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Vaginismus

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren bei Vaginismus?

Unter dem Begriff Vaginismus versteht man eine unwillkührliche Verkrampfung der Muskulatur des Beckenbodens. Genauer gesagt kommt es beim Vaginismus zu einer reflexartigen Anspannung des Beckenbodens und des äußeren Scheidentrittels.

Durch diese Anspannung kommt es wiederrum zu einer Verringerung der Größe des Scheideneingangs. Vor allem während des Geschlechtsverkehrs leiden viele Frauen an Vagisismus. Sie erleiden Schmerzen, die beim Eindringen des Penis in die Vagina auftreten. In besonders ausgeprägten Fällen ist ein Eindringen garnicht mehr möglich.

Physiologische Ursachen für diese Erkrankung hat man bislang nicht gefunden. Der Vaginismus scheint eher psychisch ausgelöst zu werden. Bei Intimität kommt es bei den betroffenen Frauen regelmäßig zu dieser Schmerzhaften Muskelanspannung.

In einigen Fällen, reicht  bereits der Gedanke an Geschlechtsverkehr, um den Vaginismus auszulösen. Warum genau die Psyche derart auf sexuelle Nähe reagiert, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Eine mögliche Ursache ist die Angst vor Schmerzen und/oder Verletzungen während des Verkehrs.

Außerdem können die Angst vor ungewollter Schwangerschaft, Beziehungsprobleme oder emotionaler Stress zum Vaginismus führen. Besonders häufig betroffen sind Frauen, die sexuelle Gewalt erleben mussten.

Wissenswert

Darüber hinaus lässt sich beobachten, dass die unwillkührliche Verkrampfung von Beckenboden und Vagina des öfteren bei Patientinnen, die an Diabetes mellitus und/oder Bluthochdruck leiden, auftreten. Auch ein gestörtes Verhältnis der eigenen Sexualität gilt als Risikofaktor für das Auftreten eines Vaginismus.

Allgemein werden zwei Typen des Vaginismus voneinander abgegrenzt. Ausschlaggebend für die Unterscheidung der beiden Formen, ist der Zeitpunkt zu dem die Verkrampfung beim ersten Mal aufgetreten ist.

Beim primären Vaginismus geht man davon aus, dass die gestörte Anspannung bereits seit der Geburt vorliegt. Bemerkt wird sie von den Betroffenen beim ersten Geschlechtsverkehr. Der sekundäre Vaginismus hingegen entsteht im Verlauf.

Zu Beginn ist/war der sexuelle Kontak schmerzfrei und ohne Verkrampfung möglich. Der Scheidenkrampf wird bei diesen Frauen durch ein Trauma oder innere Ängste hervorgerufen.

Was sind die Symptome bei Vaginismus?

Frauen, die an Vaginismus leiden, erleben beim Geschlechtsverkehr (teilweise bereits beim bloßen Gedanken daran) eine reflexartige Verkrampfung von Beckenboden und Vagina. Dies führt dazu, dass der Scheideneingang enger wird. Bei Penetration entstehen dadurch Schmerzen, die wiederrum zur Angst vor dem nächsten Verkehr führen. Die Angst löst dann den nächsten Vaginismus aus.

Betroffene befinden sich in einer Spirale aus Angst und Schmerz. Auch auf andere Bereiche der Psyche kann sich der Vaginismus bei betroffenen Frauen auswirken. Häufig leiden sie unter Selbstzweifeln und Schuldgefühlen dem Partner gegenüber. Aus Scham verzichten sie lange darauf, einen Arzt aufzusuchen, was wiederrum belastend ist und nach einiger Zeit zu Beziehungsproblemen führen kann.

Wie wird der Vaginismus diagnostiziert?

Entschließt sich die betroffene Frau dazu, einen Gynäkologen aufzusuchen, kann dieser bereits im Arzt-Patienten-Gespräch auf die Probleme angesprochen werden. Dies ermöglicht ihm eine erste Verdachtsdiagnose zu stellen.

Im Anschluss sollten physiologische Ursachen für das Auftreten der reflexartigen Verkrampfung ausgeschlossen werden. Es bietet sich an, die Patientinnen auf Diabetis mellitus und Bluthochdruck zu untersuchen.Bei einer vaginalen Untersuchung sollten zudem Entzündungen und Infektionen ausgeschlossen werden. Wenn keine körperlicher Gründe für den Vaginismus gefunden werden können, sollten psychische Ursachen in Betracht gezogen werden.

Therapie bei Vaginismus

Das primäre Ziel der Behandlung des Vaginismus ist die Minderung der unwillkührlichen Verkrampung von Beckenboden und Scheide. Auf diese Weise kann der betroffenen Frau Selbstbestimmung über ihre Sexualität und Linderung ihrer psychischen Beschwerden geschenkt werden.

Da der Vaginismus auf einer Spirale aus Ängsten und Verkrampfung beziehungsweise Schmerzen beruht, sind die Behandlungsziele gleichzeitig die besten Behandlungsoptionen. Psychologische Beratung und das Auseinandersetzen mit Ängsten und Sorgen kann bereits dazu führen, dass die Verkrampfungen zurück gehen. Ein wichtiger Pfeiler in der Behandlung des Vaginismus ist demnach die Psycho- und Sexualtherapie.

Die psychiologische Beratung für Frauen, die an Vaginismus leiden, ist in jedem Fall sinnvoll. Besonders wichtig ist sie bei Patientinnen, die sexuellen Traumata (beispielsweise Missbrauch) ausgesetzt waren. Ziel der Sexualtherapie ist es, sich mit der eigenen Sexualität wieder wohl und selbstbestimmt zu fühlen. Im besten Fall wird der Partner in die pyschiologische Behandlung mit einbezogen.

Sollte es körperliche Beschwerden, die mit dem Vaginismus in Zusammenhang stehen können, vorliegen, sind diese primär zu behandeln. Durch die Einstellung des Blutzuckers und/oder des Blutdrucks kann Abhilfe geschaffen werden.

Hinweis

Darüber hinaus kann die Scheidenöffnung mechanisch vergrößert werden. Sogennante Vaginaldilatoren können von den betroffenen Frauen selbst zuhause angewendet werden.

Sie helfen dabei den Scheideneingang langsam und schmerzlos zu dehnen, indem sie in die Vagina eingeführt werden. Nach einiger Zeit kann dann ein Dilator mit größerem Durchmesser genutzt werden.

In besonders ausgeprägten Fällen von Vaginismus, können zudem Medikamente angewendet werden. Sogenannte Muskelrelaxiantien, also mustelentspannende Wirkstoffe, können der betroffenen Patientin per Injektion verabreicht werden.

Eine langfristige Lösung bringen Muskelrelaxantien alleine leider nicht. Doch in Kombination mit den anderen Behandlungsstrategien können sich diese Medikamente als sinnvoll erweisen.

Wie ist die Prognose bei Vaginismus?

Die Behandlung des Vaginismus ist langwierig und verlangt der Betroffenen und deren Partner eine Menge Geduld ab. Die Kombination aus Psycho- und Sexualtherapie, Dilation und Medikamenten führt aber in den meisten Fällen zum Erfolg. Wichtig dabei ist, sich zeitnah Hilfe zu suchen, damit sich die Spirale aus Angst und Schmerz nicht zu sehr festigt.

Wie kann man Vaginismus vorbeugen?

Dem Auftreten von Vaginismus lässt sich nicht vollständig vorbeugen. Grund dafür ist die Tatsache, dass es sich um eine unwillkürliche, reflexartige Verkrampfung handelt. Sie ist also nicht willentlich steuerbar.

Eine gute Beziehung zwischen sich und der eigenen Sexualität hilft jedoch dabei, das Risiko für die Entstehung eines solchen Krampfes zu reduzieren. Zudem sollte zum Partner ein offener Dialog bezüglich der Sexualität vorliegen.

Auch ein trainierter Beckenboden kann dabei helfen dem Vaginisumus vorzubeugen. Bei Opfern sexueller Gewalt, sollte dringend zeitnah psychiologische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei Vaginismus

Frauen, die unter Vaginismus leiden, können der Problematik durch regelmäßige Entspannungsübungen Herr werden. Warme Bäder, entspannende Musik und liebevole Gespräche mit dem Partner, sollen ebenfalls sehr hilfreich sein. In der Naturheilkunde werden zudem warme Sitzbäder zur Entspannung des Beckenbodens empfohlen. Als besonders wirkungsvoll gelten dabei Heublumen.

Empfehlungen zur Nachsorge bei Vaginismus

Die beste Nachsorge bei Frauen die an Vaginismus leiden/litten ist es, es garnicht erst wieder soweit kommen zu lassen. Sprich: Betroffene Frauen sollten sich stets wohl mit dem eigenen Körper und ihrer Sexualität fühlen.

Vor allem regelmäßige, offene Gespräche mit dem Partner helfen dabei, dass sich Sorgen und Ängste nicht wieder festsetzen. Opfern sexueller Gewalt ist anzuraten, die Psycho- und Sexualtherapie langfristig durchzuführen.

Vaginismus selbst lösen

Wenn eine Frau unter Vaginismus leidet, sollte sie sich unbedingt ärztlich untersuchen und behandeln lassen. Es gibt aber ein paar Tipps, die dabei helfen können die Beschwerden zu lindern und aus diesem Grund die ärztliche Therapie bestens unterstützen.

Der wahrscheinlich wichtigste Rat, den man Frauen, die an Vaginismus leiden, geben kann, ist es, dass sie mit dem Sexualpartner offen über die Problematik sprechen sollte. Viele der betroffenen Frauen neigen dazu, die durch den Vaginismus hervorgerufenen Beschwerden vor dem Partner zu verstecken.

Das führt jedoch häufig zu sexueller Frustration auf beiden Seiten. Auch für Trennungen ist der Vaginismus ein häufiger Grund. Das gilt vor allem dann, wenn der Partner nicht weiß und somit nicht verstehen kann, was mit seiner Partnerin los ist.

Wenn man jedoch über die Beschwerden offen spricht, so nimmt einem das eine schwere Last von den Schultern. Auch der Partner ist dann dazu in der Lage zu begreifen, weshalb sich die Betroffene in einigen Situationen vielleicht seltsam oder gar abwehrend verhält.

Er kann gezielt auf seine Partnerin eingehen und den Druck aus der Sachen nehmen. Alleine das hilft vielen Frauen schon dabei, die Beschwerden zu minimieren.

Viele Frauen, die an Vaginismus leiden, spüren eine starke Hemmung, wenn sie sich selbst mit ihrem Körper auseinandersetzen. Bei dem Versuch zu erforschen, was einem besonders gut tut, können dann vaginale Krämpfe auftreten, wodurch der Intimbereich für sie mehr und mehr zur Tabuzone wird.

Das ist jedoch absolut kontraproduktiv. Für Frauen mit Vaginismus ist es sehr wichtig, dass sie sich selbst und ihre sexuellen Bedürfnisse kennenlernen. Und zwar in Ruhe und ohne Druck. Je vertrauter die Betroffenen mit ihrem Intimbereich werden, desto entspannter kann der Körper und das mentale Verhältnis zu diesem werden.

Wenn es zu einem Scheidenkrampf kommt, ist die richtige Atmung besonders wichtig. In dieser Situation geht es vor allem darum, den Beckenboden wieder zu entspannen. Dabei können verschiedene einfache Übungen hilfreich sein.

Übung:

Lege dich auf den Rücken und versuche deine Beine im rechten Winkel noch oben aufzustellen. Hebe im Anschluss die Füße vom Boden ab und öffne die Beine. Dabei sollte ein großes V entstehen.

In dieser Haltung solltest du für etwas 5 bis 10 Sekunden verharren und kontrolliert ein und aus atmen. Beim Einatmen spannst du den Beckenboden an, während du die Spannung beim Ausatmen bewusst löst. Diese Übung kann 8 bis 10 mal hintereinander wiederholt werden.

DIe sogenannte progressive Muskelrelaxation, kurz PMR, ist ein Verfahren, bei dem man lernt die Muskulatur gezielt anzuspannen und zu lockern. Dabei kommen verschiedene Übungen zum Einsatz. Bei den einzelnen Übungen zur Progressiven Muskelentspannung konzentriert sich die betroffene Patientin gezielt auf die Muskulatur des Beckenbodens.

Diese Muskeln müssen zuerst kräftig angespannt werden. Im Anschluss daran können sie wieder gelockert werden. Die Anspannung und Entspannung sollten bei dieser Übung in einem möglichst gleichbleibenden Rhythmus erfolgen.

Auch das umsichtige Dehnen der Vagina kann dabei helfen, sich langsam an das Eindringen des Penis zu gewöhnen. Zu diesem zwecke nutzt man sogenannte Vaginaldilatoren. Bei einem Vaginaldilator handelt es sich um einen Stab aus Plastik oder Stahl.

Es gibt sie in unterschiedlichen Größen, die von der betroffenen Frau individuell ausgewählt werden können. Bevor mit der Dehnung begonnen wird, sollte aber unbedingt eine gynäkologische Untersuchung erfolgen um sicherzugehen, dass man sich mit der Dehnung nicht schadet.

Die einzelnen Stäbe werden dann vorsichtig in die Vagina eingeführt. Dabei sollte kein Schmerz auftreten. Sobald sich die Scheide an einen Durchmesser gewöhnt hat, kann eine Nummer größer gewählt werden.

Zusammenfassung

Unter dem Begriff Vaginismus versteht man eine unwillkührliche Verkrampfung der Muskulatur des Beckenbodens und der Scheide.  In der Regel werden diese Krämpfe durch psychische Probleme, beispielsweise ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Sexualität, und Ängste vor Schmerz ausgelöst.

Da der Vaginismus selbst zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führt, befinden sich die betroffenen Frauen in einer Spirale aus Angst und Schmerz.

Vaginismus Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Vaginismus

Betroffene

Organe(e):

Vagina

Epidemiologie

  • Lebzeitprävalenz: 20% bis 43%

Risikofaktoren

  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • gestörtes Sexualverhältnis
  • Traumata
  • Partnerschaftsprobleme
  • Depressionen
  • Emotionaler Stress
  • Angst vor einer Schwangerschaft
  • Ablehnung von Penetration
  • Ablehnung des Geschlechtspartners
  • Angst vor Verletzung

Ursachen

  • Partnerschaftsprobleme
  • Depressionen
  • Emotionaler Stress
  • Angst vor einer Schwangerschaft
  • Ablehnung von Penetration
  • Ablehnung des Geschlechtspartners
  • Angst vor Verletzung

Komplikationen

  • Partnerschaftsprobleme
  • Trennung
  • Depression

Diagnose

  • Anamnese
    • Haben sie Missbrauchserfahrungen?
    • Haben sie Probleme in der Partnerschaft?
    • Waren sie schon einmal schwanger?
    • Haben sie Kinder?
    • Hatten sie eine vaginale Geburt?
    • Tritt der Vaginismus kurz vor der Penetration auf?
    • Tritt der Vaginismus auch auf wenn sie sich selbst befriedigen?
  • Körperliche Untersuchung
    • Gynäkologische Untersuchung
    • Vor allem zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Differenzial Diagnose

  • Scheidenentzündung

Therapie

  • Psychotherapie
  • Hilfsmittel
  • Behandlung der Grunderkrankung

Präventionsmaßnahmen

  • Beckenbodentraining
  • Kommunikation mit dem Partner
  • Psych. Behandlung bei Traumata

Mögliche Vorsorgemaßnahmen

  • Beckenbodentraining
  • Kommunikation mit dem Partner
  • Psych. Behandlung bei Traumata

Prognose

  • Prognose ist sehr günstig

Begriffe

Bluthochdruck

Bluthochdruck, auch als "arterielle Hypertonie" bezeichnet, ist die häufigste internistische Erkrankung der Welt, betrifft ca. die Hälfte aller über 50-Jährigen und hat Rauchen, Diabetes, Stress, Adipositas und ein erhöhtes Alter als Risikofaktoren.
Unter dem Begriff Diabetes mellitus versteht man eine Erkrankung, die durch eine Störung des Zuckerstoffwechsels hervorgerufen wird. Betroffene Personen weisen einen mitunter deutlich erhöhten Blutzuckerspiegel auf, der langfristig die Entstehung einer Reihe von Folgeerkrankungen triggern kann.

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