Medisigel logo
Gesundheit von A-Z

Chronische Schmerzen

Profilbild von Jessica Papic

Geschrieben von Jessica Papic

Arzt untersucht Patientin am Knie.

Wie definieren sich chronische Schmerzen?

Unter dem Begriff chronische Schmerzen versteht man eine Schmerzsymptomatik, die über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten besteht. Dabei sind die Schmerzen fast immer vorhanden oder kehren in regelmäßigen Abständen zurück. Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, sind in der Regel körperlich eingeschränkt.

Sie weisen einen Verlust der Beweglichkeit oder der Funktion verschiedene Körperabschnitte auf. Außerdem wirken sich die Schmerzen auf das Wohlbefinden des Betroffenen aus und schränkt diese auf der sozialen Ebene stark ein.

Im Gegensatz zu akuten Schmerzen stellen chronische Schmerzen kein sinnvolles Alarmsignal für eine Schädigung des Körpers dar. Vielmehr sind chronische Schmerzen eine eigenständige Erkrankung, deren Ursache nicht immer klar erkennbar ist.

Typischerweise gehen chronische Schmerzen mit weiteren Beschwerden einher. Viele der betroffenen Patienten leiden neben den Schmerzen zum Beispiel an Schlafstörungen, psychischer Übererregbarkeit/Reizbarkeit, depressiven Verstimmungen und/oder Appetitmangel. Langfristig können sich chronische Schmerzen auf den Alltag auswirken und im Beruf sowie in der Freizeit zu Einschränkungen und Isolation führen.

Chronische Schmerzen halten über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten an oder treten immer wieder auf.

Ursache für die Entstehung chronischer Schmerzen kann zum Beispiel eine Steigerung der Empfindlichkeit von Nervenzellen sein. Die eigentliche Ursache des Schmerz führt dabei zu einer wiederholten Stimulation der Nervenfasern und -zellen, die für die Schmerzsignalerkennung, -weiterleitung und -verarbeitung verantwortlich sind.

In Folge der wiederholten Stimulation verändert sich langfristig die Struktur dieser Nervenfasern und -zellen. Dieses Phänomen ist unter dem Begriff „Remodeling“ bekannt. Letztendlich werden die Nervenfasern und -zellen deutlich empfindlicher. Schmerzsignale entstehen dann auch durch Impulse, die eigentlich nicht schmerzhaft sein würden.

Zudem kann die Intensität des vom Betroffenen wahrgenommenen Schmerzen durch diese Prozesse zunehmen. Man nennt die Steigerung der Schmerzempfindlichkeit auch Sensibilisieren.

Was unterscheidet akute und chronische Schmerzen?

Schmerzen unabhängig von deren Dauer und Genese sind für viele der Betroffenen sehr belastend. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen akuten (einmaligen) und chronischen (dauerhaft anhaltenden oder wiederkehrenden) Schmerzen.

Akute Schmerzen treten auf Grund eines zu diesem Zeitpunkt aktiven Geschehens im Körper auf. Sie sind zeitlich begrenzt und verschwinden nach einer Weile vollständig. In den meisten Fällen werden akute Schmerzen von Verletzungen oder entzündlichen Prozessen hervorgerufen. Zu den typischen Beispielen akuter Schmerzen zählen Kopfschmerzen.

Chronische Schmerzen hingegen verschwinden nicht nach einer definierten Zeit. Vielmehr halten sie über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten an. Sie können dabei dauerhaft vorliegen oder aber in regelmäßigen Abständen in Erscheinung treten. Im Gegensatz zu akuten Schmerzen, steht eine chronische Schmerzsymptomatik nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit einer körperlichen Ursache.

Chronische Schmerzen können auch auf Grund psychischer Leiden hervorgerufen werden. Zudem können sich chronische Schmerzen, die auf eine körperliche Genese zurückzuführen sind, negativ auf das Wohlbefinden des Patienten auswirken. Typischerweise führen sie langfristig zu sozialen Einschränkungen und können das Berufsleben beeinträchtigen. Je länger chronische Schmerzen anhalten und/oder je stärker deren Intensität ist, desto mehr wirken sie sich auf die Lebensqualität aus.

Chronische Schmerzen führen in vielen Fällen zu Niedergeschlagenheit und Depressionen. Typische Beispiele für chronische Schmerzen sind anhaltende Rückenschmerzen , Tumorschmerzen sowie regelmäßig auftretende Migräneanfälle.

Wo können chronische Schmerzen auftreten?

Prinzipiell können chronische Schmerzen in jedweder Körperregion auftreten. Es gibt jedoch bestimmte Areale, in denen Schmerzempfindungen besonders oft chronifizieren.

Zu den häufigsten Regionen, in denen chronische Schmerzen entstehen, zählen zum Beispiel der Rücken und der Bauchraum. Viele Menschen, die an anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzempfindungen leiden, geben diese aber auch im Bereich der Fingerspitzen oder der Zehen an. Chronische Schmerzen zeigen sich zudem oft im Kopf in Form einer Migräne.

Neben der Lokalisation können sich chronische Schmerzen auch hinsichtlich ihrer Qualität voneinander unterscheiden. Während einige Menschen an pochenden oder stechenden Schmerzen leiden, geben andere Patienten brennende oder ziehende Schmerzen an. Zudem können die Beschwerden dauerhaft vorliegen oder sich in regelmäßigen Zeitabständen immer wieder bemerkbar machen.

Lokalisation chronischer Schmerzen

Chronische Schmerzen treten besonders häufig an folgenden Lokalisationen auf

  • Kopf (Migräne oder chronische Spannungskopfschmerzen)
  • Rücken (chronische Kreuzschmerzen)
  • Gelenke
  • Magen-Darm-Trakt (Reizdarmsyndrom, Reizmagen)

Wie häufig ist chronischer Schmerz?

Tatsächlich gibt es bis heute hierzulande keine wissenschaftlichen Studien oder Aufzeichnungen darüber, wie häufig chronische Schmerzen auftreten, beziehungsweise wieviele Menschen deutschlandweit von einem chronischen Schmerzsyndrom betroffen sind. Auch über die Dauer und Intensität der Beschwerden, liegen bisweilen keine wissenschaftlichen Daten vor.

In anderen westlichen Ländern liegen derartige Aufzeichnungen hingegen vor. Zudem kann die Häufigkeit der chronischen Schmerzen anhand verschiedener Umfragen zumindest eingeschätzt werden.

Man geht auf Grund dieser Daten davon aus, dass in Deutschland ungefähr 12 bis 15 Millionen Menschen an einem chronischen Schmerzsyndrom leiden. Die Betroffenen stellen demnach circa ein Viertel der Gesamtbevölkerung Deutschlands dar.

Etwa fünf Millionen, also ein Drittel, der Schmerzpatienten geben zudem an, dass ihre Lebensqualität durch die chronischen Schmerzen deutlich beeinflusst wird und die Beschwerden negative Auswirkungen auf ihr Berufs- sowie Sozialleben haben.

Deutschlandweit leiden ungefähr 12 bis 15 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Circa 5 Millionen dieser Menschen geben an, dass die Schmerzen ihre Lebensqualität stark beeinflussen.

Was verursacht chronische Schmerzen?

Den Mechanismus, der im menschlichen Körper abläuft, wenn Schmerzen vom akuten Zustand in den Chronischen übergehen, nennt man Chronifizierung. Das chronische Schmerzsyndrom entsteht also nicht aus dem Nichts, sondern hat seinen Ursprung in akuten Beschwerden, denen eine medizinisch nachweisbare Ursache zugeschrieben werden kann.

Ausgehend vom Entstehungsort werden Schmerzen über verschiedene Nervenzellen und -fasern über das Rückenmark bis zum Gehirn geleitet. Dort werden sie aufgenommen, analysiert und interpretiert. Kommt es auf Grund eines akuten Schmerzgeschehens zu einer häufigen Aktivierung dieses Schmerzleitungssystems, so kann es zu strukturellen Veränderungen im Bereich der Nervenzellen und -fasern kommen. Dieser Prozess ist auch unter dem Begriff „Remodeling“ bekannt.

Die wiederholte Aktivierung des Nervensystems lässt die Nervenzellen und -fasern deutlich empfindlicher werden. Dies hat zur Folge, dass die sogenannte Schmerzschwelle sinkt. Unter dem Begriff Schmerzschwelle, auch Schmerzempfindungsschwelle oder Schmerzgrenze, versteht man die niedrigste Stärke eines Schmerzreizes, die zu einer Aktivierung der Nervenzellen und -fasern des Schmerzleitungssystems (Nervensystems) führt.

Bei den Betroffenen sind mit der Zeit also immer schwächere Reize ausreichend, um wahrnehmbare Schmerzen hervorzurufen. Es kommt zur Entstehung einer sogenannten Schmerzspirale. Die Sensibilisierung kann sogar soweit gehen, dass selbst normale Berührungen als Schmerzreiz interpretiert werden.

Zudem gehen die stetig auf das Gehirn eintreffenden Informationen in das sogenannte Schmerzgedächtnis über. Auf Grund dieses Schmerzgedächtnis kommt es ebenfalls zu einer subjektiven Schmerzempfindung bei gleichbleibender oder sogar abnehmender Schmerzintensität.

Wie fühlt sich chronischer Schmerz an?

Chronische Schmerzen können sich bei den betroffenen Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise zeigen. Sowohl in ihrer Intensität als auch hinsichtlich ihrer Qualität unterscheiden sich anhaltende oder stetig wiederkehrende Schmerzen ziemlich deutlich voneinander.

Wie genau sich chronischer Schmerz anfühlen ist auch von der Ursache der Beschwerden abhängig. Während einige Patienten die Schmerzen als brennend oder stechend wahrnehmen, gibt es andere Betroffene, die die Schmerzen eher als pochend oder ziehend beschreiben.

In der Regel fühlen sich Schmerzen, deren Genese im Bereich der inneren Organe liegt, eher dumpf und krampfartig an. Während Schmerzen aus den äußeren Körperregionen häufig als ziehend oder stechend beschrieben werden.

Auch hinsichtlich der Intensität können chronische Schmerzen sehr unterschiedlich sein. Bei einigen der Betroffenen liegen die Beschwerden in Form einer leichten Schmerzwahrnehmung eher im Hintergrund vor. Andere Patienten leiden unter derart starken chronischen Schmerzen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag zu bestreiten.

In diesen Fällen nimmt die Lebensqualität drastisch ab und neben der Schmerzsymptomatik treten psychische Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel Depressionen, in Erscheinung.

Chronischer Schmerz kann sich sowohl stechend als auch brennend, pochend oder ziehend anfühlen.

Wie wird chronischer Schmerz festgestellt?

Die Diagnostik chronischer Schmerzen kann sich oftmals als besonders schwierig darstellen. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Ursache chronischer Schmerzerkrankungen in vielen Fällen nicht sicher nachgewiesen werden kann.

Bei der Diagnostik von chronischen Schmerzsyndromen spielt das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) eine wichtige Rolle. Im Zuge dieses Gesprächs sollte der betroffene Patiente die von ihm wahrgenommenen Schmerzen so genau wie möglich beschreiben. Wichtig dabei ist sowohl die Lokalisation als auch die Qualität und Intensität der Schmerzen.

Zudem befragt der Arzt den Patienten während des Gesprächs hinsichtlich möglicherweise vorliegender Begleitsymptome. Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, entwickeln im Verlauf häufig Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und/oder psyschiche Beschwerden wie Angstzustände oder Depressionen.

Besonders wichtig ist es auch, auf die Krankengeschichte einzugehen. Vergangene Verletzungen oder Erkrankungen können unter Umständen einen wichtigen Hinweis auf die Ursache der Beschwerde geben. Der Patient sollte den Arzt zudem über schmerzbedingte Beeinträchtigungen des Berufs- und/oder Soziallebens informieren.

Das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese)

Diese Fragen sind besonders wichtig:

  • Seit wann liegen die Schmerzen vor?
  • Liegen die Schmerzen dauerhaft vor oder treten sie wiederholt auf?
  • Wie fühlen sich die Schmerzen an (Schmerzqualität)?
  • Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10?
  • Gehen die Schmerzen mit weiteren Beschwerden einher?
  • Gibt es Situationen in denen die Schmerzen stärker oder schwächer werden?

Im Anschluss an das Arzt-Patienten-Gespräch erfolgt eine umfangreiche körperliche Untersuchung. Bei dieser Untersuchung liegt die Lokalisation der chronischen Schmerzen im Vordergrund. In Abhängigkeit davon, um welche Art von Schmerzen es sich handelt, werden danach weitere Untersuchungen in die Wege geleitet.

Im Falle von chronischen Kopfschmerzen erfolgt zum Beispiel eine neurologische Untersuchung. Bei Patienten, die an chronischen Rückenschmerzen leiden, wird eine orthopädische Untersuchung durchgeführt.

Bei Bedarf können anschließend verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Vor allem die Anfertigung von Röntgenaufnahmen und die Durchführung eines Ultraschall zählen zu den wichtigsten bildgebenden Untersuchungsverfahren. Zudem kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, ein MRT oder CT anzufordern.

Wie werden chronische Schmerzen behandelt?

Die Wahl der am besten geeigneten Behandlungsmaßnahme bei chronischen Schmerzen steht maßgeblich in Zusammenhang mit dem Schmerzursprung und der Ursache der Beschwerden.

Das wichtigste Ziel in der Behandlung chronischer Schmerzen ist die Linderung der Beschwerden. Sollte auch mit Hilfe verschiedener Maßnahmen keine vollständige Schmerzlinderung möglich sein, so gilt es in erster Linie, die durch das Schmerzsyndrom verursachten körperlichen, sozialen und psychischen Einschränkungen zu minimieren.

Das primäre Ziel der verschiedenen Therapiemaßnahmen ist es, die vom Patienten wahrgenommenen Schmerzen zu lindern.

Zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen zählt bis heute die Einnahme verschiedener Arzneimittel. Vor allem Schmerzmittel und Antidepressiva werden Schmerzpatienten häufig verschrieben. Darüber hinaus kommen häufig physikalische Behandlungsmaßnahmen die Massagen, Wasser- Anwendungen, Kälte- sowie Wärmebehandlungen zum Einsatz.

Auch eine auf das Schmerzsyndrom angepasste Bewegungstherapie in Form von Krankengymnastik kann dabei helfen die chronischen Schmerzen zu lindern.

In Abhängigkeit von der Art der chronischen Schmerzen kann auch die Anwendung von Akupunktur und Nervenstimulation (TENS) sinnvoll sein. Da aus psychische Beschwerden in Zusammenhang mit dem chronischen Schmerzsyndrom stehen können oder dieses zu psychischen Erkrankungen (zum Beispiel Depressionen) führen kann, steht auch die psychologische Therapie im Mittelpunkt der wichtigsten Behandlungsansätze.

Behandlungsmaßnahmen

Diese Behandlungsmaßnahmen sind bei chronischen Schmerzen am sinnvollsten:

  • Einnahme von Schmerzmitteln
  • Einnahme von Antidepressiva
  • Akupunktur
  • Nervenstimulation (TENS)
  • Krankengymnastik
  • Kälte- und Wärmebehandlungen

Für die Betroffenen ist es wichtig zu wissen, dass die Therapie von chronischen Schmerzen in der Regel nicht von einem einzigen Arzt alleine durchgeführt werden kann. Vielmehr arbeiten Experten verschiedener Fachrichtung bei chronischen Schmerzpatienten Hand in Hand (interdisziplinäres Behandungskonzept).

Man nennt dieses interdisziplinäre Behandlungskonzept häufig auch „interdisziplinär-multimodale Schmerztherapie (IMST)“. Mit Hilfe dieser Therapieform lassen sich die chronischen Schmerzen deutlich effektiver behandeln und psychosoziale Belastungen reduzieren.

Bei der Behandlung chronischer Schmerzen arbeiten Experten aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen. Man nennt dieses Konzept auch „interdisziplinär-multimodale Schmerztherapie (IMST)“.

Mit welchen Medikamenten können chronische Schmerzen behandelt werden?

Bei der Behandlung von chronischen Schmerzen können verschiedene Medikamente aus unterschiedlichen Arzneimittelgruppen zum Einsatz kommen. Vor allem Schmerzmittel, sogenannte Analgetika, werden dabei besonders häufig verschrieben. Je nach dem, welche Intensität die von dem Betroffenen wahrgenommenen Schmerzen aufweisen, können zum Beispiel Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Paracetamol eingenommen werden.

Zudem kommen im Zuge der Schmerztherapie sogenannte adjuvante Analgetika, zum Beispiel Antidepressiva oder Antiepileptika, zum Einsatz.

Unter dem Begriff adjuvante Analgetika oder auch Co-Analgetika versteht man Wirkstoffe, die eigentlich nicht der Schmerzlinderung dienen. Co-Analgetika sind jedoch auf Grund ihres spezifischen Wirkmechanismus dazu in der Lage, Schmerzzustände zu durchbrechen und den betroffenen Patienten somit Linderung zu verschaffen.

Bei besonders starken Schmerzen können darüber hinaus Opioidanalgetika verschrieben werden. Bei diesen Arzneimitteln muss jedoch stets beachtet werden, dass sie über eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen verfügen. Besonders wichtig dabei ist die mögliche Entstehung einer Arzneimittel- oder Opioidabhängigkeit und die Resistenzentwicklung.

Letzteres meint, dass die Wirksamkeit beziehungsweise das Ansprechen der Schmerzrezeptoren auf das Opioid im Laufe der Zeit deutlich abnimmt. Der Patient muss dann höhere Dosen des Schmerzmittels einnehmen um die Beschwerden zu lindern. In solchen Fällen sollte dringend über eine Umstellung der Schmerztherapie nachgedacht werden.

Schmerzmittel zur Behandlung chronischer Schmerzen

Zu den wichtigsten schmerzlindernden Substanzen bei chronischen Schmerzen zählen:

  • Nicht steroidale Antirheumatika (zum Beispiel Ibuprofen und Diclofenac)
  • Paracetamol
  • adjuvante Analgetika (Antidepressiva und Antiepileptika)
  • Opioide

Darüber hinaus kann es unter der Einnahme von Opioiden zu einer Verlangsamung der Atmung, einer sogenannten Atemdepression kommen. Im Falle einer Überdosierung kann es sogar zum Tode des Patienten kommen. Wenn Opioide zur Behandlung der chronischen Schmerzen zum Einsatz kommen sollen, ist es wichtig, dass der Patient umfangreich über deren Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt wird.

Aufklärung zur Opioideinnahme

Was muss der Patient während der Einnahme von Opioiden beachten?

  • kein Alkohol trinken
  • Dosis nicht eigenständig verändern
  • Schmerzmittel regelmäßig einnehmen
  • das Opioid sicher lagern und für andere unzugänglich machen
  • bei Nebenwirkungen (zum Beispiel Schläfrigkeit oder Atemnot) einen Arzt aufsuchen
  • Naloxon (Antidot von Opioiden) im Falle einer Überdosierung anwenden

Bei der medikamentösen Behandlung von chronischen Schmerzen ist es wichtig, dass nach Möglichkeit eine spezialisierte Schmerzklinik und ein Psychologe, der für Fälle von Substanzmissbrauch ausgebildet ist, hinzugezogen wird.

Wieso ist es wichtig, trotz chronischer Schmerzen aktiv zu bleiben?

Sobald man Schmerzen verspürt, neigen wir Menschen dazu, uns zu schonen und das schmerzende Körperareal zu entlasten. Tatsächlich kann diese Entlastung bei chronischen Schmerzen negative Auswirkungen haben. Wenn ein chronisches Schmerzsyndrom vorliegt, sollte man darauf achten, dennoch aktiv zu bleiben.

Bewegung kann einen wichtigen Beitrag zur Linderung der Beschwerden leisten. Grund dafür ist die Tatsache, dass durch Bewegung körpereigene Substanzen, welche schmerzlindernde Eigenschaften aufweisen, freigesetzt werden. Außerdem wird im Zuge der Bewegung die Durchblutung der aktiven Körperregion gesteigert und der Stoffwechsel angetrieben.

Dies wiederum sorgt dafür, dass mehr Sauerstoff, Nährstoffe und Spurenelemente transportiert werden können. Darüber hinaus wird der Körper bei regelmäßiger Bewegung deutlich belastbarer, die Beweglichkeit der Gelenke nimmt zu und der Gleichgewichtssinn trainiert. Dies ist vor allem bei älteren Patienten ein gewinnbringender Nebeneffekt.

Kann die Angst Schmerzen verursachen?

Bei der Schmerzwahrnehmung handelt es sich um einen sehr komplizierten Prozess, der bis heute noch nicht bis ins kleinste Detail entschlüsselt ist. Verschiedene psychische Befindlichkeiten können sich auf das Schmerzleitungssystem auswirken und auf diese Weise Beschwerden verursachen. Wie genau dies von Statten geht, konnte noch nicht vollends nachgewiesen werden.

Fest steht jedoch, dass zum Beispiel die Angst vor Schmerzen dazu führen kann, dass überhaupt erst ein Schmerzreiz wahrgenommen wird. Akute Schmerzen stellen ein direktes Warnsignal dar. Tritt plötzlich ein Schmerzreiz auf, so liegt in der Regel eine Schädigung im Gewebe oder an einem der Organe vor. Es ist aber auch möglich, dass das Gehirn eine Gefahr erkennt und daraufhin einen Schmerzimpuls setzt. Und das ohne, dass es zu einer tatsächlichen Beeinträchtigung von Gewebe oder Organen kommt.

Aus evolutionärer Sicht dient diese Form von Schmerz dazu, vermeintlichen Gefahren auszuweichen. Menschen, die an großer Angst vor Schmerzen leiden, können demnach alleine durch diese Furcht, Schmerzen verspüren. Aus diesem Grund ist es in der Schmerztherapie besonders wichtig, den Patienten die Angst vor Schmerzen zu nehmen.

Auch die Stärke der vom Patienten wahrgenommenen Beschwerden muss nicht unbedingt mit dem körperlichen Schaden korrelieren. Kommt es zum Beispiel zu einer Schusswunde, so ist es keine Seltenheit, dass das Gehirn nicht sofort mit einem Schmerzreiz darauf reagiert. Auch dieses Phänomen ist aus evolutionärer Sicht enorm wichtig. Denn nur auf diese Weise ist es dem Betroffenen möglich, sich aus der akuten Gefahrensituation in Sicherheit zu bringen. Nur so kann das Überleben gesichert werden.

Gibt es Nebenwirkungen oder Komplikationen bei der medizinischen Behandlung von chronischen Schmerzen?

Die Behandlung chronischer Schmerzen umfasst eine Reihe verschiedener Maßnahmen. Vor allem die Einnahme von schmerzlindernden Medikamenten spielt dabei eine entscheidende Rolle. Zu den am häufigsten angewendeten Schmerzmitteln zählen die sogenannten Nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR), zu denen deren bekannte Vertreter Ibuprofen und Diclofenac zählen.

Unter der Einnahme dieser Arzneimittel kann es jedoch zur Entstehung von Nebenwirkungen und Komplikationen kommen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Nicht-steroidale-Antirheumatika über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen werden.

Zu den wichtigsten Komplikationen dieser Wirkstoffgruppe gehören Entzündungen im Bereich der Schleimhäute, Geschwüre sowie akute Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Darüber hinaus kann es durch Ibuprofen und co. zu Nierenproblemen kommen.

Bestimmte Nicht-steroidale-Antirheumatika stehen zusätzlich in der Kritik, das Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie zum Beispiel eines Herzinfarktes, deutlich zu steigern. Dies betrifft unter anderem auch den Klassiker Ibuprofen, der viel zu oft vollkommen unbedacht eingenommen wird.

Können Änderungen des persönlichen Lebensstils bei chronischen Schmerzen helfen?

Schmerzen können von verschiedenen Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise wahrgenommen werden. Setzt man zwei Probanden einen Schmerzreiz mit der gleichen Intensität, so können sie diesen Reiz unter Umständen vollkommen unterschiedlich stark wahrnehmen.

Als wie stark die Schmerzen wahrgenommen werden und wie sehr sie das Leben des Betroffenen beeinträchtigen, hängt dabei von einer Vielzahl von Faktoren ab. So können zum Beispiel negative Gefühle und Stress die Schmerzempfindungen steigern während ein gesunder Lebensstil und positive Emotionen den Schmerz lindern können.

Die Ernährung kann einen maßgeblichen Einfluss auf die Wahrnehmung von chronischen Schmerzen nehmen. Gerade hochverarbeitete Nahrungsmittel können den Körper mit Giftstoffen belasten. Aus diesem Grund nehmen chronische Schmerzen häufig deutlich zu. Außerdem stehen Kohlenhydrate in der Kritik, den Organismus so zu belasten, dass die Schmerzrezeptoren sensibler werden und die Betroffenen chronische Schmerzen deshalb stärker empfinden.

Doch wie kann man die chronischen Schmerzen durch die Ernährungsgewohnheiten positiv beeinflussen?

Wichtig ist, dass Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, regelmäßig essen und keine Mahlzeiten ausfallen lassen. Bei den einzelnen Mahlzeiten sollte soweit wie möglich auf tierische Lebensmittel, wie zum Beispiel Fleisch und Milchprodukte, verzichtet werden. Zudem sollten stets viel Gemüse und hochwertige Kohlenhydrate auf dem Speiseplan stehen.

Hochwertige Kohlenhydrate finden sich zum Beispiel in Kartoffeln und braunem Reis. Lebensmittel, die viel Zucker, Fett und/oder Zusatzstoffe enthalten, sollten weitestgehend vom Speiseplan verschwinden. Das gilt vor allem für Fertigprodukte und frittierte Speisen.

Neben der Nahrung gibt es auch beim Trinken einige Regeln zu beachten. Wichtig ist vor allem, dass die tägliche Trinkmenge ausreichend ist. Man empfiehlt für einen Erwachsenen eine tägliche Trinkmenge von mindestens zwei Litern. Der Großteil der Flüssigkeit sollte dabei reines Wasser sein. Limonaden und Fruchtsäfte enthalten große Mengen Zucker und können damit zu einer Zunahme der chronischen Schmerzen führen.

Darüber hinaus kann ein gesunder und vor allem erholsamer Schlaf dabei helfen, die chronischen Schmerzen zu lindern. Da gerade Personen, die an chronischen Schmerzen leiden, häufig schlecht schlafen, kann dieser Punkt zum Problem werden. Es ist aber mit Hilfe von einfachen Maßnahmen möglich, die Schlafqualität auch als Schmerzpatient zu verbessern.

Grundsätzlich sollte man sich angewöhnen, immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen. Das gilt auch für die Wochenenden und Urlaubszeiten. Auf diese Weise kann sich der sogenannte Biorhythmus an die Schlafenszeiten anpassen und das Einschlafen erleichtern. Zudem sollte man nicht mehr oder weniger als acht Stunden schlafen. Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf, können den Körper irritieren und auf diese Weise die Entstehung von Schlafstörungen fördern.

Des Weiteren helfen feste Rituale vor dem Zubettgehen dabei, das Ein- und Durchschlafen zu erleichtern. Vor dem Schlafengehen sollte auf große Trinkmengen und vor allem auf Alkohol verzichtet werden.

Gesunder Schlaf kann langfristig chronische Schmerzen lindern.

Auch über regelmäßige Bewegungseinheiten lassen sich chronische Schmerzen lindern. Menschen, die sich regelmäßig bewegen und auf diese Weise ihren Körper fordern, haben in der Regel ein deutlich verringertes Schmerzempfinden als Personen, die eher inaktiv sind.

Für Schmerzpatienten sind vor allem Sportarten, welche die Kochen und Gelenke schonen, geeignet. Zu solchen Sportarten zählen zum Beispiel das Schwimmen, Radfahren und Wandern. Im Allgemeinen gelten all jene Sportarten als für chronische Schmerzpatienten geeignet, bei denen man sich sanft bewegt und der Körper keinen zu hohen Kraftanstrengungen ausgesetzt wird.

Kann eine Therapie bei chronischen Schmerzen helfen?

Chronische Schmerzen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Bei diesen Ursachen spielen auch Veränderungen der Psyche eine wichtige Rolle. Außerdem können sich die Schmerzen selbst auf die Psyche der Betroffenen auswirken. Neben den konservativen Maßnahmen bildet deshalb auch die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie (kurz: KVT) einen wichtigen Pfeiler in der Behandlung chronischer Schmerzpatienten.

Die kognitive Verhaltenstherapie vermittelt den Ansatz, dass die Art und Weise, wie Menschen mit ihren Gedanken, Gefühlen und Verhalten auf Stress reagieren, Schmerzen aufrecht erhalten oder sogar verstärken kann. Tatsächlich können chronische Schmerzen auch auf Grund dieses Umgangs mit stressigen Lebensphasen, überhaupt entstehen.

Bei chronischen Schmerzpatienten liegt eine sehr komplexe Wechselwirkung zwischen der Psyche und dem Körper vor. Aus eben diesem Grund ist eine Schmerztherapie nur dann besonders erfolgreich, wenn Ärzte und Psychotherapeuten Hand in Hand arbeiten und die Betroffenen gemeinsam umfangreich behandeln.

Welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei chronischen Schmerzen?

Alternative Behandlungsmaßnahmen können die schulmedizinische Therapie bei Patienten, die an chronischen Schmerzen leiden, oftmals unterstützen. Verschiedene Verfahren sollten dabei helfen, die Schmerzintensität zu reduzieren sowie das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern.

Zu den wichtigsten alternativen Behandlungsmaßnahmen bei chronischen Schmerzpatienten zählen die Akupunktur, die Akupressur, die Osteopathie und die sogenannte Reflextherapie. Bei der Reflextherapie handelt es sich um eine Behandlung, bei der bestimmte Zonen auf der Hautoberfläche gereizt werden. Jede dieser Zonen wird einem inneren Organ zugeordnet, wodurch deren Stimulation das jeweilige Organ beeinflussen soll. Die Reflextherapie ist auch unter dem Begriff „Reflexzonenmassage“ bekannt.

Darüber hinaus spielt die Magnetfeldtherapie, bei der Magnetfelder dazu eingesetzt werden, um die chronischen Schmerzen zu lindern, eine essenzielle Rolle in der alternativen Behandlung von Schmerzpatienten.

Neben diesen Behandlungsmaßnahmen werden auch verschiedene Substanzen zur Linderung der Beschwerden eingesetzt. Vor allem die sogenannten Schüssler-Salze zählen zu den wichtigsten Substanzen in der Therapie chronischer Schmerzzustände.

Schüssler-Salze

Diese Schüssler-Salze werden zur alternativen Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt:

  • Nr. 1 Calcium fluoratum
  • Nr. 2 Calcium phosphoricum
  • Nr. 9 Natrium phosphoricum
  • Nr. 11 Silicea

Gibt es ein Heilmittel für chronische Schmerzen?

Für die Entstehung von chronischen Schmerzen gibt es eine Vielzahl möglicher Ursachen. In vielen Fällen ist es schlicht nicht möglich, die tatsächliche Ursache für die Beschwerden zu finden. Außerdem können neben körperlichen Erkrankungen auch psychische Veränderungen an der Genese der anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzen beteiligt sein. Diese Tatsache macht es besonders schwer, Patienten mit chronischem Schmerzsyndrom effektiv zu behandeln. Ein wirkliches Heilmittel, das bei chronischen Schmerzen hilft, gibt es also nicht.

Auch wenn es dem Arzt nicht möglich ist, die direkte Ursache der Beschwerden zu finden, können konservative Behandlungsmaßnahmen dennoch dazu beitragen, die Schmerzen effektiv zu lindern. Vor allem die Einnahme von schmerzlindernden Substanzen spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Da chronische Schmerzen auf Grund von psychischen Veränderungen hervorgerufen werden können und zudem auch durch die anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzen provoziert werden können, sollte auch eine psychotherapeutische Vorstellung stattfinden. Die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie kann den Betroffenen dabei helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen. Zudem kann sie zu einer Linderung der Schmerzen verhelfen.

Kann man chronischen Schmerzen vorbeugen?

Es ist nicht immer leicht, der Entstehung von chronischen Schmerzen effektiv vorzubeugen. Dies gilt vor allem dann, wenn die Beschwerden in Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung stehen.

Die meisten Fälle von chronischen Schmerzen könnten jedoch vermieden werden. In der Vorbeugung chronischer Schmerzsyndrome spielt die Behandlung akuter Schmerzen eine entscheidende Rolle. Grund dafür ist die Tatsache, dass anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen häufig aus einer akuten Erkrankung hervorgehen. Wenn ein Patient an akuten Schmerzen leidet, sollten diese effektiv und vor allem zeitnah therapiert werden.

Nur auf diese Weise kann verhindert werden, dass die Nervenzellen und -fasern stetig sensibler werden und es zu einer Chronifizierung der Schmerzen kommt. Durch die Verhinderung der Ausbildung eines sogenannten Schmerzgedächtnis nach Verletzungen, Unfällen und Operationen, kann die Entstehung chronischer Schmerzen verhindert werden.

Zusammenfassung

Von chronischen Schmerzen spricht man immer dann, wenn Schmerzempfindungen über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten anhalten oder regelmäßig wiederkehren. Die Ursachen für die Entstehung von chronischen Schmerzen können vielfältig sein. Grund für die Chronifizierung von akuten Schmerzen ist die Ausbildung eines sogenannten Schmerzgedächtnis.

Quellen
  • Physiologie und Pathophysiologie des Schmerzes - F.-J. Kretz et al., Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie, DOI 10.1007/978-3-662-44771-0_41, © Springer-Verlag Berlin, Heidelberg 2016
  • Schmerzpatienten behandeln - Scharnagel, Stefan: 2019 DOI: 10.1055/b-0039-166553

Chronische Schmerzen Ratgeber durch deine Erkrankung

Interviews mit führenden Experten

Medisiegel

Newsletter anmelden

Unsere Artikel sollen Ihnen einen ersten Eindruck von einem medizinischen Thema vermitteln. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung und Beratung.
Wir übernehmen keine Gewähr für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit der Darstellung.

Copyright © 2022, Medisiegel. All rights reserved.