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Verschleppte Borreliose - Symptome und Behandlung

Geschrieben von Dr. Antje Egners

Die Borreliose - auch Lyme-Krankheit oder Lyme-Borreliose genannt - ist eine Infektionskrankheit und kann nach einem Zeckenstich auftreten. Wird die Lyme-Borreliose nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, so spricht man auch von einer verschleppten Borreliose.

Ursächliche Erreger sind Bakterien der Art Borrelia, die durch Zecken übertragen werden können. Es handelt sich bei der Borreliose um eine ernst zu nehmende Krankheit, die mit deutschlandweit geschätzten 200.000 bis 300.000 Fällen pro Jahr nicht selten auftritt. Die Borreliose bricht bei den Infizierten jedoch nicht immer aus.

Was bedeutet eine verschleppte Borreliose?

Wird die Borreliose nicht frühzeitig erkannt und eine Behandlung eingeleitet, können gravierende und möglicherweise auch bleibende Spätfolgen auftreten. Es entwickelt sich eine verschleppte Borreliose. Dabei können sowohl das Nervensystem (Neuroborelliose) als auch Gelenke (Lyme-Arthritis ), das Herz (Lyme-Karditis) und die Haut (Acrodermatitis chronica athrophicans) betroffen sein.

Das Risiko einer Übertragung der Erreger steigt nach 12 Stunden Saugzeit an, daher ist die frühzeitige Entfernung der Parasiten wichtig. Bisher ist keine Impfung gegen die Borreliose verfügbar und auch eine durchgemachte Erkrankung bietet keinen Schutz vor einer Ansteckung.

Symptome von einer verschleppten Borreliose?

Borreliose-Erkrankungen können sich anhand sehr unterschiedlicher Symptome äußern und verschiedene Organe betreffen. Aus diesem Grund ist die Diagnose recht schwierig. Häufig tritt die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich um die Einstichstelle auf. Weitere Krankheitsanzeichen können Kopf- und Muskelschmerzen sowie Fieber und Abgeschlagenheit sein.

Im Frühstadium der Borreliose können Betroffene mit verschiedenen Antibiotika behandelt werden, wodurch in der Regel eine schnelle und vollständige Heilung eintritt. Späte, schwerwiegende und möglicherweise bleibende Auswirkungen können so verhindert werden.

Die Symptome einer verschleppten Borreliose entwickeln sich schleichend und sind auf eine Entzündung des zentralen Nervensystems, also des Gehirns und Rückenmarks (Enzephalomyelitis), zurückzuführen.

Dies können Anzeichen für eine verschleppte Borreliose sein:

  • Gelenkschmerzen und -entzündungen (Lyme-Arthritis): Es können durch die sogenannte Lyme-Arthritis chronisch-entzündliche Flüssigkeitsansammlungen in den Gelenken ausgelöst werden. Dies führt zu Bewegungseinschränkungen und Schwellungen der Gelenke. Häufig betroffen sind die Knie, Schulter oder Hüfte, selten Sprung- und Ellbogengelenke.
  • Neurologische Störungen (neurologische Lyme-Borreliose): Es kann zu neurologischen Störungen wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Gliederschmerzen, einer Gesichtslähmung, Gang- oder Blasenstörung kommen.
  • Brennende Schmerzen: Es können brennende Schmerzen der Rückenmarksnerven auftreten, die in andere Teile des Körpers ausstrahlen.
  • Meningitis: Bei Kindern werden in diesem Zusammenhang häufig Entzündungen der Hirn- und Rückenmarkshaut (Meningitis) beobachtet. Die Schädigung betroffener Nerven ist dabei unter Umständen dauerhaft.
  • Herzprobleme (kardiale Lyme-Borreliose): Auswirkungen einer verschleppten Borreliose auf das Herz sind eher selten. In einem solchen Fall spricht man von einer Lyme-Karditis. Sowohl Reizleitungsstörungen des Herzes als auch eine Herzmuskelentzündung (Perimyokarditis) können der Auslöser sein.
  • Hautveränderungen (Erythema chronicum migrans): Ist die Haut betroffen, bilden sich zunächst Schwellungen und Verfärbungen vor allem im Bereich der Extremitäten wie der Beine, z. B. die typische ringförmige Wanderröte (Erythema migrans). Unbehandelt kann es im weiteren Verlauf zu irreversiblem Gewebeschwund unter der Haut und Sensibilitätsstörungen kommen.

Mögliche Ursachen für eine verschleppte Borreliose?

Die Ursachen für eine verschleppte Borreliose sind vielfältig. Anzeichen für die chronische Form der Erkrankung treten oft erst mehrere Monate bis Jahre nach der ursprünglichen Infektion auf.

Ein Zeckenstich bleibt von Betroffenen nicht selten unbemerkt, so dass bei Auftreten von lediglich leichten Symptomen eventuell keine Behandlung erfolgt. Bei einigen Patienten ist der klinische Verlauf und die Symptomatik im Anfangsstadium untypisch, so dass die Diagnosestellung erschwert sein kann.

Diagnose

Die Diagnose einer verschleppten Borelliose kann auf unterschiedliche Arten erfolgen. Zunächst wird Sie Ihr Arzt in einem Arzt-Patienten-Gespräch nach Ihren Symptomen fragen.

Anschließend werden meist folgende Untersuchungen angeordnet:

  • Antikörpertest und Entzündungsmarker im Nervenwasser: Eine Neuroborelliose wird mittels Test auf vorhandene Antikörper gegen Borrelien im Nervenwasser diagnostiziert. Diese sind bei den meisten betroffenen Patienten nachweisbar. Ebenso sind entzündliche Veränderungen des Nervenwassers häufig.
  • MRT : Auch Bildgebungsverfahren wie ein MRT können zur Diagnostik von Entzündungen des Gehirn und Rückenmarks zum Einsatz kommen.
  • Neuropsychologische Tests: Diese werden in einigen Fällen bei später Neurobeorreliose durchgeführt.
  • EKG: Bei Lyme-Karditis können bestimmte Veränderungen des EKG-Befundes festgestellt werden. Typisch sind auch wechselnde Herzrhythmusstörungen (sogenannter wechselnder AV-Block).
  • Entzündungsanzeichen in der Gelenkflüssigkeit: Untersuchungen zu Entzündungsanzeichen in der Grlenkflüssigkeit können zur Diagnostik der Lyme-Arthritis herangezogen werden.
  • Gewebeproben: Bei Acrodermatitis chronica athrophicans kann zusätzlich zur Diagnosestellung über die sofort sichtbaren Veränderungen der Haut eine Untersuchung von Gewebeproben vorgenommen werden, die dann mikroskopisch erfolgt.

Welcher Arzt ist für mich zuständig?

Patienten sollten sich im Falle einer verschleppten Borreliose oder wenn sie vermuten, an einer solchen zu leiden, an ihren behandelnden Hausarzt oder eine internistische Fachpraxis wenden.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Sollten Sie eines oder mehrere der oben genannten Symptome wie Nervenschmerzen, Auffälligkeiten der Haut oder schmerzende, anschwellende Gelenke an sich beobachten, sollten Sie ärztlichen Rat einholen und sich entsprechend behandeln lassen. Auch wenn Sie sich an einen Zeckenstich oder an eine frühe Symptomatik der Borreliose nicht erinnern, ist es möglich, dass sie an der verschleppten Erkrankung leiden. Diese ist in jedem Fall zu behandeln, um Spätfolgen auszuschließen oder zumindest zu lindern.

Therapie

Wie auch im Frühstadium wird eine fortgeschrittene Borreliose üblicherweise antibiotisch behandelt. Oftmals erfolgt die medikamentöse Therapie über einen längeren Zeitraum von bis zu vier Wochen und erfordert in einigen Fällen eine intravenöse Gabe über einen Tropf.

Bei der intravenösen Behandlung kommen Antibiotika wie Cefotaxim oder Ceftriaxon zum Einsatz. Doxycyclin oder Amoxicillin werden in Tablettenform verabreicht. Je nach Art der Beschwerden können auch Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente angewendet werden.

Häufig heilt auch die fortgeschrittene Erkrankung nach dem therapeutischen Eingreifen vollständig ab. Schädigungen der Nerven, des Herzens, chronische Gelenkentzündungen oder Empfindungsstörungen und Geweberückgang der Haut können jedoch dauerhaft sein. Davon betroffen ist aber nur ein geringer Anteil von Patienten.

Wie kann einer verschleppten Borreliose vorgebeugt werden?

Vorbeugen kann man einer verschleppten Borreliose am besten, in dem man die Wahrscheinlichkeit eines Zeckenstichs verringert. Dies ist möglich z.B. in dem man das Unterholz in Waldgebieten meidet und nicht durch hohes Gras läuft. Lange Kleidung und geschlossenes Schuhwerk helfen ihrerseits um Zecken fern zu halten. Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte man sich wie auch Kinder und freilaufende Haustiere gründlich untersuchen. Am wichtigsten ist dies von Frühling bis Herbst.

Sollte es dennoch zu einem Zeckenstich gekommen sein, muss das Tier so schnell wie möglich und gründlich entfernt werden. Außerdem ist es ratsam auch anschließend die betroffene Hautregion zu beobachten und auf Veränderungen wie die charakteristische Wanderröte zu achten. Bei Auftreten dieser oder anderer Symptome sollten Betroffene die zuständige hausärztliche Praxis aufsuchen.

Letzte Änderung: 2. Mai 2024

Quellen
  • Donta S. T. (2002). Late and chronic Lyme disease. The Medical clinics of North America, 86(2), 341–vii. https://doi.org/10.1016/s0025-7125(03)00090-7 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11982305/
  • Aucott, J. N., Seifter, A., & Rebman, A. W. (2012). Probable late lyme disease: a variant manifestation of untreated Borrelia burgdorferi infection. BMC infectious diseases, 12, 173. https://doi.org/10.1186/1471-2334-12-173 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22853630/

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