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Humane Papillomviren (HPV)

Profilbild von Dr. Moritz Wieser Geschrieben von Dr. Moritz Wieser
3D Darstellung von HPV Viren.

Papillomaviren kommen weltweit und in vielen verschiedenen Arten vor. Neben Papillomaviren, die bei Säugetieren und Vögeln vorkommen, gibt es auch ausschließlich auf den Menschen beschränkte Papillomaviren (humane Papillomaviren). Infektionen mit HPV treten sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf, wobei davon ausgegangen wird, dass sich jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal infiziert.

In Deutschland unterliegen HPV-Infektion nicht der Meldepflicht, sodass Häufigkeitsdaten nicht verfügbar sind.

HPV-Infektion können jedoch verschiedenste Tumore auslösen und laut dem Robert Koch-Institut erkranken jährlich etwa 6250 Frauen sowie 1600 Männer an HPV-bedingten-Karzinomen. Besonders häufig lösen HPV-Infektionen Zervixkarzinome, Vaginakarzinome, Peniskarzinome sowie Karzinome im Bereich des Mund-Rachen-Raumes aus.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren bei HPV?

Die HPV-Viren sind unbehüllte, doppelsträngige DNA-Viren aus der Familie der Papillomaviren. Mittlerweile sind rund 200 verschiedene HPV-Arten identifiziert. Viren aus der Gattung Alpha können die Haut und Schleimhaut infizieren. Laut WHO sind derzeit die Typen 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58 und 59 sicher krebsauslösend. Unter den Niedrigrisiko-Typen sind die Typen 6 und 11 erwähnenswert, da sie Genitalwarzen verursachen können.

HPV-Infektionen werden durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch, und dort vor allem durch sexuellen Kontakt übertragen. Dabei kommt es zu einem Eindringen der Viren durch kleinste Verletzungen im Bereich der Haut oder der Schleimhaut. Die Viren vermehren sich nach erfolgter Infektion in den Basalzellen der Haut.

Die Übertragungswege sind von den Sexualpraktiken abhängig, wobei es zu Vaginalinfektionen, Analinfektionen, Mundhöhleninfektionen oder Rachen-Infektionen kommen kann. Auch bei der Verwendung von Kondomen kann es zu einer Infektion kommen. Ein weiterer Übertragungsweg ist die Übertragung während der Geburt von der Mutter auf das Neugeborene. Eine Ansteckung kann wahrscheinlich während der gesamten akuten Phase und in der Zeit in der Zellveränderungen stattfinden passieren.

Risikofaktoren für HPV Infektion

Das Risiko sich mit HPV zu infizieren ist nicht für alle Menschen gleich hoch. Es gibt gewisse Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken deutlich erhöhen oder aber senken können. Gesteigert wird das Infektionsrisiko durch sogenannte Risikofaktoren. Oftmals infizieren sich Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine HPV-Infektion haben, auch mit anderen Geschlechtskrankheiten. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass sich Menschen, die an Chlamydien, Genital-Herpes oder ähnliche Infektionen leiden, auch deutlich häufiger mit HPV infizieren.

Kondome gelten als eines der besten Vorsorgemittel, das eine Infektion mit dem HPV-Virus verhindern kann. Die Ansteckung kann zwar auch bei zuverlässiger Nutzung nicht zu 100 Prozent verhindert werden, Kondome verringern das Infektionsrisiko jedoch enorm.

Vor allem Mädchen, die vor dem 16. Lebensjahr ihren ersten Sexualkontakt haben, steigt das Infektionsrisiko deutlich an.

Auch das Rauchen zählt zu den für eine HPV-Infektion relevanten Risikofaktoren. Neben der gesteigerten Anfälligkeit gegenüber bakteriellen und viralen Krankheitserregern steigern die in Zigaretten enthaltenen Substanzen auch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Zellen entarten und zu Tumorzellen werden.

Im Zuge einer Schwangerschaft kommt es aufgrund der Hormonanpassungen zu weitreichenden Veränderungen des weiblichen Körpers. Unter anderem verändert sich die Schleimhaut im Bereich des Gebärmutterhalses. Sie wird aufgrund dessen deutlich empfindlicher gegenüber mechanischen Einflüssen und anfälliger für Infektionen. Derartige Schleimhautveränderungen bleiben oftmals auch über einen längeren Zeitraum (sogar über Jahre) nach der Geburt des Kindes bestehen.

Menschen, bei denen das Immunsystem aufgrund einer Erkrankung wie HIV oder durch die Einnahme von Arzneimitteln geschwächt ist, haben ein deutlich höheres Risiko sich mit HPV zu infizieren.

Übertragung

Die HPV Viren können bereits beim bloßen Hautkontakt übertragen werden. Das gilt vor allem für jene Subtypen, die beim Menschen zur Entstehung von harmlosen Hautwarzen, sogenannten Papillomen, führen.

Typen des humanen Papillomavirus, die dazu in der Lage sind, die Geschlechtsorgane zu infizieren und dabei zur Ausbildung von Feigwarzen und/oder Gebärmutterhalskrebs führen können, werden jedoch vornehmlich während des Geschlechtsverkehrs von einem Menschen zum Anderen übertragen. Aus diesem Grund zählen HPV-Infektionen der Geschlechtsorgane zu den sogenannten Geschlechtskrankheiten. Darüber hinaus ist es möglich, dass die ursächlichen viralen Krankheitserreger durch Oralverkehr weiterzugeben. Kommt also die Mundschleimhaut einer gesunden Person mit HPV-infizierter Haut an Schamlippen oder Penis in Kontakt, so führt dies unweigerlich zur Ansteckung.

Obwohl es ein eher seltener Ansteckungsweg ist, können HPV-Viren auch über den Körperkontakt beim gemeinsamen Baden übertragen werden. Außerdem ist es ebenfalls möglich, dass die verantwortlichen Erreger an infizierten Gegenständen wie zum Beispiel Sexspielzeug haften und von dort weitergetragen werden.

Sexualkontakt ist mit Abstand der häufigste Ansteckungsweg. Aber auch eine Übertragung von Mutter zu Kind ist keine Seltenheit. Die für eine Infektion verantwortlichen viralen Erreger gelangen in diesen Fällen während der Geburt in den Organismus des Neugeborenen. Infolgedessen kann es unter Umständen zur Entstehung eines gutartigen Tumors im Bereich des Kehlkopfes kommen (Larynx-Papillom).

Beim Stillen hingegen besteht so weit es heute erforscht ist keinerlei Ansteckungsgefahr für den Säugling. Auch normales Küssen oder Blutspenden zählen nicht zu den Übertragungswegen von HPV-Viren.

Was sind die Symptome von HPV?

Die Inkubationszeit für Niedrigrisiko-HPV-Typen (Zeit von der Infektion bis zur Ausbildung von Genitalwarzen) beträgt laut Robert Koch-Institut meist zwei bis drei Monate. Die Zeitspanne kann jedoch variieren, so sind Inkubationszeiten von nur 2 Wochen bis zu 8 Monaten möglich. Die Inkubationszeit von Hochrisiko-HPV-Typen wird auf drei bis sechs Jahre für die hochgradig tumorverdächtigen Veränderungen geschätzt. Bis zur Ausbildung eines Karzinoms dauert es nach der Infektion mit einem Hochrisiko-Typ meist 10 bis 30 Jahre. Für die Entwicklung von Karzinomen bei Männern liegen keine entsprechenden Daten vor.

Die meisten Infektionen mit HPV verlaufen ohne Symptome.

Bei Infektionen mit den Hochrisiko-Typen handelt es sich meist um Infektionen, die nach ein bis zwei Jahren nicht mehr nachweisbar sind. Man schätzt, dass es in etwa 10 % der Fälle zu anhaltenden, bestehenden Infektionen kommt. Die Symptome unterscheiden sich je nach Infektionstyp. Die Infektionen mit einem Niedrigrisiko-HPV-Typ (zum Beispiel Typen 6 und 11) können zu Genitalwarzen führen (Condylomata acuminata, Feig- oder Feuchtwarzen). Die zunächst einzeln wachsenden Warzen können sich vergrößern und von Juckreiz begleitet sein. Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Typen lösen Zellveränderungen ohne weitgehende Symptome aus. Die Zellveränderungen an der Gebärmutter werden in der Regel erst durch Screening-Untersuchungen entdeckt. Das Zervixkarzinom stellt den häufigsten durch HPV ausgelösten Tumor dar, wobei es weltweit der vierthäufigste Tumor bei Frauen ist. Früherkennungsprogramme für die anderen durch HPV ausgelösten Krebsarten gibt es in Deutschland nicht.

Wie wird HPV diagnostiziert?

Die Diagnose einer HPV-Infektion erfolgt meist durch eine Inspektion und bei Verdacht durch einen DNA-Nachweis der HPV-Typen mithilfe der Hybridisierung oder durch PCR.

Therapie bei HPV

Für die Behandlung von Genitalwarzen stehen verschiedene Therapieoptionen zu Verfügung. Es kann eine Selbstbehandlung mithilfe von aufgetragenen Cremes, Salben oder Lösungen erfolgen. Zudem gibt es die Möglichkeit der Abtragung von Gewebe durch elektrischen Strom, durch Ausschabung (Kürettage), Kältetherapie, Lasertherapie und Operationen. Entscheidend für die Behandlung von Hochrisiko-HPV-Typen ist die frühe Erkennung von Krebsvorstufen. So können beispielsweise Gebärmutter-Veränderungen durch eine HPV-Infektion mithilfe einer Gewebeentnahme (Konisation) am Gebärmutterrand behandelt werden. Andere bösartige Veränderung von HPV-Infektionen können je nach Tumorart und Lokalisation unterschiedliche Behandlungen benötigen. Beispielsweise kommen hier chirurgische Therapien, die Strahlen- oder die Chemotherapie zur Anwendung.

Seit Beginn des Jahrtausends gibt es eine Schutzimpfung gegen HPV. Derzeit werden zwei verschiedene Impfungen angeboten, wobei es den zweivalenten Impfstoff Cervarix und den neunvalenten Impfstoff Gardasil gibt. Die Impfung wird in der Regel gut vertragen und ist insbesondere für Kinder und Jugendliche, welche noch nicht sexuell aktiv sind, empfehlenswert.

Wie ist die Prognose bei HPV?

Von den etwa 4500 Frauen, die jährlich in Deutschland an Gebärmutterkrebs erkranken, versterben etwa 1500. Dieses Verhältnis dürfte auch bei Männern in etwa so bestehen. Jährlich kommt es bei Männern durch HPV-Infektionen zu 750 Karzinomen der Mundhöhle beziehungsweise des Rachens, 600 Anal- und mindestens 250 Peniskarzinome.

Empfehlungen zur Nachsorge bei HPV

Die Nachsorge einer bestätigten HPV-Infektion erfolgt im Intervall beim behandelnden Gynäkologen, HNO-Arzt oder Urologen.

Zusammenfassung

Die HPV-Infektion ist eine meist sexuell übertragene Erkrankung, die je nach Subtyp zu Genitalwarzen oder zu Karzinomen führen kann. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Subtypen, wobei es eine Impfung gegen die Hochrisiko-Typen gibt. Es wird vermutet, dass sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit HPV infiziert.

Quellen
  • Groffik, C. 2020. Impfen. Eine Entscheidungshilfe für Eltern. 1 ed.: Springer.
  • Lehtinen, M., C. Lagheden, T. Luostarinen, T. Eriksson, D. Apter, A. Bly, P. Gray, K. Harjula, K. Heikkila, M. Hokkanen, H. Karttunen, M. Kuortti, P. Nieminen, M. Nummela, J. Paavonen, J. Palmroth, T. Petaja, E. Pukkala, A. Soderlund-Strand, U. Veivo, and J. Dillner. 2021. "Human papillomavirus vaccine efficacy against invasive, HPV-positive cancers: population-based follow-up of a cluster-randomised trial." BMJ Open 11 (12): e050669.
  • Maas, N. 2012. Gynäkologie und Geburtshilfe in 5 Tagen. 1 ed.: Springer.
  • Wong, A., J. L. Kraschnewski, K. E. Spanos, B. Fogel, and W. A. Calo. 2021. "Parental motivations for seeking second medical opinions for their child's HPV vaccine." Prev Med Rep 24: 101550.

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Häufig gestellte Fragen

Eine HPV-Infektion erfolgt auch bei einem guten Immunsystem durch kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen bei sexuellem Kontakt.

Theoretisch ist eine Infektion durch eine Schmierinfektion denkbar. Die meisten Infektionen erfolgen jedoch bei ungeschütztem sexuellen Kontakt.

Eine HPV-Virus Infektion ist im eigentlichen Sinne nicht heilbar. Es können jedoch Krebsvorstufen, beziehungsweise Zellveränderungen aus denen sich möglicherweise ein Karzinom entwickelt, frühzeitig behandelt werden.

Das HPV-Virus kommt sowohl in wenig gefährlichen, als auch in sehr gefährlichen Untertypen vor. Die Hochrisiko-Typen können zu einer Reihe von Karzinomen führen, die auch häufig tödlich enden.

Eine HPV-Infektion wird meist sexuell übertragen und kann sowohl die Genitalien als auch den Mund-Rachen-Raum betreffen. Dementsprechend kann man die HPV-Infektion als eine Geschlechtskrankheit bezeichnen.

Eine Ansteckungsfähigkeit ist wahrscheinlich während der gesamten akuten Phase und in der Zeit in der Zellveränderungen in den betroffenen Zellen stattfinden gegeben.

Eine Behandlung der HPV-Infektion durch eine Vitamin-Supplementation ist weder möglich noch notwendig.

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HPV einfach erklärt

Humane Papillomviren

Häufigkeit

  • Inzidenz: ca 6.250 Frauen und ca. 1.600 Männer pro Jahr

Risikofaktoren

  • häufig wechselnde Sexualpartner
  • ungeschützter Geschlechtsverkehr

Ursachen

  • Infektion mit dem humanen Papillomavirus

Symptome

  • Hautveränderungen
  • Juckreiz
  • Juckreiz am After

Komplikationen

  • andere Krebsarten (z. B. Vulvakarzinom Vaginalkrebs Analkrebs Peniskarzinom)
  • Gebärmutterhalskrebs

Diagnose

  • Anamnese
    • Finden sich bei ihnen rötliche, bräunliche oder weißliche Papeln in der Genital- und/oder Analregion?
    • Leiden sie an Juckreiz in der Genitalregion?
    • Leiden sie an Juckreiz am After?
    • Wechseln sie häufig ihre Sexualpartner?
    • Haben sie ungeschützten Geschlechtsverkehr?
  • Gynäkologische Untersuchung
    • Suche nach sichtbaren Hautveränderungen
  • Spezifische Tests
    • PAP-Test
  • Kolposkopie
    • Scheidenspiegelung mit Auftragen von Essigsäure zur Darstellung veränderter Zellschichten
  • Biopsie

Therapie

  • Vereisung
  • Elektrokauterisation
  • Operation
  • Laserbehandlung
  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • Geschützter Geschlechtsverkehr (Kondome)
  • Intimhygiene

Mögliche Vorsorgemaßnahmen

  • Impfung
  • Regelmäßige gynäkologische Vorsorge

Prognose

  • Oft unbemerkte Abheilung
  • High Risk Typen können zu Tumoren führen

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