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Wochenbettdepression

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Wochenbettdepression?

Bei der Wochenbettdepression (Postpartale Depression, Postpartum Depression) handelt es sich um eine spezielle Form der Depression, die sich im ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes entwickelt. Es handelt sich um eine psychische Erkrankung die sowohl Mütter als auch Väter betreffen kann.

Im Allgemeinen unterscheidet man drei Formen der möglicherweise nach der Geburt auftretenden psychischen Beeinträchtigungen.

All dieser Beeinträchtigungen werden umgangssprachlich unter dem Begriff Wochenbettdepression zusammengefasst.

Typischerweise kommt es in den ersten Wochen nach der Entbindung zur Entwicklung dieser Erkrankung. Die Wochenbettdepression kann sich jedoch innerhalb des gesamten ersten Lebensjahr des Kindes manifestieren.

Die Wochenbettdepression der Väter kann im Zuge der depressiven Stimmung der Mutter provoziert werden oder aber unabhängig davon auftreten.

Wissenswert

Man geht davon aus, dass schätzungsweise  10 bis 15 Prozent aller Mütter von einer Wochenbettdepression betroffen sind. Bei jungen Vätern kommt es zwar seltener zu diese psychischen Auffälligkeiten, dennoch lässt sich auch bei 5 bis 10 Prozent der Väter eine postnatale Depression nachweisen.

Was sind die Symptome einer Wochenbettdepression?

Eine Wochenbettdepression entsteht nicht von jetzt auf gleich. Es ist ein schleichender Prozess, der die jungen Eltern einholt. Aus diesem Grund werden die psychischen Veränderungen oft erst sehr spät als solche erkannt. Betroffene erfahren erst sehr spät dringend benötigte Hilfe.

Die Wochenbettdepression umfasst drei Hauptsymptome. Zu diesen gehören ein Stimmungstief, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und selbst produzierte soziale Abgrenzung.

Darüber hinaus sind die möglichen Symptome vielseitig und können einzeln auch auf eine Reihe anderer Erkrankkungen hindeuten. Viele der Betroffenen entwickeln ein inneres Lehregefühl, obwohl das Neugeborene eigentlich Glücksgefühle hervorrufen sollte.

Auch Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Zittern lässt sich bei Müttern und Vätern mit Wochenbettdepression besonders häufig beobachten. Im Verlauf der psychischen Erkrankung kommt es nicht selten zur Entwicklung von Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und einem Gefühl der Nutzlosigkeit.

Dem Neugeborenen gegenüber zeigen Mütter und Väter mit Wochenbettdepression ambivalente Gefühle. In Gegenwart des Kindes empfinden sie Zuneigung, die plötzlich umschwänken und zu Ängsten und Panikattacken führen kann.

Unter Umständen kann auch der Gynäkologe kann bei der, sechs Wochen nach der Entbindung stattfindenden, Abschlussuntersuchung Anzeichen einer Depression entdecken. Sollte dies der Fall sein, muss der Betroffenen behutsam zu einer Therapie geraten werden.

Hinweis

Hinweise auf das Vorliegen einer Wochenbettdepression sollten stets ernst genommen werden. Bleibt eine geeignete Behandlung aus, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen Suizid begehen. Im schlimmsten Fall kommt es zum erweiterten Suizid, bei dem erst das Kind ermordet wird und dann die Selbsttötung erfolgt.

Wie wird die Wochenbettdepression diagnostiziert?

Eine Wochenbettdepression als solche zu diagnostizieren ist nicht immer leicht. Es gilt abzugrenzen ob sich die Verstimmung der jungen Eltern in einem normalen Rahmen bewegt oder ob eine tiefliegende Depression dahinter steckt. 

Aus diesem Grund sind die Angehörigen ein wichtiger Pfeiler in der Diagnose der Wochenbettdepression. Diese Personen verbringen viel Zeit mit der/dem Betroffene/n, kennen ihn/sie bereits länger und können Veränderungen deshalb deutlicher erkennen.

Die sogenannte Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale (EPDS) gilt bislang als hilfreichste Diagnose-Methode. Dabei handelt es sich um einen Fragebogen, der  von Betroffenen mit ihrem Arzt zusammen ausgefüllt wird. Sollte es Hinweise auf das Vorliegen einer psychischen Erkrankung geben, vermag es diese Methode sie zu enttarnen.

Wissenswert

Auch die Stärke der Wochenbettdepression lässt sich mit Hilfe der Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale ermitteln.

Therapie bei Wochenbettdepression

Für die Behandlung einer Wochenbettdepression gibt es kein starres Schema. Die Wahl der am besten geeigneten Behandlungsmethode hängt maßgeblich von der bisherigen Dauer und der Intensität der Depression ab.

Im Falle einer leicht ausgeprägten Erkrankung kann es ausreichen, die Mutter/den Vater im Alltag zu unterstützen und mit ihnen die Versorgung des Kindes zu trainieren. Vor allem der/die Partner/in, Familienangehörige oder Freunde eignen sich dazu diese Aufgabe zu übernehmen.

Außerdem kann eine spezielle Haushaltshilfe, die die Eltern unterstützt, beantragt werden. Wenn sich die Symptome der Depression nicht innerhalb einiger Wochen zurückbilden, sollte ein Facharzt aufgesucht werden.

Eine schwerer ausgeprägte Wochenbettdepression hingegen sollten von Anfang an mit einem Psychiologen therapiert werden. Die Hilfe durch Freunde und Verwandte sorgt in diesen Fällen lediglich für den verzögerten Beginn einer effektiven Behandlung. Der Partner und andere nahe Angehörige sollten jedoch in die Therapie mit eingebunden werden.

Hinweis

Zur Behandlung der Wochenbettdepression eignen sich vor allem die Gesprächs- und Körpertherapie. In schweren Fällen kann der/die Betroffene zusätzlich Antidepressiva bekommen.  Darüber hinaus kann eine sationäre Aufnahme zielführend sein.

Wie ist die Prognose einer Wochenbettdepression?

Bei Patienten, die an einer Wochenbettdepression leiden, stellt sich schnell ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit ein. Dieses Gefühl macht sich auch bemerkbar, wenn die Betroffenen darüber nachdenken, ob sich deren Situation jemals wieder bessern kann.  Im Allgemeinen ist die Prognose dieser psychischen Erkrankung aber gut. Bei adäquater Behandlung bekommen die Mütter und Väter die Problematik gewöhnlich zügig in den Griff.

Ist eine Wochenbettdepression gefährlich?

Obwohl eine Wochenbettdepression sowohl für die betroffene Mutter und deren Angehörige als auch für das neugeborene Kind sehr belastend sein kann, ist sie in der Regel nicht gefährlich.

Für die von einer Wochenbettdepression betroffenen Frauen ist es nicht ungewöhnlich Zwangsgedanken zu entwickeln. Es gibt zum Beispiel viele Mütter mit derartigen psychischen Auffälligkeiten, die daran denken ihrem Neugeborenen zu schaden. In den allermeisten Fällen würden sie dem Kind natürlich niemals etwas antun.

Doch bereits der alleinige Gedanke daran kann sowohl den Betroffenen als auch deren nahestehenden Personen Angst machen und dazu führen, dass sie sich von dem Säugling distanzieren. Hier spielt Aufklärung eine enorm große Rolle.

Müttern, die an einer Wochenbettdepression leiden, sollten soviel Informationen wie möglich zu diesem Krankheitsbild geliefert werden. Sie müssen lernen, dass ihre Gefühle nicht selten und vor allem, dass sie damit nicht alleine sind.

Außerdem, sollten sie erfahren, dass die allermeisten Frauen mit Wochenbettdepression ihre negativen Gedanken sich und/oder dem Kind gegenüber nie in die Tat umsetzen würden. Alleine dieses Wissen kann schon der erste Stützpfeiler in einer erfolgreichen Therapie der Wochenbettdepression sein.

Wie kann man einer Wochenbettdepression vorbeugen?

Einigen Studien zufolge kann ein stabiles psychosoziales Umfeld dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit der Entstehung einer Wochenbettdepression deutlich zu senken. Nach der Entbindung des Kindes sind regelmäßige Hausbesuche der Hebamme oder speziell ausgebildeter Pflegekräfte besonders hilfreich um eine depressive Stimmung erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Frauen, die frühzeitig bemerken, dass sie nach der Geburt ungewöhnlich niedergeschlagen sind, sollten sich frühzeitig psychotherapeutische Unterstützung suchen.

Hinweis

Auf diese Weise kann verhindert werden, dass sich die negativen Gefühle verstärken und zu einer manifesten Wochenbettdepression werden.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Wochenbettdepression

Nach dem Beginn einer geeigneten Behandlung der Wochenbettdepression sollte der/die Betroffene über einen längeren Zeitpunkt überwacht werden. Das bedeutet in diesen Fällen, dass auch nach Therapieabschluss regelmäßige Gespräche stattfinden.

Auch Freunde und Verwandte sollte die Mütter und Väter gezielt nach ihrer Stimmung fragen. Bei Anzeichen einer Überforderung, kann Unterstützung einem Rückfall vorbeugen.

Was können Angehörige und Freunde tun?

Nach der Geburt eine Kindes beginnt der Hormonhaushalt der jungen Mutter damit, sich umzustellen. Das kann sie regelrecht aufrühren und zu verschiedenen psychischen Auffälligkeiten führen. Was Frauen in dieser Zeit am meisten brauchen ist soziale Unterstützung. Menschen, die ihnen dabei helfen die in ihr wütenden, kaum verständlichen Gefühle zu sortieren. Sie brauchen jemanden, der sie auffängt und versorgt.

Wenn der Partner, andere Familienangehörige und/oder Freunde bemerken, dass sich eine Frau kurz nach der Geburt auffällig verhält, sollten sie zuerst versuchen das Gespräch mit ihr zu suchen. Dabei können sie der jungen Mutter zum Beispiel behutsam erklären, was ihnen aufgefallen ist.

In dieser Situation ist es besonders wichtig, sensibel mit der Thematik umzugehend und nicht bewertend oder gar urteilend zu klingen. Oftmals erleichtert es die Unterhaltung, wenn der Gesprächspartner verdeutlicht, dass er sich Sorgen um die junge Mutter macht und es ihm ein großes Bedürfnis ist, sie emotional zu unterstützen.

Auf diese Weise kommt es bei der betroffenen Frau weniger häufig zu Schuldgefühlen oder Scham. Denn tatsächlich ist es bei Frauen, die eine Wochenbettdepression entwickeln, häufig ein großes Problem, dass sie sich dem Kind gegenüber Schuldig fühlen.

Durch diese Gefühle wird die Situation der Mutter in der Regel noch schlimmer. Oftmals sind den Betroffenen die von ihnen wahrgenommenen Gefühle derart peinlich und unangenehm, dass sie sich und ihre Bedürfnisse hinten anstellen.

Hinweis

Viele Frauen beginnen sogar damit, ihre Gefühle vor dem Partner, Familienangehörigen und/oder Freunden zu verstecken.

Es ist keine Seltenheit, dass diese Frauen nach außen hin so tun als seien sie überglücklich, während sie sich innerlich schier verzweifelt fühlen. Der Partner und andere der jungen Mutter nahestehende Personen sollten ihr dabei helfen zu verstehen, dass an ihr und ihren Gefühlen nichts falsch ist und dass es ihr keiner übel nimmt, sich so zu fühlen.

Betroffenen Frauen brauchen viel Zeit und Raum um die in ihnen vorherrschenden Gefühle zu verarbeiten. Dabei sollten sie unterstützend begleitet werden. Den Angehörigen sollte dabei stets bewusst sein, dass es sich bei einer Wochenbettdepression um eine Krankheit handelt, die mittlerweile gut behandelt werden kann.

Zusammenfassung

Bei der Wochenbettdepression handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die innerhalb des ersten Jahres nach der Entbindung auftreten kann. Die Betroffenen leiden unter Antriebslosigkeit, Selbstzweifeln, Hoffnungslosigkeit und einem wechselnden Gefühl dem Kind gegenüber.

Während sich leichte Formen häufig familiär therapieren lassen, muss bei ausgeprägter Wochenbettdepression professionelle Hilfe genutzt werden.

Wochenbettdepression Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Wochenbettdepression

postnatale Depression

Betroffene

Organe(e):

Psyche

Epidemiologie

  • 10–15 % aller Mütter
  • meist zwischen 6 Wochen und 3-4 Monaten nach der Geburt

Risikofaktoren

  • Psychische Erkrankungen
  • Verlust einer Bezugsperson während der Schwangerschaft
  • Schwierige soziale oder finanzielle Situation
  • Kaiserschnitt
  • Geburtstrauma

Ursachen

  • genetische Vorbelastungen
  • vergangene Wochenbettdepression(en)
  • andere psychische Erkrankungen
  • Geburtstrauma
  • ungewollter Kaiserschnitt
  • Trennung von/Tod einer wichtigen Bezugsperson während oder nach der Schwangerschaft
  • Komplikationen in der Schwangerschaft

Symptome

  • Schlafstörung
  • Traurigkeit
  • Selbstzweifel
  • Zwangsgedanken

Komplikationen

  • Selbstmord
  • Kindstötung
  • Bindungsprobleme
  • Depression

Diagnose

  • Anamnese
    • Haben sie Probleme beim Ein-oder Durchschlafen?
    • Fühlen sie sich häufig traurig/ Ist ihre Stimmung gedrückt?
    • Zweifeln sie daran eine gute Mutter zu sein?
    • Haben sie Angst ihr Kind nicht lieben zu können?
    • Haben sie jemals daran gedacht sich und/oder ihrem Kind etwas anzutun?
  • Spezifische Tests
    • Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale (EPDS)

Differenzial Diagnose

  • Psychose

Therapie

  • Unterstützung
  • Gesprächstherapie
  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • Finanzielle Lage sichern/ um Hilfe bitten
  • bestehende Depression behandeln lassen
  • offene Kommunikation mit dem Partner/ nahestehenden Personen

Mögliche Vorsorgemaßnahmen

  • offene Kommunikation
  • bestehende Depression behandeln lassen
  • Rahmenbedingungen sicherstellen

Prognose

  • Je früher die Wochenbettdepression erkannt und behandelt wird desto besser ist die Prognose.
  • In einigen Fällen resultiert eine manifeste Depression

Begriffe

Depression

Die Depression beschreibt eine meist phasenweise verlaufende, psychische Störung, die durch gedrückte Stimmung, Interessensverlust, und Verminderung von Antrieb und Aktivität definiert ist.
Der Begriff „Psychose“ ist ein Sammelbegriff für eine Reihe verschiedener psychischer Störungen, deren Symptome unter anderem Denkstörungen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen sind.

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