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Proteus-Syndrom

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Geschrieben von
Jessica Papic (Ärztin)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Proteus-Syndroms?

Bei der unter dem Namen "Proteus Syndrom" bekannten Erkrankung handelt es sich um eine sehr seltene, angeborene Krankheit, die sich durch ein regionales Überwachstum bereits im Kindesalter manifestiert.

Das Proteus Syndrom wird zur Gruppe der asymetrischen Großwuchssyndrome gezählt und zeigt typischerweise ein gesteigertes Wachstum einzelner Strukturen einer Körperhälfte. Es gibt hingegen keine Fälle, bei denne der ganze Körper vom Großwuchs betroffen ist.

Wissenswert

Aktuell sind weltweit lediglich 100 bis 200 Fälle des Proteus Syndroms bekannt. Besonders häufig zeigen sich die Veränderungen an den Zehen, den Füßen, den Fingern oder den Händen.

Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die gesamte Körperhälfte den typischen Überwuchs aufweist. Neben den von außen sichtbaren Auffälligkeiten, können auch die Organe, Blut- und/oder Lymphgefäße besonders groß ausgebildet sein. Aus diesem Grund können bei den Betroffenen wichtige Organfunktionen beeinträchtigt sein. Darüber hinaus bilden sich im Zuge des Proteus Syndroms häufig Tumore aus. Diese Tumore sind zwar meistens gut-, können aber auch bösartig sein.

Die genaue Ursache für die Entstehung des Proteus Syndroms sind bislang nicht geklärt. Man geht aber davon aus, dass unter anderem das sogenannte PENT-Gen, welches auf Chromosom 10 lokalisiert ist, eine entscheidende Rolle spielt. Auch das Chromosom 16 steht als möglicher Verursacher der Erkrankung im Mittelpunkt der Forschung.

Die für die Entstehung des Syndroms verdächtigen Gene codieren allesamt für besonders wichtige Enzyme. Diese Enzyme sind allesamt Bestandteil ein und des selben Signalwegs in den Zellen (Phosphatidylinositol-3-Kinase (PI3K)-AKT-Signalkette), über den letztendlich das Wachstum von Zellen, ihre Reifung (Differenzierung) und ihre Wanderung (Migration) reguliert wird.

Nach derzeitigem Forschungsstand sind am wahrscheinlichsten folgende Gene betroffen:

  • AKT1-Gen (gilt als Hauptursache des Proteus-Syndroms)
  • PTEN-Gen
  • PIK3CA-Gen
  • GPC3-Gen

Da die relevanten Mutationen erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Entwichlung auftreten, existieren im Körper sowohl mutationstragende als auch mutationsfreie Zellen. Im Endeffekt weiß man jedoch bis heute nicht abschließend, wie es zum Proteus Syndrom kommt. Sicher ist hingegen, dass dir ursächliche Mutation erst in einer frühen Phase der Embryonalentwicklung entstehen muss. Auf Grund dieser Annahme steht auch fest, dass das Proteus Syndrom nicht vererbt wird.

Was sind die Symptome eines Proteus-Syndroms?

Personen, die an dem Proteus Syndrom leiden, kommen in der Regel als normale, unauffällige Säuglinge zur Welt. Hinweise auf das Vorliegen eines Überwuchses bestehen zu diesem Zeitpunkt nicht.

Hinweis

Die für das Syndrom typischen Symptome manifestieren sich zumeist erst zwischen dem 6. und dem 18. Lebensmonat. Das prägnanteste Symptom des Proteus Syndroms ist der Überwuchs.

Dieser zeigt sich bei den Betroffenen vor allem an der Haut, den Knochen, den Muskeln, dem Fettgewebe, den Blut- und Lymphgefäßen. Besonders häufig sind davon der Schädel, die Extremitäten und die Fußsohlen betroffen. In vielen Fällen können sich aber auch die Haut-, das Fett- und das Muskelgewebe unverhältnismäßig stark vermehren. Viele der vom Protes Syndrom Betroffenen erleiden enorme und vor allem belastende Veränderungen ihres Körpers.

Typisch für das Proteus Syndrom ist die Ausbildung sogenannter Naevi auf der Haut . Unter dem Begriff "Naevi" versteht man sternförmige, verfärbte Verdickungen im Bereich der oberen Hautschicht. Aus diesem Grund nennt man die Hauterscheinung auch lineare epidermale Naevi. Darüber hinaus kommt es im Zuge des Syndroms zum Auftreten gefurchter Hautveränderungen. Diese Veränderugen erinnern an die Oberflächenstruktur des Gehirns. Besonders häufig betroffen sind davon die Fußsohlen.

Neben den Auffälligkeiten an der Haut, kann auch das Blut- und Lymphsystem der Betroffenen beeinträchtigt sein. Durch diese Veränderungen steigen die Risiken für die Bildung von Blutgerinseln und das Auftreten einer Lungenembolie enorm an.

Das Proteus Syndorm sieht nicht nur schmerzhaft aus, es verursacht den Betroffenen tatsächlich mitunter starke Schmerzen. Durch das übermäßige Wachstum kann es beispielsweise zu einer Einengung verschiedener Nervenbahnen und im Zuge dessen zur Entstehung stärkster Nervenschmerzen kommen. Darüber hinaus sind Knochen- und Muskelschmerzen bei Personen mit Proteus Syndrom keine Seltenheit.

Achtung

Die für das Syndrom typischen Beschwerden betreffen außerdem häufig das Nervensystem (ZNS) und führen dort zu Veränderungen im Gehirn oder an den Hirnhäuten. Auch die beiden Hirnhälften neigen dazu im Zuge des Syndroms an Masse zuzunehmen. Auf Grund dieser Veränderungen leidet eine Mehrzahl der Betroffenen unter Kopfschmerzen, Lähmungen, Krampfanfällen, Entwicklungsverzögerungen oder sogar Intelligenzminderungen.

Wie wird das Proteus-Syndrom diagnostiziert?

Untersuchungen bei Proteus-Syndrom

Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen eines Proteus-Syndroms gliedert sich in der Regel in verschiedene Schritte:

Zu Beginn findet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) statt. Während dieses Gesprächs werden die vorliegenden Symptome erfragt.

Es ist besonders wichtig zu eruieren, wann die Beschwerden auftreten, wie intensiv sie sind und ob sie sich durch irgendwelche Maßnahmen lindern oder intensivieren lassen. Auf Grund der vielfältigen und komplexen Symptome, die auch bei sogenannten proteus ähnlichen Erkrankungen auftreten können, ist es auch für erfahrene Ärze nicht immer einfach das Proteus Syndrom sofort zu erkennen. Um die Diagnose "Proteus Syndrom" stellen zu können, müssen verschiedene Voraussetzunge erfüllt sein.

Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören dabei:

  • keine Vererbbarkeit ersichtlich
  • kontinuierliches voranschreiten der Symptome
  • die Veränderungen nur an einzelne Körperregionen

Sollten diese Voraussetzungen erfüllt sein, so muss geprüft werden, ob auch die folgenden Kriterien auf den Patienten zutreffen.

In diesem Zusammenhang gilt, dass das Proteus-Syndrom als gesichert gilt, wenn neben den  Grundvoraussetzungen zudem:

  • das Kategorie A-Kriterium aufweist: die typischen, hirnförmigen Hautknoten (cerebriform connective tissue nevus, CCTN)

oder

zwei der drei folgenden Kategorie B-Kriterien zeigt:

  • asymmetrischer, dysproportionierter Vergrößerungen von Körperteilen
  • lineare epidermale Naevi
  • spezifische Tumore, die bereits vor dem zweiten Lebensjahrzehnt auftreten

oder

der Patient alle drei der der folgenden Kategorie-C-Kriterien aufweist:

  • Gefäßfehlbildungen
  • unregulierte Bildung von Fettgewebe
  • Veränderungen im Gesicht

Eine Bestätigung des Vorliegens des Proteus Syndroms kann im Anschluss durch einen genetischen Test, bei dem Mutationen nachgewiesen werden, erfolgen.

Therapie bei Proteus-Syndrom

Im Bezug auf die Therapie des Proteus Syndrom ist es wichtig zu begreifen, dass es unter keinen Umständen zu einer Heilung kommen kann. Die Behandlung zielt einzig darauf ab, die im Zuge der Erkrankung auftretenden Beschwerden zu lindern und dabei die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Wichtige Bestandteile der Therapie sind:

  • Physiotherapie/Ergotherapie
  • Wachstumsblockade
  • operative Verfahren (z.B. Amputation)
  • Psychotherapie
  • die Verschreibung nützlicher Hilftmittel

Durch das enorme Wachstum der Extremitäten erleiden die Betroffenen nicht bloß Schmerzen sondern sie werden auch in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Um den Alltag dennoch weitestgehend selbstständig bestreiten zu können, erhalten alle am Proteus Syndrom leidenden Patienten eine gezielte Physio- und Ergotherapie. In Fällen, in denen die großen Röhrenknochen vom Überwachstum betroffen sind, kann deren Wachstum während des Kindesalters ausgebremst werden.

Zu diesem Zwecke ist es notwendig die sogenannten Wachstumsfugen gezielt zu manipulieren. Um das Wachstum zu verhindern, bohrt der Arzt die Wachstumsfuge an, setzt Schrauben ein oder platziert Platten beiderseits der Wachstumsfuge. Die Gliedmaßen können auf Grund des stetig voranschreitenden Wachstums enorme Ausmaße annehmen. Sollten sie deshalb besonders hinderlich werden, so kann den Betroffenen eine Amputation Linderung verschaffen.

Hinweis

Ein besonders wichtiger Pfeiler in der Behandlung des Proteus Syndroms ist die psychologische Begleitung der Betroffenen. Auf Grund der deutlich sichtbaren Veränderungen werden die meisten der Patienten von ihrem Umfeld ausgegrenzt und isoliert. Die gezielte Psychotherapie kann ihnen dabei helfen, ihre Erkrankung besser anzunehmen und ihre Psyche zu stärken. Außerdem lernen sie im Zuge der Therapie, sich in schwierigen sozialen Situationen zu behaupten.

Wie ist die Prognose eines Proteus-Syndroms?

Das Proteus Syndrom ist durch keine der möglichen Behandlungsmethoden heilbar. Durch eine adäquate Therapie ist es lediglich möglich die Beschwerden der Betroffenen zu lindern und deren Lebensqualität zu verbessern. Die Lebenserwartung der am Proteus Syndrom Erkrankten ist deutlich verkürzt.

Wie kann man einem Proteus-Syndrom vorbeugen?

Das Proteus Syndrom wird durch eine bislang nicht vollständig nachvollziehbare Mutation verschiedener Enzyme hervorgerufen. Der Entstehung dieser Erkrankung vorzubeugen ist bislang nicht möglich.

Zusammenfassung

Bei der unter dem Namen "Proteus Syndrom" bekannten Erkrankung handelt es sich um eine sehr seltene, angeborene Krankheit, die sich durch ein regionales Überwachstum bereits im Kindesalter manifestiert. Besonders häufig zeigen sich die Veränderungen an den Zehen, den Füßen, den Fingern oder den Händen. Das Proteus Syndrom ist nicht heilbar und dessen Behandlung dient lediglich dazu die Beschwerden der Betroffenen zu lindern und deren Lebensqualität zu verbessern.

Proteus-Syndrom Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

Medisiegel icon

Proteus-Syndrom

asymmetrisches Großwuchssyndrom

Betroffene

Organe(e):

Skelett

Epidemiologie

  • seltene Erkrankung
  • Prävalenz: <1 / 1 000 000

Ursachen

  • Veränderungen des Erbguts in der Embryonalentwicklung
  • nicht erblich bedingt
  • Veränderung der Phosphatidylinositol-3-Kinase (PI3K)-AKT-Signalkette
  • Mutation im AKT1-Gen
  • Mutation im PTEN-Gen
  • Mutation im PIK3CA-Gen
  • Mutation im GPC3-Gen
  • Mosaik Mutation

Symptome

  • Makrodaktylie
  • Hemihypertrophie
  • Gefäßfehlbildungen
  • Intellektuelles Defizit

Komplikationen

  • multiple Tumore
  • Lungenembolie
  • tiefe Venenthrombose
  • Hemi-Megalenzephalie
  • Venenthrombose
  • bullöse Lungenerkrankung

Diagnose

  • Anamnese
    • Kam ihr Kind ohne Auffälligkeiten zur Welt?
    • Sind die ersten Auffälligkeiten erst nach dem ersten Geburtstag aufgetreten?
    • Sind derartige Veränderungn in ihrer Familie bereits aufgetreten?
    • Betreffen die Veränderungen nur einzelne Körperregionen?
  • Genetische Testung
    • Nachweis der Mutationen

Differenzial Diagnose

  • Neurofibromatose

Therapie

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Operation
  • Medikamente

Präventionsmaßnahmen

  • keine

Mögliche Vorsorgemaßnahmen

  • keine

Prognose

  • Das Proteus Syndrom ist nicht heilbar
  • Die Betroffenen haben eine verkürzte Lebenserwartung
  • Versterben häufig an Lungenembolie

Begriffe

Lungenembolie

Die Lungenarterienembolie ist ein Verschluss einer Lungenschlagader. Betroffene klagen über Brustschmerz, Atemnot, Herzrasen und ggf. (Blut-)Husten. Die häufigste Ursache einer Lungenarterienembolie ist ein Blutgerinnsel, das in den Beinvenen entstanden ist und in die Lunge verschleppt worden ist.

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