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Hodentorsion

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Geschrieben von
Bassem Maalouf (Arzt)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Hodenverdrehung?

Die Hodentorsion ist eine häufige Erkrankung. Dabei handelt es sich um eine Verdrehung des Hodens und Samenstranges um die eigene Achse innerhalb des Hodensackes. Da im Samenstrang auch Blutgefäße liegen, werden diese durch die Verdrehung abgeklemmt und der Hoden wird nicht mehr mit Blut versorgt. Dies führt zu starken Hodenschmerzen. Da Organe, die nicht mit Blut versorgt werden, binnen kurzer Zeit absterben können, handelt es sich bei der Hodentorsion um einen Notfall, der schnellstmöglich medizinisch versorgt werden muss.

Auslöser für eine plötzliche Hodentorsion können z.B. „ruckartiger“ Sport oder Fahrradunfälle sein. Dazu gehören aber auch Schläge oder Tritte in die Hodenregion.

Es gibt allerdings einige Risikofaktoren, die das Risiko für eine Hodentorsion erhöhen. Bei der Entwicklung von männlichen Ungeborenen entstehen die Hoden im Bauchraum, sie wandern erst bei Geburt in den Hodensack. Wenn der Hoden verspätet – also nach der Geburt – in den Hodensack wandert, kann das in weiteren Verlauf eine Hodentorsion begünstigen. Manchmal klappt das „Hinabwandern“ nicht vollständig und der Hoden verbleibt irgendwo auf der „natürlichen Wanderroute“. Eine solche Fehlposition nennt man Hodenhochstand .

Wissenswert

Eine weitere Fehlstellung der Hoden ist der Pendelhoden, wobei der Hoden zwischen dem Hodensack und dem Bauchraum hin- und herpendelt. Auch diese beiden Umstände können Risikofaktoren für eine Hodentorsion darstellen.

Was sind die Symptome einer Hodenverdrehung?

Die Hodentorsion geht mit plötzlich einsetzenden, sehr starken Schmerzen einher. Zusätzlich kommt es zu einer Schwellung und Rötung des betroffenen Hodens. Auch steht der betroffene Hoden höher als normal und wirkt unbeweglich. Die Schmerzen können auch in die Leiste und in den Bauch ausstrahlen. Manchmal kommt es zusätzlich zu Übelkeit und Erbrechen oder Herzrasen.

Achtung

Das Anheben des Hodens verstärkt die Schmerzen. Dies hilft eine Hodentorsion von einer Hodenentzündung zu unterscheiden. Bei der Hodenentzündung verspüren Betroffene beim Anheben des Hodens eine Besserung der Schmerzen.

Wie wird die Hodenverdrehung diagnostiziert?

Im Vordergrund stehen immer die Beschreibung der Beschwerden und die ärztliche, körperliche Untersuchung. In jedem Fall sollte ein Ultraschall der beiden Hoden gemacht werden. Im Ultraschall kann man feststellen, ob der Hoden noch durchblutet wird und wenn nicht, wie sehr der Hoden dadurch schon beeinträchtigt ist. In den meisten Fällen, lässt sich dann bereits eine Diagnose stellen.

Therapie bei Hodenverdrehung

Die Haupttherapie der Hodentorsion ist immer die Operation. Ob der Hoden noch funktionsfähig ist, hängt vom Schweregrad und der Dauer der Hodentorsion ab. Die Operation soll nicht später als sechs Stunden nach Beginn der Beschwerden erfolgen. Wenn es sich um eine schwerwiegende Hodentorsion handelt, kann es sein, dass dieser in der Operation nicht erhalten werden kann und entfernt werden muss. In der Operation wird der betroffene Hoden entwirrt und anschließend von innen im Hodensack befestigt. Das verhindert, dass der Hoden sich ein weiteres Mal verdreht. Nach einer Hodentorsion eines Hodens ist das Risiko einer Hodentorsion des zweiten Hodens auch erhöht, weshalb man diesen bei der Operation direkt auch befestigt. Am äußeren Erscheinen ändert das nichts.

Hinweis

Wenn eine Operation nicht sofort möglich ist, kann zuvor (von Ärzt:innen) versucht werden den Hoden mit der Hand zu entwirren. Selbst, wenn dieses Manöver die Symptome lindert, wird trotzdem in einer Operation überprüft, ob der Hoden wieder frei liegt und dann befestigt.

Wie ist die Prognose einer Hodenverdrehung?

Wird die Operation in dem Zeitraum unter sechs Stunden nach Beschwerdebeginn durchgeführt und erfolgt komplikationslos, so kann man davon ausgehen, dass die Hodentorsion keine negativen Folgen hat. Wenn die Verdrehung besonders schlimm ist oder erst spät operiert wird, kann es sein, dass das Gewebe durch die mangelnde Blutversorgung so zerstört ist, dass der Hoden nicht mehr gerettet werden kann. Wenn ein Hoden entfernt werden muss, bleibt man in der Regel weiterhin fruchtbar, da beiden Hoden Spermien produzieren.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Hodenverdrehung

Oft werden die Nähte am Hodensack mit resorbierbarem (sich auflösendem) Faden gemacht, sie müssen dann nicht entfernt werden. Die Wunde kann bei Bedarf hausärztlich kontrolliert werden. Gibt es hierbei keine Probleme, bedarf es keiner weiteren Nachsorge. In manchen Fällen ist es sinnvoll, zur Kontrolle ein Ultraschall zu machen, um die Durchblutung des Hodens zu überprüfen.

Zusammenfassung

Die Hodentorsion ist ein häufiger urologische Notfall, der vor allem junge Personen betrifft. Sie äußert sich durch starke Schmerzen und benötigt schnellstmöglich eine Operation, um die Durchblutung des Hodens wieder herzustellen und den Hoden zu retten.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Die Hodentorsion ist eine der häufigsten urologischen Notfälle, 1/4000 Männer unter 25 Jahren ist betroffen.

Sobald plötzlich einsetzende, starke Schmerzen auftreten, der Hoden zudem rot und geschwollen wirkt, sollte man eine Ärztin aufsuchen.

Da die Hodentorsion spontan auftritt, kann sie nicht durch Maßnahmen verhindert werden. Risikofaktoren wie Hodenfehlstellungen sollten korrigiert werden.

Hodenverdrehung Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Hodenverdrehung

Hodentorsion

Epidemiologie

  • Auftreten: 1 pro 4.000 Männer <25 J.
  • zwei Häufigkeitsgipfel: - 1. Lebensjahr (vor allem Säuglinge) - 12-18. Lebensjahr (65% aller Fälle)

Risikofaktoren

  • Hodenhochstand
  • Pendelhoden
  • verspätete Deszendierung
  • Bell-Clapper-Anomalie
  • vorherige Torsionen

Ursachen

  • abnorme Beweglichkeit des Hodens innerhalb des Skrotums

Pathophysiologie

  • abnorme Beweglichkeit des Hodens innerhalb des Skrotums > Rotationsstimulus (z.B. Sport) > Verdrehung von Hoden und Samenstrang > venöse Abflussbehinderung > Stase des Blutes > Schwellung > Ödem > Einengung der arteriellen Gefäße > verminderte Blutzufuhr > Thrombose und Nekrose des Hodengewebes > Infarzierung

Symptome

  • Schwellung
  • Schmerzen im Hodensack oder Hoden

Komplikationen

  • hämorrhagische Hodennekrose
  • Unfruchtbarkeit

Diagnose

  • Anamnese
    • Ist der Hoden ihres Kindes stark geschwollen?
    • Sind bei ihrem Kind plötzlich starke Schmerzen im Hoden aufgetreten?
    • Strahlen diese Schmerzen bis in die Leiste aus?
    • Ist bei ihrem Kind ein Hodenhochstand bekannt?
  • Körperliche Untersuchung
    • Prehn-Zeichen: negativ (Anheben des Hodens führt also nicht zur Schmerzlinderung)
    • Kremasterreflex: nicht auslösbar
    • Gespanntes Abdomen bis hin zu Peritonismus
    • Hodenhochstand ipsilateral
  • Ultraschalluntersuchung
    • Sono-Hoden: oft unverändert, bei Nekrose wird das Gewebe inhomogen
  • Farbkodierte Duplexsonografie
    • fehlende oder abgeschwächte Durchblutung

Differenzial Diagnose

  • Hodenkrebs
  • Blinddarmentzündung
  • Hodenentzündung

Therapie

  • Operation

Präventionsmaßnahmen

  • -

Mögliche Vorsorgemaßnahmen

  • -

Begriffe

Hodenentzündung

Die Hodenentzündung ist eine entzündliche Erkrankung des Hodens, die meist durch das Übergreifen einer Entzündung des Nebenhodens auf den Hoden auftritt.
Der Hodenhochstand bezeichnet verschiedene Zustände beim Kind, bei dem mindestens ein Hoden noch nicht dauerhaft im Hodensack liegt. Meistens wartet man sechs Monate ab, ob der Hoden von alleine hinunterwandert.
Wenn ein Mensch, unter Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis) leidet, verspürt er in der Regel ein flaues Gefühl im Bereich des oberen Verdauungstrakts.

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