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Quetiapin Wirkung, Nebenwirkung und Langzeitschäden

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Geschrieben von Florian Schnabl (Student)

Zuletzt evidenzbasiert geprüft am 12. März 2023

Was ist Quetiapin

Quetiapin, auch bekannt unter dem Verkaufsnamen Seroquel bzw. Seroquel XR ist einer der bedeutendsten Wirkstoffe zur Behandlung der Schizophrenie , sowie der Therapie von bipolaren Störungen. Es zählt aufgrund seiner chemischen Struktur und dem günstigeren Wirkprofil zu den atypischen Neuroleptika. Diese atypischen Neuroleptika verfügen über geringere Nebenwirkungen als hochpotente typische Neuroleptika und konnten sich deshalb am Markt gegen diese weitgehend durchsetzen. Die Marktzulassung von Quetiapin erfolgte 2008 im deutschen Raum und Seroquel wurde danach prompt zum Verkaufsschlager. Mit einem jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Dollar zählt Quetiapin seit seiner Zulassung zu der Gruppe der sogenannten Blockbuster Medikamenten.

Wirkungsmechanismus von Quetiapin

Alle psychischen Erkrankungen gehen mit Veränderungen von Hirnstrukturen und damit einhergehenden Funktionsstörungen einher. Zumeist liegt eine Störung in der Signalübermittlung zwischen den Nervenzellen, sowie eine Störung der Signalübertragung innerhalb der Nervenzelle vor. Quetiapin wirkt hauptsächlich als Blocker bestimmter Neurorezeptoren und greift durch die Blockade in die Grundprozesse der Signalübermittlung ein.

Wissenswert

Quetiapin wird oral eingenommen und hat aufgrund seiner chemischen Struktur eine niedrige Bioverfügbarkeit von etwa 10 %. Der Abbau des Wirkstoffes erfolgt über das Cytochrom-P-450 System in der Leber und ist aufgrund von genetischer Veranlagerung sehr individuell. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 5-7 Stunden.

Nach der oralen Aufnahme des Wirkstoffes kommt es zum Transport zu bestimmten Rezeptortypen. Die therapeutische Wirkung kommt vor allem durch die darauffolgende Blockade von Dopamin-D2-Rezeptoren als auch die Blockade von Serotonin-5-HT2-Rezeptoren zustande.

Quetiapin blockiert 5-HT2A-Rezeptoren in einem größeren Ausmaß als D2-Rezeptoren. Das unterscheidet atypische Neuroleptika von typischen Neuroleptika und trägt vor allem zur deutlichen Verminderung von extrapyramidalen-motorischen Wirkungen, welche im Laufe der Therapie mit typischen Neuroleptika auftreten und unerwünscht sind, bei.

Die Dopaminrezeptoren kommen in unterschiedlichen Arealen des Hirns vor. Somit hat es zur Folge, dass die Blockade von Dopaminrezeptoren in verschiedenen Hirnarealen, auch unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Quetiapin wirkt besonders im mesolimbischen System. Die Hauptfunktion dieses Hirnareals ist für die Bewertung von Gefühlslagen zuständig. Quetiapin blockiert hier die Dopamin-D2-Rezeptoren.

Dadurch wird die Aktivität des dopaminergen Nervensystems heruntergesetzt und eine Besserung der Symptomatik der Schizophrenie erreicht.

Diese Wirkung an sogenannten Dopaminrezeptoren ist für die Behandlung psychischer Erkrankungen essenziell und wird durch die Hypothese unterstützt, dass Wahnvorstellungen und Halluzinationen durch eine Überaktivität des dopaminergen Nervensystems ausgelöst werden.

Zusätzlich kommt es zur Bindung an Muscarin Rezeptoren, sowie Histamin H1-Rezeptoren. Diese sorgen für eine Sedierung, sowie für eine Besserung des Tag-Nacht-Rhythmus des Patienten.

Hinweis

Zusammengefasst werden 4 Hauptwirkungen bei Quetiapin genutzt:

Die Verminderung von schizophrenen Positivsymptomen wie Denkstörungen, Wahnideen und Wahnvorstellungen wird erzielt. Außerdem kommt es zu einer Abnahme an manischen Episoden, zu einer Dämpfung von Erregung und Aggressivität und auch zur Minderung von Schuldgefühlen im Zuge einer depressiven Verstimmung.

Die Verminderung von schizophrenen Negativsymptomen wie Gefühls- und Empathielosigkeit, Verarmung der Sprache und auch eine Verminderung des sozialen Rückzugs im Zuge einer schizophrenen Erkrankung kann durch die Einnahme von Quetiapin erreicht werden. Quetiapin weist besonders Vorteile in der Behandlung von Negativsymptomen, im Vergleich zu anderen Neuroleptika, auf.

Diese Negativsymptome der Schizophrenie gelten meist als Hinweis auf einen Dopaminmangel im präfrontalen Kortex. Dieser Dopaminmangel kann durch die Beeinflussung von Serotonin Rezeptoren im präfrontalen Kortex ausgeglichen werden.

Nach der Einnahme von Quetiapin bindet der Wirkstoff an Serotonin-5-HT2-Rezeptoren und es kommt zu einer Hemmung Freisetzung des Neurotransmitters Serotonin.

Serotonin gilt als hemmender Faktor für die Freisetzung von Dopamin. Durch die Hemmung von Serotonin kommt es nun in der Folge zu einer Erhöhung der Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin. Somit kann ein Ausgleich des Dopaminmangels im präfrontalen Kortex erreicht werden.

Zudem kommt es zu einer Minderung von Erregungszuständen durch die spezifische Wirkung an Histamin-H1-Rezeptoren. Psychotisch bedingte Schlafstörungen können ebenfalls reduziert werden durch die Einnahme von Quetiapin.

Eine weitere Eigenschaft, welche Quetiapin von typischen Neuroleptika unterscheidet, ist die antidepressive Wirkkomponente. Depressive Verstimmungen im Rahmen der Schizophrenie können therapiert werden. Außerdem kann die Einnahme von Quetiapin die Wirkung von Antidepressiva verbessern.

Indikationen von Quetiapin

Die Hauptindikation von Quetiapin sind Depressionen im Rahmen bipolarer Störungen. Hier wird zumeist eine Kombination mit Antidepressiva bevorzugt.

Zudem wird Quetiapin zur Behandlung von Schizophrenie und auch manischen Episoden in Rahmen einer bipolaren Störung verschrieben.

Überdies wird es als Rückfallprophylaxe für manische oder depressive Episoden bei Patienten mit bipolaren Störungen verwendet. Diese Rezidivprophylaxe wird meist über einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahren angewendet. Bei mehrmaligem Auftreten der Symptomatik kann es zu einer Ausdehnung des Behandlungszeitraumes kommen – von bis zu 5 Jahren.

Die Daueranwendung ist nur in sehr schweren Fällen und meist auch in Kombination mit drohender Gefahr von Fremdgefährdung indiziert. Allgemein kann zur Rezidivprophylaxe festgehalten werden, dass sie sehr sinnvoll ist. Die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall zu erleiden, wird bei mehr als zwei Drittel der Fälle reduziert.

Außerdem wird Quetiapin Off-Label bei Schlaf-, Ess- und Persönlichkeitsstörungen verwendet. Die Anwendung sollte aber nur nach einer sehr genauen Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Nebenwirkungen von Quetiapin

Im Gegensatz zu den typischen Neuroleptika kommt es bei der Einnahme von Quetiapin zu weniger extrapyramidalen Nebenwirkungen. Diese können jedoch trotzdem auftreten und umfassen gestörte Bewegungsabläufe, die mit einem erhöhten Muskeltonus einhergehen. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen ebenfalls: Kreislaufstörungen mit einhergehendem Schwindel, niedriger Blutdruck und Sedation. Die Sedierung kommt durch die Blockade der H1-Rezeptoren zustande und lässt meist im Verlauf der Behandlung nach. Zudem ist zu vermerken, dass es unter der Einnahme von Quetiapin häufig zu einer Gewichtszunahme kommen kann. Ursache dafür sind gesteigerte Müdigkeit und Antriebslosigkeit, die mit der Einnahme zunehmen. Dadurch wird vom Körper auch weniger Energie verbraucht. Die Folge ist bei gleichbleibender Nahrungszufuhr eine Gewichtszunahme. Im weiteren Verlauf kann es zur Entwicklung von Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus Typ 2 kommen.

Wissenswert

Zudem ist zu erwähnen, dass es während der Einnahme von Quetiapin zu sexuellen Funktionsstörungen kommen kann. Die Ursache dafür ist, dass die Einnahme von Quetiapin zu einer vermehrten Freisetzung des Hormons Prolactin beitragen kann. Die Folge ist eine verminderte Libido bis hin zur Unfruchtbarkeit . Bei Männern kommt es zu einer Störung der Spermienproduktion durch Prolactin. Bei Frauen führt die vermehrte Ausschüttung von Prolactin zu einem Ausfall des Eisprungs.

Seltener kann Quetiapin zu Störungen des Blutbildes führen. Die Folge ist ein Mangel an Leukozyten und damit auch lebensbedrohliche Immundefekte. Im Vergleich zu typischen Neuroleptika ist diese Nebenwirkung jedoch bei Quetiapin sehr selten. Außerdem kann es zu einer Zunahme der Blutfettwerte kommen. Deshalb sollten während der Einnahme in regelmäßigen Abständen Blutbildkontrollen erfolgen.

Weiters blockiert Quetiapin periphere Muscarinrezeptoren, in weiterer Folge kommt es zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Verstopfung , Störungen beim Entleeren der Blase und Herzrhythmusstörungen . Zudem sind Glaukomanfälle und verschwommenes Sehen durch Akkomodationsstörungen möglich.

Wechselwirkungen von Quetiapin

Besonders wichtig zu erwähnen ist, dass die gleichzeitige Einnahme von sedierenden Substanzen mit Quetiapin nicht erfolgen sollte. Alkohol oder beispielsweise Benzodiazepine sind hier klar kontraindiziert und können schwere Nebenwirkungen bis hin zu lebensbedrohlichen Atemdepressionen führen.

Achtung

Die gleichzeitige Einnahme von Lithium und Quetiapin kann epileptische Anfälle und Delirium nach sich ziehen.

Vorsicht ist ebenfalls geboten bei blutdrucksenkenden Medikamenten. Hier kann es zu einer Verstärkung der Wirkung kommen. Zudem sollten keine Medikamente eingenommen werden, die eine Blockade der Muscarin-Rezeptoren hervorrufen, hier kann es ebenfalls zu einer Zunahme von Nebenwirkungen kommen.

Arzneimittel, die zu Störungen des Elektrolythaushalts oder zu einer Verlängerung des QT-Intervalls führen, sollten nicht zusammen mit Quetiapin eingenommen werden. Hier kommt es zu einer Erhöhung des Risikos, Nebenwirkungen am Herzen zu erleiden. Zudem sollten Medikamente, welche zu Störungen des Blutbildes führen, vermieden werden. Dadurch kann das Risiko, schwerwiegende Nebenwirkungen (Agranulozytose) im Laufe der Einnahme von Quetiapin zu erleiden verringert werden.

Kontraindikationen von Quetiapin

Quetiapin sollte bei Störung der Blutbildung nicht eingenommen werden. Zudem ist eine Einnahme bei akuten Delirien kontraindiziert. Personen, die an kardiale Beschwerden leiden, sollten ebenfalls von der Einnahme von Quetiapin absehen.

Achtung

Personen, die an einem Darmverschluss leiden oder bei denen auch eine Prostatahyperplasie diagnostiziert wurde, sollten ebenfalls von einer Einnahme absehen.

Durch die Wirkung von Quetiapin auf Muscarinrezeptoren und die damit einhergehende Erhöhung des Risikos einen Glaukomanfall zu erleiden, sollte bei einer bestehenden Glaukomerkrankung auf die Einnahme von Quetiapin verzichtet werden.

Zusammenfassung

Bei Quetiapin handelt es sich um ein sehr potentes Neuroleptikum, welches sehr gut erprobt ist und heutzutage gerne eingesetzt wird. Als atypisches Neuroleptikum verfügt es im Gegensatz zu typischen Neuroleptika über eine sehr geringe extrapyramidale-motorische Wirkung. Deshalb wird es auch klinisch bevorzugt. Die bei der Einnahme von Quetiapin häufig vorkommende Gewichtszunahme ist mit einer gesunden Lebensweise entgegenzuwirken und sollte deshalb nicht überbewertet werden. Schwerwiegende Nebenwirkungen wie Störungen des Blutbildes sollten bei der Nutzen-Risiko-Abwägung immer im Hinterkopf behalten werden, da diese Nebenwirkung zwar selten auftritt, jedoch lebensbedrohlich sein kann. Zudem ist es wichtig, die individuell passende Dosis zu finden, um eine effektive Behandlung zu gewährleisten.

Alle unsere medizinischen Inhalte werden regelmäßig überprüft und aktualisiert

  • Aktuelle Version
  • 12. März 2023

Geschrieben von
Florian Schnabl

Medizinisch geprüft am
12. März 2023

Begriffe

Darmverschluss

Der Darmverschluss kann je nach Ursache und Lokalisation genauer eingeteilt werden. Treten in zeitlichem Zusammenhang Stuhlverhalt, starke Bauchschmerzen und ggf. Erbrechen auf, sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
Das Delirium ist eine akute Störung des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, der Psychomotorik und des Schlaf – Wach – Rhythmus.
Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht man eine Erkrankung, die durch eine Störung des Zuckerstoffwechsels hervorgerufen wird. Betroffene Personen weisen einen mitunter deutlich erhöhten Blutzuckerspiegel auf, der langfristig die Entstehung einer Reihe von Folgeerkrankungen triggern kann.
Unter Halluzinationen versteht man verschiedene fehlerhafte Sinneseindrücke. Menschen, die an irrealen Wahrnehmungen leiden sehen, hören, riechen oder fühlen Dinge, die eigentlich nicht existent sind.
Herzrhythmusstörungen liegen dann vor, wenn das Herz verhältnismäßig zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig (Arrhythmie) schlägt.
Jeder Mensch ist hin und wieder von Müdigkeit betroffen. Dabei besteht auch erstmal kein Grund zur Sorge, denn besonders in stressigen Lebensphasen kommt die Nachtruhe bei einer Vielzahl der Menschen zu kurz.
Von Hypotonie („niedriger Blutdruck“) wird bei einem systolischen Blutdruckwert von unter 100 mmHg gesprochen. Der Blutdruckwert wird aus historischen Gründen in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben.
Die Schizophrenie beschreibt vereinfacht gesagt eine psychische Störung, bei der es vor allem zu Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, des Denkens, des Antriebs, der Gefühlswelt und im weiteren Verlauf zu einer Veränderung der gesamten Persönlichkeits-Struktur, kommt.
Schlafstörungen werden als selbst empfundene oder von anderen beobachtbare Beeinträchtigungen des normalen Schlafes hinsichtlich der Schlaftiefe und/oder der Schlafdauer mit daraus resultierenden Einschränkungen im Wachzustand (z.B. Leistungsminderung), definiert.
Von "Unfruchtbarkeit"(Sterilität) geht man immer dann aus, wenn es bei Kinderwunsch innerhalb von zwei Jahren, trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehrs, nicht zu einer Schwangerschaft kommt.
Verstopfung ist ein medizinischer Zustand, der Ihre Fähigkeit, Stuhl auszuscheiden, beeinträchtigen kann. Obstipation ist eine schwere Form der Verstopfung, bei der eine Person keinen Stuhlgang oder Blähungen hat.

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