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Magenkrebs

Profilbild von Dr. Moritz Wieser Geschrieben von Dr. Moritz Wieser
Medizinische 3D-Illustration eines Magenkrebs.

Die Erkrankung Magenkrebs bezeichnet einen malignen (bösartigen) Tumor der von der Magenschleimhaut ausgeht.

Die Anzahl der Neuerkrankungen in Deutschland liegt bei etwa 20.000 Betroffenen pro Jahr, wobei Männer und Frauen in etwa gleich häufig betroffen sind. Magenkrebs ist unter den 5 häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 70 Jahren und bei Frauen bei 74 Jahren.

Die Erkrankung ist in den letzten Jahren rückläufig, da das Vorkommen des häufigsten Risikofaktors (Helicobacter-Pylori-Infektion) in den letzten Jahren abgenommen hat und bei typischen Symptomen meist frühzeitig eine Endoskopie des Magens durchgeführt wird. So können Magenkarzinome immer häufiger in frühen Stadien entdeckt werden.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren bei Magenkrebs?

Als Risikofaktoren gelten insbesondere eine salzhaltige Kost, sodass in Ländern, wo viel Salz konsumiert wird (beispielsweise in Grönland) Magenkarzinome besonders häufig vorkommen. Es wird angenommen, dass durch die salzhaltige Kost die Magenschleimhaut verletzt wird. Ein weiterer Risikofaktor sind die Nitrosamine, welche entstehen, wenn Nitrate, etwa aus Düngerückständen oder Pökelsalzen, mit Eiweißen in Lebensmitteln reagieren.

Man unterscheidet prinzipiell endogene von exogenen Risikofaktoren. Endogene Risikofaktoren sind die Helicobacter-pylori-positive Gastritis (Typ-B-Gastritis), die chronisch-atrophische Autoimmungastritis (Typ-A-Gastritis), adenomatöse Magenpolypen , Morbus Menetrier, Zustand nach einer Magenteilresektion und genetische Faktoren wie zum Beispiel Mutationen im E-cadherin-Gen. Exogene Risikofaktoren für das Magenkarzinom sind ein Alkohol- oder Nikotinabusus und wie oben beschrieben (nitritpökel)salzhaltige Lebensmittel.

Hohe Inzidenzen gibt es neben Grönland auch in Südostasien, Finnland, Chile und Kolumbien.

Was sind die Symptome bei Magenkrebs?

Die typischen Symptome sind uncharakteristische Oberbauchbeschwerden, Nüchternschmerz, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Abneigung gegen Fleisch, Leistungsminderung, Gewichtsabnahme, Bluterbrechen und eventuelle Magenblutungen, Bauchschmerzen und pathologisch vergrößerte Virchow-Lymphknoten in der Supraklavikulargrube. Häufig ist der Magenkrebs erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium symptomatisch.

Bei Magenbeschwerden sollte deshalb nach 2-3 Wochen ohne Besserung unter entsprechender Therapie immer eine endoskopische Diagnostik (Magenspiegelung) durchgeführt werden. 

Komplikationen des unbehandelten Magenkarzinoms umfassen die Magenausgangsstenose, gedeckte oder freie Perforationen des Magens mit einer Peritonitis, ein maligner Aszites bei Peritonealkarzinose und paraneoplastische Syndrome (beispielsweise eine erhöhte Thromboseneigung).

Wie wird der Magenkrebs diagnostiziert?

Das Ziel der prätherapeutischen Diagnostik ist, den Tumor histologisch zu verifizieren und eine geeignete Behandlungsmethode für den Betroffenen zu finden. Besonders wichtig ist es, Betroffene zu identifizieren, die mit einer adäquaten Operationstechnik, sowohl den Tumor betreffend als auch im Lymphabflussgebiet, tumorfrei reseziert werden können (UICC R0). Der primäre Tumornachweis erfolgt mittels der Gastroskopie mit multiplen Biopsien. Zum Staging des Magenkrebses gehört eine CT-Untersuchung des Abdomens, sowie eine Sonografie, um über Lymph- und Fernmetastasen Klarheit zu gewinnen. Bei der Endoskopie (Magenspiegelung) sollte die Lokalisation und die Oberflächenbeschaffenheit des Tumors klassifiziert werden. Besonders die Lokalisation des Tumors ist für eine chirurgische Entfernung des Tumors essenziell, da sie unterschiedliche operative Strategien impliziert.

Die Einteilung der Tumore erfolgt in Adenokarzinome und diffus (zirrhöse) Karzinome, frühe Karzinome (meist genetisch) und Karzinome des Alters, sowie distale Adenokarzinome (meist durch H.pylori) und proximale Adenokarzinome. Zu den Magentumoren zählen auch Karzinome des Pylorus, sowie Karzinome des gastroösophagealen Übergangs. Die Karzinome des gastroösophagealen Übergangs (AEG oder "adenocarcinoma of the esophago-gastric junction") können unterteilt werden in AEG I-III. Adenokarzinome des distalen Ösophagus (Barett-Karzinome) sind AEG Typ I. Die eigentlichen Karzinome der Magen-Kardia AEG Typ II und Tumore des proximalen Magendrittels AEG Typ III. Die Lokalisation der Magenkarzinome beträgt in etwa 35% im Antrum und Pylorus, 30% an der kleinen Kurvatur und 25% in der Kardia des Magens.

Nach dem Tumorprogress werden Magenfrühkarzinome (Mukosakarzinome), lokalisierte Magenkarzinome (Infiltration in Submukosa oder tiefere Schichten), lokal fortgeschrittene Magenkarzinome (Infiltration in Nachbarorgane) sowie fernmetastasierte Tumore unterschieden.

Die Einteilung der Magenkarzinome nach TNM/R-Klassifikation ist wie folgt:

T-Primärtumor:

  • T1a: Limitiert auf die Mukosa (Invasion der Lamina propria)
  • T1b: Invasion der Submukosa
  • T2a: Tumor infiltriert die Muscularis propria
  • T2b: Tumor infiltriert die Subserosa
  • T3: Penetration der Serosa ohne Invasion benachbarter Strukturen
  • T4: Tumor infiltriert benachbarte Strukturen und/oder Organe

N-Regionäre Lymphknoten:

  • N0: Keine Lymphknotenmetastasen
  • N1: 1-6 Lymphknoten betroffen
  • N2: 7-15 Lymphknoten betroffen
  • N3: Über 16 Lymphknoten betroffen
  • N-Ratio: Quotient von betroffenen zu weit entfernten Lymphknoten

M-Fernmetastasen:

  • M0: Keine Fernmetastasen
  • M1: Fernmetastasen (Lymphknoten, Virchow-Lymphknoten, Peritoneum, Leber, Lunge)

R-Residualtumor:

  • R0: Kein Resiudaltumor
  • R1: Mikroskopischer Residualtumor
  • R2: Makroskopischer Residualtumor

Je nach TNM/R-Klassifikation geht das Magenkarzinom auch mit einer unterschiedlichen Prognose einher. Prognostisch günstig sind bei allen Unterpunkten eine möglichst niedrige Zahl neben dem Buchstaben.

Im Blutbild kann beim Magenkarzinom häufig eine Eisenmangelanämie nachgewiesen werden, weiters findet man oft okkultes Blut im Stuhl. Auch eine Bestimmung des Tumormarkers CA19-9 ist bei Magenkrebs von Bedeutung. Dieser Tumormarker ist insbesondere bei Tumoren des Magen-Darm-Traktes erhöht (Bauchspeicheldrüsen-Krebs, Gallenwegkrebs, Dickdarmkrebs, Leberzellkrebs). Bei Gesunden ist der Wert normalerweise unter 37 U/ml.

Differenzialdiagnosen des Magenkarzinoms umfassen das Ulcus ventriculi, die Refluxkrankheit und andere Raumforderungen wie Non-Hodgkin-Lymphome (MALT-Lymphom), Adenome, Polypen und gastrointestinale Strumatumore (GIST).

Therapie bei Magenkrebs

Magenkarzinome des Stadiums T1 mit einer guten Differenzierung und keinen Lymphknotenmetastasen können lokal entfernt werden. Alle anderen Karzinome sollten durch eine Magenresektion, wenn möglich, kurativ entfernt werden. Das Ausmaß der Magenresektion hängt von der Ausdehnung des Primärtumors ab. Häufig liegt bei Diagnose bereits eine Lymphknoten-Metastasierung vor, hier sollte eine Gastrektomie mit einer erweiterten D2-Lymphknotendissektion durchgeführt werden. D2 bedeutet, dass hier auch betroffene Lymphknoten, die nicht unmittelbar an den Magen grenzen, entfernt werden.

Bei einer R0-Resektion liegt die mittlere 5-Jahres-Überlebensrate meist bei über 65 %. R0 heißt, dass die Tumorränder, sowohl makroskopisch als auch mikroskopisch, frei von malignen Zellen sind. Ist die R0-Resektion nicht sicher zu erreichen, sollten multimodale Therapiestrategien angewendet werden. Meist wird hier eine perioperative Chemotherapie über 1-2 Zyklen durchgeführt, welche die Prognose stark verbessert. AEG-III-Tumore werden wie Magenkarzinome behandelt, AEG-I- und AEG-II-Tumore zählen zu den Ösophaguskarzinomen und werden meist neoadjuvant oder mit einer definitiven Radio-Chemotherapie behandelt.

Die neoadjuvante Radio-/Chemotherapie erfolgt mit 5-FU, Folinsäure und Cisplatin. Ab dem Stadium II werden Cisplatin und Epirubicin eingesetzt.

Palliative Therapieoptionen umfassen die Bougierung, Tubus- und Stentimplantationen, die Anlage einer perkutanen endoskopisch kontrollierten Jejunostomie (PEJ) und die parenterale Langzeiternährung.

Wie ist die Prognose bei Magenkrebs?

Die Prognose des Magenkrebses unterscheidet sich, wie bei allen malignen Tumoren, in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Krankheitsstadien, deutlich. Während die 5-Jahre-Überlebensrate des Frühkarzinoms bei etwa 95 % liegt, liegt die Gesamt-Überlebensrate aller Patienten über 5 Jahre nur bei etwa 10 %.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einem Magenkrebs

Zurzeit werden die Expression von PD-L1 sowie der MSI-H-Phänotyp als großer Prognosefaktoren für den Magenkrebs und das Ösophaguskarzinom angesehen. Diese Faktoren sind weiters wichtig, um das Ansprechen des Tumors auf eine Immuntherapie abschätzen zu können. Da die Immuntherapie mit hohen Kosten, einer Toxizität und einer möglichen Progression-Beschleunigung des Karzinoms verbunden ist, gilt es hier Betroffene, die einen Benefit von der Therapie erhalten können, zu identifizieren. In Zukunft werden in der Therapie des Magenkarzinoms möglicherweise Tumor-Impfungen und monoklonale Antikörper eingesetzt werden.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einem Magenkrebs

Die Nachsorge des Magenkarzinoms erfolgt je nach Stadium und Therapie im Intervall in der behandelnden Klinik. Hier gilt es die mögliche Tumorprogression zu überwachen, beziehungsweise nach kompletter Tumorentfernung, Rezidive möglichst früh zu erkennen. Nach einer Gastrektomie müssen auch Pankreasenzyme zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Eisen und Vitamin-B12 müssen bei Patienten mit einer Gastrektomie lebenslang substituiert werden.

Zusammenfassung

Das Magenkarzinom ist eine maligne Erkrankung der Magenschleimhaut und unter den fünf häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Betroffen sind etwa gleich viele Männer wie Frauen, wobei es zu einer Häufung des Auftretens ab dem 70. Lebensjahr kommt. Therapieoptionen umfassen eine Operation, eine Chemotherapie sowie eine Vielzahl von möglichen palliativen Therapien in den weit fortgeschrittenen Fällen.

Quellen
  • Karges, W. 2009. Innere Medizin in 5 Tagen. 1 ed.: Springer.
  • Prinz, C. 2012. Basiswissen Innere Medizin. 1 ed.: Springer.
  • Siewert, J. . 2019. Basiswissen Chirurgie. 2 ed.: Springer.
  • Song, Z., Y. Wu, J. Yang, D. Yang, and X. Fang. 2017. "Progress in the treatment of advanced gastric cancer." Tumour Biol 39 (7): 1010428317714626.
  • Vrana, D., M. Matzenauer, C. Neoral, R. Aujesky, R. Vrba, B. Melichar, N. Rusarova, M. Bartouskova, and J. Jankowski. 2018. "From Tumor Immunology to Immunotherapy in Gastric and Esophageal Cancer." Int J Mol Sci 20 (1).

Magenkrebs Ratgeber durch deine Erkrankung

Häufig gestellte Fragen

Ja, ein Leben ohne Magen ist prinzipiell möglich.

Meist wird der Tumor möglichst weitflächig entfernt, um eine sogenannte R0-Resektion zu garantieren. Hier können je nach Lokalisation des Tumors verschiedene chirurgische Eingriffe zur Anwendung kommen. Bei einer R0-Resektion sind sowohl mikro- als auch makroskopisch keine Tumorzellen in den Tumorrändern nachweisbar.

Ist der Magenkrebs zu weit fortgeschritten ist eine OP manchmal nicht mehr sinnvoll. In diesen Fällen kommt eine Chemotherapie oder verschiedene palliative Therapieoptionen zur Anwendung.

Die Inzidenz des Magenkarzinoms steigt ab einem Alter von 70 Jahren an. In manchen Fällen erfolgt eine Erkrankung aber auch schon früher.

Die 5-Jahres-Überlebensrate im gesamten Patientenkollektiv beträgt 10%, wobei man hier keine pauschalen Äußerungen treffen kann. Die Progressionsgeschwindigkeit des Tumors ist von Patient zu Patient unterschiedlich.

Magenkrebs endet unbehandelt praktisch immer tödlich wobei die 5-Jahre-Überlebensrate bei Karzinomen im Frühstadium bei etwa 95% liegt. Weiter fortgeschrittene Stadien haben verminderte Überlebensraten, wobei die durchschnittliche Überlebensrate aller Patienten (Frühstadien und weit fortgeschrittene Stadien) über 5 Jahre bei etwa 10% liegt.

Bei einem ausgeprägten Tumorbefall ist eine Magenteilresektion oder eine Gastrektomie (Entfernung des gesamten Magens) häufig sinnvoll. So kann die Überlebensrate und die Lebensqualität drastisch verbessert werden.

Magenkrebs streut zuerst in die umgebenden Lymphknoten und in einem späteren Stadium dann auch in entferntere Lymphknoten oder andere Organe.

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Magenkrebs einfach erklärt

Magenkarzinom

Häufigkeit

  • Häufigkeitsgipfel jenseits des 50. Lebensjahres, mittleres Erkrankungsalter bei 70–75 Jahren

Risikofaktoren

  • Hoher Nitratgehalt in der Nahrung (getrocknete, gesalzene, geräucherte Speisen)
  • niedriger sozioökonomischer Stand
  • Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • genetisch
  • Typ B- Gastritis (Infektion mit Helicobacter pylori)
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit
  • Übergewicht
  • Magenpolypen
  • Magengeschwüre

Symptome

  • Völlegefühl
  • Oberbauchschmerzen
  • Schlechter Mundgeruch
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blähungen

Komplikationen

  • Postgastrektomie-Syndrom
  • Dumping-Syndrom
  • Schlingen-Syndrome (Loop-Syndrome)
  • Rezidiv
  • Anastomoseninsuffizienz
  • Abszess

Diagnose

  • Körperliche Untersuchung
    • Inspektion: Anämiezeichen wie blasse Schleimhäute
    • Auskulation
    • Palpation: epigastrischer Druckschmerz
    • Palpation: Virchow- Lymphknoten, links supraklavikulär
  • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD)
    • Makroskopische Beurteilung der Tumorausdehnung
    • Mehrfachbiopsien tumorverdächtiger Areale
  • Laboruntersuchung
    • Eisenmangelanämie (hypochrom, mikrozytär)
    • Verlaufsparameter: CA 72-4, CA 19-9, CEA
  • Anamnese
    • Leiden sie an Schmerzen im Oberbauch?
    • Leiden sie an Mundgeruch?
    • Ist ihnen häufig übel?
    • Müssen sie sich häufig übergeben?
    • Haben sie häufig Blähungen?

Differenzial Diagnose

  • Magenschleimhautentzündung

Stadien

  • Tis Carcinoma in situ: Basalmembran wird nicht überschritten. Keine Metastasierung
  • T1 Auf Mukosa (T1a) und Submukosa (T1b) begrenzt (nicht in Muscularis propria infiltrierend): T1 = Magenfrühkarzinom (Metastasierung möglich)
  • T2 Infiltration der Muscularis propria
  • T3 Infiltration der Subserosa
  • T4 Durchbruch Serosa (T4a) mit Infiltration benachbarter Strukturen (T4b)
  • N1 1–2 regionäre Lymphknoten
  • N2 3–6 regionäre Lymphknoten
  • N3 ≥ 7 regionäre Lymphknoten (N3a: 7–15 Lymphknoten, N3b: >15 Lymphknoten)
  • M1 Fernmetastasen, Peritonealkarzinose
  • Mx unklare Metastasen

Therapie

  • Operation
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie

Präventionsmaßnahmen

  • Nikotinverzicht
  • Alkoholverzicht
  • gesunde Ernährung
  • Bewegung

Prognose

  • gute Heilungschancen in frühen Staiden

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