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Seitenstrangangina

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Seitenstrangangina?

Bei der unter der Bezeichnung "Seitenstrangangina" bekannten Erkrankung handelt es sich um eine Sonderform der Rachenentzündung , die vor allem die Lymphknoten im Bereich der seitlichen Rachenwand betrifft. Genauer gesagt betreffen die entzündlichen Prozesse die sogenannten Seitenstränge in der Rachenwand, in der eine Vielzahl lymphatischen Gewebes vorhanden ist.

In den meisten Fällen tritt die Seitenstrangangina nicht als einzelne Krankheit, sondern im Zuge einer banalen Erkältung auf. Die direkte Ursache für die Entstehung einer Seitenstrangangina ist meistens eine Virus-Infektion der oberen Atemwege. Normalerweise befallen virale Erreger zuerst die Nasenschleimhäute, verursachen dort entzündliche Prozesse und breiten sich über den Nasen-Rachenraum bis zu den Seitensträngen aus.

Aus einer eigentlich vollkommen unproblematischen Rhinitis entsteht auf diese Weise eine Rachenentzündung mit erheblicher Schädigung der Schleimhäute. Aufgrund dieses Schleimhautschadens finden bakterielle Erreger ideale Lebensbedingungen vor und können sich ungestört vermehren. Zu den in diesem Zusammenhang wichtigsten Bakterien gehören Streptokokken, Staphylokokken und Pneumokokken.

Bei Personen, die sich wiederholende Episoden der Seitenstrangangina aufweisen, kann zumeist ein Zusammenhang zum regelmäßigen Konsum von Tabak und/oder Alkohol gefunden werden. Darüber hinaus weisen Menschen, die vermehrt durch den Mund atmen und/oder verschiedenen Stäuben ausgesetzt sind, ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Rachenentzündung auf.

Außerdem lässt sich häufig beobachten, dass das Risiko für die Entstehung einer Seitenstrangangina nach der Entfernung der Rachenmandeln deutlich zunimmt. Grund dafür ist die Tatsache, dass krankmachende Erreger durch die Lymphorgane nicht mehr aufgehalten werden können.

Die Betroffenen leiden sehr häufig unter starken Halsschmerzen und einem Kloßgefühl im Hals. Des Weiteren kommt es in vielen Fällen zu hohem Fieber . Eine Seitenstrangangina ist gerade nach dem ersten Einsetzen der Symptome ansteckend. Dies gilt immer vor allem dann, wenn mittels Rachenabstrich bakterielle Erreger nachgewiesen werden können. Einen solchen Abstrich kann ein Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, ein Kinderarzt und jeder Hausarzt entnehmen. Aber auch eine virale Seitenstrangangina ist ansteckend.

Wissenswert

Wird die Seitenstrangangina nur symptomatisch therapiert, so bleibt der betroffene Patient in der Regel über einen Zeitraum von ungefähr fünf Tagen ansteckend. Bei Einleitung einer Behandlung mit Antibiotika geht man von einer Ansteckungszeit von lediglich bis zu drei Tagen aus.

Die eigentliche Übertragung der ursächlichen Erreger von Mensch zu Mensch findet per Tröpfcheninfektion, das heißt beim Husten oder Niesen, statt. Aus diesem Grund ist es ratsam, dass Betroffene während sie ansteckend sind, mit möglichst wenigen anderen Personen in direktem Kontakt stehen.

Was sind die Symptome einer Seitenstrangangina?

Liegt eine Seitenstrangangina vor, so entwickeln die meisten der Betroffenen zuerst Schluckbeschwerden und ein Kratzen im Hals. Im Anschluss leiden sie zumeist unter trockenem Husten , der in einen Reizhusten übergehen kann. Darüber hinaus treten im Zusammenhang mit einer Seitenstrangangina oftmals allgemeine Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit, Unwohlsein und Kopf- und Gliederschmerzen auf. Auch erhöhte Temperaturen bis hin zum Fieber sind bei entzündlichen Prozessen im Bereich der Seitenstränge keine Seltenheit. Aufgrund der anatomischen Beziehung zwischen dem Nasen-Rachen-Raum und den Ohren, erleiden viele der Betroffenen zusätzlich starke, stechende Ohrenschmerzen.

Hinweis

Schaut man sich den Rachen eines an einer Seitenstrangangina Erkrankten genauer an, so zeigt sich eine starke Rötung der Rachenwand. Je nach Ausmaß der Entzündung können auch Schwellungen entstehen. Ein weiterer Hinweis für das Vorliegen einer Seitenstrangangina sind zudem weißliche Beläge entlang der Seitenstränge.

Wegen der Beteiligung der Lymphatischen Abflusswege, verdicken sich die regionären Lymphknoten bei einer Seitenstrangangina sehr schnell. Aus diesem Grund können sie entlang des Halses und am Kiefer einfach ertastet werden.

Vergleicht man diese Symptome mit den Beschwerden, die bei einer einfachen Rachenentzündung auftreten, so erscheint es, als läge kein Unterschied zwischen den beiden Erkrankungen vor. Die Art der für eine Rachenentzündung oder Seitenstrangangina typischen Symptome ist tatsächlich gleich. Allerdings lässt sich beobachten, dass die Intensität sehr stark voneinander abweicht. Sowohl der Husten , als auch die Schluckbeschwerden und Halsschmerzen, sind bei Vorliegen einer Seitenstrangangina deutlich stärker ausgeprägt.

Wenn Kinder an einer Seitenstrangangina leiden, kann diese zu ganz untypischen Symptomen führen. Bei einer Seitenstrangangina im Kindesalter kommt es häufig zu Bauchschmerzen , Übelkeit und Erbrechen . Darüber hinaus leiden betroffene Kinder mitunter an einem Hautausschlag , der an Scharlach erinnert.

Wie wird die Seitenstrangangina diagnostiziert?

Untersuchungen bei Seitenstrangangina

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer Seitenstrangangina gliedert sich in der Regel in verschiedene Schritte:

Zuerst findet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (kurz: Anamnese) statt. Während dieses Gesprächs erfragt der Arzt, welche Symptome beim Betroffenen vorliegen und ob sich deren Intensität durch irgendwelche Maßnahmen steigern oder senken lässt. Schon bei der Beschreibung der vorliegenden Beschwerden kann eine erste Verdachtsdiagnose gestellt werden.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Symptome bei Vorliegen einer Seitenstrangangina den Beschwerden einer einfachen Rachenentzündung nahezu identisch sind. Der Unterschied in der Symptomatik beider Erkrankungen liegt einzig in der Intensität der Beschwerden. Da jedoch jeder Mensch eine andere Wahrnehmung hat, ist es mitunter schwierig, nur auf Grundlage des Arzt-Patienten-Gesprächs zwischen Rachenentzündung und Seitenstrangangina zu differenzieren. Aus diesem Grund wird dem Arzt-Patienten-Gespräch eine körperliche Untersuchung angeschlossen.

Der Arzt hört dabei die Lunge und die Luftröhre ab, tastet nach den Lymphknoten und betrachtet den Rachen. Bei Vorliegen einer Seitenstrangangina zeigt sich dieser als gerötet und übersät mit kleinen Pickelchen.

Darüber hinaus verursachen bakterielle Infektionen einen weißlichen Belag an der Rachenwand.

Die Abklärung, ob es sich um eine bakterielle Infektion handelt, findet im Anschluss an die Untersuchung mithilfe eines Abstrichs. Der Arzt streicht den entzündeten Rachen ab und führt einen Schnelltest durch. Innerhalb von 5 bis 10 Minuten kann das Ergebnis abgelesen werden.

Therapie bei Seitenstrangangina

Eine Seitenstrangangina heilt in den meisten Fällen recht zügig von allein ab. Dies gilt vor allem dann, wenn die entzündlichen Prozesse bei einem immunkompetenten, eigentlich gesunden Erwachsenen auftreten. Sollten die Symptome besonders stark ausgeprägt sein, kann eine symptomatische Behandlung sinnvoll sein. Zu diesem Zwecke kann man verschiedene Medikamente (beispielsweise Paracetamol) gegen die Schmerzen und das Fieber einnehmen. Darüber hinaus kann die Inhalation mit Kochsalzlösung den trockenen Husten lindern.

Die Einnahme von Antibiotika ist bei einer viral hervorgerufenen Seitenstrangangina nicht zielführend. Grund dafür ist die Tatsache, dass Antibiotika schlicht keinen Einfluss auf die Vermehrung und das Überleben von Viren haben. Nur im Falle einer bakteriellen Infektion, die nicht von selbst ausheilt, sollte ein Antibiotikum verschrieben werden.

Hausmittel

Eine Seitenstrangangina muss nicht immer zwangsläufig von einem Arzt therapiert werden. Gerade wenn es sich um eine virale Genese handelt, dient die ärztliche Behandlung ohnehin lediglich der Linderung der typischen Beschwerden. In diesen Fällen können sich die betroffenen Personen häufig auch mit verschiedenen Hausmitteln Abhilfe verschaffen.

Kommt es im Zuge der entzündlichen Prozesse zur Entstehung von Halsschmerzen, können warme Halswickel oder Milch mit Honig lindernd wirken. Viele der Betroffenen empfinden auch die Inhalation von Kamillendämpfen als besonders wohltuend. Im Allgemeinen ist es bei Infekten, nicht bloß bei einer Seitenstrangangina, sehr wichtig, dass auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten sollten. Auf diese Weise können die ursächlichen viralen Krankheitserreger schneller aus dem Organismus entfernt werden. Außerdem wird bei Fieber viel Flüssigkeit verbraucht und eine ausreichende Trinkmenge beugt einer möglichen Dehydratation vor.

Darüber hinaus zählen warme Kräutertees auf Salbei- oder Ingwerbasis zu den am häufigsten angewendeten Hausmitteln von Personen, die an einer Seitenstrangangina leiden. Grund für die Symptom-linderne Wirkung von Kräutertees ist die Tatsache, dass sie die Durchblutung verbessern. Auf diese Weise ermöglichen auch sie es sowohl die ursächlichen Krankheitserreger als auch verschiedene Entzündungsstoffe aus dem Körper auszuschwemmen.

Wie ist die Prognose einer Seitenstrangangina?

Bei einigen der betroffenen Patienten heilt eine Seitenstrangangina von selbst wieder ab, in manchen Fällen wird jedoch die Einnahme eines Antibiotikums notwendig.

Die Erkrankungsdauer hängt dabei sowohl von der Ursache als auch von den Begleitumständen ab. Dabei kann sich die Dauer bis zum Ausheilen der Seitenstrangangina bei viraler oder bakterieller Infektion besonders deutlich unterscheiden kann. Hat ein sonst gesunder Erwachsener eine Seitenstrangangina im Rahmen einer Erkältung , dauert sie unbehandelt meist ein bis zwei Wochen.

Wie kann man einer Seitenstrangangina vorbeugen?

Dem Auftreten einer Seitenstrangangina lässt sich nicht immer vorbeugen. Hygienemaßnahmen helfen jedoch dabei, das Risiko für die Entstehung einer solchen Infektion deutlich zu verringern. Vor allem in den kalten Monaten sollten die Hände regelmäßig und gründlich gewaschen werden. Darüber hinaus kann es helfen, nach dem Kontakt mit möglichen Keimträgern eine Desinfektion durchzuführen.

Zudem kann man durch gesunde Ernährung, Bewegung und eine ausreichende Trinkmenge dazu beitragen, dass die Infektion weniger stark ausfällt. Außerdem kann auf diese Weise auch die Krankheitsdauer oftmals deutlich reduziert werden.

Hinweis

Im Allgemeinen ist immer besser, den Kontakt mit an einer Seitenstrangangina leidenden Personen zu meiden. Wenn dies nicht möglich ist, sollte darauf geachtet werden, dass man nicht angeniest oder angehustet wird. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass Erkrankte und Gesunde Personen nicht aus gleichen Gläsern trinken, vom gleichen Besteck essen oder Ähnliches.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Seitenstrangangina

Warme Halswickel gehören zu den bekannten Hausmitteln, die bei Halsbeschwerden zum Einsatz kommen. Auch Milch mit Honig und die Dampfinhalation mit Kamillentee können die Beschwerden bei Vorliegen einer Seitenstrangangina lindern. Besonders wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszunahme. Auf diese Weise lassen sich die Erreger nämlich besser auszuschwemmen. Auch warmer Salebeitee kann möglicherweise dazu beitragen, dass die Durchblutung gefördert und der Abbau entzündlicher Faktoren gesteigert werden kann.

Zusammenfassung

Bei der unter der Bezeichnung "Seitenstrangangina" bekannten Erkrankung handelt es sich um eine Sonderform der Rachenentzündung, die vor allem Lymphknoten im Bereich der seitlichen Rachenwand betrifft. Die direkte Ursache für die Entstehung eine Seitenstrangangina ist zumeist eine Virus-Infektion der oberen Atemwege.

Seitenstrangangina Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Seitenstrangangina

Epidemiologie

  • meist in Zusammenhang mit einer chronischen Rachenentzündung

Risikofaktoren

  • Rauchen
  • Alkoholkonsum

Ursachen

  • Virusinfektion der oberen Atemwege
  • Bakterielle Suprainfektion

Symptome

  • Schmerzhaftes Schlucken
  • Fieber
  • Schwellung
  • Vergrößerte Lymphknoten
  • Ohrenschmerzen

Komplikationen

  • rheumatisches Fieber
  • Nierenentzündung
  • Myokarditis
  • Endokarditis
  • Perikarditis

Diagnose

  • Anamnese
    • Haben sie Schmerzen beim Schlucken?
    • Haben sie Fieber?
    • Sind ihre Seitenstränge angeschwollen?
    • Sind ihre Lymphknoten vergrößert?
    • Leiden sie an Ohrenschmerzen?
  • Körperliche Untersuchung
    • Sichtkontrolle des oberen Rachenraums
  • Abstrich
    • Rachenabstrich

Therapie

  • Symptomatische Therapie
  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • Stärkung der Immunabwehr
  • gesunde Ernährung
  • Bewegung

Prognose

  • idR nach drei bis sechs Tagen abgeheil

Begriffe

Husten

Als Husten bezeichnet man die Reaktion des Körpers, auf eine Reizung des Rachens oder der Atemwege.
Die Dehydratation, oft chemisch falsch als Dehydrierung bezeichnet, beschreibt den Zustand der Abnahme des Körperwassers eines Organismus.
Wenn ein Mensch, unter Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis) leidet, verspürt er in der Regel ein flaues Gefühl im Bereich des oberen Verdauungstrakts.
Die Rachenentzündung (=Pharyngitis) bezeichnet die Entzündung der Rachenschleimhaut. Sie wird grob eingeteilt in eine akute Form (=akute Pharyngitis) und eine chronische Form (=chronische Pharyngitis).
Unter den Staphylokokken versteht man eine ganz bestimmte Gruppe von Bakterien. Alle Bakterien, die zu der Gruppe der Staphylokokken gehören, sind Katalase positiv.
Eine Erkältung stellt einen grippalen Infekt der oberen Atemwege dar. Sie äußert sich meist in Form von Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder leichtem Fieber.
Ein Hautausschlag ist ein Zustand, den jeder Mensch kennt. Hautausschläge können sich in unterschiedlichster Form, Farbe, Verlauf, Ausprägung und Dauer zeigen.
Unter dem Begriff Bauchschmerzen versteht man Schmerzempfindungen, die sich im Bereich des Ober- und Unterbauchs bemerkbar machen. Für die Entstehung der Schmerzen kann es eine Vielzahl von Ursachen geben.
Als Scharlach wird eine akute, bakterielle Infektionskrankheit bezeichnet, die zwar in jedem Alter auftreten kann, am häufigsten allerdings bei Kindern im Alter zwischen 3 und 12 Jahren zu finden ist.
Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.

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