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Prolaktinom

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Geschrieben von
Agsin Kjasimov (Arzt)

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Prolaktinoms?

Das Prolaktinom gehört zu der Gruppe der Hypophysentumore. Dabei handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Geschwülsten der Hirnanhangsdrüse, die sich klinisch und symptomatisch unterschiedlich kenntlich macht.

Wissenswert

Das Prolaktinom ist der häufigste gutartige, hormonaktive Hypophysentumor. Betroffen sind epidemiologisch fünfmal so viele Frauen wie Männer. Dabei tritt dieser Tumor am häufigsten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Ingesamt genommen machen Hypophysentumore rund 10% aller Hirntumore aus.

Es stellt sich nun die Frage, welche Funktion hat Prolaktin in physiologischen Prozessen. Es gehört zu den Hormonen, die in der Hypophyse des Hirns produziert werden. Prolaktin führt, wie der Name bereits suggeriert, zur Laktation (Produktion und Sekretion von Muttermilch in den Milchdrüsen) und Wachstum der Brust der Frau während der Schwangerschaft. Kommt es nun zu einem gutartigen übermäßigen Gewebewachstum der Hypophyse wird zu viel Prolaktin produziert (Prolaktinom).

Dieser laborchemische Zustand im Blut wird Hyperprolaktinämie bezeichnet welches zur Produktion und Sekretion von Muttermilch (Galaktorrhoe) außerhalb der Stillperiode führt. Weiterhin kann der hohe Spiegel von Prolaktin im Körper im Rahmen eines Feedback-Mechanismus zur Hemmung von Geschlechtshormen (FSH= Follikelstimulierendes Hormon, LH= Luteinisierendes Hormon), die auch in der Hypophyse produziert werden. Dies kann zu Störungen der Bildung von Testosteron beim Mann und Östrogene bei der Frau führen und mit seelischen und körperlichen Veränderungen einhergehen.

Die Ursachen für die Entstehung eines Prolaktinoms sind einerseits idiopathisch (ohne erkennbare Ursache) und andererseits im Rahmen eines sogenannten MEN-1-Syndroms (Multiple Endokrine Neoplasien, die erblich bedingt zu (bösartigen) Neubildung in unterschiedlichen Hormondrüsen führen).

Eingeteilt wird das Prolaktinom in ein Mikroprolaktinom (ca. 70% der Fälle, bei einer Größe von weniger als 1 cm) sowie in ein Makroprolaktinom (ca. 30% der Fälle,  bei einer Größe von mehr als 1 cm).

Was sind die Symptome eines Prolaktinoms?

Die Symptome orientieren sich nach dem Funktionsbereich des Prolaktins bei physiologischen Verhältnisse. Diesen sind dann übermäßig gesteigert.

Die Hyperprolaktinämie führt über die Hemmung der Geschlechtshormone zu  folgenden klinischen Auffälligkeiten:

  • bei Frauen: lange Menstruationszyklen (Oligomenorrhoe) bis hin zum Ausbleiben der Regelblutung (sekundäre Amenorrhoe ); der Eisprung findet aufgrund des Mangels von LH ("Eisprungs-Hormon") nicht statt; entsprechend reduzierte/fehlende Fruchtbarkeit; durch die Volumenzunahme der Brüste: Spannungsgefühl der Brust; Milchfluss; Verlust/Veränderung der sexuellen Lust (Libido); durch den langfristigen Mangel von Östrogen ggf. reduzierte Stabilität der Knochen (Osteoporose ).
  • bei Männern: Verlust von sexueller Lust (Libido)/ Potenz; in seltenen Fällen kann das Prolaktin auch indirekt durch Hemmung der testosteron-bildenden Hormone LH und FSH zum Wachstum der Brust führen (Gynäkomastie mit zusätzlichem Milchausfluss (Galaktorrhoe)).

Hinweis

Durch die Raumforderung können bei Reizung der Hirnhäute ab einer gewissen Größe auch Kopfschmerzen auftreten. Durch die besondere Lage der Hypophyse, geht das Größenwachstum auch mit Ausfälle der Sehfähigkeit einher. Die Hypophyse liegt unmittelbar oberhalb der Kreuzung der Sehbahn des linken und des rechten Auges. Der Druck eines Prolaktinoms auf diese Kreuzungsstelle kann zu Gesichtsfeldausfällen jeweils des seitlichen Sichtfeldes führen (ein sogenanntes Scheuklappenphänomen). Zusätzlich kann es zu allgemein zu schlechtem Sehen kommen.

Wie wird das Prolaktinom diagnostiziert?

Die Diagnostik erfordert meist je nach primär auftretenden Symptomen eine allgemeinärztliche, neurologische oder urogynäkologische körperliche Untersuchung.

Da eine Reihe von Medikamenten bekannt sind den Prolaktinspiegel zu erhöhen, muss zwingend nach der Einnahme solcher Wirkstoffe, wie zum Beispiel Antipsychotika eingangs gefragt werden. Sind dahingehend keine Hinweise vorhanden, sollte eine laborchemische Diagnostik bemüht werden.

Hierbei ist die Bestimmung des Prolaktinspiegels die vordergründige Rolle. Dabei ist es wichtig, dass der Wert mehrmals bestimmt wird. Liegt dieser nach mehrmaliger Bestimmung wiederholt >200 ng/ml ist recht sicher von eine Prolaktinom auszugehen. Bei Unklarheiten kann auch ein Prolaktin-Stimulationstest mit der Gabe eines Wirkstoffes (Metoclopramid) nähere Hinweise.

Achtung

Notwendig ist auch stets eine bildgebende Diagnostik mittels einer Magnetresonanztomografie. Ist dies aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich kann auch eine CT- Untersuchung erfolgen. Zusätzlich empfehlen medizinische Leitlinie die Bestimmung restlicher Hypophysenfunktionen wie Geschlechts- und Schilddrüsenhormone beispielsweise.

Therapie bei Prolaktinom

Therapeutisch können zwei Strategien verfolgt werden. Zunächst wird die Indikation und der Beginn einer medikamentösen Therapie empfohlen. Dabei werden Wirkstoffe eingesetzt, die das Dopamin erhöhen. Der Hintergrund dieser Strategie ist, dass Dopamin die Ausschüttung von Prolaktin in der Hypophyse hemmt. Die dabei eingesetzten Substanzen heißen beispielsweise Bromcriptin oder Cabergolin.

Diese Therapie führt in 95% der Fälle zu normalen Prolaktinspiegeln und zur Verkleinerung des gutartigen Tumors. Entsprechend ist zu erwarten, dass die Gesichtsfeldausfälle ebenfalls zurückgehen. Ist dies nicht ausreichend der Fall, werden operative Maßnahmen empfohlen.

Dabei wird neurochirurgisch über das Nasenloch die Hypophyse erreicht und dort das Adenom abgetragen. Dieses Verfahren kann bei frustraner medikamentösen oder bei Unverträglichkeit der Medikamente zum Einsatz kommen.

Wie ist die Prognose eines Prolaktinoms?

Die Prognose ist gut und das gewünschte Ziel der Symptomlinderung oder Verschwinden der Symptome wird bereits medikamentös erreicht. Bei Scheitern dieses Verfahrens kann den meisten Patienten neurochirurgisch definitiv geholfen werden. In nur seltensten Fällen muss bei fehlgeschlagener medikamentöser und operativer Therapie eine Bestrahlung erfolgen.

Die Prognose ist insbesondere daher gut, da es sich um einen gutartigen Tumor handelt.

Zusammenfassung

Das Prolaktinom ist ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse, der sogenannten Hypophyse. Symptomatisch und klinisch auffällig wird dieser durch hormonellen Veränderungen. Therapeutisch besteht zunächst die Möglichkeit der medikamentösen Intervention. Bei Versagen kann transnasal die neurochirurgische Entfernung erfolgen.

Häufig gestellte Patientenfragen, beantwortet

Ein Prolaktinom kann zu ernstzunehmenden Symptomen und neurologischen Ausfällen führen. Daher ist eine entsprechende Therapie angeraten. Allerdings ist die Gefährlichkeit als solches aufgrund seiner Gutartigkeit als gering einzuschätzen.

Prolaktinome sind gutartig. In äußerst seltenen Fällen kann das Adenom zu einem Karzinom sich entdifferenzieren. Dies ist in wenigen Fällen beschrieben.

Das Prolaktinom macht 10 % aller Hirntumore aus. Die Inzidenz liegt bei ungefähr 3 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr (die Zahlen sind bezogen auf Deutschland).

Einerseits unterliegt der Prolaktinspiegel einem Tag-Nacht-Rhythmus. In der zweiten Nachthälfte kommt es zur höchsten Ausschüttung des Prolaktins. Außerdem ist die Höhe der Ausschüttung vom Alter und damit dem Reproduktionsstatus der Frau abhängig. Vor der Pubertät ist der Spiegel recht niedrig. Nacht dem Eisprung und damit in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus ist die höher und am Ende der Schwangerschaft sowie nach der Geburt ist sie am höchsten. Nach der Geburt führt das Säugen des Kindes zu vermehrter Ausschüttung.  Auch Stress kann die Ausschüttung erhöhen.

Hohe Prolaktinwerte führen zu Veränderungen des Hormonhaushalts. Diese führen zu entsprechenden Veränderungen bei Patienten, die die Lebensqualität (deutlich) einschränken können. Daher ist die Behandlung notwendig.

Die Wahrscheinlichkeit mit einem hohen Prolaktinwert schwanger zu werden, ist aufgrund der Hemmung von Hormonen durch das hohe Prolaktin, die für die Vorbereitung und den Erhalt der Schwangerschaft notwendig sind, eher unwahrscheinlich.

Diese Frage lässt sich nach aktuellem wissenschaftlichen Stand nur mit Vorsicht beantworten. Einige kleinere Studien legen nahen, dass Lebensmittel mit B-Vitaminen sowie Zink den Prolaktinspiegel senken können. Darunter sind das Meeresfrüchte, Lachs, Kartoffeln, Rindfleisch sowie Bananen und Bohnen.

Prolaktinom Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Prolaktinom

Epidemiologie

  • Prävalenz: 1:1.600

Ursachen

  • Teilung hormonproduzierender Zellen
  • Hormonüberschuss

Symptome

  • Hitzewallungen
  • Scheidentrockenheit
  • Libidoverlust
  • Ausbleiben der Regelblutung
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörung

Komplikationen

  • Osteoporose
  • Frakturen

Diagnose

  • Anamnese
    • Leiden sie an Hitzewallungen?
    • Leiden sie an Scheidentrockenheit?
    • Hat ihr Interesse an Sex deutlich nachgelassen (Libidoverlust)?
    • Ist ihre Regelblutung ausgeblieben?
    • Haben sie häufig Kopfschmerzen?
    • Leiden sie an Sehstörungen?
    • bei Männern: Haben sie Potenzprobleme?
  • Laboruntersuchung
    • Blutuntersuchung: Hormonstatus (v.a. Prolaktin)

Laborwerte

  • Prolaktin Erhöht

Therapie

  • Watch and Wait
  • Medikamente
  • Strahlentherapie
  • Operation

Mögliche Vorsorgemaßnahmen

  • Regelmäßige Kontrollen um bei Hormonanstieg rasch reagieren zu können.

Prognose

  • oft vollständige Heilung ohne OP möglich

Begriffe

Amenorrhoe

Wenn die monatliche Regelblutung bei einer Frau ausbleibt (Amenorrhoe), kann das verschiedene Gründe haben. Diese Gründe können vollkommen unbedenklich oder Hinweis einer Erkrankung sein.
Eine Gynäkomastie ist eine Vergrößerung der Brust oder der Brüste bei einem Mann. Sie wird durch ein Ungleichgewicht des Hormonverhältnis zwischen Östrogen (weibliches Geschlechtshormon) und Testosteron (männliches Geschlechtshormon) verursacht.
Die Osteoporose ist eine Erkankung, die durch eine verminderte Knochendichte bzw. Knochenmasse gekennzeichnet ist. Sie wird in die primäre und sekundäre Form der Osteoporose differenziert.

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