langfristiger Anwendung können unter anderem Wundheilungsstörungen oder eine Ausdünnung der Haut auftreten.

Die Schuppen beim seborrhoischem Ekzem (Kopfgneis) müssen strenggenommen nicht entfernt werden, da sie weder Krankheitswert haben, noch als störend für die Säuglinge empfunden werden. Trotzdem wird von Eltern häufig der Wunsch nach einer Entfernung geäußert.

Um die Schuppen möglichst schonend entfernen zu können, wird empfohlen, die dicken Kopfhautschuppen mit Ölen oder fettigen Salben aufzuweichen und dann in einem lauwarmen, kurzen Bad mit wenig Pflegeöl zu entfernen. Dabei muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die Schuppen einfach von der Kopfhaut lösen, da festes Schrubben oder Kratzen Schmerzen auslösen können.

Zur Hilfe können weiche Bürsten oder ein Tuch verwendet werden. Wichtig ist auch, dass eine Anwendung von Fettsalben über lange Zeit vermieden werden soll – zur optimalen Pflege sollten eher wässrige Cremen verwendet werden. Weiters werden antientzündliche Waschlotionen oder Zinksalben verschrieben.

Hinweis

Die Therapie sollte unbedingt mit einem Arzt abgesprochen werden.

Wie ist die Prognose eines Milchschorfs?

Der Milchschorf kommt sehr selten vor, ist aber im Gegensatz zum Kopfgneis eine schmerzhafte, entzündete, chronische Hauterkrankung. Die Symptome verschwinden häufig erst nach Monaten oder Jahren. Ein Übergang in eine atopische Dermatitis ist weitverbreitet.

Der viel häufiger vorkommende, harmlose Kopfgneis im Rahmen eines seborrhoischen Ekzems verschwindet in der Regel innerhalb eines Jahres von selbst. Es kann sein, dass sich die Hautkrankheit im Erwachsenenalter durch rote, schuppige Flecken (Plaques) im Gesicht oder Brustbereich wieder bemerkbar macht.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einem Milchschorf

Bei der Therapie von Kopfhautschuppen sind eine regelmäßige Hautpflege und gegebenenfalls eine schonende Entfernung der überschüssigen Haut von zentraler Bedeutung. Dafür können Hausmittel wie Olivenöl, Babyöle und warme Bäder zum Einsatz kommen und eine Behandlung mit passenden rückfettenden Salben, milde antientzündliche Waschlotionen oder bei schwereren Zustandsbildern antibiotische oder kortisonhaltige Cremen unterstützen.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einem Milchschorf

Da Kopfhautschuppen erste Anzeichen von chronischen Hautkrankheiten sein können, ist auch nach Abheilung eine weitere ärztliche Beratung und regelmäßige Kontrolle empfohlen. Die Kopfschuppen können Erstmanifestationen sowohl vom harmlosen seborrhoische Ekzem, also auch – viel seltener – von der atopischen Dermatitis sein. Eine optimale, langfristige Hautpflege mit vom Arzt empfohlenen Therapien können Komplikationen in erster Linie verhindern.

Zusammenfassung

Der Begriff „Milchschorf“ bringt im Deutschen eine Verwirrung mit sich, da er von Medizinern und Laien in der Regel unterschiedlich angewandt wird: Während die Allgemeinheit die groben, gelblichen, fettigen Schuppen des seborrhoischen Ekzems (Kopfgneis) als „Milchschorf“ bezeichnet, wird von Ärzten eher die mögliche Erstmanifestation der atopischen Dermatitis mit seinen trockenen, gelblich-braunen, festen Schuppen und Krusten „Milchschorf“ genannt – wobei die beiden Begriffe in der Literatur auch manches Mal als Synonym verwendet werden.

Während der „echte“ Milchschorf meist erst nach dem 3. Lebensmonat auftritt, über Monate (oder auch Jahre) bestehen kann und als stark juckend, entzündet und schmerzhaft empfunden wird, ist der Kopfgneis eine innerhalb des 1. Lebensjahres selbst verschwindende, harmlose Schuppenbildung an der Kopfhaut.

Zur Behandlung sollten vor allem beim „echten“ Milchschorf hautreinigende und pflegende Salben und Cremes, kombiniert mit täglichen Bädern mit Ölzusatz zum Entfernen von überschüssigen Hautschuppen verwendet werden.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Beim „echten“ Milchschorf sollte großen Wert auf eine passende Hautpflege mit rückfettenden, die Haut feucht haltende Salben bzw. Cremen gelegt werden, um Symptome und Komplikationen möglichst gut zu vermeiden. Durch diese Salbenanwendung kombiniert mit lauwarmen Bädern mit Ölzusätzen können überschüssige Hautschuppen vorsichtig entfernt werden. Zusätzlich können vom Arzt verschriebene antibiotischen oder cortisonhaltige Salben zur Heilung beitragen.

Die überschüssigen Hautschuppen können mit einer weichen Bürste (oder einem Tuch) während des pflegendes Bades mit Ölzusatz VORSICHTIG entfernt werden.

Wenn die Rede vom „Milchschorf“ ist, wird von 2 unterschiedlichen Hautkrankheiten gesprochen. Während der „echte“ Milchschorf eine Vorform des atopischen Ekzems sein kann, harte, juckende, entzündete Schuppen und gelbliche Krusten bildet und über mehrere Monate, Jahre oder sogar chronisch (ein Leben lang) bestehen kann, verschwindet der harmlose „Kopfgneis“ – häufig die Erstmanifestation des seborrhoischen Ekzems – meist innerhalb eines Jahres und kann möglicherweise erst ab der Pubertät als harmlose, schuppende Hautstellen im Gesicht- und Brustbereich wieder auftreten.

Ja, der „echte“ Milchschorf wird als juckend beschrieben. Die viel häufiger vorkommenden Schuppen beim Kopfgneis jucken in der Regel aber nicht, wobei das schwierig zu beurteilen ist, da Symptome meist vor dem 3. Lebensmonat auftreten, Babys die Fähigkeit sich zu kratzen allerdings erst zwischen dem 3. Und 6. Lebensjahr erlernen.

Milchschorf Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Milchschorf

Epidemiologie

  • ca. jedes zehnte Baby betroffen

Risikofaktoren

  • erbliche Veranlagung für Neurodermitis und Milchschorf
  • Veranlagung für trockene Haut

Ursachen

  • Barrierestörung
  • erhöhter IgE-Spiegel

Symptome

  • Hautausschlag
  • Schuppen
  • Krusten
  • Juckreiz

Komplikationen

  • Neurodermitis

Diagnose

  • Anamnese
    • Zeigt sich bei ihrem Baby ein rötlicher Hautausschlag im Bereich der Kopfhaut?
    • Haben sich kleine trockene Schuppen auf der Kopfhaut ihres Kindes gebildet?
    • Zeigten sich braune Krusten auf der Kopfhaut?
    • Haben sie den Eindruck, dass die Veränderungen Juckreiz bei ihrem Kind hervorrufen?
  • Körperliche Untersuchung
    • Blickdiagnose

Differenzial Diagnose

  • Seborrhoisches Ekzem

Therapie

  • Watch and Wait
  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • Stillen

Prognose

  • Milchschorf gilt als Vorbote der Neurodermitis

Begriffe

Hautausschlag

Ein Hautausschlag ist ein Zustand, den jeder Mensch kennt. Hautausschläge können sich in unterschiedlichster Form, Farbe, Verlauf, Ausprägung und Dauer zeigen.
Juckreiz ist ein unangenehmes Gefühl der Haut, das den Drang zum Kratzen hervorruft. Er ist ein charakteristisches Merkmal vieler Hautkrankheiten und ein Anzeichen für einige systemische Krankheiten.
Neurodermitis, auch atopisches Ekzem bzw. Diathese, ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter. Hauptmanifestation ist der stark juckende Hautausschlag, der sich je nach Alter individuell ausgeprägt.

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