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Integrative Onkologie - ein zusätzliches Angebot in der Krebstherapie

Interview mit Prof. Dr. med. Claudia M. Witt

Über Prof. Dr. med. Claudia M. Witt:

Prof. Dr. med. Claudia M. Witt, MBA ist Ärztin und Epidemiologin. Sie hat an der Universität Zürich den Lehrstuhl für Komplementär- und Integrative Medizin inne und leitet eine Forschungsgruppe am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité- Universitätsmedizin Berlin. Sie ist international anerkannt im Bereich Integrative Onkologie und hat mit ihren Forschungsprojekten Fortbildungen und Kompetenzen dazu weiterentwickelt, sowie zu einer einheitlichen Definition beigetragen. Sie ist Mitautorin von Leitlinien im Bereich Integrative Onkologie in Deutschland und den USA. Weiterhin ist sie an der Universität Zürich Co-Direktorin der Digital Society Initiative und hat langjährige Erfahrung im Bereich Digital Health.

Kann die integrative Onkologie in Verbindung mit herkömmlichen Krebstherapien eingesetzt werden?

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Ja - es ist ein zusätzliches Angebot und die Definition, die wir dazu publiziert haben beschreibt dies gut: Integrative Onkologie ist ein patientenzentriertes, evidenzinformiertes Gebiet der Krebstherapie, das Mind-Body-Verfahren, natürliche Produkte und/oder Lebensstil-Änderungen aus unterschiedlichen Traditionen begleitend zu den konventionellen Krebstherapien einsetzt. Die Integrative Onkologie versucht, Gesundheit, Lebensqualität und klinische Outcomes über den Behandlungsverlauf hinweg zu optimieren und Menschen zu befähigen, Krebs vorzubeugen und zu aktiven Teilnehmenden vor und während der Krebsbehandlung, sowie über diese hinaus zu werden.

Was sind einige der vielversprechendsten Therapiemöglichkeiten in der integrativen Onkologie?

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Positive Empfehlungen in den Leitlinien haben wir primär für sog. nichtpharmakologische Therapien wie Achtsamkeit, Akupunktur, Qigong und Yoga. Bei allen handelt es sich um supportive Therapieempfehlungen.

Wie können Patient:innen sicherstellen, dass Sie eine sicherere und qualifizierte integrative onkologische Behandlung erhalten und welche Fragen sollten sie stellen, bevor sie eine Behandlung beginnen?

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In einem Forschungsprojekt haben wir dazu Kriterien entwickelt. Seriöse Anbieter sollten: Bereit sein, mit Patient:innen über mögliche Wechselwirkungen zwischen der komplementärmedizinischen Behandlung und ihrer Krebstherapie zu sprechen. Die Diagnose und die bisherige Behandlung erfragen. Patient:innen erklären, warum speziell diese komplementärmedizinische Behandlung für sie empfehlenswert ist. Patient:innen die Möglichkeiten und Grenzen dieser Behandlung realistisch und verständlich darstellen und bereit sein, bisherige Erfahrungen mit diesem Verfahren darzulegen sowie gesicherte Daten zu vermitteln. Mit Patient:innen Ziele, Inhalte, Dauer und Kosten der geplanten Behandlung und Änderungen im Verlauf sowie Wege zur möglichen Erstattung besprechen. Eine angemessene Bedenkzeit einräumen und Patient:innen ermöglichen, sich frei für oder gegen die vorgeschlagene Behandlung zu entschließen. Die Entscheidung für oder gegen eine komplementärmedizinische Behandlung respektieren. Eine nachvollziehbare Rechnung für die Behandlung vorlegen.

Welche Rolle spielen Leitlinien bei der Gestaltung der Zukunft der integrativen Onkologie und welche Herausforderungen sind mit der Erstellung dieser Leitlinien verbunden?

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Leitlinien helfen uns dabei, einen komplexen Bereich der Medizin besser zu sortieren. Die Herausforderung in der Integrativen Onkologie ist aber die extreme Breite der Verfahren und Anwendungsbereiche. Möchte man alles in einer Leitlinie abdecken ist die Analyse der Literatur aufwendig und es ist schwerer Expert:innen zu finden, die eine so breite Expertise haben.

Welche Kommunikationsstrategien wenden Sie an, um Patienten und ihren Familien zu helfen, schwierige Entscheidungen über Behandlungsoptionen zu treffen, insbesondere wenn es Abwägungen zwischen potenziellen Vorteilen und Risiken gibt?

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Fragen und Zuhören sind ganz wichtig. Es geht darum zu verstehen, weshalb sie Komplementärmedizin oder auch spezielle Verfahren der Komplementärmedizin anwenden möchten. Erst wenn ich das Bedürfnis kenne, kann ich sinnvolle Empfehlungen machen. Und wenn sich etwas anderes dahinter verbirgt wie z.B. die Angst vor dem Tod, dann braucht es etwas anderes.

Wie können Ihrer Meinung nach soziale Medien und andere digitale Plattformen in der integrativen Onkologie genutzt werden, und welche potenziellen Risiken und Herausforderungen sind mit diesen Technologien verbunden?

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Die heute vorhandenen Informationen zur Komplementärmedizin auf Webseiten und in sozialen Medien überfordern Krebserkrankte zumeist, weil sie zumeist weder sortiert noch qualitätsgesichert ist. Hier finden sich auch potentiell gefährliche Empfehlungen. Deshalb ist es wichtig, seriöse Information wie z.B. aus den Leitlinien auch nutzerfreundlich und verständlich zur Verfügung zu stellen. Die Medizin wird stark digitalisiert werden und damit ergeben sich auch Möglichkeiten, Empfehlungen in der Zukunft besser zu individualisieren und mehr auf Daten zu basieren.

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