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Polio

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren eines Polio-Virus?

Das Polio-Virus zählt zu den Entero-Viren. Der einzige Wirt, den der Erreger befällt, ist in diesem Fall der Mensch. Entero-Viren zeichnen sich durch eine Übertragung aus, die überwiegend fäkal-oral stattfindet. Fäkal-oral meint dabei eine Übertragung über den Magen-Darm-Trakt durch Kontakt mit infiziertem Kot, also als Schmier-Infektion.

In seltenen Fällen ist auch die Übertragung über den Weg der Tröpfchen-Infektion bekannt. Die Erkrankung kommt weltweit vor, besondere Risikogebiete sind Pakistan, Afghanistan und mehrere Länder Afrikas. Am häufigsten sind Kleinkinder und junge Erwachsene betroffen. Durch die verfügbare Impfung kommt dieses Erkrankungsbild seltener vor.

Wissenswert

Eine Ansteckungsgefahr besteht in diesem Fall so lang, wie das Virus ausgeschieden wird. Im Sekret der Lunge beträgt dieser Zeitraum circa eine Woche. Eine Ansteckungsmöglichkeit über den Stuhl besteht in der Regel für mehr als 6 Wochen. Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen vergehen durchschnittlich 3 bis 35 Tage.

Was sind die Symptome eines Polio-Virus?

In 90 Prozent der Fälle verläuft die Infektion ohne äußerlich wahrnehmbare Symptome. Der Körper bekämpft die Erkrankung mit neutralisierenden Antikörpern von sich aus erfolgreich.

Wird der Erreger aber einmal über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, kann er sich aber Umständen auch im Darm vermehren und ins Blut übertreten. Von dort aus kann es zum Befall des Rückenmarks kommen. Dort richtet das Virus vor allem Schäden an Teilen der Nerven-Verbindungen an, die für willentliche Bewegungen zuständig sind. Infolge kann es zu Lähmungen kommen.

Achtung

Es kann zur Entzündung des Gehirns und Rückenmarks und der Hirnhäute kommen. Des Weiteren kann es zu Wirbelsäulen-Problemen kommen (zum Beispiel Skoliose/Verkrümmung). Durchblutungs- und Hauternährungsstörungen können ebenfalls auftreten.

Unspezifische Symptome, wenn Gehirn und Rückenmark nicht betroffen sind:

Sind das Gehirn und das Rückenmark, also das zentrale Nervensystem, nicht betroffen, dann kommt es häufig für ein bis drei Tage zu unspezifischen Symptomen. Zu diesen unspezifischen Symptomen zählen Durchfall , Übelkeit, Erbrechen, Fieber , Hals-, Kopf- und Muskel­-Schmerzen.

Poliomyelitis, wenn Gehirn und Rückenmark betroffen sind:

Man unterscheidet bei der Poliomyelitis zwei Formen. Die Nicht-Paralytische Poliomyelitis und die Paralytische Poliomyelitis.

Nicht-Paralytische Poliomyelitis:

Die Nicht-Paralytische Poliomyelitis bezeichnet man auch als nicht-septische Hirnhautentzündung und ist bei zwei bis vier Prozent aller Poliomyelitis-Erkrankungen vorzufinden. Dazu kommt es zu Krankheitsbildern wie Rückenschmerzen und Muskelkrämpfen.

Sehr oft tritt auch Kraftlosigkeit beziehungsweise ein Kraftverlust der Halsmuskulatur auf. Das sogenannte „Head-Drop“-Zeichen ist bei der nicht-septischen Poliomyelitis häufig anzutreffen und zeigt sich durch ein Zurückfallen des Kopfes. In dieser Form kommt es nicht zu Lähmungen.

Paralytische Poliomyelitis

Die Paralytische Poliomyelitis ist mit einer Häufigkeit von bis zu einem Prozent seltener als die nicht-Paralytische Poliomyelitis. Sie ist gekennzeichnet durch schlaffe, asymmetrische Lähmungen, welche innerhalb von Stunden bis Tagen auftreten. Diese Lähmungen sind am häufigsten an den Beinmuskeln, kommen aber auch an den Muskeln von den Armen, dem Bauch, den Augenmuskeln und den Muskeln des Brustkorbs vor.

Leider bilden sich meistens die Lähmungen nach der Infektion nicht vollständig zurück. In besonders schwerwiegenden Fällen können die Lähmungserscheinungen als aufsteigende Form bis zur Zwerchfelllähmung führen.

Durch eine Zwerchfelllähmung ist die Atmung extrem erschwert und dabei kommt es meist in kürzester Zeit zu einem Stillstand der Atmung. In diesem Fall ist der Krankheitsverlauf leider sehr häufig tödlich. Zu einer solchen Atemlähmung kann es durch Schäden des Virus im Gehirn kommen.

Verlaufs- und Sonderformen

Post-Poliomyelitis-Syndrom (Postpolio-Syndrom, PPS)

Beim Post-Poliomyelitis-Syndrom handelt es sich um eine häufige Folgeerscheinung durch eine durchgemachte Poliomyelitis-Erkrankung. Das Syndrom betrifft vermutlich ungefähr 50 % aller infizierten Personen.

Es kommt dabei vereinfacht gesagt zur Überlastung und Rückbildung von eigentlich noch gesunden Nervenzellen, die Muskeln versorgen und versuchen, die ausgefallenen Nerven zu ersetzen. Das Syndrom kann nach 10 bis 30 Jahren auftreten. Dabei kommt es im Verlauf dann zunehmend zu Muskelschwund, Ermüdungserscheinungen und Schmerzen.

Wie wird das Polio-Virus diagnostiziert?

Beim Verdacht auf eine Poliomyelitis sollte stets versucht werden, die Erkrankung bzw. den Erreger nachzuweisen. Am besten zum Nachweis geeignet sind Stuhlproben und ggf. Rachen-Abstriche.

Eine Diagnose kann aber auch durch eine Hirnwasser Untersuchung möglich werden. Ab ungefähr 36 Stunden nach Krankheitsbeginn ist der Erreger so nachweisbar. Ebenfalls geeignet ist die PCR (Suche nach Erbinformationen des Virus im menschlichen Körper).

Therapie bei Polio-Virus

Gegen Kinderlähmung gibt es leider bisher keine ursächliche Therapie. Eine Linderung der Beschwerden kann durch Schmerztherapie erreicht werden. Betroffene sollten außerdem unbedingt Bettruhe einhalten.

Zusätzliche Therapieansätze hängen von der jeweiligen Verlaufsform und eventuellen Komplikationen ab. Langfristig besteht meist ein andauernder Bedarf an physiotherapeutischer und orthopädischer Mitbehandlung. Mitunter können Orthesen die Bewegungsfähigkeit von Betroffenen verbessern.

Wie ist die Prognose eines Polio-Virus?

Die Prognose unterscheidet sich danach, ob der Verlauf ohne Symptome vonstattenging, mit Symptomen aber ohne Beteiligung von Gehirn und Rückenmark oder mit Symptomen und Befall von Gehirn und Rückenmark.

Die folgenlose Ausheilung kann sowohl bei Verläufen ohne Symptome oder Erkrankungen mit Symptomen, aber ohne Befall des Gehirns und Rückenmarks erfolgen. Bei den Verläufen mit Symptomen und ohne Beteiligung von Gehirn und Rückenmark ist allerdings auch ein Übergang in Poliomyelitis mit Einbeziehung von Gehirn und Rückenmark möglich. Das wirkt sich dann wesentlich verschlechternd auf die Prognose aus.

Post-Poliomyelitis-Syndrom (Postpolio-Syndrom, PPS): Hier ist die Prognose unklar.

Wie kann man einem Polio-Virus vorbeugen?

Am besten kann man einer Erkrankung an Kinderlähmung vorbeugen durch eine Impfung mit einem Totimpfstoff. Die Impfung erfolgt bevorzugt als Kombinations-Impfung mit anderen Impfstoffen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung ab dem Alter von 2 Monaten.

Die Impfung erfolgt als 3-malige Gabe (Grund-Immunisierung) jeweils im Alter von 2, 4 und 11 Monaten. Circa im Alter von 16 Jahren wird die Impfung letztmalig aufgefrischt. 

Danach nimmt man Immunität an. Weitere Auffrischungs-Impfungen aller 10 Jahre sollen nur berufsbedingt oder bei erhöhtem Risiko durch Reisen erfolgen. Maßnahmen zur Risiko-Reduktion sind gründliches Hände-Waschen, ggf. mit Desinfektion bei Infizierten, Einhaltung hygienischer Maßnahmen bei der Zubereitung von Speisen, Verzehr von gekochten Speisen und geschältem Obst.

Vorbeugende Maßnahmen können bei Personen mit direktem Kontakt zu Erkrankten getroffen werden: Das ist eine erneute Impfung (Postexpositionelle Impfung), sowie eine einmalige Stuhl-Untersuchung zur Abschätzung des Ausscheider-Status. Beide Maßnahmen erfolgen unabhängig vom aktuellen Impfstatus.

Empfehlungen zur Nachsorge bei einem Polio-Virus

Ob Nachsorgeuntersuchungen notwendig sind, hängt davon ab, ob es zu Komplikationen während der Erkrankung kam. Die Nachsorge wird in der Regel dann nötig, wenn Komplikationen eingetreten sind. Dann soll sie der Herstellung der ursprünglichen Leistungsfähigkeit bzw. der Linderung von noch bestehenden Beschwerden dienen.

Langfristig besteht meist ein andauernder Bedarf an physiotherapeutischer und orthopädischer Mitbehandlung bei symptomatischen Verläufen.

Zusammenfassung

Kinderlähmung, auch Poliomyelitis genannt, ist eine Erkrankung des Kindes- und jungen Erwachsenenalters, die aufgrund von Lähmungserscheinungen tödlich verlaufen kann. Der verursachende Virus ist weltweit verbreitet, Infektionen und Krankheitsausbrüche finden jedoch inzwischen durch eine gut wirksame Impfung nur noch sehr selten statt.

Kinderlähmung Karteikarte

Erkrankung zusammengefasst

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Kinderlähmung

Poliomyelitis

Betroffene

Organe(e):

ZNS

Epidemiologie

  • 80% der Weltbevölkerung lebt heute in Regionen, die als frei von Kinderlähmung gelten
  • 155 gemeldete Fälle im Jahr 2019
  • Reduktion der Fälle um 99%

Risikofaktoren

  • unterlassene Impfung

Ursachen

  • Infektion mit Polio-Viren

Pathophysiologie

  • orale Aufnahme der Viren > Vermehrung im GIT > Befall der Blutbahn > ggf. Befall des ZNS (graue Substanz des RM) > Zerstörung der Motoneurone > Paresen

Symptome

  • Fieber
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Steifer Nacken
  • Rückenschmerzen
  • Lähmungen

Komplikationen

  • Lähmungen

Diagnose

  • Anamnese
    • Leidet ihr Kind an Fieber?
    • Klagt ihr Kind über Übelkeit?
    • Muss ihr Kind sich übergeben?
    • Hat ihr Kind Durchfall?
    • Leidet ihr Kind an einem steifen Nacken?
    • Gibt ihr Kind Rückenschmerzen an?
    • Kann ihr Kind die Arme anheben?
    • Kann ihr Kind die Beine bewegen?
    • Leidet ihr Kind unter Lähmungserscheinungen?
  • Laboruntersuchung
    • Stuhlprobe oder Liquorprobe zur Erregerdiagnostik
  • Abstrich
    • Rachenabstrich

Differenzial Diagnose

  • Meningitis
  • Guillain-Barré-Syndrom

Therapie

  • Konservative Behandlung
  • Symptomatische Therapie

Prognose

  • abhängig von der Verlaufsform

Begriffe

Durchfall

Durchfall gilt im eigentlichen Sinne als Symptom und stellt eigentlich keine eigenständige Erkrankung dar. Es gibt diverse auslösende Erkrankungen, die Durchfall als Symptom zeigen können.
Von Fieber spricht man immer dann, wenn die Körpertemperatur über das normale Maß hinaus erhöht ist. Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,0 und 37,4 Grad Celsius.
Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Erkrankungen, wegen denen Patienten einen Arzt aufsuchen. Es ist davon auszugehen, dass beinahe jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben mit Schmerzen im oberen oder unteren Rücken zu kämpfen hat.

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