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Bild das Sarkopenie veranschaulicht.

Als Sarkopenie (vom griechischen: „Sarx“ = Muskel, Fleisch und „penia“ = Verlust) wird die krankhafte Abnahme von Muskelmasse, -kraft und -leistung im Alter beschrieben. Die Sarkopenie wird damit als sogenanntes geriatrisches Syndromen gesehen (genauso wie z.B. oder Gebrechlichkeit). Die Geriatrie ist ein Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von körperlichen und psychischen Erkrankungen, die mit dem erhöhtem Alter auftreten, befasst.

Der fortschreitende Verlust der Skelettmuskulatur (Sarkopenie) entsteht unter anderem durch degenerative Prozesse (also durch Abbauprozesse von Körpergewebe im Verlauf des Lebens), durch Immobilität bzw. zu wenig Bewegung und Training sowie durch Mangelernährung (vor allem dem Mangel von Eiweiß).

Die Sarkopenie stellt deswegen ein Problem dar, weil es einerseits zu Bewegungsbeeinträchtigungen und damit zu Beschwerden im Alltag kommt und zum anderen, weil die Sturzgefahr und allgemeine Gebrechlichkeit extrem erhöht sind. Bei der Sarkopenie ist die Skelettmuskulatur am ganzen Körper betroffen. Sie ist somit von Krankheitsbildern abzugrenzen, wo z.B. nur eine Muskelgruppe an Masse oder Kraft verliert.

Wissenswert

Obwohl die Sarkopenie eher bei Patienten über 60 Jahren gesehen wird, gibt es auch Einzelfälle von jüngeren Betroffenen. Insgesamt leiden (je nach Literatur und Messmethoden) circa 5-13 % aller 60-70-Jährigen und bis zu 50 % der über 80-Jährigen an einer Sarkopenie.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Sarkopenie?

Ursachen einer Sarkopenie:

Es ist bekannt, dass die Sarkopenie stark mit der Zunahme des Alters im Zusammenhang steht. Man findet einige zugrundeliegenden Entstehungsgründe, der genaue Mechanismus ist allerdings bis heute noch nicht komplett erforscht.

Damit der gesunde Körper ausreichend Muskelmasse produzieren kann, sind viele Prozesse, Strukturen und Abläufe notwendig. Wichtige Komponenten sind:

(Cortison, Insulin, Wachstums- und Schilddrüsenhormone, Sexualhormone,..)

Die Produktion von Eiweißen (sehr wichtig für die Bildung der Muskulatur) kann durch Mangel an Eiweiß in der Nahrung oder körpereigene Entwicklungs-Prozesse gestört sein. Genauso kann auch der Abbau von Eiweißen in Form von Muskelabbau fehlerhaft beschleunigt sein. All diese Dinge führen zu einer Verringerung der Muskelmasse.

Bei manchen Krankheiten führt ein Nervenschaden zum Abbau von Muskelmasse, da die Muskulatur nicht mehr ausreichend angesteuert werden kann.

Wenn die Muskulatur nicht trainiert wird (z.B. Leben in vorwiegend sitzender oder liegender Position), wird immer mehr Muskelmasse verschwinden oder durch Fett ersetzt. Bei eiweißarmer Ernährung können wichtige Nährstoffe für die Bildung von Muskulatur fehlen.

Die Sarkopenie kann je nach zugrundeliegende Ursache in eine primäre und eine sekundäre Form eingeteilt werden. „Primär“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass keine der oben erwähnten Gründe vorliegen, aber trotzdem Symptome einer Sarkopenie (dem Alter geschuldet) entstehen. Als „sekundär“ wird die Sarkopenie beschrieben, wenn ein oder mehrere Ursachen gefunden werden. Oft ist diese Einteilung schwer zu treffen, weil der Verlust der Muskelmasse aus einem Zusammenspiel vieler Gründe entsteht.

Die Mechanismen oder Verhaltensweisen, die als Risikofaktoren für das Entstehen einer Sarkopenie gesehen werden, können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Mangelnde Bewegung (z.B. vorwiegend sitzende Tätigkeiten im Beruf/Alltag oder Immobilisation, z.B. wegen chronischer Erkrankung oder nach Operationen)
  • Mangelernährung (v.a. zu wenig Eiweiß-Aufnahme)
  • Übergewicht bzw. Fettsucht
  • Beeinträchtigung der Hormonproduktion (z.B. Schilddrüsenleiden,..)
  • Chronische oder akute Krankheiten (z.B. Zuckerkrankheit, Krebserkrankungen, Nierenversagen, chronische Lebererkrankungen, Herzerkrankungen)

Im Umkehrschluss kann die Sarkopenie diese Zustände ebenfalls negativ beeinflussen, was einen Teufelskreis zur Folge haben kann.

Was sind die Symptome einer Sarkopenie?

Die Sarkopenie ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die im Normalfall keine plötzlichen Symptome zeigt. Viel mehr schleichen sich immer mehr und mehr Schwierigkeiten und Probleme, die eine Bewältigung des Alltags immer schwieriger machen, ein.

Am auffälligsten ist, dass eine Unsicherheit im täglichen Leben, ein erhöhtes Fall-Risiko, verbunden mit einer Häufung von Knochenbrüchen und generellen Verletzungen und eine Verminderung der Leistungsfähigkeit im Alltag, die sich z.B. durch erhöhte Anstrengung im Haushalt oder bei Hobbys, zeigt.

Darüber hinaus sind aber auch andere Funktionen des Körpers, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind zum Beispiel der Stoffwechsel, Nervenwege oder die Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühl bei Betroffenen einer Sarkopenie beeinträchtigt.

Achtung

Ein Zusammenspiel der Symptome führt im Endeffekt zu einer Behinderung der Alltagsbewältigung, zu einer Verminderung der Lebensqualität und zu einer Erhöhung des Sterblichkeitsrisikos. Deswegen ist die Sarkopenie eine Erkrankung, die therapiert werden sollte – oder noch besser: Deren Entstehung an sich verhindert werden sollte.

Wie wird die Sarkopenie diagnostiziert?

Falls der Verdacht auf einen Muskelabbau im Alter besteht oder typische Symptome auffallen, vor allem wenn weitere Risikofaktoren bestehen, sollte an eine Sarkopenie gedacht werden.

Um eine Diagnose stellen zu können, wird der Arzt in erster Linie ein Anamnesegespräch, also ein Gespräch über die Krankheitsgeschichte führen. Dabei werden Fragen über den aktuellen Zustand, bestehende Beschwerden, den Verlauf des Allgemeinbefindens und Verhaltens und etwaige Einschränkungen oder Bedenken im Alltag, genauso wie über das familiäre und soziale Umfeld, ehemalige berufliche Erfahrungen, Vorerkrankungen und Operationen, das Ess-, Harn- und Stuhlverhalten sowie etwaige weitere auffallende Symptome gestellt.

Danach folgt eine detaillierte körperliche Untersuchung. Hierbei wird der Betroffene von Kopf bis Fuß inspiziert, um zum einen Auffälligkeiten und zum anderen etwaige Ursachen des Muskelabbaus herausfinden zu können.

Um die endgültige Diagnose der Sarkopenie stellen zu können, haben sich einige europäische Arbeitsgruppen zum Ziel gesetzt, Methoden für die Diagnostik zu entwickeln und sind mehr oder weniger zum selben Ergebnis gekommen.

Um von einer Sarkopenie zu sprechen, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

Die Muskelmasse muss unterhalb von zwei Standardabweichungen des Mittelwerts einer gesunden, gleichaltrigen Referenzgruppe liegen. Das heißt, dass die gemessene Muskelmasse geringer sein muss, als bei 95 % der Personen in einer gleichaltrigen Vergleichsgruppe.

Dies wird durch die Gehgeschwindigkeit oder die Handgriffstärke getestet: Ist das maximale Tempo beim Gehen unter 2,9km/h (im Vergleich: normale Geschwindigkeit von Durchschnitts-Bevölkerung: etwa 5km/h) oder die Griffstärke bei Frauen unter 20kg, bei Männern unter 30kg, spricht man von Sarkopenie.

Die Messung der Muskelmasse erfolgt über eine Analyse der Körperzusammensetzung. Dafür werden bildgebende Verfahren, wie eine sogenannte Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA), eine Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie; MRT) oder eine Computertomografie (Schnittbildröntgen, CT) durchgeführt. Die Dual-Röntgen-Absorptiometrie ähnelt in der Durchführung einer normalen Röntgenbildaufnahme. Bei MRT- und CT-Untersuchungen wird der PatientIn aufgefordert, auf einer Liege ruhig zu verweilen, während diese in eine große, röhrenähnliche Maschine geschoben wird.

Je nach Untersuchungstechnik variiert die Dauer der Aufnahme. Ein Problem könnte die Platzangst darstellen, da es in der Röhre eng und je nach Verfahren auch laut ist. Ein genaues Aufklärungsgespräch wird vor jeder Untersuchung durchgeführt und die Möglichkeit die Untersuchung abzubrechen ist ständig gegeben. Auch die Bioimpedanz-Analyse (BIA) ist eine Möglichkeit, die Körpergewebe-Zusammensetzung einfach zu untersuchen. Patienten müssen sich hierbei lediglich auf ein Waage-ähnliches Gerät stellen.

Wissenswert

Die Ganggeschwindigkeit wird im sogenannten „4m-Geh-Test“ gemessen und die Griffstärke über spezielle Kraftsportgeräte.

Therapie bei Sarkopenie

Die Therapiemaßnahmen bestehen in erster Linie aus dem Entgegenwirken des Muskelverlusts. Daraus soll sich im Weiteren eine Verbesserung der täglichen Aktivität, der Lebensqualität, eine Vermeidung von Stürzen sowie eine Erleichterung im Alltag ergeben.

Die wichtigsten Maßnahmen sind also, dem Körper genug Energie und Bauteile für den Muskelaufbau zu geben: Eine Ernährungsumstellung auf Mahlzeiten mit viel Eiweißanteil bzw. gegebenenfalls eine Ergänzung der Nährstoffzufuhr mit spezieller Trinknahrung mit eigens entwickelter, optimaler Zusammensetzung sollte durchgeführt werden. Es wird empfohlen, dass jede Mahlzeit mindestens etwa 25g Eiweiß enthält – bei gleichzeitigem Krafttraining, darf die Eiweißzufuhr auch höher sein. Empfohlene proteinreiche Nahrungsmittel sind zum Beispiel Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Milchprodukte, Getreide (beispielweise Haferflocken), Pilze und einige Gemüsearten (Mais, Bohnen, Erbsen).

Darüber hinaus muss aktiv die Zunahme der Muskelmasse durch gezieltes Krafttraining gefördert werden. Es ist bewiesen, dass Krafttraining nicht nur ein wichtiger Auslöser für den körpereigenen Muskelaufbau ist, sondern auch Nerven, die die Muskeln ansteuern, dadurch trainiert werden im Sinne einer Optimierung der Ansteuerung von Muskelgruppen.

Hinweis

Physiotherapie und Ergotherapie sind gute Ansätze, um ein gezieltes Vorgehen bei Sarkopenie zu erreichen. Auch von einigen Ärztezentren, Physiotherapeuten oder Sportstätten angebotene Kurse, die speziell für Menschen höheren Alters angeboten werden, sind eine gute Option, den ganzen Körper zu trainieren.

Wie ist die Prognose einer Sarkopenie?

Der Verlust der Muskelmasse ist ein Zustand, dem durch ausreichend Training und proteinreicher Ernährung, gut entgegengewirkt werden kann. Da die Sarkopenie aber vor allem über 65-jährige Personen betrifft, finden sich einige spezielle Hindernisse in der Therapie und der Vorbeugung: Bei vielen Personen lässt im Alter der Appetit sowie die Freude an Bewegung generell nach.

Die Behandlung der Sarkopenie erfordert jedoch eine Lebensumstellung, die für einige eine enorme Herausforderung, die ein Beenden von alten Gewohnheiten sowie ein Erlernen von neuen Gewohnheiten mit sich bringt – mehr alltägliche Bewegung, gezieltes Krafttraining und Integrieren von eiweißreichen Mahlzeiten sind die wichtigsten Punkte. Dabei ist der wichtigste Grundsatz, dass schon kleine Veränderungen (z.B. ein paar Schritte pro Tag mehr, ein kurzer täglicher Spaziergang oder einmal mehr die Treppe anstelle des Aufzugs benutzen) eine Besserung der Symptome bewirken! Die Umsetzung gestaltet sich logischerweise oft schwierig.

Hinweis

Falls die täglich notwendigen Maßnahmen (Sport, Ernährung) eingehalten werden, zeigen sich sehr gute Erfolge bei der Behandlung und Vorbeugung der Sarkopenie.

Wie kann man einer Sarkopenie vorbeugen?

Es wurde eine Screeningmethode zur Früherkennung von Sarkopenie für Risikopatienten über 65 Jahre entwickelt:

Zuerst wird der Gehtest durchgeführt: Ist die Gehgeschwindigkeit unter 2,9km/h wird die Muskelmasse über MRT, CT oder DAX gemessen. Ist die Muskelmasse erniedrigt, spricht man von Sarkopenie, falls eine normale Masse an Skelettmuskeln vorhanden ist, kann man eine Sarkopenie ausschließen.

Stellt man beim anfänglichen Gehtest ein Tempo von über 2,9km/h fest, wird die Griffkraft im Anschluss getestet. Ist die Griffkraft normal, wird nicht von einer Sarkopenie ausgegangen. Falls eine Erniedrigung der Griffkraft gemessen wird, muss in weiterer Folge wieder eine Muskelmasse-Messung durchgeführt werden, die entweder normal (=keine Sarkopenie) oder erniedrigt (=Sarkopenie) ist.

Hinweis

Diese Screeningmethode kann helfen, den Muskelverlust möglichst früh zu erkennen und eine Therapie zum Muskelaufbau zu starten, wodurch schwerere Verläufe und Komplikationen vermieden werden.

Noch besser ist die Vorbeugung allerdings, wenn man durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung (wenig Zucker, viel Eiweiß) und ausreichend Bewegung im Alltag eine Sarkopenie gar nicht erst entstehen lässt.

Alternativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten und Haushaltsmittel bei einer Sarkopenie

Die Sarkopenie ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die nicht durch Medikamente geheilt werden kann.

Viel mehr steht eine Lebensstil-Änderung mit einer vermehrten Eiweißzufuhr mit der Nahrung und häufigeren Bewegungsprogrammen und gezielten Kraftübungen im Vordergrund der Therapie. Zur Unterstützung können eigens entwickelte Trinknahrungen, die eine optimale Zusammensetzung an Nährstoffen beinhalten, zusätzlich zu sich genommen werden.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einer Sarkopenie

Optimale Erfolge werden erzielt, wenn die gesetzten Therapiemaßnahmen (eiweißreiche Ernährung, sportliche Aktivität) durch professionelle Teams angeleitet und verfolgt werden. So kann zum Beispiel ein Ernährungsberater bei den Essgewohnheiten unterstützen und ein Physiotherapeut oder Ergotherapeut den sportlichen Fortschritt beobachten und anleiten. Die Regelmäßigkeit der Maßnahmen sind das A und O zur Vorbeugung und Behandlung des Muskelverlusts.

Zusammenfassung

Die Sarkopenie ist vor allem eine geriatrische Erkrankung, also ein Problem des Alters, bei der es durch viele Faktoren zu einem Verlust der Skelettmuskelmasse kommt und damit zu Problemen, die sich schrittweise im Alltag einschleichen: Unsicherheit, erhöhte Sturzneigung, vermehrte Knochenbrüche oder andere Verletzungen, Verminderung der Lebensqualität und verfrühte Sterblichkeit.

Die Diagnose wird durch bildgebende Verfahren zur Ermittlung der Körperzusammensetzung (vor allem des Muskelanteils) sowie durch Kraft- und Gehtests gestellt:

Es müssen eine Abnahme der Skelettmuskelmasse im Vergleich zu einer gleichaltrigen Gruppe sowie ein Gehtempo von unter 2,9km/h oder eine Verminderung der Griffkraft (gemessen an speziellen Kraftgeräten) gegeben sein, um die Diagnose Sarkopenie stellen zu können. Die Therapie besteht in einer Aufnahme von viel Eiweiß durch die Ernährung sowie durch gezieltes Krafttraining und häufigere Bewegung im Alltag.

  • Imhoff, A. 2014. Checkliste Orthopädie. 3 ed.: Thieme.
  • Mader, F. 2018. Allgemeinmedizin und Praxis. 8 ed.: Springer.
  • Neubart, R. 2018. Repetitorium Geriatrie. 1 ed.: Springer.
  • Riedl, B. 2017. Basiswissen Allgemeinmedizin 1ed.: Springer.

Begriffe

  • Inkontinenz

    Menschen, die unter einer Inkontinenz (Harninkontinenz) leiden, können den Harn nicht mehr richtig halten. Aus diesem Grund geht der Harn bei ihnen immer wieder unwillkürlich ab.

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