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Schlaganfall bei Kindern: Was sind Ursachen und Symptome?

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Geschrieben von
Dr. med Danny Jazmati

Viele gehen davon aus, dass das Thema Schlaganfall ausschließlich ältere Menschen betrifft. Tatsächlich ist das jedoch nicht der Fall.

Auch bei jungen Erwachsenen kann es unter bestimmten Umständen zu einem Apoplex kommen. Auch mehrere hundert Kinder erleiden pro Jahr hierzulande einen Schlaganfall . Für die Mediziner stellt das oft eine Herausforderung dar. Auch für die Kinder selbst und deren Angehörige ist ein Schlaganfall in derart jungem Alter ein einschneidendes Ereignis.

Ursachen im Allgemeinen

Ebenso wie bei älteren Apoplex-Patienten kann der Schlaganfall bei Kindern durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden.

Der ischämische Schlaganfall tritt dann ein, wenn ein wichtiges hirnversorgendes Blutgefäß verschlossen ist.

Wissenswert

In den meisten Fällen spielt dabei ein Hämatom, das zu einer Gefäßverstopfung fürt, eine entscheidende Rolle. Ein sogenannter hämorrhagischer Apoplex kommt zustande, weil zum Beispiel ein Aneurysma einer Hirnarterie platzt und eine Blutung im Gehirn hervorruft.

Auch verschiedene Gefäßmissbildungen, beispielsweise die sogenannte AV-Malformation und die damit einhergehende Hirnblutung , können Ursache eines hämorrhagischen Hirninfarkts sein.

Eine weitere besonders wichtige Ursache für die Entstehung eines Schlaganfalls im Kindesalter ist die zerebrale Sinusvenenthrombose. Bei einer Sinusvenenthrombose kommt es zum Verschluss einer Vene des Gehirns, die normalerweise den Blutstrom aus dem Gehirn gewährleisten soll.

Ursachen für einen Schlaganfall im Kindesalter

Die Gründe, die bei jungen Menschen und Kindern zu einem Hirnschlag führen können, sind sehr viel komplexer als bei Erwachsenen. Es bedarf häufig der Zusammenarbeit mehrerer Spezialisten um die direkten Ursachen und damit auch das Risiko für einen erneuten Infarkt zu identifizieren.

Die klassischen Risikofaktoren bei Erwachsenen, wie etwa Bluthochdruck , Übergewicht, erhöhte Blutfette spielen bei Kindern in der Regel überhaupt keine Rolle.

Selbst bei intensiven Bemühungen wird bei lediglich der Hälfte der betroffenen Kinder eine oder sogar mehrere Ursachen für den Hirnschlag identifiziert. Es kann jedoch von immenser Bedeutung für die Wahl der am besten geeigneten Therapiemaßnahmen sein, die Ursache des Infarktes zu kennen. Das Wissen um eben diese Ursache kann zudem dabei helfen zu eruieren wie wahrscheinlich das Auftreten eines weiteren Infarkts ist und ob einem solchen vorgebeugt werden kann.

Die häufigsten Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen eines Hirninfarkts im Kindesalter zählen Arterienfehlbildungen, sogenannte Arteriopathien, karidologische Erkrankungen, chronisch-systemische Krankheiten, akute systematische Krankheiten und Trombophillien.

In einer Vielzahl der Fällen kann während der umfangreichen Diagnostik bei einem Kind mit Apoplex eine zerebrale Arterienfehlbildung nachgewiesen werden. Arteriopathien sind für ungefähr 50 Prozent aller kindlichen Schlaganfälle verantwortlich. Auch diesem Grund ist es mehr als bedenklich, dass sie bis heute häufig in der Diagnostik vernachlässigt werden.

Außerdem lässt sich feststellen, dass einige häufig auftretende Infektionen, wie zum Beispiel die Windpocken, mit einem kindlichen Schlaganfall in Zusammenhang stehen können. Auch eine Meningitis stellt ein Risikofaktor für kindliche Schlaganfälle dar.

Auch Herzfehler und verschiedene Herzerkrankungen stellen einen wichtigen Risikofaktor für Hirnschläge bei jungen Schlaganfall Patienten dar. Schätzungsweise 30 Prozent aller kindlichen Schlaganfälle werden durch kardiologische Ursachen hervorgerufen.

Vor allem die sogenannten embolischen Schlaganfälle spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dabei können Blutgerinnsel, die aufgrund der Herzerkrankungen selbst oder diagnostischer beziehungsweise therapeutischer Prozeduren in Hirngefässe geleitet werden, diese verschliessen.

Besonders häufig verantwortlich sind auch angeborene und erhobene Thrombophilie (Neigung zur Thrombose). Man geht jedoch davon aus, dass eine Thrombophilie alleine nicht zum Schlaganfall bei einem jungen Menschen führt. Wenn es zu einem solchen Ereignis kommt, spielen in der Regel mehrere Faktoren zusammen. In rund 50% der Schlaganfallfälle ist eine Thrombophillie beteiligt. Außerdem gelten erhöhte Thromboseneigungen einen der wichtigsten Risikofaktoren für das erneute Auftreten eines Hirnschlags bei dem betroffenen Kind.

Wissenswert

Ob die Neigung dazu bereits in jungem Lebensalter einen Schlaganfall zu erleiden, auch vererbt werden kann, konnte bis heute noch nicht zur Gänze geklärt werden. Man forscht jedoch seit langem daran, um eine genetische Komponente zu widerlegen oder zu beweisen.

Gesundheitliche Folgen

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass gerade junge Hirne besonderen Schutz vor Schäden aufweisen und außerdem eine hohe Regenerationsfähigkeit aufweisen. Im klinischen Alltag, vor allem bei der Arbeit mit betroffenen Kindern, zeigt sich jedoch, dass gerade in jungen Lebensjahren signifikante Langzeitschäden keine Seltenheit sind.

Sowohl in der Behandlung als auch in der Rehabilitation betroffener Kinder muss stets beachtet werden, dass gravierende Unterschiede zwischen einem Apoplex im Kindesalter und bei einem Erwachsenen bestehen. Diese Unterschiede umfassen die Reifung und Anatomie der hirnversorgenden Gefäße, des zentralen Nervensystems (ZNS), des Immunsystems und der Blutgerinnung.

Darüber hinaus gibt es auch vehemente Unterschiede im Bezug auf die Ursachen eines Schlaganfalls. Die typischen Risikofaktoren, zum Beispiel erhöhte Blutfettwerte, Hypertonie und Adipositas , die bei Erwachsenen eine zentrale Rolle bei der Entstehung eines Apoplex sind, spielen im Kindesalter in der Regel keine Rolle.

Hinweis

Auch die Symptome eines Hirninfarkts können bei betroffenen Kindern sehr viel subtiler ausfallen. Bei Kindern spielen zum Beispiel vor allem Krampfanfälle eine entscheidende Rolle.

Die Tatsache, dass selbst medizinisches Fachpersonal bei einem Kind nicht an einen Schlaganfall denkt und die differenten Anzeichen für eine Ischämie des Gehirns, sorgen zumeist dafür, dass wichtige Zeit verstreicht ohne dass eine adäquate Behandlung eingeleitet wurde. Erst unter der Durchführung einer Magnetresonanztomografie (MRT) lässt sich eine Unterversorgung des Gehirns nachweisen.

Nicht zuletzt sind auch bei der Behandlung von Kindern, die an einem Hirnschlag leiden, besondere Aspekte zu berücksichtigen.

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